WER will den Bürgerkrieg?

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Und dann ist da noch die “unverantwortliche, kriminelle Flüchtlingspolitik der deutschen Bundeskanzlerin”, für Strache “nicht nur die mächtigste, sondern auch die gefährlichste Frau Europas”. Angela Merkel habe den “Startschuss zur größten Völkerwanderung seit Jahrhunderten” gegeben, mit fatalen Folgen.

“Durch den ungebremsten Zustrom von kulturfremden Armutsmigranten, die in unsere Sozialsysteme einsickern, wird unser von Solidarität und Zusammenhalt getragenes gesellschaftliches Gefüge in seinen Grundfesten erschüttert”, sagt Strache, “und das macht mittelfristig einen Bürgerkrieg nicht unwahrscheinlich.” Die Katastrophe sei vorprogrammiert, warnt er: “Wenn wir unser kulturelles Erbe dauerhaft bewahren wollen, müssen wir bereit sein, es zu verteidigen.”

der Standard

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WER will den Bürgerkrieg?

Gegen WEN?

Schon 797 Straftaten gegen Asylunterkünfte

In diesem Jahr hat das Bundeskriminalamt schon 797 Straftaten gegen Asylunterkünfte gezählt. Damit steigt die Zahl der Übergriffe weiter.

Die Gewalt gegen Asylsuchende und deren Unterkünfte nimmt bundesweit zu. Das Bundeskriminalamt (BKA) hat im laufenden Jahr (Stand: 17. Oktober) 797 Straftaten gegen Flüchtlingsheime registriert, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch) berichten. Bis 1. August waren es 665 Straftaten.

Für 740 Delikte seien laut BKA „rechtsmotivierte Täter“ verantwortlich. In 57 Fällen könne eine politische Motivation noch nicht sicher ausgeschlossen werden. Den Angaben zufolge handelte es sich bei 320 Straftaten um Sachbeschädigung. Bei 180 Delikten sei rechtsextreme oder fremdenfeindliche Propaganda verteilt worden. 137 Taten würden als Gewaltdelikte eingestuft.

Wie es weiter heißt, habe es bisher 61 Brandstiftungen und zehn Vergehen gegen das Sprengstoffgesetz gegeben, so das BKA. Vier Mal sei Sprengstoff gegen gegen Flüchtlingsunterkünfte eingesetzt worden. Die Zahlen steigen seit Jahren. Waren es im Jahr 2013 noch 69 Straftaten gegen Asylunterkünfte, so stieg die Zahl schon 2014 auf 199, berichtet das BKA.

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Soweit wir sehen, gibt es da nur EINE Seite, die gegen den Staat und seine Einrichtungen gewalttätig vorgeht: die Freunde von AfD und FPÖ.

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Merkel habe den Startschuss für die Flüchtlingswanderung gegeben …

Nun, ein kurzer Blick auf die Geschichte der Flüchtlingsbewegung zeigt, dass Strache lügt.

Warum begnügt sich Strache nicht damit, Merkel vorzuwerfen, auf die “Völkerwanderung” falsch zu reagieren? Warum sagt er, Merkel habe sie ausgelöst?

Im übrigen ist Merkel erfolgreich aktiv, diese angebliche Völkerwanderung zu bremsen.

Außerdem wäre auch für Strache die Frage zu beantworten, was denn nun die “Völkerwanderung” für Ursachen haben könnte.

Vor einer solchen Debatte drückt er sich. Drücken sich seine Anhänger.

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“Kulturfremde Armutsmigranten”:

Kulturfremd sind wir uns alle, so ziemlich, nicht wahr? Was hab ich denn (und Leute, die mir nahe stehen, Alexander von der Bellen zum Beispiel) mit den FPÖlern und AfDlern gemeinsam? – Einiges. U. a. sind wir Menschen. Bürger. Männer bzw. Frauen. Etc. Aber kulturfremd stehen wir uns trotzdem gegenüber. Der kulturelle Unterschied zwischen mir und einem durchschnittlichen FPÖler oder AfDler dürfte nicht weniger groß sein als der zwischen uns beiden und einem syrischen Kriegsflüchtling.

Wir leben in einer multikulturellen Gesellschaft – und haben zumeist gelernt, mit dem Pluralismus der Kulturen unter uns zu gut (!) leben.

Die Mehrheit will keine völkische und politische Monokultur mehr. Glücklicherweise.

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Bewahrt die AfD, bewahrt die FPÖ unser kulturelles Erbe?

