Die Leitkultur-CSU. – Leitkultur – ein Versuch, den Begriff konstruktiv zu fassen (16)

multikulturFortsetzung des Artikels vom 4. Oktober

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Die Leitkultur umfasse neben der freiheitlichen demokratischen Grundordnung auch „jene kulturellen Errungenschaften, denen unsere Verfassungsordnung überhaupt erst ihre Plausibilität verdankt“, heißt es weiter:

„Dazu gehören die Trennung von Staat und Religion, die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die Wertschätzung des Strebens nach selbst definiertem Lebensglück, der dauernde, verantwortungsvolle Umgang mit persönlicher Freiheit.

Das alles stiftet jenes Vertrauen, in dem eine gelebte Verfassung wurzelt.“

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Wem sagt die CSU das?

Den Einwanderern?

Ich vermute, sie sagt es nicht den Einwanderern und Flüchtlingen, sondern ihren potenziellen Wählern.

Aber sie tut so, als ob sie das den Einwanderern und Flüchtlingen sagt.

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Warum nehme ich das an?

Weil diese Sätze, diese Forderungen nicht politisch implementierbar sind. Die CSU macht keinerlei Anstrengung, uns zu zeigen, wie wir denn das, was da gefordert wird, praktisch in die Köpfe und in die Verhaltensweisen derer hineinbekommen, die nicht von Haus aus schon so eingestellt sind.

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Kann man einen Test mit denen machen, die sich um Einwanderung und Flüchtlingsstatus bewerben, und in diesem Test dann prüfen, ob die vier hier genannten Grundforderungen erfüllt werden?

Kann man nicht.

Erstens, weil es das GG nicht erlaubt.

Zweitens – den Test möchte ich gern mal sehen! Könnte ein CSU-Mensch ihn mal versuchsweise entwerfen?

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Sind wenigstens die vier Grundforderungen unserer Leitkultur richtig?

Ja und nein.

  • Trennung von Staat und Religion
  • Gleichberechtigung von Mann und Frau
  • Wertschätzung des Strebens nach selbst definiertem Lebensglück
  • dauernder, verantwortungsvoller Umgang mit persönlicher Freiheit

Da sag ich zunächst einmal ja.

Aber auch nein: Denn diese Liste beschönigt unsere Leitkultur, fälscht sie, täuscht etwas vor.

Es fehlen wesentliche Aspekte, in deren Schatten diese vier Grundforderungen stehen, bzw. Aspekte, die das Problem mehrschichtig machen.

Einer: Man muss in unserer Kultur immer dazu denken, dass wir in einer wettbewerbsorientierten und weitgehend menschlich kalten Marktwirtschaft leben.

Ein zweiter: Ganz wesentlich für unsere Leitkultur ist, dass sie pluralistisch angelegt ist. Dass es eben keine Monokultur ist.

Ein dritter Aspekt, der damit zusammenhängt: Die vier Leitkultur-Kriterien sind interpretierbar und interpretationsbedüftig. Ich nehme an, dass ich sie erheblich anders interpretiere als ein CSUler.

Ein vierter Aspekt: Wer legt nun eigentlich in einer Demokratie wie der unseren leitkulturellen Werte verbindlich (!) fest? Ganz gewiss nicht der Staat oder eine Partei.

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Leitkultur stifte Vertrauen, schreibt man. Die Leitkultur-Debatte zerstört Vertrauen. Sie ist ein ziemlich brutaler Eingriff in die Freiheit der Deutschen, über ihre Werte selbst zu bestimmen, bzw. sie für sich selbst bzw. für die Gruppen, denen man zugehört, zu interpretieren.

Aber vielleicht müssen wir diese Suppe nicht so heiß essen, wie sie gekocht wird. Die CSU redet ja nur. Es ist politisches Propaganda-Geschwätz.

GETAN wird in dieser Sache nichts.

Selbst wenn der Bayerische und der Sächsische Landtag den Leitkultur-Unfug in die Verfassung schreiben würden (wofür man eine Zweidrittelmehrheit braucht, die man nicht kriegen wird), wäre damit nichts GETAN. Gegen die 20 Grundrechteartikel kommt der angedeutete Leitkultur-Autoritarismus nicht an.

