Statistiken aus dem Migrationsbericht 2015

statistikImmer eine interessante Lektüre: der jährliche Migrationsbericht. Es gibt ihn in einer Kurzfassung und einer Langfassung.

Vorbemerkung: Wer über ein Thema kompetent sprechen will, sollte sich die verfügbaren Daten ansehen. – Ich komme darauf zurück!

Ich runde die Zahlen auf und ab. Das macht das Merken einfacher. – Die wichtigsten Zahlen sollten wir uns im Kopf behalten. Die Zahl in Klammer ist die Vergleichszahl 2014.

1

Zuzüge: 2,14 Mill (1,46 Mill)

Fortzüge: 1 Mill (0,9 Mill)

Saldo: 1,14 Mill (0,55 Mill)

2

Woher sind sie gekommen?

  1. Syrien 327.000 (10.000)
  2. Rumänien 213.000 (127.000)
  3. Polen 196.000 (132.000)
  4. Afghanistan 95.000 (5.000)
  5. Bulgarien 84.000 (46.000)
  6. Italien 74.000 (38.000)
  7. Irak 73.000 (6.000)
  8. Albanien 69.000 (22.000)
  9. Kroatien 57.000 (21.000)
  10. Ungarn 56.000 (38.000)
  11. Serbien 43.000 (34.000)
  12. Kosovo 41.000 (21.000)
  13. Spanien 36.000 (24.000)
  14. Türkei 33.000 (31.000)
  15. Griechenland 32.000 (17.000)
  16. USA 32.000 (32.000)
  17. China 28.000 (18.000)
  18. Pakistan 25.000 (4.000)
  19. Russland 25.000 (12.000)
  20. Indien 25.000 (15.000)

Diese Liste ist bemerkenswert. EU-Länder dominieren, die Zahl hat dramatisch zugenommen und macht den größten Teil des Wanderungssaldos aus. (Insgesamt: 328.000, gegen 206.000 im Jahr davor.)

Die syrischen Flüchtlinge liegen nur (! – wir hatten die Zahl viel höher geschätzt) bei 327.000. In der Türkei, im Libanon, in Jordanien leben bzw. vegetieren mehr als 4 Millionen von ihnen.

Erstmals seit längerer Zeit nimmt die Zahl der Türken wieder zu. Vermutlich Erdogan-Flüchtlinge.

Nicht unter die 20 ersten haben es geschafft: Eritrea, Marokko, Algerien, Ägypten oder irgend ein schwarzafrikanisches Land.

3

Der Frauenanteil liegt bei einem guten Drittel: 36%

4

“Fachkräfte”, angeworben: 39.000.

“Bildungsausländer” in Deutschland, als Studienanfänger: 99.000. Hier sind die Chinesen am stärksten vertreten: 11.000, gefolgt von den Indern: 5.000.

5

Erstanträge auf Asyl: 442.000 (173.000)

Anzahl der Asyl-Einreisenden: 890.000 (davon ca. die Hälfte aus Syrien, Irak und Afghanistan).

Antragsteller:

  • aus Syrien 35,9%
  • aus Albanien 12,2%
  • aus dem Kosovo 7,6%
  • aus Afghanistan 7,1%
  • aus dem Irak 6,7%
  • aus Serbien 3,8% (Roma!)
  • aus Eritrea 2,5%

Die Schutzquote lag für die Syrer bei 96%, für die Eritreer bei 92%, für die Iraker bei 89%, für die Afghanen bei 48%.

6

Familiennachzug: 73.000 Visa erteilt (51.000), 16.000 davon für Türken – eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr.

7

Migrationshintergrund:

Bei 81,4 Millionen Einwohners hatten 17,1 Millionen das, was man einen Migrationshintergrund nennt (erste, zweite Einwanderungsgeneration). Das sind inzwischen immerhin 21%.

45% davon sind Ausländer, 55% davon Deutsche. Zwei Drittel sind selbst eingewandert, ein Drittel sind Kinder dieser Einwanderer und in Deutschland geboren.

 

Kommentare

  1. Ich hätte auch nicht gedacht, daß aus den USA mit 32.000 um 28% mehr Menschen ihr Heil in Deutschland suchen als aus Russland mit 25.000!

  2. Zuzüge: 2,14 Mill (1,46 Mill)

    Fortzüge: 1 Mill (0,9 Mill)

    Saldo: 1,14 Mill (0,55 Mill)

    Die Gefahr in solchen Zahlen liegt darin, daß man sie “saldiert”, wie hier auch geschehen. Das sind Menschenleben, Schicksale, die man nicht gegeneinander aufrechnen darf. Denn täte man dies, und würde vielleicht nocht die Qualifikation berücksichtigen, dann könnte man auf die abwegige Idee einer qualitativen Abwärtsspirale z.B. bei beruflicher Qualifikation kommen, denn “die Fortziehenden” (alle, inklusive der deutschen Auswanderer vermutlich?) dürften wahrscheinlich höher qualifiziert sein als die Einwanderer, zumindest als diejenigen die als Flüchtlinge zu uns kommen? Womöglich werden hier also Dinge vermischt, die getrennt erfasst, gezählt und bewertet werden sollten?

  3. almabu,
    ein Lehrer stellt fest, in der Klasse sitzen 24 Schüler, und er sagt das der Mutter einer Schülerin in der Sprechstunde. Die Frau antwortet darauf, dieses Reduzieren der Menschen auf eine Zahl, hier die Zahl 24, sei problematisch, es handle sich doch nicht um Zahlen, sondern um Menschen, um Schicksale, die dürfe man nicht zu Zahlen neutralisieren.

    Was würde der Lehrer jetzt vielleicht nicht sagen, aber sich denken?

    Verrückt! Jetzt soll mir also schon das Zählen verboten werden.

    Es ist in einer komplexen Gesellschaft wichtig, sich ständig der jeweils relevanten Zahlen zu versichern.

    Natürlich, wenn ich sage, in Deutschland leben 82 Millionen Menschen, dann sind diese 82 Millionen alle individuell verschieden und jeder ist eine Welt für sich. Mit der Nennung der Zahl verlieren sie diese persönliche Qualität nicht, auch wenn ich bei der Zählung von allen menschlichen Besonderheiten abstrahiere.

    Es liegt etwas ausgesprochen Humanes, Aufgeklärtes in solchen Zahlen: Sie repräsentieren unsere Gleichheit. unsere Gleichwertigkeit jenseits aller Partikularitäten.

    Was uns wiederum nicht daran hindert, immer über die abstrakte Zahl hinauszugehen und auf die Einzelnen in ihrer unendlichen Besonderheit zu schauen.

    Abwärtsspirale bezüglich beruflicher Qualifikation?

    Ich nehme an, dass es eher das Gegenteil ist. Es kommen in der Regel junge und fähige Leute. Die 40% aus EU-Ländern gehören wahrscheinlich zu den leistungsstärkeren in ihren Ländern. Die jungen Syrer etc. gehören zu denen, die die finanziellen Voraussetzungen hatten, den Fluchtweg hinter sich zu bringen.

    Fortzüge könnten auch mit einem Scheitern in Deutschland zu tun haben.

    Auf jeden Fall sind die Zuwanderer relativ jung. Damit ausbildungsfähig. Und ein Segen für die Demografie.

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