Seehofer Hand in Hand mit Trump

bayernMan glaubt es im ersten Moment nicht.

Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hat den künftigen US-Präsidenten Donald Trump gelobt und vor einer schnellen Verurteilung gewarnt.

“Mir gefällt, dass er die Menschen direkt anspricht und ihre Lebensrealität berücksichtigt. Nicht abstrakt, sondern mit konkreten Antworten”, sagte der bayerische Ministerpräsident der Zeitung Passauer Neue Presse.

Die Menschen hätten genug von ungefähren Ankündigungen, sagte Seehofer und forderte mehr Konkretes in der Politik. “Die Menschen haben die ausdruckslose Lyrik satt, die in Deutschland verwendet wird, nur damit man keine hohen Wellen schlägt.”

Außerdem forderte er, den frei gewählten US-Präsidenten “nicht in Bausch und Bogen” zu verurteilen, bevor er sein Amt überhaupt angetreten habe.

“Wir sollten ihm eine Chance geben. Die praktische Politik ist der Maßstab der Bewertung”, sagte Seehofer.

Nach Trumps Wahl zum US-Präsidenten hatte Seehofer den Republikaner zu einem Besuch nach München eingeladen.

ZEIT

Erinnern wir uns. Trump hat in einer Weise gepöbelt, die unerträglich ist. Die einen Konservativen oder einem, der meint, in der Politik müsse ein gewisses Minimum an Anstand und Wahrheitsorientierung gewahrt bleiben, einfach nur abstoßen kann.

Seehofer stößt es nicht ab.

Trump:

“Ich könnte mich auf die Fifth Avenue stellen und jemanden erschießen und würde keinen Wähler verlieren, das ist unglaublich.”

Das charakterisiert nicht nur ihn, das charakterisiert auch seine Wähler.

Seehofer dazu: Gut, wie der Trump das macht! Frisch, konkret!

Trump treibt die Verrohung in der Politik voran. Die Hemmungslosigkeit. Die Aggression. Er peitscht auf und lässt sich aufpeitschen.

Seehofer dazu: Gut, wie der Trump das macht! Frisch, konkret! Nicht die sonst übliche ausdruckslose Lyrik.

Trump führt eine Sprache, die wir nicht anders als faschistisch nennen können.

Seehofer gefällt das. Möchte das wohl auch bei uns einführen. Hat sich ja auch schon daran versucht, ein bisschen jedenfalls.

So ganz traut er sich noch nicht. Deutschland ist noch nicht bereit für den Trumpismus. Aber was nicht ist, kann und soll noch werden – Seehofer ist dabei.

Dabei könnten wir uns fragen, ob das strategisch gut durchdacht ist – vom Interessenstandpunkt Seehofers und der CSU aus gesehen.

Die CSU wird in der Trumpismus-Kategorie nie und nimmer so viel bieten können wie die AfD.

Je enthemmter es bei uns zu gehen wird, je trumpiger wir öffentlich über Politik reden, desto besser für diejenigen, die für ihr Hetzen und Pöbeln keine Grenzen kennen.

Kommt dazu: Ich vermute, auch bei der CSU überwiegen diejenigen, die Trump keinerlei Sympathie entgegen bringen; die ihn für destruktiv und gefährlich halten.

Ob es da strategisch und taktisch klug ist für Seehofer, sich Trump anzubiedern?

Oder täusche ich mich bezüglich der Bedürfnisse und Einstellungen der CSU-Wähler? Bewundern sie heimlich doch den Stil von Donald Trump?

Was das Abwarten angeht, ja mei, Seehofer, das müssen wir alle.

Ist es kein politisches Problem für dich, dass man bei Trump nicht wissen kann – und wohl auch all die 4 Jahre, die er vor sich hat – nie wirklich wissen wird, wohin der Weg geht?

Außer, dass er radikal nationalistisch und populistisch werden soll – auch gegen Deutschland, gegen unsere Interessen? Trump hat öffentlich klar gemacht, wie wenig er an Kompromissen, an Interessenausgleich interessiert ist? (“Ausdruckslose Kompromiss-Lyrik”, würde Seehofer wohl sagen.)

Fehlt eigentlich nur noch, dass Seehofer auch Erdogan einlädt und mal ein freundliches Lob zukommen lässt.

Warum nicht, Seehofer?

Der Volkstribun Erdogan liefert doch nur die islamistische und türkische – insofern auch rabiatere – Variante dessen, was Seehofer lobt:

“Mir gefällt, dass er die Menschen direkt anspricht und ihre Lebensrealität berücksichtigt. Nicht abstrakt, sondern mit konkreten Antworten.”