Kommentare

  1. Jakobiner meint:

    Zur Leitkultur und ob diese eine christlich-abendländische oder judeo-chirtsliche sei, hat Leo Brux jetzt gemeint, wir hätten eine kapitalistische Leitkultur.90% aller Prägung hier und heute ist kapitalistische Prägung. Krass materialistisch, säkular, hedonistisch, individualistisch-egoistisch, spirituell gleichgültig, geldgeil – und gleichmacherisch in fast allem, was NICHT mit dem Geld zusammenhängt.

    Wohl wahr, wenngleich die Frage ist, ob die meisten Deutschen diese kapitalistische Leitkultur mittragen, denn Kapitalismuskritik ist ja allerortens zu finden, Globalisierungskritik auch, viele beschweren sich über die Symptome des Kapitalismus von sozialer Ungerechtigkeit, Reichtumspolarisierung, Finanzkrisen, steigenden Mieten, etc. Sind diese Leute dann nicht integriert oder nicht integrationswillig? Auch sieht die Verfassung eine soziale Marktwirtschaft vor–sind die Marktliberalen dann Verfassungsfeinde.? Auch ist interessant, dass Globalisierungskritiker immer behaupten, dass die Armut weltweit zugenommen hätte, obgleich das Gegenteil der Fall ist und die meisten Deutschen diese antikapitalistische Einstellung teilen:

    “92 Prozent der Deutschen nehmen an, die Armut auf der Welt sei gleich geblieben oder angestiegen, 7 Prozent gehen von einer Abnahme um ein Viertel aus, teilte die Nichtregierungsorganisation Oxfam am Donnerstag mit. Dabei sprechen die Zahlen eine eindeutige Sprache: 1990, das ist das Referenzjahr der Vereinten Nationen, lebten 1,926 Milliarden Menschen auf der Welt in extremer Armut. Sie hatten also weniger als 1,25 Dollar am Tag zum Leben. Im Jahr 2015 waren es nur noch 836 Millionen Menschen.”

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/arm-und-reich/wo-die-armut-in-der-welt-verschwunden-ist-14449204.html

  2. Jakobiner meint:

    Auch eine gute Frage: Was würde passieren, wenn die CSU in ihr Papier geschrieben hätte, dass Deutschland eine kapitalistische Leitkultur und man sich da zu integrieren habe? Oder würde jeder, der dies nicht teilt als integrationsunwilliger Kommunist geoutet?Ob das auf allgemeine Zustimmung stossen würde? Oder würden viele sagen, dass die soziale Marktwirtschaft zur Leitkultur gehöre, dann aber Marktradikale sich ausgegrenzt fühlen könnten?

  3. Jakobiner meint:

    Der Arbeitsethos von Münkler geht ja etwas in die Richtung von kapitalistischer Leitkultur, auch wenn er die protestantische Arbeitsethik Max Webers, die die Vorraussetzungen für den Kapitalismus schafft als Ethos verschleiert. Die Frage ist, ob eine kapitalistischge Leitkultur so konsensfähig ist, zumal hier eben auch Marktradikale und Sozialdarwinisten sich bezüglich der sozialen Marktwirtschaft offen positionieren müssten–das wollen sie aber vielleicht vermeiden und sind ganz froh, dass die Leitkulturdebatte nur um Gleichberechtigung der Frau, Pluralismus und Trennung von Staat und Religion geht. Zumal ihre Religion auch der Kapitalismus ist.

  4. Jakobiner,
    rechne nun doch mal ein, dass zum Kern unserer Leitkultur die Vielfalt, der Pluralismus, auch der Wertepluralismus und die Kritikfreiheit gehören!

    Du neigst dazu, wie fast alle, die sich zum Thema Leitkultur positiv oder negativ äußern, diesen Aspekt des Pluralismus als Teil unserer Leitkultur zu unterschätzen.

    Es ist Ausdruck unserer Leitkultur, dass wir zugleich der kapitalistischen Prägung ausgesetzt sind als auch Kapitalismus und die Prägung durch ihn (sozusagen die Monetarisierung unserer Kultur und Gesellschaft) kritisieren.

    Also, lassen wir doch einfach mal so viel Komplexität zu, wie sie sich in der Realität zeigt. Auch bei der Leitkultur. Die, die sie propagieren, wollen eine Leit-Mono-Kultur. Das erinnert dann doch etwas an die Reinheitsphantasien der Nazis.

    Was ich hier tastend (!) versuche: Ich möchte gern verstehen, wie sich eine Leitkultur in einer durch und durch pluralistischen Kultur ausprägt und zeigt und formuliert werden könnte.

