Die CSU-Unordnung im Grundsatzprogramm (8)

bayernFortsetzung der CSU-Programmdebatte.

>>> Hier Artikel 1 und 2 und 3 und 4 und 5 und 6 und 7

>>> Hier geht es zur Ordnung.

 

Integration ist zwingend und hat eine Richtung.

Wer bei uns bleibt, muss sich integrieren.

Soll. – Muss? Wie streng nimmt man dieses MUSS? Vorsicht! Wir wissen in der Regel Liberalität und gesunden Menschenverstand und die Gebote der Verfassung zu schätzen. Leben und leben lassen. Solange eine lästige Abweichung keinen ernsthaften Schaden nach sich zieht, kann man sich durchaus überlegen, ob man nicht einfach nur mit den Achseln zuckt.

Es darf keine integrationsfreien Räume geben. Das wäre der Nährboden für Radikalisierung.

Es GIBT integrationsfreie Räume. Für die Reichen zum Beispiel. Sie brauchen sich nur bedingt zu integrieren.

Oder für Rechtsradikale und Rechtspopulisten. Sie können in Anklam und andernorts national befreite Zonen errichten, und die Politik lässt das großzügig geschehen.

Das Integrationsproblem haben wir generell. Viele Gruppen wollen sich nicht in die moderne Welt integrieren.

Die CSU möchte gern den Scheinwerfer einseitig auf Migranten richten.

Dabei stellt sich das Integrationsproblem umfassend und für “Biodeutsche” untereinander nicht weniger dramatisch als für Migranten.

Integration muss heißen, dass diejenigen, die zu uns kommen, sich anpassen. Integration kann nicht heißen, dass wir uns anpassen.

Aber selbstverständlich werden auch wir uns anpassen müssen: Die Welt verändert sich rasant. Die Lebenswelt verändert sich in einem Tempo, das nun gewiss ungesund ist und uns überfordert.

Das wir Einwanderung haben und durch Einwanderer auch ein Beitrag zu dieser gewaltigen, revolutionär zu nennenden Veränderung unserer Lebenswelt leisten, gehört in den Gesamtzusammenhang.

Selbstverständlich haben AUCH WIR uns zu überlegen, was WIR ändern sollten, wenn zum Beispiel viele Muslime unter uns wohnen. Und wir tun es – durchaus im Einverständnis mit der CSU. Wir bieten zum Beispiel halal-Essen in Kindergärten und Grundschulen an.

Wir wollen, dass Zuwanderer nach unseren Regeln leben.

Jaaa! Aber verdammt noch mal, was genau sind UNSERE REGELN?! Wir sind uns darüber doch selber nicht einig, oder?

Aber soweit wir uns darüber einig sind – ok. So weit lass ich den Satz gelten.

Unter dem Vorbehalt dessen, was ich zu dem Punkt davor gesagt habe.

Integration bedeutet Orientierung an unserer Leitkultur, nicht Multi-Kulti. Wir lehnen Multi-Kulti ab. Ein multikulturelles Neben- und Gegeneinander führt zu Intoleranz, Ghettobildung und Gewalt. Wer bei uns lebt, muss mit uns leben, statt neben oder gar gegen uns.

Multikultur ist kein NEBENEINANDER, sondern zwangsläufig ein MITEINANDER.

Nichts gegen eine Orientierung an UNSERER Leitkultur, soweit wir uns einigen können, worin die denn nun besteht. Ich habe dazu meinen Beitrag geleistet.

Aber nochmal zur Multikultur. München ist bunt. Was anders soll und kann das bedeuten als: München ist multikulturell! München ist kulturell vielfältig. International. Kosmopolitisch. Das Bayerische und Traditionale hat darin einen Ehrenplatz. Das Deutsche hat darin eine richtungsweisende Rolle – das Deutsche verstanden als im klassisch-deutschen Sinne Weltbürgerliche. Alle deutschen und nicht-deutschen Gruppen bringen sich ein, leben und gedeihen im Rahmen ihrer Besonderheiten und im Austausch mit den anderen. So geht das hier in München. Nicht ohne Erfolg.

Neben- und Gegeneinander führen in der Tat zu Intoleranz, Ghettobildung und Gewalt. Grade deshalb plädieren wir für ein gemeisames Ja zur Multikultur – damit es nicht zu Intoleranz, Ghettobildung und Gewalt kommt.

Indem die CSU so tut, als ob die real existierende kulturelle Vielfalt ein Problem sei, das sozusagen monokulturell bzw. farbenfrei gelöst werden muss, trägt sie Intoleranz, Ghettobildung und Gewalt bei.

