Die CSU-Unordnung im Grundsatzprogramm (11)

bayernFortsetzung der CSU-Programmdebatte.

>>> Hier Artikel 1 und 2 und 3 und 4 und 5 und 6 und 7 und 8 und 9 und 10.

>>> Hier geht es zur Ordnung.

Gelungene Integration ist eine Bereicherung.

Bayern ist das Land gelingender Integration.

Wer sich hier eine Existenz aufbaut, wer etwas leistet und sich in unsere Gemeinschaft einbringt, findet hier neue Heimat.

Er ist eine Bereicherung für das einzigartige bayerische Miteinander.

Wer in sein Herkunftsland zurückkehrt, hat durch das hier Erlernte beste Voraussetzungen für den Wiederaufbau seiner Heimat.

Die bei uns erfahrenen Vorteile gelebter Demokratie sollen Ansporn und Befähigung sein, in der Heimat zum Aufbau eines demokratischen Gemeinwesens beizutragen.

Sehr schön gesagt. Ich applaudiere.

Gilt das Einbringen eigentlich auch für den fußballspielenden, ministrierenden Senegalesen?

Ich hoffe doch!

Er müsste sich von den obigen Zeilen sehr angesprochen fühlen. Und dies zurecht.

Ob allerdings die Heimat, aus der er geflohen ist, ihm Gelegenheit geben würde, dort zum Aufbau eines demokratischen Gemeinwesens beizutragen, dürfte zweifelhaft sein.

Es fehlt an der wirtschaftlichen Grundlage.

(Anmerkung: Als CSU-Kritiker beachte man, dass dieser Abschnitt auf keinen Fall in einem AfD-Programm stehen könnte.)

Deutsche Staatsbürgerschaft muss ein Bekenntnis sein.

Die Erlangung der Staatsbürgerschaft ist nicht der Anfang, sondern die Bestätigung gelungener Integration.

Wir treten für klare Kriterien für den dauerhaften Aufenthalt in unserem Land und den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit ein.

An erster Stelle gehören dazu die uneingeschränkte Anerkennung unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung, das Bekenntnis zur Leitkultur sowie ausreichende deutsche Sprachkenntnisse.

Wer Deutscher werden will, soll das nicht nur auf dem Papier, sondern auch mit dem Herzen werden.

Na, liebe CSU, wie schaut ihr denn jetzt hinein in die Herzen der Menschen?

Nicht einmal Gedanken lesen könnt ihr, und da wollt ihr Herzen lesen können?

Kein Problem für einen, der Beamter oder Staatsbürger werden will, per Unterschrift seine uneingeschränkte Anerkennung unserer FDGO zu bekunden. Mit dem, was einer sich denkt und was einer fühlt, muss das nicht viel zu tun haben.

Wie verhält sich das nun mit der Leitkultur?

Da es keine irgendwie justizfähige Definition dafür gibt, da also keine amtliche Form der Messung und Begutachtung vorliegt, und da ja auch ein großer Teil der deutschen Staatsbürger in wesentlichen Aspekten ihres Lebens außerhalb dessen agiert, was als kultureller mainstream gelten könnte … fragen wir uns immer und immer wieder, was denn diese Beschwörung der Leitkultur in der Politik soll.

Zusammenhalt durch Identität: Heimat und Weltoffenheit!

Wir bekennen uns zu unserer Heimat und zu Weltoffenheit.

Das war und ist die Erfolgsformel für den bayerischen Weg: Offen sein für Neues und Anderes, aber gleichzeitig stark sein an Identität und innerem Zusammenhalt.

Nur wer Heimat hat, kann weltoffen sein.

Wer oder was gefährdet, wer oder was zerstört hier und heute “Heimat”?

Es sind doch nicht die Migranten. Grade da, wo sie am seltensten auftreten, fühlen die Leute ihre Heimat am meisten gefährdet.

In Anklam mehr als in Dresden, in Dresden mehr als in München.

Einwanderer, Multikulturalität gehören heute zur Heimat, wenn man ein Münchner ist.

Ich bekenne mich auch zu diesem Wechselspiel Heimat-Weltoffenheit. Es ist schon so. Weil ich mich hier im Lande und in mir selbst heimisch fühle, kann ich weltoffen sein.

Ich weiß, ich verliere mich nicht, wenn ich aus mir herausgehe.

Ich weiß, wir Deutsche verlieren uns nicht, wenn wir kosmopolitisch werden.

Es macht uns nur noch stärker – Deutsch.

Also, ich frage die CSU nochmal: Wer oder was gefährdet, wer oder was zerstört hier und heute Heimat?

Doch wohl alles das, was unser Leben prekär macht. Etwa die ökonomischen Verunsicherungen. Etwa die unsere Lebenswelt rabiat verändernden Technologien. Etwa die Verwahrlosungserscheinungen bei immer mehr Menschen.

Was bringt es, diese Verunsicherungen alle einem Sündenbock aufzubündeln: den Flüchtlingen?

Es gäbe noch mehr zu zitieren und zu kommentieren in diesem unordentlichen “Programm der Ordnung”. Aber lassen wir es mal dabei. Demnächst folgt eine neue Serie. In der wird es um die Ursachen der Flüchtlingsbewegungen gehen.

