Zu Hannah Arendts Totalitarismus-Analyse. 1. Versuch

theorieIch beziehe mich auf diese drei Zitate-Artikel:

Hannah Arendt zum heutigen Rechtspopulismus. Teil 1 Teil 2Teil 3

Vorab: Die Welt ist heute anders als in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Menschen sind anders, die Strukturen sind anders … Es kann keine Eins-zu-Eins-Übertragung von Erkenntnissen geben. Was für damals klug analysiert gelten mag, muss heute so nicht mehr zutreffen.

Es lässt sich aber – unter diesem Vorbehalt – dennoch aus der Geschichte lernen. Es gibt so etwas wie “Verwandtschaft”, “Analogie”.

Was auffällt, wenn wir die Propaganda von Islamisten oder die Propaganda von Rechtsextremisten und Rechtspopulisten betrachten, ist etwas, das Hannah Arendt auch bei der totalitären Propaganda der Kommunisten und der Faschisten ihrer Epoche beobachtet hat:

(1) Der Aufbau einer fiktiven Konter-Realität.

(2) Dabei das systematische Ignorieren jener Faktenwelt, die uns der gesunde Menschenverstand nahelegt. Einschließlich der natürlichen Skepsis bei allen Wahrheitsfragen.

(3) Ein zentrales Element ist die Fiktion einer Weltverschwörung der Bösen gegen die Guten.

(4) Die Verbindung der Propaganda mit Organisation. Mit einer realen Bewegung, die die etablierte Politik und Gesellschaft fundamental in Frage stellt.

(5) Voraussetzung: eine desorientierte fragmentierte, atomisierte Masse von Menschen in der Krise.

Ich stelle mir vor, ich wäre ein Deutscher im Jahr 1931 und stünde einem überzeugten Nazi gegenüber. Gäbe es auch nur eine geringe Chance für mich, zu ihm hinüber eine argumentative Brücke zu schlagen? Hätten irgend welche sachlichen Einwände auch nur die geringste Chance, ihn nachdenklich zu machen?

Man kann sich das abschminken.

Du überzeugst keinen überzeugten Kommunisten. Du überzeugst keinen überzeugten Nazi. Du überzeugst keinen überzeugten Islamisten. Du überzeugst keinen überzeugten Pegidaner, AfDler, Trumpisten, Front-Nationalisten, Wilderianer, Erdogananbeter.

Es ist von vorne herein unmöglich.

Denn es geht nicht mehr um Fakten, nicht mehr um Meinungen.

Es geht um einen totalen, unbedingten Glauben, der sich gebunden sieht an eine Organisation, an eine Bewegung, an einen Führer.

Der Gläubige ist Teil einer heiligen Gemeinschaft.

Was könnten da unliebsame Fakten ausrichten?

Man hat seine Abwehrmechanismen.

Wenn der Feind etwas vorbringt – warum sollte man seinem Feind etwas abnehmen?

Warum sollte man seine Zugehörigkeit zu einer warmen, stabilisierenden Gemeinschaft von Gleichgesinnten aufs Spiel setzen?

Ich schließe daraus: Versuche nie, einen Gläubigen durch Fakten oder durch Logik zu zu überzeugen! Geh immer davon aus, dass er bei seinem Glauben bleibt und seiner Glaubensgemeinschaft treu bleibt. 

Wenn man das konzediert – was lässt sich dann noch machen?

Fortsetzung folgt.

Kommentare

  1. Klingt das nicht irgendwie nach Kriterien, wie auch Religionen sie verwenden?

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