Mit diesem Erbe haben diese beiden Parteien eher wenig zu tun.

Geschätzte 95% von denjenigen, die aktiv das beschworene kulturelle Erbe leben, indem sie es tagtäglich reproduzieren und weiterentwickeln, wollen mit Rechtspopulisten nichts zu tun haben. Und diese ihrerseits nichts mit den Kulturschaffenden.

AfD und FPÖ vertreten eher einen Kulturbarbarismus.

Ebenso wie den Rückfall hinter die Aufklärung.

(Kein Zufall, dass ihnen ein Kulturreaktionär und Aufklärungsfeind wie Putin Vorbild ist.)

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Was gefährdet unser Sozialsystem?

Nicht die Flüchtlinge.

Der Neoliberalismus, der Marktradikalismus gefährdet es. Der egozentrische Individualismus, der Verfall der Solidarität, der Respekt vor denen, die weniger leisten (können), der schwächer werdende Sinn fürs Gemeinschaftliche in einer sich immer weiter kommerzialisierenden, monetarisierenden Lebenswelt gefährden unser Sozialsystem.

Der kritische Finger müsste auf diejenigen zeigen, die behaupten, das Sozialsystem sei eine Belastung für die Wirtschaft und die Gesellschaft.

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Resümee: Was will Strache?

- den Bürgerkrieg: weil der die Voraussetzung ist für die völkische Revolution und die Errichtung einer völkisch-autoritären Regierung

- Sozialstaat nur für die Volksgenossen, unter Ausgrenzung der ca. 20 oder 30%, die im weitesten Sinne als Einwanderer zu zählen sind.

In der Krise schließt sich der Kern zusammen und verdammt die, die nicht dazugehören, zum Draußenbleiben.

Es gibt ziemlich viele Menschen, deren Instinkt so funktioniert. Europa bewegt sich in diese selbstzerstörerische Richtung. Es wird schlimmer werden damit.

Kommentare

  1. Garry Freshman meint:

    Strache hat völlig recht. Die aktuelle Völkerwanderung wurde durch Merkel zumindest angeheizt – Millionen in aller Welt denken jetzt, dass hier Milch und Honig fließen…

    Merkel hat unserem Land so sehr geschadet, wie kaum ein Politiker nach 1945.

    Auf die Argumentation von Strache gehen Sie, Leo Brux, interessanterweise nur indirekt ein. Stattdessen wird die Moralkeule geschwungen, indem auf die (ebenso zu verurteilenden) Anschläge auf Asylheime hingewiesen wird.

  2. 1. gibst du zu, dass nicht stimmt, was Strache gesagt hat. Das mit dem Startschuss.
    Sind wir uns insoweit einig? Strache hat hier gelogen. Betrogen.

    2. Was sind denn nun Straches ARGUMENTE – auf die ich nicht eingehe? Bitte notiere sie hier mal, zusammenfassend!

    3. Wenn Millionen in aller Welt denken, dass hier Milch und Honig fließen – könnte dies nicht primär an den modernen Kommunikationsmedien liegen? Die vermitteln solche Eindrücke, nicht wahr? Da kann Merkel wenig dafür.

    4. Wieso ist der Hinweis darauf, dass fast alle Gewalt in Sachen Flüchtlinge nicht von den Flüchtlingen, sondern von deutschen Flüchtlingsfeinden ausgeht, “Moralkeule”? Ich habe mich ja moralisch gar nicht dazu geäußert, sondern nur auf die Gewalttätigkeit hingewiesen. Wer ist also bereit, gewalttätig zu werden? IHR seid es! Ihr, die Feinde der aktuellen Flüchtlingspolitik. DAS steht in meinem Artikel. Es ist gar nicht moralisch argumentiert, sondern nur logisch. Von EUCH geht die Aggression aus, die Gewalt. DAS wirst du doch wohl nicht leugnen wollen, Gerhard Frischmann.
    (Ich gebe dir einen ächt deutschen Namen, denn du bist ja wohl gegen Überfremdung der deutschen Kultur, oder?)

  3. Garry Freshman meint:

    1. Ich würde es nicht wie Strache “Startschuss” nennen, da die Ursache für die Flüchtlingsbewegung nicht Merkel ist, doch sie hat die Wanderung Richtung Europa und inbesondere Deutschland ordentlich angeheizt. Warum sonst sieht man in den Medien, wie Flüchtlinge Bilder mit “Mama Merkel” u.ä. Parolen hochhalten?