Damit können wir mittelfristig auch rechnen: Die Volkstribune, die nationalen Führer werden rasch miteinander in Konflikt geraten.

Meine Nation zuerst – was kümmern mich die Interessen der anderen! Mein völkisch homogen zu denkendes Volk zuerst – Schluss mit der Bürgerrechts- und Menschenrechts- und Minderheitenschutz-Lyrik der Gutmenschen!

Was das in einer Welt der intensiven globalen Vernetzung und angesichts moderner Waffensysteme bedeutet, kann man sich ausrechnen.

Kommentare

  1. Jakobiner meint:

    Frage: Kann ich den Artikel reposten, natürlich mit Link? Dieser Seehofer biedert sich wirklich jedem Despoten und zukünftigen Despoten an. Putin, Orban und nun eben Trump. Ich bin mal gespannt, wie es dann der Söder als Kronprinz und Nachfolger hält, zumal mit seinem neuen gegründeten bayerisch-amerikanischen Stammtisch.Zudem wird jetzt seitens der CSU betont, dass Trumps Familie nicht aus Kallstadt, sondern aus Bayern käme. Das wird den Trump wahnsinnig interessieren. Zumindestens will Seehofer/Söder Bayern wieder Bayern zur Zentrale aller deutschen Außenpolitik machen, wie schon Strauss gegenüber Kohl/Genscher.

  2. Alles kann re-postet werden. Mit Namensnennung bzw. Link.

  3. Korbinian meint:
  4. @ Leo Brux
    einige Politiker sehen eben in Trump nicht nur das schlechte, anderere können auch Karibik-Tyrannen postitive Seiten abgewinnen und grüne Nachwuchskräfte können sich auch für islamische Theokraten begeistern.
    http://www.ruhrbarone.de/gruene-jugend-empfiehlt-iran-reisen/132636
    Anything goes.

  5. Korbinian meint:

    @conring

    Man kommt dort auch leicht an Drogen. Ein bisschen Bakschisch sollte man aber dabei haben damit die Revolutionswächter wegschauen.

  6. Korbinian meint:
  7. conring,
    meinst du nicht, dass politisch gesehen ein beträchtlicher Unterschied besteht zwischen dem, was ein paar marginale junge Leute naiv tun oder meinen – und dem, was ein amerikanischer Präsident tut oder meint?

    Anything goes. Für dich. Also, Auschwitz goes. Hiroschima goes. ANYTHING goes.

    Warum soll das so sein? – Damit du dir keine Mühe geben musst. Damit jeder Unsinn, den du von dir gibst, ebenso viel Qualität beanspruchen kann wie eine besonnen und gründlich recherchierte Hypothese.

    Ich kann auch nicht recht erkennen, dass sie sich für islamische Theokraten BEGEISTERN. Die paar Leute relativieren nur leichtsinnig, naiv, unzulässig – darauf hat dann die Grüne Jugend (der Verband) unmissverständlich reagiert.

    In was für einer Welt lebst du, dass du so einen Vorgang auf die selbe Ebene stellst wie die Äußerungen und Taten eines amerikanischen Präsidenten in spe?

  8. conring meint:

    @ Leo Brux
    “was ein paar marginale junge Leute naiv tun oder meinen”
    Frau Keller ist 35 jahre alt, sitz für die Grünen im Europaparlament, ist stellvertretende Vorsitzender der dortigen Grünen/EFA-fraktion und gilt als potenzielle Nachfolgerin der gegenwärtigen Vorsitzenden. Jung und marginal ist was anderes.

  9. conring meint:

    “In was für einer Welt lebst du, dass du so einen Vorgang auf die selbe Ebene stellst wie die Äußerungen und Taten eines amerikanischen Präsidenten in spe?”
    Ich habe die Grünen Mullahversteher nicht mit Trump verglichen sondern mit Seehofer. Und ich kann da eben tatsächlich keinen Unterschied erkennen. Höchstens, dass Trump eben im Gegensatz zu den iranischen Machthabern noch überhaupt kein Homosxuellen oder fraunefeindliches Gesetz in seinem politsichen Programm hat und von daher die einschlägigen Verunglimpfungen ziemlich unfair sind.
    Trump plant auch die Einführung der Kinderehe, die sich ja gewisse Leute hierzulande zum Wohl der Kindbräute durchaus vorstellen können.

  10. Für conring stehen also ein paar versprengte junge Grüne auf der selben Ebene wie — Seehofer.
    Na ja, wenn das für dich so ist, was soll ich da noch sagen.