    Dadurch, dass bei einem Viertel der Menschheit in den letzten 30 Jahren der ökonomische Aufstieg begonnen hat – in Ost- und Südostasien vor allem – ergibt sich global eine positive Armutsbilanz.

    Dadurch, dass zugleich die Zahl der Menschen vor allem in den armen und arm gebliebenen Ländern zugenommen hat, UND DADURCH, DASS ZUGLEICH über die modernen Kommunikationsmedien und Transportwege die Auswanderung zur Option geworden ist, wird es für Europa eng.

    Rechnen wir noch dazu, dass Armut nicht nur etwas Absolutes ist (HUnger und dergleichen), sondern etwas Relatives. Wer in Deutschland hier und heute mit 1000 Euro netto pro Monat arm ist, ist in Mali mit 1000 Euro netto pro Monat reich.

    Die Armen auf dieser Welt merken heute sehr viel lebendiger, DASS sie arm sind.

    Kommt dazu, dass die (religiösen) Ideologien, die die Armen beschwichtigen und sich abfinden lassen mit ihrem Zustand, schwächer werden.

    Also, Vorsicht vor unterkomplexen Darstellungen!

  5. Zur kapitalistisch geprägten Leitkultur:
    Jakobiner, das KANN niemand offen zugeben, der politische Macht hat. Hier MÜSSEN die Politiker uns täuschen. Es sei denn, sie begnügen sich so wie ich damit, die Kultur sachlich und differenziert zu analysieren – ohne den gefährlichen politischen Anspruch, man müsse durch staatliche Maßnahmen die Migranten unter Druck setzen.

    Wozu braucht man Soziologen? – Dazu, soziale und kulturelle Faktoren zu finden und darzustellen, die a tergo wirken.

    Münkler macht doch wenigstens einen Schritt in die Richtung: Wer von Leitkultur hier und heute in Deutschland sprechen will, kann über den Kapitalismus, über die Marktwirtschaft und ihren durchdringenen kulturellen Einluss nicht schweigen.

    Manches kann nur deshalb wirken, weil es nicht bewusst wahrgenommen wird. Sobald es bewusst würde, würde der Widerstand dagegen zu groß.

    Beispiel Gewaltenteilung. Wir stellen brav dar, wie die drei Staatsgewalten und die Medien als vierte Gewalt in Deutschland für die Möglichkeit von Demokratie sorgen. Was wir systematisch in allen Schulbüchern und allen Lehrbüchern außen vor lassen, das ist die fünfte Gewalt: Big Money. Als ob die Geldmächtigen keine Geldmacht hätten, mit der sie die Politik zwar nicht dirigieren, aber immerhin massiv beeinflussen.

    Dabei wissen wir doch eigentlich alle: GELD regiert die Welt! Ist es nicht seltsam, dass wir das sofort vergessen, wenn wir offiziell oder als Lehrkräfte über Politik sprechen? (Als ob es nicht Personen wären, die mit ihrem Geld Macht ausüben.)

    Da haben wir ein Tabu.

    An das ich mich nicht halte.

    Sowohl das Tabu als auch die Möglichkeit des Tabubruchs gehören zu unserer Leitkultur – so, wie ich sie sehe. Aber natürlich nicht die CSU. So kann sie diesen Aspekt unserer Leitkultur nicht formulieren. Sie muss ihn irgendwie verstecken. Wie sie ihn versteckt, das zeigen die von mir in diesem Artikel zitierten Zeilen.

    Wir alle wissen, dass Scheißen und Pinkeln ein ziemlich prominenter Teil unseres Alltags sind. Aber kommt dieser durchaus prägende Aspekt unseres Alltagslebens je in einem Roman, in einem Film oder in einem Songtext vor? – Nein. Allenfalls in Pöbeltexten, in Pöbelmanier, schamlos, geschmacklos. Aber fast nie in angemessener Form. (Seltene Ausnahme: James Joyce, Ulysses. Wir begleiten Bloom ins Scheißhäusl und kriegen mit, was er da macht und denkt und fühlt.)

    Man redet nicht darüber. Das nennt man ein Tabu. (Und, wie gesagt, der Tabubruch gehört dazu, sowohl der geschmacklos pöbelhafte als auch der künstlerisch qualitätvolle.)