    2. Sie sind auf den Inhalt seiner Aussage kaum eingegangen.
    Ich zitiere sie hier nochmal: “Angela Merkel habe den “Startschuss zur größten Völkerwanderung seit Jahrhunderten” gegeben [Anm., treffender: die größte Völkerwanderung angeheizt], mit fatalen Folgen.
    “Durch den ungebremsten Zustrom von kulturfremden Armutsmigranten, die in unsere Sozialsysteme einsickern, wird unser von Solidarität und Zusammenhalt getragenes gesellschaftliches Gefüge in seinen Grundfesten erschüttert”, sagt Strache”.

    Da haben Sie es:
    Kulturfremde Kriegs- und Armuts-Migranten wandern ein
    Sozialsysteme werden überlastet
    Solidarität wird überstrapaziert
    Gefüge unserer Gesellschaft wird erschüttert
    ergänzend: Die Gesellschaft wird gespalten (siehe CSU und AfD)

    3. Ohne Merkels Politik der offenen Grenzen hätte es diese medienwirksamen Aufnahmen aber erst gar nicht gegeben! Oder das berühmt-berüchtigte “Selfie”. Klar, dass jetzt Millionen auf gepackten Koffern sitzen…

    4. Ihre Pauschalisierung mit “Ihr” ist wenig zielführend. Ich persönlich etwa bin sehr friedfertig. Das es in jedem Lager gewaltbereite Personen gibt, ist doch nichts Neues und kein besonderes Merkmal der Rechten. Gewalt gibt es auch unter Flüchtlingen oder Linken bzw. Linksextremen (“AntiFa” & Co.).

    Garry Freshman ist eine fiktive Figur, Sie Scherzkeks.

  4. Zu 1: Es bleibt also dabei: Strache hat gelogen. Strache weiß natürlich genau wie du, dass Merkel da keinen Startschuss gegeben hat. Das geniert ihn nicht, es dennoch zu behaupten. Strache ist also ein Lügner. Ein Betrüger. Ganz offen und ungeniert. Und seine Anhänger haben damit gar kein Problem. Lüge ist gut, solange sie ins eigene Konzept passt.
    Also nochmal die Frage, Gerhard Frischmann: Stimmst du mir darin zu?

    Zu 2: Erschüttert wird unser “von Solidarität und Zusammenhalt getragenes gesellschaftliches Gefüge in seinen Grundfesten” durch den Neoliberalismus, durch den Marktradikalismus. Und durch die pöbelhafte Reaktion eines Teils der Bevölkerung darauf. Spalter sind die FPÖ, AfD, CSU einerseits, die Finanzgewaltigen und ihre politischen und journalistischen Helfer andererseits.

    Die Zahl der Flüchtlinge bzw. der Einwanderer ist nur ein bescheidenes Problem dagegen – in einer Stadt wie München sind die Einwanderer auch in der vergleichsweise großen Zahl eigentlich gar kein Problem, sondern im Gegenteil ein Gewinn. München floriert. Ist sicher. Strache argumentiert von einer völkischen Einstellung aus, die schon einmal in die Katastrophe geführt hat – und die schon damals grotesk falsch gewesen ist. Völker gewinnen durch die Aufnahme von Fremden. Mischung ist gut. Und heute muss eine Nation, eine Firma, ein Verein, eine Universität etc. international aufgestellt sein, um zu reüssieren.

    Die Sozialsysteme werden durch die Einwanderung längerfristig (!) nicht nur nicht belastet, sondern aufgrund der überwiegend gelingenden Integration in den Arbeitsmarkt und der demografischen Entlastung dadurch auf die Dauer eher entlastet.

    Darf ich auf alles das eine genaue Antwort erwarten?

    Zu 3: Es ist absurd zu glauben, Merkels nette Gesten hätten die Motivation der Flüchtlinge bewirkt. Haben die keine anderen Gründe, um auf “gepackten Koffern” zu sitzen?

    Zu 4: Deine Unterstützung von Strache & Co läuft darauf hinaus, die Gewalt gegen Flüchtlinge und ihre Unterstützer für ein Kavaliersdelikt zu halten. Die Täter können mit deiner heimlichen Zustimmung und Solidarität rechnen.

    Es stimmt, dass auf der linksradikalen Seite genauso Gewalttätigkeit zu finden ist. Siehe meinen Artikel über die Demo in München, zum Beispiel.