Klar ist: Hier gelten unsere Regeln, nicht die Regeln des Herkunftslandes.

Was denn sonst.

Nur, erstens, können wir uns auf UNSERE Regeln einigen? Wahrscheinlich nur partiell.

Und zweitens, welcher Teil unserer Regeln? Soll der Satz auch fürs Privatleben der Migranten gelten? Doch wohl nicht, oder?

Und drittens, wie schauen einschlägige gesetzliche Formulierungen aus – und entsprechende Sanktionen? Soll  hier totalitär eingegriffen werden ins Privatleben?

Die Vollverschleierung mit Burka oder Niqab passt nicht in unseren Kulturraum und zu unserem Verständnis von der Rolle der Frau. Wir lehnen die Vollverschleierung im öffentlichen Raum ab.

Wenn es sonst nichts gibt, was die CSU in diesem Zusammenhang (Regelgeltung, Integrationsverpflichtung) zu bieten hat — ja mei.

 

Kommentare

  1. Jakobiner meint:

    Nach den neuesten Vorkommnissen beim Gaujugendtag titelt der Münchner Merkur “Wer will den Gaujugendtag?”. Scheinbar breite Teile der Gaujugendlichen nicht mehr in den alten Formen der angestammten Tradition und Leitkultur. Klingt ja nach einer Provinzposse, die aber nun ideologisch in einen weltpolitischen Kampf der Kulturen aufgeblasen wird.Was ist passiert? Die Gaujugend schwänzt den christlichen Gottesdienst, singt und säuft lautstark im nahegelegenen Wirtshaus, stört krakelend die Feierlichkeiten und pöbelt etwaige Beschwerdeführer an.Aber anstatt hier einfach mal an Disziplin zu appellieren, wird dies zum Kampf ums christliche Abendland hochstilisiert: “Wir bieten damit dem Islam den Nährboden, den er braucht” (Gaupresserat Hans Jais).

    Steht jetzt die Islamisierung der Gaujugend bevor? Shariapolice im Bierzelt?Muselmanische Hassprediger auf der Kanzel? Islamisten im Wirtshaus (die hätten ja wohl eher das süffige Bier samt Schweinebraten verboten)? Steht die Burkaisierung der Gaufrauen unmittelbar bevor? Wird jetzt das Christenkreuz durch den Halbmond ersetzt, die Gaujugend beschnitten? War denn überhaupt ein Muslim in der Nähe, der missionieren könnte?Wäre eigentlich der Stoff für eine Satiresendung, wenn es nicht so ärgerlich wäre, wie hier paranoid die Islamhysterie in deutschen Gauen bedient wird.

  2. Jakobiner meint:

    Aber was anderes ist denn bei diesen heimatstreuen, provinziellen, reaktionären, weit rechtsstehenden Gauverbänden, Schützen- und Kriegervereinen zu erwarten, die immer ein Feindbild brauchen, um ihre Leitkultur und ihre Gruppe konstitutieren zu können.

    Und dann bleibt dann auch noch die Frage: Gehört das rüpelhafte Verhalten der Gaujugend nicht eigentlich doch zur bayerischen Leitkultur oder nicht? Wirtshausschlägereien und Saufereien gehören doch eigentlich zur bayerischen Leitkultur, die doch die Gaujugend dann vorbildlich vorexerziert hätte? Die würde ja dann eher durch den Islam gefährdet und würde mit dem Alkoholgenuß ja gerade dem Islam den Nährboden entziehen. Aber auf so logische Widersprüche lassen sich die Vertreter des Gauvorstands gar nicht ein. Der Islam steht vor den Toren, mia san mia und damit ist es auch wieder genug!

  3. Seien wir großzügig, Jakobiner!

    Es gibt ja nun sowieso keine Leit-Mono-Kultur. Es gibt eine prächtige Vielfalt, Buntheit, Multikulturalität, und dazu gehört halt auch das uns beiden gewiss eher unangenehme Treiben dieser Gauverbände.

    Auch Pegida und AfD gehören zur multikulturellen (!) Vielfalt (ebenso wie zur politisch-pluralistischen Verfassung).

    Wär nur schön, wenn alle, die da ihren Präferenzen nachgehen, sich gut Bayerisch sagen würden: Leben und Leben lassen!

    Das wär dann wirklich LEIT-Kultur.

    Deutschland ist bunt! (Ich weiß, ich weiß, nicht in Anklam!)

Hinterlassen Sie einen Kommentar

*