    Ähnlich läuft das mit der Macht der Wirtschaft über die Politik. Darüber spricht “man” nicht, außer in pöbelnd-populistischer Weise, oder soziologisch sachlich, analysierend, und beide Formen des Tabubruchs gehören dazu und sind durchaus geduldet – solange sie nicht ins Zentrum der politischen Aufmerksamkeit geraten. Denn dann (erst dann!) würde es für die Vertreter dieser Macht gefährlich.

  6. Frank,
    ich stimme dem Artikel zu. Aber er hat auch ein Manko.
    Die allermeisten Deutschen sind davon überzeugt, dass es sowas wie eine deutsche Leitkultur gibt und geben muss.

    Und in gewisser Weise haben sie recht. Aber es gibt diese Leitkultur eben nicht in der deutsch-monokulturellen Form. Ich mache den Versuch, diesen Begriff pluralistisch zu verstehen – entsprechend des realen Wertepluralismus, der unsere Kultur heute auszeichnet.

  7. OFF TOPIC:
    Leo, du führst oft als Beispiel gelungener Integration und Weltoffenheit die Stadt München an und ich kann dir da nicht widersprechen als “Saupreiss”, der nicht mehr als einmal im Jahr nach München kommt. Deshalb möchte ich dioch gerne um deine Einschätzung dieses Artikels der JERUSALEM POST bitten, der über die Schließung eines “jüdischen” Restaurantes in München berichtet wegen wachsendem Antisemitismus als Erklärung. Ist so etwas wirklich möglich im München von heute?
    http://www.jpost.com/Diaspora/Munichs-Schmock-restaurant-closes-due-to-Israel-hate-469759

  8. Jakobiner meint:

    Zu Leo Brux:

    Die kapitalistische Leitkultur geht aber wesentlich weiter, als deine Beispiele bezüglich Lebenseinstellung und Städtebild.Aber der Kapitalismus durchdringt nicht nur die bisher als rein ökonomische betrachtete Sphäre, sondern alle Lebensbereichen, ebenso den Überbau, macht alles zur Ware von den zwischenmenschlichen Beziehungen, den gesellschaftlichen Organisationsformen, den Identitäten, der bisher staatlichen oder familiären Daseinsvorsorge, versucht aus allem ein Objekt eines Geschäftsmodells und der Profitmaximierung zu machen-vom Altenheim statt der familiären Alterversorgung, zum Sexualobjekt in der Werbung oder in Bordellen, von der Partnerschaftsbörse bis zur privatisierten Wasserversorgung oder Wohnungsbau–dadurch entwickelt sich eine kapitalistische Kultur über die materiellen Tauschobjekte hinaus, die alles zur Warenbeziehung macht–vom Mensch zum Tier zur Natur zur Kultur–alles wird zur Warenbeziehung und Feld der Expropriation. Deswegen hat Marx auch sein Kapital mit der Analyse der Ware begonnen und ihr eine derart zentrale Bedeutung eingeräumt.

  9. Jakobiner meint:

    Wobei eine kapitalistische Leitkulturdebatte noch zwischen der deskriptiven und der normativen Ebene unterscheiden müsste. Zum einen die Beschreibung der kapitalistischen Leitkultur, zum anderen wie man sich solch eine kapitalistische Leitkultur und ihre Form vorstellen würde und als normgebend ansieht. Über die deskriptive Ebene könnte noch ein Konsens erzielt werden, bei der normativen Ebene wird dies wesentlich schwieriger, ja da würde es wahrscheinlich zu einem Kampf der Kulturen, vermeintlich überkommenen Klassenkämpfen und einer Konfrontation kommen, weswegen man diese Leitkulturdebatte wie momentan eben allerortens bewusst vermeidet.

  10. Jakobiner,
    ich stimme dir zu! So würde die Leitkultur-Diskussion richtig spannend werden. So würde sie anfangen, ehrlich zu werden. Der Kapitalismus – die marktwirtschaftlich ausgerichtete Organisation unserer Arbeits- und Lebenswelt – prägt unsere Kultur zuallererst und am tiefsten. Die Anpassung der Einwanderer aus Ländern, in denen diese marktwirtschaftliche Durchdringung und Ausrichtung der Kultur noch nicht unseren Stand erreicht hat, dürfte im Mittelpunkt der wirtschaftlich interessierten Aufmerksamkeit stehen. Wie werde ich deutsch-effizient in der Arbeit? Das ist sicherlich noch wichtiger und schwieriger als etwa die Frage, wie behandle ich als Mann in Deutschland die Frauen.