    Es gibt aber einen fundamentalen Unterschied. Die Gewalt der Linksradikalen findet keinen starken Resonanzboden in der Gesellschaft; von ihr geht also keine Gefährdung der ganzen Gesellschaft und der Gesellschaftsordnung aus. Die sind ganz einfach zu wenig und zu isoliert. (Glücklicherweise.) –

    Das ist bei der Gewalt von rechts anders. Siehe 1933. Und heute. Ziel ist wohl, dass der Staat selbst gewalttätig werden soll – gegen die Flüchtlinge. Es besteht keine Gefahr, dass der Staat gewalttätig wird im Sinne der Linksradikalen, oder? Aber dass er es werden kann im Sinne der Rechtsradikalen, das zeigt die Geschichte – und das zeigen Äußerungen von AfD-Politiker, die zum Beispiel auf Flüchtlinge an der Grenze die Schusswaffe eingesetzt sehen wollen.

  5. Garry Freshman meint:

    1. Nein, ich denke nicht, dass Strache im eigentlichen Sinne gelogen oder gar betrogen hat. Er hat überspitzt, übertrieben. Das gehört doch tagtäglich zum politischen Geschäft. Der Kern seiner Aussage ist, dass Merkel mitverantwortlich für den Massenansturm in Richtung Deutschland und über Österreich ist. Und darin stimme ich ihm absolut zu.

    2. Beim Thema Neoliberalismus bin ich grundsätzlich bei Ihnen. Allerdings neigen Sie dazu, Probleme gegeneinander aufzurechnen. Das Flüchtlingsproblem ist genauso ein Problem wie der Neoliberalismus und seine Folgen. Die Sozialsysteme werden unterm Strich nicht durch “gelungene Integration in den Arbeitsmarkt” profitieren, schlicht, weil es gar nicht ausreichend Arbeitsplätze gibt! Schon gar nicht für Personen, die gering bis gar nicht qualifziert sind und erst die Sprache noch lernen müssen. Das ist einfach rosa-rotes (oder treffender: grün-rotes) Wunschdenken.

    3. Wie ich schon sagte: Merkel hat diesen Andrang in Richtung Deutschland gezielt (wenn auch vermutlich ungewollt) verstärkt. Wenn irgendwo Flüchtlinge interviewt wurden, wo sie denn hin möchten, hieß es zu 99% “Germany”. Die zahlreichen Aufnahmen mit “Merkel-Parolen” belegen dies ebenfalls recht eindrucksvoll.

    4. Ich unterstütze weder direkt noch indirekt irgendwelche Gewalt gegen wen auch immer. Auch nicht “heimlich”. Das ist eine bösartige Unterstellung. Ich wünsche mir auch keinen gewalttätigen Staat. Einzig die Grenzen sollten (wieder) geschützt werden und Eindringlinge notfalls, also als letztes Mittel, auch gewaltsam am Grenzübertritt gehindert werden. Insofern hat Frau von Storch durchaus recht gehabt. Es war nur sehr unglücklich formuliert.

  6. Zu 1: Es ist keine Überspitzung oder Übertreibung, wenn jemand sagt, Merkel habe den Startschuss für die Flüchtlingsbewegung gegeben. Es ist eindeutig eine Lüge. Grade so, wie wenn ich behaupten würde, Strache wolle alle Ausländer in Österreich in die Gaskammer stecken. Oder die AfD organisiere und koordiniere die Anschläge auf die Flüchtlingsunterkünfte.
    Über die Frage der Mitverantwortlichkeit kann man durchaus sachlich diskutieren. Das aber will ja der Strache nicht – das wollen auch seine Anhänger nicht. Sie wollen wüten. Darum die krasse Lüge. (Die Mitverantwortlichkeit Angela Merkels ist in dieser Sache sehr gering, wenn überhaupt vorhanden. Sie hat eigentlich nur im Sinne der deutschen Verfassungsordnung und der deutschen Kultur gehandelt. Wir sollten in dieser Hinsicht stolz sein auf sie.)

    Zu 2: Die Integration braucht etwas Zeit und einige Anfangsinvestitionen. Aber am Ende zahlt sich die Einwanderung aus. Man kann das heute schon in München (und vielen anderen wirtschaftlich erfolgreichen Städten) sehen. Da, wo es viele Migranten gibt, gedeiht auch die Wirtschaft. Es ist ein gutes Wechselverhältnis. Da, wo es wenig Migranten gibt, schaut es mit der Wirtschaft in der Regel ziemlich schlecht aus. Mein Rat an jede Stadt, die sich abgehängt fühlt: Versucht umzusteuern, versucht euch international aufzustellen, entwickelt eine Willkommenskultur! Schaut (als Negativbeispiel) auf Anklam, die national befreite Zone: keine Ausländer, keine Zukunft!

