Allerlei Wahlumfragen – und ein Ausblick

deutschlandAngela Merkel hab ich nie gewählt, und ich werde das auch bei der nächsten Wahl nicht tun. Aber es geht mir wie vielen anderen bei den Grünen und in der SPD: Wir finden gewichtige Gründe, mit ihr zu sympathisieren.

So freut es mich zu lesen, dass ihre Umfragewerte wieder zugenommen haben.

Immerhin 54% der Bundesbürger zeigen sich mit ihrer politischen Arbeit zufrieden. (Ich selber gehöre nicht dazu, aber aus anderen Gründen, sozusagen …) Eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vormonat (45%).

Steinmeier erntet als Spitzenreiter 75%.

Das Volk steht also nach wie vor hinter dieser Regierung. Schäuble kommt als zweiter auf 63%.

Sachsen, Landtagswahl – aktueller Umfragenstand:

  • 37,5% CDU
  • 21,5% AfD
  • 16% Die Linke
  • 13% SPD
  • 6% Grüne
  • 2% FDP
  • 1,5% NPD

Interessant ist, dass in den meisten Bundesländern die CDU (bzw. CSU) in Bundestagswahlen etwa genau so viele Prozente bekäme wie in Landtagswahlen – aber nicht in Sachsen.

Bei Bundestagswahlen bekäme sie die CDU Sachsen nur 32%, in Landtagswahlen immerhin 37,5%. Das dürfte die Merkel-Strafe sein. (Die AfD bekäme in Sachsen bei Bundestagswahlen etwa 25%, bei Landtagswahlen 21,5%.)

Bayern, Landtagswahl:

  • 45% CSU
  • 18% SPD
  • 12% Grüne
  • 9% AfD
  • 5% FDP
  • 5% Freie Wähler
  • 2% Die Linke

Bundestagswahl (Forsa):

  • 33% Union
  • 22% SPD
  • 14% AfD
  • 11% Grüne
  • 9% Die Linke
  • 6% FDP

Zudem wurde in der Umfrage von infratest dimap gefragt, ob die Deutschen mehr Angst vor rechtsextremen und vor islamistischen Übergriffen oder Anschlägen hätten.

84 Prozent der Befragten halten demzufolge die Gefahr rechtsextremer Übergriffe oder Anschläge für eher beziehungsweise sehr groß.

68 Prozent hingegen hielten die Gefahr von islamistischen Anschlägen für eher oder sehr groß.

52 Prozent sagen das über linksextreme Anschläge.

Was ist das Wählerpotenzial der AfD, wenn sie es denn einmal voll ausschöpfen könnte?

Ich schätze, dass es um die 20% liegt.

Wir können das soziologischen Analysen entnehmen, die schon lange vor der Gründung der AfD den Anteil der extrem rechts orientierten Bevölkerung so hoch gewertet haben.

Warum liegt dieser Anteil dann in Österreich bei ca. 50%?

Vielleicht deshalb, weil man ihn dort nicht ausgegrenzt, sondern sogar in die Regierung geholt hat: zu Zeiten von Jörg Haider.

Vielleicht auch deshalb, weil es der FPÖ einigermaßen gelingt, die allzu offensichtlich rechtsextremen Kräfte rauszuhalten oder stillzustellen.

Immerhin, wir lernen aus dem Fall Österreich, dass auch bei uns die Möglichkeit des Übergangs und Brückenschlags der extremen Rechten zur bürgerlichen Mitte möglich ist – auf Kosten der bürgerlichen Mitte.

Das sollte sich die CSU überlegen. Will sie die AfD in den politischen Prozess integrieren, wird sie von der AfD früher oder später aufgefressen – oder die CSU entscheidet sich dafür, selber zur AfD zu werden.

Vorerst ist die Wirtschaft stabil. Auch die Flüchtlingspolitik hat die Regierung im Griff.

Was wird passieren, wenn die gigantische globale Finanzblase platzt und die Weltwirtschaft in die Katastrophe reißt?