    Und Trump – mit der halben Firepower der Welt und der größten Ökonomie der Welt und dem halben nuklearen Arsenal der Welt um sich herum – dieser Trump steht mit seinen Neigungen auf der selben Ebene wie die Mullahs im Iran?!

    Conring lässt hier schon seit Jahren Kommentare los. Immer wieder bemerkt man seinen mangelnden Sinn für Proportionen und Kategorien.

    Noch ein Versuch:

    Einmal angenommen, ein CSU-Funktionär äußert sich rassistisch. Die CSU weist in der Folge diese Äußerung zurück und maßregelt den Mann.
    Liegt das auf der selben Ebene wie eine ebensolche Äußerung von Seehofer? Oder von Gauck? Oder von Merkel?
    Ein conring würde sagen: Ja. Rassismus ist Rassismus. – Richtig, Rassismus ist Rassismus.

    Aber es macht einen Unterschied, ob es sich dabei um ein Stammtischgespräch handelt, oder um die Äußerung eines Funktionärs oder kleinen marginalen Amtsträgers oder um die öffentliche Äußerung des Parteiführers und Ministerpräsidenten.

    Den rassistischen Ausfall am Stammtisch muss ich nicht in die Tagesschau bringen. Den rassistischen Ausfall des lokalen CSU-Funktionärs kann man auf der lokalen Ebene belassen und dabei berücksichtigen, dass sich die Partei distanziert hat. Eine öffentliche rassistische Äußerung etwa des CSU-Parteichefs und Ministerpräsidenten von Bayern wäre hingegen ein nationales Thema, und jetzt gäbe es keine CSU, die den Übeltäter zur Räson bringen würde.

    Man sieht, ich mache mir Mühe, conring etwas zu erklären, was man eigentlich auch ohne solche Erklärung wissen sollte.

  11. conring meint:

    @ Leo Brux
    Ich wiederhole es gerne:Frau Keller und auch die Kinderehe-Apologetin von der SPD sind keine marginalen Politfuzzinen, sondern Damen, die in ihren Parteien durchaus eine Rolle spielen.
    Trump hat bislang keinerlei Neigung gezeigt, seine persönlichen Neigungen in geschlechlichen Fragen in Gesetze zu giessen. Oder plant er ein Muschi-Grapschen-ist-Ok-Gesetz? Will er gar Schwule an Baukräne hängen?

  12. conring,
    ich hab einfach keine Lust, mich mit einem Idioten, wie du es bist, weiter auseinanderzusetzen.
    Aufnimmerwiederlesen!

  13. Jakobiner meint:

    “Frau Keller ist 35 jahre alt, sitz für die Grünen im Europaparlament, ist stellvertretende Vorsitzender der dortigen Grünen/EFA-fraktion und gilt als potenzielle Nachfolgerin der gegenwärtigen Vorsitzenden. Jung und marginal ist was anderes.”

    Da hat Conring recht. Ska Keller ist nicht irgendwer bei den Grünen, sondern neben Rebeca Harms DAS europäische Gesicht der Grünen, das so medienwirksam ist wie dazumal Cohn-Behndit. Zuletzt konnte man sie “Unter den Linden” im Streitgespräch mit AfD-Gauland über Europa auf Phönix sehen.Zu solch einem hochkarätigbesetzten Talk schickt man bekanntlich nicht grünes Frischgemüse aus der zweiten Reihe.

  14. Korbinian meint:

    conrings Vergleiche sind etwas unangemessen.

    Andererseits werden sich Ska Keller und die Frau Özoguz an ihren Äußerungen für die Zukunft messen lassen müssen.

  15. Jakobiner,
    mit anderen Worten: Merkel ist für den Wahhabismus. Der FC Bayern München für den Wahhabismus. Für das Todprügeln von Badawi wegen Atheismus. Etcetera.
    Alle, die in Deutschland konstruktive Beziehungen zu Saudi-Arabien befürworten, wollen also bei uns den Wahhabismus einführen – oder finden ihn wenigstens ok in Saudi-Arabien.

    Was Keller versucht hat – ohne dass das die geringste Chance bei den Grünen hat! – ist, das iranische Regime etwas milder zu betrachten. Im Vergleich zu Saudi-Arabien hat sie da sogar recht. Aber es ist keine Rechtfertigung für den naiv-freundlichen Ton, den sie angestimmt hat. Es gibt bei den Grünen für sowas nur wenig Verständnis. Sie hat ja auch deshalb harsche Reaktionen einstecken müssen. Zurecht.