    Also: Wieso soll das reale Beispiel von München (und den vielen anderen Städten, die ähnlich gut drauf sind) grün-rotes Wunschdenken sein? Es ist doch eher Wunschdenken, wenn man glaubt, die Internationalisierung Europas aufzuhalten sei für uns vorteilhaft.

    Zu 3: Die Leute wollen nach Deutschland – und das ist ein Riesenkompliment für uns. Sie wollen nicht deshalb nach Deutschland, weil es da ein paar nette Selfies mit Angie gibt, sondern weil wir eine florierende Wirtschaft, die zugleich Migranten willkommen heißt, haben. Es ist unsere Wirtschaft und ihr migrantenfreundliches Verhalten, was den stärksten Motivationsfaktor ausmacht. Dazu kommt die vergleichsweise gute Infrastruktur für die Aufnahme von Flüchtlingen. In Deutschland gibt es eben mehr Leute, die gemerkt haben, dass wir durch die Einwanderung am Ende gewinnen.

    Zu 4: Unsere Grenzen sind gut geschützt. Ich sehe da keine Probleme. Wir haben ein GG mit Asylrecht. Wer an unserer Grenze auftaucht und um Asyl bittet, hat das verfassungsgemäße Recht auf sorgfältige Prüfung dieses Anspruchs. Das dauert ein bisschen und setzt die Unterbringung in Deutschland voraus. Wenn ich richtig sehe, möchtest du die Verfassung ändern, also den Grundrechteartikel zum Asyl in einer Weise ändern, die eigentlich nicht erlaubt ist.
    Deine Äußerung zur Forderung von Frau von Storch deutet ja doch wohl an, dass du eben doch gewalttätige Staatsaktionen für nötig hältst. Wieso soll man denn Leute an der Grenze abschießen? Die tun uns doch nichts, oder?

    Grundsätzlich noch etwas anderes: Ich nehme mal an, dass du durchaus der Meinung bist: UNSERE Produkte sollten per Export/Import überall auf der Welt freien Eintritt haben. Die Grenzen sollten offen sein für UNSERE Waren. Nun, wenn die Waren überall hindürfen, dann logischerweise auch die Ware Arbeitskraft. Diese Internationalisierung, Kosmopolitisierung ist nicht aufzuhalten – und wir gehören zu den Gewinnern.

    Kommt dazu: Die Kommunikationsmedien sorgen für globale Vernetzung. Das heißt immer auch: Die Grenzen werden durchlässiger. So wie wir vor vielen Generationen zu einer Nation zusammengewachsen sind (und dann eben zum Beispiel Berliner ohne weiteres nach München ziehen konnten), so wächst die Welt zusammen. Hier folgt das Politische dem Technologischen und Ökonomischen. – Was ist also nun das Konzept derer, die einfach nur panisch die Grenzen für Menschen schließen wollen? Gegen den Willen der Wirtschaft! Gegen die Entwicklung von immer intensiverer technologischer und ökonomischer Vernetzung! Es ist nun eben mal so: Alle Menschen auf dieser Erde sind heute untereinander Nachbarn.

    Ich bin ja gespannt, wie sich das in GB entwickeln wird. Werden die Torys wirklich die Grenzen für Migranten schließen und diejenigen Migranten, die schon im Lande sind, spürbar diskriminieren? Mal sehen. Und schauen wir dann mal, was das für wirtschaftliche Folgen haben wird. Es dauert immer ein bisschen, bis sich die Folgen von so etwas klar zeigen. Also Geduld! Aber dass es der Wirtschaft und den Bürgern gut tun wird, scheint doch recht unwahrscheinlich zu sein.

    Das ist grade so, wie wenn sich München zum Beispiel im 19. Jahrhundert gegen Einwanderung von außerhalb abgeschottet hätte – gegen Protestanten, gegen Juden, gegen Preußen … WIR wollen Münchner bleiben und nicht verjuden oder verpreußt werden! Und Protestanten haben bei uns guten Katholiken nix zu suchen! – Das war damals durchaus Volkes Meinung. Es wäre schlecht, grottenschlecht für München und die Münchner gewesen, wenn sich da nicht König, Regierung, Wirtschaft machtvoll gegen das Volk und die Fremdenfeindlichkeit gestellt hätten. (Die Bayerischen Konservativen haben damals nicht deutsch, sondern eben bayerisch gedacht. Sie haben es dann erst nach und nach gelernt, dass sie auch Deutsche sind und dass man mit dem protestantischen Berlin leben kann.)

