Die CSU-Unordnung im Grundsatzprogramm (4)

bayern3. Fortsetzung der CSU-Programmdebatte.

>>> Hier Artikel 1 und 2 und 3.

>>> Hier geht es zur Ordnung.

Religionsfreiheit und deren Grenzen sind zu achten.

Die große Mehrheit der Menschen sucht Sinnstiftung und will Orientierung durch Religion.

Der Staat hat die Glaubens- und Religionsfreiheit zu garantieren.

Kirchen und anerkannte Religionsgemeinschaften sollen öffentlich wirken können.

Umgekehrt erwarten wir aber auch, dass die grundsätzliche Trennung zum Staat beachtet wird.

Religiöse Überzeugungen können niemals die Rechtsordnung, das staatliche Gewaltmonopol oder den staatlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag ersetzen.

Religionen sollen in Deutschland partnerschaftlich für die Wahrung unserer Werte und des gesellschaftlichen Zusammenhalts eintreten.

Wir wollen dazu einen intensiven, stetigen Dialog zwischen und mit den Religionen.

Ob das heute noch “die große Mehrheit” ist, die direkt in der Religion Sinnstiftung und Orientierung sucht? Ich bezweifle es, zumindest wenn hier Religion nur in Form von Kirchen und Religionsgemeinschaften gemeint sein sollten.

Im übrigen stimme ich zu.

Kulturelle Traditionen und freiheitliche Lebensweise erfordern Akzeptanz.

Unsere gelebten Traditionen bringen Menschen zusammen.

Sie sind Ausdruck für das, was uns im öffentlichen Leben wichtig ist.

Wir zwingen sie niemandem auf.

Klar ist aber auch: Jeder, der bei uns lebt, muss unsere Kultur als Teil des öffentlichen Lebens respektieren.

Dazu gehört auch die Toleranz für unsere freiheitliche Lebensweise.

Der bayerische Grundsatz des „Leben und leben lassen“ gilt für alle.

Wir lassen uns nicht vorschreiben, dass wir unsere kulturellen Vorstellungen anpassen müssen.

Wir haben keine Angst vor Veränderung, aber wir wollen kein anderes Land.

Die Veränderungen der Vergangenheit haben aber dazu geführt, dass Bayern ein anderes Land geworden ist. Ich bin 66 und Bayer, ich weiß, wovon ich spreche. Im übrigen würde ich sagen: Bayern hat sich sehr zum Besseren verändert. Ich möchte nicht zurück. Um Gottes willen!

(Man denke nur an die jetzt endlich auch bei der CSU angekommene Gleichberechtigung der Frau! Man denke an die sehr viel höhere Zahl der Verkehrsunfälle früher und an die deutlich höhere Kriminalitätsbelastung in früheren Jahrzehnten: Bayern ist sicherer geworden.)

Was bringt heute die Menschen zusammen?

Ja, schon, auch hier und da mal die Traditionspflege. Gehört schon für viele dazu. Aber das ist ja wohl kaum der Hauptfaktor. Die neuen Kommunikationsmedien sind es – und da könnte ich mich Konservativen durchaus anschließen, wenn sie skeptisch fragen, ob das wirklich ein Zusammenbringen der Menschen bedeutet.

Na, und wer hier in Bayern respektiert denn nicht die Äußerungen spezifisch bayerischer Kultur?

Wer die Aufforderung zu diesem Respekt liest, bekommt den Eindruck, dass es da doch jemanden geben muss, an den sich der Satz kritisch richtet.

Die Migranten sind es in diesem Punkt sicher nicht.

Oder doch?

Wir lassen uns nicht vorschreiben, dass wir unsere kulturellen Vorstellungen anpassen müssen.

ICH lasse mir natürlich nicht vorschreiben, dass ich meine kulturellen Vorstellungen an die Erwartungen von Konservativen oder von jungen Leuten heute oder von Arbeitgebern anpassen muss.

Wer tut das denn?

Ich vermute mal: Die CSU meint damit, ohne es offen formulieren zu wollen, die kleinen Anpassungen, die man in Schulen oder Firmen vornimmt, um die Bedürfnisse und Interessen von gläubigen Muslimen zu berücksichtigen.

Es ist aber keine Anpassung unserer Kultur an muslimische Standards, wenn wir in einer Kantine Schweinefleisch deklarieren und eine zuverlässig akzeptable Speise ins Angebot aufnehmen. Wir erweitern nur unser Spektrum.

Wenn ich akzeptiere, dass unsere öffentlichen Medien auch rap-Musik bringen, dann ist das für mich kein Zwang – ich muss das ja nicht hören. Da kommt nur ein weiteres Element hinzu, das die Vielfalt vermehrt.

Der bayerische Grundsatz des „Leben und leben lassen“ gilt für alle.

Fortsetzung folgt.

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