Mord in Freiburg

kriminalitaetEin 17jähriger Flüchtling aus Afghanistan hat eine Studentin ermordet.

Meines Wissens der erste Fall.

Ein Grund zur Verunsicherung?

Das ist es, was mich besonders irritiert: Wieso macht ein Teil der Bevölkerung genau aus einem solchen Fall ein besonderes Drama?

Die Zahl der Sexualmorde pro Jahr ist in Deutschand früher höher gewesen. Wir haben heute sehr viel mehr Ausländer/EinwandererMigranten im Land – und weniger Morde. Weniger Sexualmorde.

(Als Beleg eine Statistik ab 1991. Und vor 1991 war die Zahl noch deutlich höher. Dazu noch eine Statistik ab 2000 plus detaillierter Analyse über Morde insgesamt. Deutschland ist sicherer geworden.)

Sollte jemand, der sich angesichts dieses Mordfalles Gedanken macht, nicht auch daran denken?

Ich weiß schon, da kochen Wutgefühle auf gegen eine solche “Verharmlosung” oder “Relativierung”.

Ich frage zurück: Warum macht dich meine Feststellung wütend? Könnte es sein, dass du die Vorstellung brauchst: Es wird immer schlimmer! Die Flüchtlinge gefährden uns! Masseneinwanderung bringt Massenkriminalität.

Was kümmert dich da ein umsichtiger und kühler Faktencheck? Es MUSS doch alles immer schlimmer werden mit DEN Flüchtlingen!

Ich frage weiter: Einmal angenommen, den Mord hätte ein “biodeutscher” junger Mann begangen. – Dann wäre der Fall auch in den Medien, aber um einige Grade moderater.

Wie wäre es mit folgender Argumentation – ich imitiere das Hetzgeschrei:

“Ständig bringen deutsche Männer ihre Frauen und ihre Kinder um. Eine ganze Serie solcher Familienmorde lässt uns zutiefst erschrecken und fragen: Was tun gegen die Männer? Männer sind offensichtlich eine Gefahr für Frauen und für Kinder.”

Ich hoffe, ihr erinnert euch noch an diese Geschichten.

Natürlich sind solche Fälle spektakulär – aber sie sind auch ebenso selten. Sie kommen vor. Wir leben damit, wie wir mit tödlichen Unfällen leben. Wir tun, was wir können, um solche Exzesse vorherzuahnen und ihnen nach Möglichkeit vorzubeugen, aber ganz verhindern lassen sie sich nicht.

Im “Männerfall” ist es schwierig, die Sache ideologisch bzw. für Hetze zu missbrauchen.  Drum stimmt mir jeder zu: Es sind nicht DIE Männer, die diese Taten begehen.

Das selbe gilt für den Fall Freiburg. Es sind nicht DIE Flüchtlinge.

PS:

Im europäischen Vergleich liegen diejenigen Staaten mit wenig “Ausländern”, wenig Migranten in der Mordstatistik deutlich vor Deutschland, Österreich, Schweden oder den Niederlanden.

Ich bin versucht zu schreiben: Je mehr Migranten, desto weniger Morde. Je weniger Migranten, desto mehr Morde. Ganz geht diese Gleichung nicht auf, aber im großen und ganzen scheint es so zu sein.

Dafür spricht auch die deutsche Statistik. In Ostdeutschland – Migrantenanteil sehr niedrig – geschehen mehr Morde pro Einwohner als in Westdeutschland.

PPS:

Putins Sputnik betreibt Propaganda zur Destabilisierung Deutschlands ganz offen. Die Methode ist ganz einfach. Man sammelt alle Fälle, deren man irgendwie habhaft wird, und listet sie auf. Bei 82 Millionen Einwohnern bzw. 16 Millionen Einwohnern mit Migrationshintergrund ist es nicht schwer, jeden Tag eine stattliche Liste zusammenzubringen. Dass das nicht viel sagt, braucht diejenigen nicht zu interessieren, denen es ohnehin nicht um Fakten geht.

PPPS:

Ich zitiere die SZ vom 8.12.:

Bayern ist sicher, aber so fühlt es sich nicht für alle Bürger an. Die Kriminalitätsstatistik vermeldet insgesamt weniger Fälle

München – Die Zahl der Gewaltdelikte in Bayern sinkt seit Jahren. Das ist die positive Nachricht, die Innenminister Joachim Herrmann am Mittwoch verkündete. Er war in den Landtag gekommen, um dem Innenausschuss über die großen Trends in der Kriminalstatistik von 2011 bis 2015 zu berichten: Vor allem im öffentlichen Raum wurde über die Jahre weniger geschlagen und geraubt.

Warum wehren wir uns so wenig, so unentschlossen gegen diejenigen, die unser Sicherheitsgefühl zu manipulieren versuchen?

Warum fallen so viele Leute auf diese Manipulation herein?

Die Antwort darauf hab ich schon ein paar Mal gegeben: Sie WOLLEN reinfallen. Es ist für sie wichtig, dass es unsicherer wird. Sie werden wütend, wenn man es bestreitet. Weil sie die Vorstellung brauchen, dass es unsicherer wird. Denn sie fühlen sich unsicherer – also muss das ja seine objektiven Ursachen haben – also muss es gefährlicher geworden sein, muss es mehr Morde und Gewaltverbrechen geben. Auch wenn die objektive Statistik das Gegenteil ausweist. Wahr ist, was ich fühle – nicht, was die Fakten sagen. Die Fakten zählen nicht, wenn sie dem Gefühl widersprechen.