Da ich im Moment stark mit anderen Dingen beschäftigt bin, kann es wieder zwischendurch zu kleinen Pausen kommen. Keine Sorge, liebe Leser, nach ein paar Tagen komme ich dann schon wieder.

Einer von den ganz besonderen Lesern hat mich darauf aufmerksam gemacht. Ich möchte ihn zitieren:

Der Dicke hat sich wohl wieder vor ein par Tagen die Kanne gegeben. Jetzt wacht er so langsam wieder auf aus seinem Koma, löscht zehn und bringt 10 gleich wieder rein. Sind wohl die Nachwehen. Er sollte sich noch ein-zwei Tage auskurieren. Ich kann auch nicht verstehen wieso die (steuerfinanzierte?) Initiativgruppe so einen Quartals-Alki als Blogwart duldet.

Nett, gell?

So ein kleiner Trumpist.

Das war schon in den letzten Jahren der Ton – jetzt, mit trumping Trump als winner, wird’s noch mehr werden.

Dieser Typ möchte gern regieren. Schauen wir mal!

Apropos 10: Ich hatte gleich zu Anfang der Serie den noch unbearbeiteten Zitat-Text auf 10 Seiten verteilt und die Portionen unter je einem Datum gespeichert. Beim letzten Teil hatte ich vergessen, das Datum rechtzeitig ein paar Tage hinauszuschieben. So kam das Stück mal kurz unbearbeitet und unkommentiert online.

Kommentare

  1. Die CSU und Merkel machen ALLES richtig, lest selbst:

    Was haben wir’s gut, Dank Frau Merkel?

    „Ausländer“* bewerteten die Städte auf der Welt, in denen es sich gut Leben und Arbeiten lässt, in denen Job-, Kosten- und Freizeitmäßig eine gute „work-live-balance“ bestehe. Heraus kamen einige erstaunliche Ergebnisse, aber auch ein Wiedersehen mit vielen, alten, guten Bekannten:

    17. New York, landete auf dem letzten Platz!
    16. Zürich, Schweiz, landet sonst viel weiter vorne?
    15. Berlin, Deutschland, kinderfreundlich?
    14. Genf, Schweiz, keine Überraschung.
    13. Frankfurt, Deutschland
    12. Basel, Schweiz
    11. Barcelona, Spanien, 8 Plätze hinter Madrid!
    10. Toronto, Kanada
    09. Mexico City, Mexico
    08. Sydney, Australien
    07. München, Bayern**
    06. Wien, Österreich
    05. Singapore,
    04. Düsseldorf, Deutschland*
    03. Madrid, Spanien
    02. Houston, Texas
    01. Melbourne, Australien

    Immerhin 10 europäische Metropolen, darunter 4 deutsche Städte, angeführt von Düsseldorf und bemerkenswerten 3 Städten aus der kleinen Schweiz! Dazu natürlich Wien, Barcelona hinter(!) Madrid.

    Es fehlen überraschenderweise Kandidaten wie London, Oslo, Kopenhagen, Stockholm und natürlich Paris, Brüssel, Den Haag oder Amsterdam und natürlich(?) die Osteuropäer wie Budapest, Prag oder Krakau?
    ______

    * (Es darf unterstellt werden, daß die in dieser Umfrage befragten „Ausländer“ nicht 2015 zu Fuß aus Österreich nach Bayern eingereist sind, sonst läge Bayern zweifellos auf Platz 1 in diesem Ranking!)

    **(München drei Plätze hinter Düsseldorf? Das konnte nur geschehen, weil die Tester Altbiertrunken, den anheimeligen bayrischen Dialekt als kommunikationsfeindliche Sprachbarriere bewertet haben, „dia Sauhund‘, dia Preißiaschn!“)

  2. Ich hab dieses Ranking auch irgendwo gelesen und mir gedacht, dass da einiges nicht stimmen kann. Houston so weit vorne? Zum Beispiel. Oder Mexico City – eine Albtraumstadt! Wen haben die Leute gefragt? Und was genau?

  3. Leo, kann es sein, daß der Link bei dir (automatisch?) gekappt worden ist?
    https://www.weforum.org/agenda/2016/11/the-17-best-cities-to-live-in-the-world-as-voted-for-by-expats

  4. almabu,
    dein Link funktioniert.

    Ich frage mich, was das für expats sind, die in Houston leben. Wohl kaum irgendwie normale Leute. Leute, die eine menschliche und kulturell lebendige Stadt lieben, eine, in der man in vielen Stadtviertels gut und sicher und unterhaltsam spazieren gehen kann …

  5. Jakobiner meint:

    Gastkommenatr von Boris Palmer in der FAZ: “Die Nazis, die Flüchtlinge und ich”–dabei nimmt er sogenannte CSU-Positionen ein:

    http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/boris-palmer-im-gastbeitrag-die-nazis-die-fluechtlinge-und-ich-14541360.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

  6. In einer am Donnerstag verabschiedeten Resolution sprachen sich die Abgeordneten mit einer klaren Mehrheit für das vorläufige Einfrieren der Beitrittsgespräche mit der Türkei aus. Für die Resolution stimmten 479 Abgeordnete, 37 waren dagegen, 107 enthielten sich. – derstandard.at/2000048125514/EU-Parlament-fordert-Einfrieren-der-Tuerkei-Beitrittsgespraeche

    ErdoWahn weiss, daß diese Resolution “nicht bindend ist, ätsch EU!”

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