    PS: Ich hoffe, du gehst auf alles hinreichend ausführlich ein. Das ist natürlich zuviel für eine post. Aber ich würde mich freuen, verteilt auf mehrere posts und auf mehrere Tage hier deine Antworten und dein Gegenkonzept erläutert zu finden. Ich wäre auch bereit, deine Ausführungen in Form eines Artikels zu bringen. Ich habe dich jetzt freigeschaltet, d. h. deine Kommentare kommen künftig direkt auf die Seite.

  7. Garry Freshman meint:

    1. Zugegeben, so gesehen hat Strache die Sache falsch dargestellt. Ich würde eher von einer Mitverantwortlichkeit sprechen. Es wurden seitens Merkel die falschen Signale ausgesendet und der bereits bestehende Ansturm wurde zusätzlich angeheizt und vermehrt in Richtung Deutschlad gelenkt. Inwiefern man deshalb auf Merkel “stolz” sein sollte, erschließt sich mir nicht. Oder meinen Sie das im Sinne einer guten Tat? Das sollte Merkel lieber den Kirchen überlassen. Sie hat als Bundeskanzlerin dem Deutschen Volke zu dienen, ganz so, wie es am Reichstagsgebäude steht – und sonst nichts.

    2. Ihre Idee der “Anfangsinvestionen” sagen leider nichts darüber aus, wo diese Millionen gering- oder gar nicht qualifzierten Flüchtlinge denn beschäftigt werden sollen. Wo sollen die Jobs denn herkommen? Das ist doch Selbstbetrug. Ich sage jetzt schon, dass die Mehrheit (70-80%) im sozialen Netz hängen bleiben wird und vermutlich lebenslang vom steuerzahlenden Michel alimentiert werden müssen. So schaut’s aus.

    3. Natürlich wollen die Leute nach Deutschland! Aber nicht, weil die Deutschen so lieb und nett sind, sondern weil es hier im Vergleich die mit höchsten Geldbeträge gibt! Vor allem, wenn man erstmal in Hartz IV ist. Das ist mehr, als die Leute in vielen Herkunftsländern regulär verdienen. Mein lieber Leo Brux, wie naiv kann man sein…

    4. Ich denke, dass die Grenzen nicht gut genug geschützt werden. Und nein, ich bin nicht dafür, einfach auf Flüchtlinge zu schießen. Doch als letztes Mittel muss ein Grenzer natürlich auch Gewalt anwenden dürfen (möglichst nicht tödliche, versteht sich). Sonst kann man die Grenze auch gleich aufgeben, wenn sowieso jeder rein und raus darf, wie er/sie möchte.

  8. Garry Freshman meint:

    Ergänzend zu 4) ohne sichere Grenzen mit klaren Regeln könnten wir unseren kompletten Staat auflösen. Er existiert dann schlicht nicht mehr. Na ja, im Zuge der weiteren “Multikultarisierung” löst sich unser Land sowieso immer mehr auf. Im Endeffekt beschleunigt die Asylwelle diesen Prozess bloß um einige Jahre.

  9. Jakobiner meint:

    “Bürgerkrieg in Garmisch-Partenkirchen?”–so titelt jetzt die AfD auf ihrer Regionalfacebookseite nach dem Brandbrief von Sigrid Meierhofer (SPD) an die oberbayerische Regierung wegen der Zustände um das Flüchtlingsheim im Abrahamskomplex, der inziwsxchen bundes- und weltweite medienresonanz ausgelöst hat. Das Wort ist wohlgewählt, um Öl ins Feuer zu schütten und die Lage zu dramatisieren und zu hysterisieren. Man gewinnt den Eindruck, die AfD wünscht sich geradezu jenen Bürgerkrieg, vor dem sie zu warnen vorgibt. Für den Samsatg ist jetzt eine AfD-Demo um 13:00 am Bischoffseck angekündigt. Mal sehen wieviele Bürgerkriegsteilnehmer dort mitmarschieren:

    http://www.sueddeutsche.de/bayern/fluechtlinge-garmischs-buergermeisterin-hat-sich-von-diffusen-aengsten-treiben-lassen-1.3222987

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