Erdogan droht Europa mit einem türkischen Dschihad

terrorismus22.3.2017:

Wenn Sie sich weiterhin so verhalten, dann wird morgen weltweit kein Europäer, kein Bürger des Westens in Sicherheit und Frieden die Straßen betreten können“, sagte Erdogan am Mittwoch bei einer Rede in der türkischen Hauptstadt Ankara. Er fügte hinzu: „Wenn sie diesen gefährlichen Weg weitergehen, werden sie großen Schaden erleiden.“

FAZ

(1) “Wenn sie sich weiterhin so verhalten …”: Gemeint sind vor allem die EU-Länder Deutschland, Niederlande, vermutlich auch Österreich. – Wie verhalten sie sich? – Sie lassen türkische Politiker nicht einreisen und keine Werbung für ihre Politik in der Türkei machen. Diskriminieren auch sonst die türkische Bevölkerung in den drei Ländern.

(2) “… dann wird morgen weltweit kein Europäer, kein Bürger des Westens in Sicherheit und Frieden die Straßen betreten können …“: Inwiefern? Lässt sich das jetzt anders verstehen als so: Dann hetzt uns Erdogan diese türkische Minderheit in Deutschland, Österreich und den Niederlanden dschihadistisch auf den Pelz. Dann ruft Erdogan den Dschihad aus, und in der Folge kann sich dann kein Europäer, kein Bürger des Westens (gemeint sind dann alle Länder des Westens) nicht mehr sicher fühlen. Der türkische Dschihadist lauert überall. Kann jederzeit zuschlagen.

Ist das anders zu interpretieren? Anders zu verstehen?

Erdogan droht uns mit dem türkischen Dschihad. Droht uns damit, dass die türkisch-stämmigen Einwohner Deutschlands und anderer Länder zu Dschihadisten werden, wenn wir nicht nett genug zu ihnen sind.

Mit dieser unmissverständlichen Drohung erreicht der verbale (?) Krieg eine neue Dimension.

Erdogan, Präsident der Türkei, erklärt die in Europa lebenden Türken zu seinen Soldaten, zu seiner Kampftruppe, die gegebenenfalls für die Türkei in den Krieg gegen die Gastnationen eintritt.

Einen krasseren Einschüchterungsversuch auf Staatsebene haben wir bisher noch nicht erlebt.

Zum einen frage ich mich jetzt, wie man in Berlin und in Brüssel reagieren wird.

Meine Vermutung: Man wird vielleicht gar nichts sagen; wenn doch, wird man es bei Worten belassen. Man wird höchstens die Äußerung scharf zurückweisen. Und das war’s dann – vorerst. Nur ja kein weiteres Antasten der “nationaltürkischen Ehre” – vor dem Referendum …

Was kommt danach? Erdogan wird dann vielleicht Entspannung suchen, zum Beispiel großzügig den Yücel freilassen — und einige Politiker bei uns werden froh sein darüber und versuchen, zu business as usual überzugehen? -

Möglich. Ich rechne aber nicht mit einem solchen Appeasement. Jedenfalls nicht auf mittlere Sicht. Warum? Die europäischen Politiker möchten vielleicht gern weiter gewählt werden …

Zum andern frage ich mich jetzt, wie AUF DIESE LETZTE ÄUSSERUNG unsere Erdotürken, unsere Erdogan-Fans in Deutschland reagieren.

Seid ihr bereit? Seid ihr bereit, für Erdogan in den Dschihad gegen Deutschland und die Deutschen zu ziehen? Unsere Straßen unsicher zu machen? Und überall mit Mord zu bedrohen?

Offensichtlich ruft euch euer Führer zu dieser Bereitschaft auf.

Es sieht so aus, als ob wir euch fürchten müssen.

Glaubt ihr, dass uns das einschüchtert? Oder grenzt euch das nicht noch dramatischer aus?

Wollt ihr als potenzielle Todfeinde unter uns leben?

Es wird Zeit für euch, euch zu besinnen. Und euch von eurem Großen Führer zu trennen.

Bemerkenswert, wie Erdogan geradezu perfekt die paranoide Islamophobie bedient. Ein Wilders, ein Trump, jeder AfDler und Pegidaner, dazu die osteuropäischen Abschottungspolitiker – sie alle haben es nun schwarz auf weiß: Erdogan droht uns damit, die türkischstämmigen Migranten und ihre Nachkommen zur dschihadistischen Truppe gegen uns zu machen.

Natürlich, es ist auf der einen Seite pure Großmäuligkeit, Größenwahn und kalkulierte Provokation, und auf der anderen Seite bleibt es Paranoia.

So wenig, wie Erdogans Aufruf an die europäischen Türken, 5 Kinder pro Familie für den Geburtendschihad in die feindliche Welt zu setzen, um sie so zu erobern, so wenig werden selbst die eifrigsten Erdotürken in Deutschland danach streben, sich als Dschihadisten zu opfern.

Allerdings, in sehr viel kleinerem Maßstab wird es etwas Schlimmes geben: Der eine oder andere durchgedrehte türkischstämmige Junge wird sich als Dschihadist für die Türkei und für Erdogan versuchen. Es wird also vermutlich zu ein paar Anschläge aus diesem Winkel kommen.

Nadelstiche, die weh tun, aber eigentlich uns und unser Land nicht wirklich groß erschüttern können; die es nicht in seiner Ganzheit gefährden.