Nun kommt der ideologische Faktor dazu: Man ist gegen die Einwanderung so vieler Flüchtlinge. Dazu muss man diese Flüchtlinge als Gefahr erkennen. Auch wenn die Fakten eher dagegen sprechen. Es passt nicht in die völkische Abwehrideologie – also weg mit den Fakten.

Bzw. manipulieren wir die Fakten – etwa so, wie Sputnik das macht.

 

Kommentare

  1. Da lobe ich mir schon Merkels TAGESSCHAU, die über solche “Regionalereignisse” wie in Freiburg erst gar nicht berichten will. Dies nennt sich dann natürlich aber journalistische Sorgfalt und nicht Propaganda, wie bei Putins SPUTNIK.

    Einen Satz des Bedauerns zum Tod der jungen Frau statt statistisch bemühtem Relativismus hätte ich mir aber schon von dir gewünscht, Leo?
    Der hätte weder die Aussage noch die Tendenz deines Beitrags gestört!

  2. Jakobiner meint:

    Die ARD hat in ihrer Tagesschau nicht über einen Mord an einer Deutschen durch einen afghanischen Flüchtling in Freiburg berichtet, da sie dies als regionales Thema sieht, dass nicht von gesellschaftlicher Relevanz sei.Nun wird die ARD allerortens kritisiert, da dieser Mord in den sozialen Medien und dann in anderen Medien seitens Rechtsextremer hochgespielt wurde. Dem hat sich auch der Chefredakteur und Leitkommentator des Münchner Merkur in einem Leitkommentar “Fatales Schweigen “angeschlossen.

    “Fatales Schweigen”nennt Herr Anastastiadis die Nichtberichterstattung des ARD wegen des Mordes in Freiburg. “Fatales Gröhlen”und Anbiedern an jede rechtsextreme Kampagne in den sozialen Medien, die jedes Verbrechen mit den Flüchtlingen in Verbindung bringen und Merkel die Schuld daran geben wollen, nenne ich das.Weil Rechtsextreme hetzen und der Merkur Angst hat als Lügenpresse vorgeführt zu werden, biedert er sich dieser Propaganda gegen Flüchtlinge an. Ich bin dafür jedes Verbrechen in Deutschland zukünftig ethnisch zuzuordnen. Dann aber eben auch jeden Verbrecher mit der Bezeichnung Deutscher oder Deutscher ohne Migrationshintergurnd oder Christ oder Katholik oder Bayer, etc.vollausgeschrieben. Wahrscheinlich würden dann viele dieser Hetzer kleinlauter und würden CDU, CSU und AfD vor einem Generalverdacht gegen Deutsche warnen, da eben nicht jeder Deutsche ein Verbrecher, Sexualtäter oder Krimineller sei. Ich schätze mal, dass diese Kräfte dann eher fatalistisch schweigen würden

  3. Korbinian meint:

    @Jakobiner

    So sollte man das tun. Gutes Statement!

  4. Für Statistikfanatiker könnte dann man ja noch den Schulabschluß (falls vorhanden?) des Täters sowie die Schwere seiner Kindheit hinzufügen?

  5. Jakobiner meint:

    Man könnte auch noch die Kategorie Links-/Rechtshänder einführen.

  6. almabu,
    über das, was selbstverständlich ist, schreibe ich eher nicht.
    Meine Empathie gilt dem Opfer. Also dieser jungen Frau. Muss ich das betonen?
    Die Äußerung des Bedauerns ist in so einem Fall eine Floskel. Ich hab da den Eindruck, dass man das halt mal so sagt.

    Warum sollte der Fall eine nationale bzw. überregionale Bedeutung haben? Wäre der Täter ein Biodeutscher gewesen, hätten die Deutschlandnachrichten es bringen müssen?

    Wenn dies (biodeutsch) nicht, aber das (afghanisch) ja, dann wäre das Rassismus. Rassistische Meinungsmache. Rassistische Nachrichtenpolitik. Oder etwa nicht?

    Wie Jakobiner schlage ich jetzt vor: Bei jedem Verbrechen eines Biodeutschen wird deutlich gemacht, dass das ein Biodeutscher war. “Der Deutsche X hat seine Familie umgebracht. Der Deutsche Y hat bei einem Bankraub eine Geisel genommen. Der Deutsche Z hat …”

    Genau, betreiben wir die Ethnisierung der Völkischen mit! Bei jeder Tat kommt es immer auch darauf an, welcher völkischen Einheit jemand zugehört. Auch die Religion sollte man unbedingt sofort eruieren. Schließlich möchte ich wissen, ob der Vater, der seine Familie umgebracht hat, ein Katholik, ein Protestant oder ein Atheist ist.

  7. Ich hab den Artikel ergänzt.

  8. Neue Wendung im Freiburger Vergewaltigungs- und Mordfall. Täter sei in Griechenland wegen Gewalt gegen eine Frau zu 10 Jahren Haft verurteilt, nach eineinhalb Jahre frei gelassen worden und sei dann vermutlich über Frankreich illegal nach Deutschland eingereist:

    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/anwaeltin-erkennt-verdaechtigen-im-freiburger-mordfall-14573696.html?xtor=EREC-7-Der_Tag_am_Mittag-20161214&utm_source=FAZnewsletter&utm_medium=email&utm_campaign=Newsletter_FAZ_Der_Tag_am_Mittag

Hinterlassen Sie einen Kommentar

*