    Nur – das mit den Perversionen zu vergleichen, die sich ein Trump geleistet hat und noch leisten wird, Mannomann! Der Mann steht für Rassismus und politisches Abenteuertum. Er verkörpert beides. Ich würde demgegenüber nicht sagen, dass Angela Merkel für den Wahhabismus steht. Trotz der Waffenlieferungen an Saudi-Arabien und der europäischen Kuschelpolitik gegenüber diesem Monsterregime.

  16. Jakobiner meint:

    Also, ich würde natürlich nicht eine Ska Keller mit einem Trump vergleichen oder einem Orban oder einem Putin, etc. –dazu ist sie eine viel zu humanistische, demokratische Gestalt.Darum ging es gar nicht. Es ging darum, dass du behauptest hast Ska Keller wäre so unbedeutend und nur jung, fresch, fröhlicvh frei und nicht representativ. Sie ist aber eine sehr hohe Funktionsträgerin der Grünen–da hat Conring recht. Dennoch sollte man die tendenziell islamophilen Anwandlungen vieler Grünen von autoritären Politikern unterscheiden können, sich zudem nicht spektakuläre Einzelfälle raussuchen, wie Conring dies gerne tut, um das dann zu pauschalisieren und ein Mädle wie die Ska Keller oder die Grüne Jugend mit einem Trump gleichzusetzen.

  17. Jakobiner meint:

    Oder wie Conring es tut, dass die Grüne Jugend das Aufhängen von Oppositionellen oder Homosexuellen an Kränen im Iran befürworten würde. Sie sind sich aber scheinbar aufgrund ihrer Multikultitoleranz, Islamophilie, Völkerfreundschaftsdenken und Toleranz nicht über den Charakter des iranischen Theokratenregimes im klaren. Das sollte man schon noch kritisieren dürfen, ohne gleich vom Blog zu fliegen.

  18. Korbinian meint:

    auch in Hamburg gab es da schon Probleme:

    http://www.zeit.de/hamburg/politik-wirtschaft/2015-04/nebahat-gueclue-hamburg-gruene-partei-verlassen

    andererseits, wer weiß wieviel Graue Wölfe noch in den dunklen Kellern der CDU heulen.

  19. Jakobiner meint:

    Nicht nur Seehofer, sondern Schröder Hand in Hand mit Trump:

    Gerhard Schröder lobt Donald Trump
    Der ehemalige Bundeskanzler hat sich in einem Interview lobend zur geplanten Wirtschaftspolitik des künftigen amerikanischen Präsidenten geäußert. Die deutsche Politik könne sich von ihm etwas abschauen.
    22.12.2016
    Donald Trump hat Lob von einem prominenten Deutschen bekommen: Altkanzler Gerhard Schröder. „Zu sagen: Ich kümmere mich um die Kerne der Industrie, das finde ich richtig“, sagte Schröder der „Wirtschaftswoche“. Trump plane wieder mehr Industriearbeitsplätze in den Vereinigten Staaten zu schaffen. Das sei die Aufgabe der Politik, gerade auch in einem Land wie Deutschland, betonte Schröder. Deshalb müsse sich die SPD für die Arbeitsplätze vor allem in der Industrie einsetzen.
    Nicht wenige SPD-Wähler seien für die Parolen der AfD anfällig. „Die muss die SPD wieder erreichen.“ Das Thema Arbeitsplätze sei dafür geeignet. „Jeder Industriestandort verschafft nicht nur Zulieferern, sondern auch einer Vielzahl von Dienstleistern Arbeit“, erklärte Schröder.
    Das Vorgehen der Amerikaner gegen VW hält Schröder für Machtpolitik. Dabei gehe es auch darum, einen Konkurrenten der amerikanischen Autobauer zu schwächen und die eigene Wirtschaft zu schützen. „So umweltbewusst sind die Amerikaner ja sonst auch nicht“, meinte Schröder. Sollte Trump tatsächlich einen Konfrontationskurs gegenüber China einschlagen, könnten Deutschland und Europa den Handel mit der Volksrepublik ausbauen, sagte Schröder. „Das ist gerade in der Umwelttechnologie eine große Chance, weil China hier einen enormen Nachholbedarf hat.“ Deshalb dürfe sich Europa nicht gegenüber chinesischen Investoren abschotten.

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/altkanzler-gerhard-schroeder-lobt-donald-trump-fuer-wirtschaftspolitik-14587676.html

  20. Was Trump angeht, so rate ich, etwas abzuwarten.
    Ich halte es für wahrscheinlich, dass allen denen, die sich jetzt irgendwie positiv zu Trump geäußert haben – Seehofer, Schröder, Putin u. a. – dies bald eher peinlich sein wird.

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