Wenn also unser “1929″ kommt?

Die Nazis von heute stehen schon bereit.

Sie sehen natürlich ganz anders aus als die alten. Die Unterschiede sind zu berücksichtigen. Aber der Kern bleibt:

  • die völkische Problemlösung;
  • die Sprache des Hasses, der Verachtung und der Vernichtung;
  • die hemmungslose Aggressionsbereitschaft,
  • der Wille zum autoritären Durchgriff.

 

Kommentare

  1. Jakobiner meint:

    Wie es aussieht könnte es in Sachsen zur ersten CDU/AfD-Koalition im Bundesgebiet kommen. Zum einen von den Wahlergebnissen her, zum anderen, weil diese Idee eben vom sächsischen EP-Abgeordneten Winkler schon jetzt offen vertreten wird.Fragt sich dann, wie dies in Bayern aussehe, wenn die CSU ihre absolute Mehrheit verlieren würde. Würde sie mit den Freien Wählern oder der SPD zusammengehen oder vielleicht doch mit der AfD?

  2. Jakobiner meint:

    Noch als Ergänzung der Umfrage: Während Merkel nach ihrer Wenderede zugelegt hat, hat Seehofer in den Umfragen 8% an Beliebtheit verloren.

  3. Korbinian meint:

    @Jakobiner

    Extrem unwahrscheinlich. Eher lässt man sich von irgendjemanden tolerieren. Warum sollte die CDU ohne Not eine sehr starke AfD zu ihrem Partner machen?

  4. Jakobiner meint:

    Nachdem die CDU nun unter 30% gehandelt wird und Seehofer davor warnt, dass die CDU nicht im 20 und die CSU im 30%-Turm ankommen, vermelden jetzt Leute, dass die Hauoptgefahr aus den USA nun beseitigt sei. Trump scheint Geschichte nach diesen sexistischen Umkleideraumgesprächen und der Pussy Riot in the USA. Dennoch bleibt abzuwarten, ob er sich nach verlorenen US-Wahlen ins Private zurückzieht. Denkbar ist auch eine andere Option: Dass Trump das bisherige 2-Parteiensystem der USA aufbricht und seine eigene Partei gründet.

    Trump hat die Republikanner bisher nur als Plattform und Propagandaforum für sich gesehen, mit der Partei verbindet ihn nichts, mit deren bisherigen Establishment ohnehin nichts,sie ist für ihn nur Mittel zum Zweck: Eine revolutionäre und faschstische Massenbewegung zu formieren, die ihn als neuen Diktator an die Macht bringen soll. Trotzkisten und Marxisten nennen diese Strategie Entrismus: Man geht in eine Partei, unterwandert sie, nutzt sie als Sprungbrett für sich oder sollte sie dazu nicht taugen, zieht man die so durch die Massenpropaganda gewonnenen Massen zurück, tritt aus, spaltet sich und führt diese neu entstandene Massenbewegung in eine eigene Partei oder Bewegung über.

    Warten wir mal ab: 2/3 der Republikanerwähler hätte er für solch eine Partei und dann auch noch Millionen von bisherigen Nichtwählern.Dieser breite Bodensatz und demagogisierte Pöbel, die radikaliserte Mitte samt viel prekären Unterschichtlern samt Teaparty wird sich auch in Zukunft einen politischen Stellvertreter auf Erden und in God´s own country suchen.

