Warum man mit den Rechtspopulisten nicht reden kann

rechtsDas bringt Roland Nelles in einer Spiegel-Online-Glosse auf den Punkt.

Punkt 1:

Das eigentliche Problem an den Protestierenden in Dresden ist, dass sie selbst keine Demokraten sind. Sie definieren Deutschland offenkundig nicht als Rechts- und Wertegemeinschaft. Das Wort Verfassungspatriotismus ist ihnen dem Sinn nach fremd. Für sie und ähnlich denkende Protestler ist Deutschland zuerst eine Volksgemeinschaft, in der nur derjenige Rechte haben soll, der dem deutschen Volk durch Geburt (und Blut) angehört. So verstehen sie ihren Ruf “Wir sind das Volk”. Er schließt den Flüchtling aus, aber letztlich auch jeden anderen, der nicht so aussieht oder denkt wie sie selbst.

Würden diese Leute das Land regieren, wäre es mit dem Pluralismus und der freien Meinungsäußerung wohl bald vorbei. Denn Pegida-Demonstranten, AfD-Sympathisanten und Facebook-Pöbler sind eben keine besorgten Bürger, sondern Menschen mit einem nationalistischen, autoritären und völkischen Staatsverständnis.

Punkt 2:

Entlarvt werden die angeblich nur “besorgten” Bürger durch ihre Sprache: Der zentrale Begriff, der immer wieder in den rechtsradikalen Foren und bei Protesten auftaucht, lautet “Volksverräter”. Er wurde in Dresden den demokratisch gewählten Politikern entgegengerufen. Er entspringt demselben Denken, das die AfD-Vorsitzende Frauke Petry dazu veranlasst hat, unlängst in einem Interview zu erklären, der Begriff “völkisch” solle wieder positiv besetzt werden.

Wer so redet, hat entweder keinerlei aufgeklärte politische Bildung genossen oder ist ein Anti-Demokrat. Oder beides. Als “Volksverräter” wurden nach dem Ersten Weltkrieg von Rechtsextremen erst all jene Demokraten betitelt, die sich für einen Frieden stark gemacht hatten und für die Weimarer Republik eintraten. Dann führten die Nazis den Begriff ins Strafrecht ein. Fortan konnte jeder als Volksverräter verurteilt werden, der sich gegen die rassisch definierte Idee der “Volksgemeinschaft” auflehnte. Schon die kleinste missliebige Äußerung gegen das NS-Regime war mithin “Volksverrat”. In diesem Sinne müsste man den Dresdner Demonstranten entgegenrufen: Wenn ihr mich Volksverräter nennt, bin ich es gerne.

Resümee:

AfD und Pegida sind groß geworden, weil sie sich einen bürgerlichen Anstrich geben, dabei verbirgt sich hinter der Fassade eben auch der alte braune Sumpf. Und: Rassisten müssen Rassisten genannt werden, Nazi-Vokabular muss Nazi-Vokabular genannt werden.

Ich füge einen wesentlichen Punkt hinzu:

Die Rechtspopulisten leben in einer “postfaktischen” Welt. Fakt ist nur, was ihnen ins Konzept passt.

Zum Beispiel: Wenn man sie auf die seit Jahrzehnten abnehmende Kriminalitätsbelastung, also auf die gestiegene Sicherheit hinweist und dafür die Polizeistatistik als Beleg anführt, ignorieren sie das.

Wenn man sie auf den sichtbaren Erfolg des multikulturellen Zusammenlebens in einer Stadt wie München hinweist, nehmen sie das nicht einmal zur Kenntnis.

Es passt nicht in ihr Konzept.

Wie soll man mit jemandem reden (und debattieren) können, dem Fakten egal sind?

Ein zweiter Punkt, den ich hinzufügen muss:

Für die Rechtspopulisten sind wir “Gutmenschen”. Also von vorne herein kein Gesprächspartner.

Ein Gespräch mit Rechtspopulisten findet insofern grundsätzlich nicht statt. Was von Rechtspopulisten kommt: Sie hämmern auf uns ein, und ihre Worte sind voller Hass, Verachtung und Aggression.

Ich schalte dann auf “strategisches Verhalten”.

Ich mache das bei Rechtspopulisten so, wie ich es auch bei Salafisten mache. Oder bei Erdo-Türken. Bei politischen Spinnern aller couleur.

 

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