    Natürlich will die CSU über diese Anpassung an die Marktwirtschaftskultur nicht offen reden. Da könnte ja sogar ihre eigene Klientel eine gewisse marktwirtschaftskritische Neigung entwickeln: Die zunehmende Monetarisierung unserer Alltagswelt, die Unterwerfung der Individuen unter egozentrische Wettbewerbsgesichtspunkte dürfte grade Konservativen schmerzhaft sein. Denn damit gehen so gut wie alle traditionellen Werte den Bach runter.

    Wär es nicht eine gute Strategie, wenn wir die Leitbild-Diskussion munter akzeptieren und in unserem Sinne erweitern würden? Also den grundlegenden Wertepluralismus und die marktwirtschafltiche Prägung unserer Kultur in die Debatte einführen würden?

    Schade, dass heute den allermeisten Politikern die Theoriekompetenz dazu fehlt.

  11. Jakobiner meint:

    Zu Leo Brux:
    “Die Anpassung der Einwanderer aus Ländern, in denen diese marktwirtschaftliche Durchdringung und Ausrichtung der Kultur noch nicht unseren Stand erreicht hat, dürfte im Mittelpunkt der wirtschaftlich interessierten Aufmerksamkeit stehen. Wie werde ich deutsch-effizient in der Arbeit? ”

    Dabei ist ja ganz interessant, was Max Weber dazu in seiner “Religionssoziologie”geschrieben hat, in dem er die verschiedenen Religionen vom Christentum bis zum Konfuzianismus in ihrer Affinität zum Kapitalismus beschrieben hat, wobei er den protestantische Arbeitsethik und im speziellen den Calvinismus zum Wegbereiter und Geistesverwandten des Kapitalismus erklärte. Damals galt ihm der Konfuzianismus noch als Verhinderer aller kapitalistischen Entwicklung, während er heutezutage ja durch den Aufstieg Chinas geradezu als dessen Erfolgsrezept angesehen wird. Ähnlich könnte es sich mit dem Islam verhalten. Wobei interessat ist, ob Webers Zusammenhang so stimmt oder ob sich die Religionen verändert und modernisiert haben oder ob einfach andere Faktoren ursächlich sind.Jedenfalls wird dem Islam heute jene rückwärtsgewandte und nicht kapitalismusaffine Rolle zugerechnet, die man zu Webers Zeit dem Konfuzianismus zuordnete.Münkler scheint ja mit seinem Arbeitsethos in Weberschen Kategorien zu argumentieren.

  12. Jakobiner meint:

    Ich möchte die These von der kapitalistischen Leitkultur demnächst mal an den 2 Stammtischen als Versuchsballon starten, wobei mich die Reaktion unserer AfD-Wähler dabei interessiert, zum einen besagte Ex-Grünenwählerin Marion und Pommes-Peter, sowie bei dem anderen einem älteren Ex-SPD-Mitglied und Ex-FDP-Wähler. Das dürfte ein interessanter Feldversuch werden. Desweiteren habe ich dies zu einem Artikel verarbeitet und dem Heribert Prantl geschickt, der ja eher verfassungspatriotisch argumentiert und mit dem ich letztens ein Interview hatte. Mal sehen, ob er antwortet.

  13. Jakobiner meint:

    Die Willkommenskultur ist jetzt im linksautonomen Jugendtreff Conne-Island in Sachsen umgekippt–die Schutzbefohlenen scheinen sich gründlich danebenbenommen zu haben–die linken Frauen haben die Flucht ergriffen:

    https://www.conne-island.de/news/191.html

  14. Da die Frage -wohl wegen anderer Themen – bisher nicht weitergehend behandelt wurde, möchte ich an dieser Stelle noch einmal eine etwas andere Betrachtungsweise ins Gespräch bringen. “Leitkultur” scheint mir ja viel zu begrenzt zu sein und übergeordnete “zivilisatorische Werte” wurden in Bausch und Bogen verdammt.

    Wie wäre es denn dann mit ethischen Leitbildern? Hierzu hat eine interessante Diskussion stattgefunden, die ich im Folgenden gern einstellen möchte:

    http://www.diesseits.de/perspektiven/nachrichten/deutschland/1478041200/humanistische-werte-einwanderungsgesellschaft

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