    Die Republikaner werden nach dieser Niederlage versuchen ihre Partei wieder aufzurichten und auch teilweise zu säubern. Aber sie können dies nicht, da ein erheblicher Teil ihrer Wählerschaft und Mitglieder eben radikalisiert wurde und wesentlich weiter rechts steht als die bisherigen moderaten Ostküstenestablishmentvertreter oder selbst die etwas rechtere Westcoast der Reaganoiten.Es könnte passieren, dass Trump bei der Gründung einer neuen Partei mehr Mitglieder und potentielle Wähler hätte als eine sich nach der Trumpkatstrophe wieder aufrichtende Republikanische Partei.Um diese Leute irgendwie zu integrieren müsste ein moderaterer Kandidat als Trump, aber ein rechterer Kandidat als George W. Bush oder Mitt Romney gefunden werden. Es wäre nicht einmal die Hochzeit der Mike Hukabees oder Ted Cruz, die zwar rechter aber eben auch religiöser und mehr Establishmentorientiert sind..Selbst ein Guilliani wäre nicht mehr vermittelbar.

    Es wird eine harte Zeit für die Republikaner die Partei vor einer Spaltung zu bewahren und einen neuen Chefintegrator zu finden. Teile der Demokraten fänden eine solche Spaltung der Republikaner, wie auch eine dritte Partei ganz sympathisch, da sie das rechte Lager langfristig strukturell spalten würde, sind sich aber auch nicht der Möglichkeit bewusst, dass eine auf Massendemagogie basierende dritte Partei das Parteiensystem so ändern könnte wie dies bei der Parteienneuzersplitterung der großen Volksparteien Europas gerade geschieht und eine solche neue Partei selbst einmal die Republikaner ersetzen könnte.

    Die Grundbewegung des Kapitalismus, dass er nach einem Nachkriegsboom nun in eine Phase der säkularen Stagnation tritt, mit allen Polarisierungstendenzen zwischen arm und reich, Globalisierungsgewinnern und Verlierern,zunehmendem Wirtschaftsnationalismus und Protektionismus, zunehmenden Kriegen und Flüchtlingsströmen, anstehender 4. industrieller und gesellschaftlicher Revolution durch Digitalisierung und Industrie 4.0, sehr wahrscheinlicher nächster Weltwirtschafts- und Finanzkrise wird das allgemeine Unsicherheitsgefühl steigern, dass verharmlosend Populisten genannten faschistischen und autoritären Demagogen in die Hände spielt. Von daher ist die kommende Niederlage Trumps in den US-Präsidentschaftswahlen nur eine Atempause. Die radikalisierte Wählerbasis bleibt, wie auch die sich weiter verschärfenden Rahmenbedingungen.Wer glaubt, das Phänomen Trump wäre jetzt Geschichte, dürfte sich gründlich irren.

  5. conring meint:
  6. conring meint:

    “Warum liegt dieser Anteil dann in Österreich bei ca. 50%?”
    Könnte in Rumpf-Kakanien auch daran liegen, dass dortens eben eine immer kleiner werdende Große Kolalition zwischen Sozen und Schwarzen absolut inspirationslos aber dafür umso korruptionsfreudiger seit Jahren vor sich hinregiert.
    Könnte in der BRD auch so ähnlich laufen…

  7. Jakobiner meint:

    Zu Conring: Die Sarrazinprognaose für die Bundestagswahlen 2017 und die Benennung der Parameter deckt sich weitgehend mit meiner eigenen: GroKo 2017, Merkel wird wieder Kanzlerin, aber in den kommenden 4 Jahren wird dann ihre Abwechslung vorbereitet. Von der Leyen dürfte wohl weniger imstande sein die von Sarrazin erhoffte Wende der CDU einzuleiten, da sie noch viel aktiver als Merkel die Modernisierung und Mitte-links-orioentierung der CDU vorantrieb, zumal sie nur 70% Unterstützung in der eigenen Partei hat und von den Konservativen inzwischen gemieden wird. Bliebe nur Schäuble und De Maizierre. Aber diese beiden halten auch am Euro fest und damit an einem absehbaren Krisensystem, wobei die Frage ist, ob der Euro in der bisherigen Form noch in 5-10 Jahren existent sein wird und falls ja zu welchem Preis. Schäuble will ja Griechenland aus den Euro drängen, aber dann bleiben immer noch die anderen südeuropäischen Krisenkandidaten–das Problem wäre also nicht gelöst.

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