Aber diese Nadelstiche werden weh genug tun, um uns zu einer gewaltigen, voraussichtlich überproportionalen Gegenreaktion zu verleiten.

Das stellt uns nun noch dringlicher als ohnehin die Frage, was wir hier und jetzt mit Erdogans Türkei einerseits, mit seinen “potenziellen Soldaten” hierzulande andererseits tun sollten.

Ich meine, nach dem 16. April.

Egal, wie das Referendum ausgeht: Wenn Berlin und Brüssel dann nur auf Appeasement und Nettigkeit setzen, könnten die Bürger das zu einem gewichtigen Faktor bei ihrer Wahlentscheidung machen.

Ist es im Moment nicht seltsam, nicht geradezu unheimlich, wie unsere Politiker so gut wie nicht reagieren auf eine solche direkte Drohung mit dem Dschihad?

Als ob Erdogan nicht gesagt hätte, was er gesagt hat.

Anmerkung:

Bei aller taktischen ücksicht auf die momentane Situation vor dem Referendum: Wir sollten nicht übersehen, dass unsere Nicht-Reaktion von denen, die uns provozieren, die uns nun sogar mit dem Dschihad drohen, als Schwäche ausgelegt wird – als Erfolg der Einschüchterungsstrategie.

Die Botschaft, die aus Berlin und Brüssel in Ankara (aber auch bei den Erdo-Machos in Deutschland) ankommt, ist: Aha, so müssen wir es machen! Drohen! Beschimpfen! Dann kuschen sie. Jaa, mit uns kann man nicht mehr so respektlos umgehen wie früher. Wir haben jetzt eine Politik, die den andern zeigt, wie stark wir sind. 

Das ist nur ein Aspekt in einem komplexeren Verhältnis. Wir dürfen ihn nicht verabsolutieren. Aus dem Auge verlieren sollten wir diese ungünstige Wirkung unserer extremen Zurückhaltung aber nicht.

Kommentare

  1. Jakobiner meint:

    Offtopic und auch nicht ganz:

    Claudia Stamm und Münchner Grünenchef Nikolaus Hoenning verlassen Grüne und gründen neue Partei wegen Flüchtlingspolitik der Grünen und zuviel Konzentrierung auf Sicherheitspolitik durch Katharina Schulze

    Erster Rückschlag für Katharina Schulze: Claudia Stamm tritt mit dem Münchner Grünenchef Hoenning aus den Grünen aus und will eine eigene Partei aufmachen. Ich habe heute den Münchner Merkur gelesen und gestern im BR das Interview mit ihr gesehen, aber so ganz klat wurde mir nicht, was sie jetzt an den Grünen kritisiert und wofür ihre Partei steht. Man muss mehr mutmaßen. Man erfährt, dass die Flüchtlings- und Sicherheitspolitik wichtig gewesen seien und sie sich mit Schulze verkracht hatte.Nun kann man den Grünen ja kaum vorwerfen, dass sie bei der Flüchtlingspolitik sich zu sehr rechts posititioniert hätten, ganz im Gegenteil. Sicherheitspolitik–meint sie jetzt innere Sicherheit–das Spezialgebiet von Schulze als innenpolitische Sprecherin oder meint sie zu wenig äußere Sicherheit (also Abrüstungsinitiativen und Friedenspolitik). Dann bemängelt sie auch noch zu wenig Einsatz für soziale Gerechtigkeit und für die Ökologie (letzteres ist auch nicht nachvollziehbar, da sich ja gerade die Grünen so stark für jede Haselmaus und Mopsfledermaus engagieren).Also es bleibt unklar, ob Stamms Austritt mehr wegen eigener mangelnder Karrierechancen oder wirklich wegen inhaltlicher Differenzen erfolgte.Denn im letzteren Falle hätte sie mal konkreter sagen müssen, was ihr jetzt nicht gefällt. Für die CSU ist sie natürlich eine willkommene Kronzeugin gegen die Grünen, mit der sich gut Wahlkampf machen lässt.Aber zu den Landtagswahlen sind es gerade einmal 1 1/2 Jahre, also sehr kurze Zeit eine eigene Partei aufzubauen. Zu erwarten, dass dies den Grünen einige Stimmen kostet, aber dass es sie nicht wesentlich schwächt, zumal Stamm auch sagte, sie wolle auch CSUler erreichen, was aber eigentlich nur geht, wenn man sich mehr rechts der Grünen positioniert und eine Art grüne CSU werden will. Insgesamt alles etwas seltsam.

  2. Jakobiner meint:

    “Bei aller taktischen Rücksicht auf die momentane Situation vor dem Referendum: Wir sollten nicht übersehen, dass unsere Nicht-Reaktion von denen, die uns provozieren, die uns nun sogar mit dem Dschihad drohen, als Schwäche ausgelegt wird – als Erfolg der Einschüchterungsstrategie.”

    Das sehe ich genauso und sollte all jenen hinter die Ohren geschrieben werden, die “Deeskalation”fordern und “Appeasement”meinen. Man muss nicht in gleicher Münze zurückzahlen, aber eben schon deutlich machen, dass man sich nichts gefallen lässt. Und da hat Leo Brux recht. Es kommt dabei weniger auf kräftige ubnd derbe Worte an, sondern auf entschiedene Taten! Wobei interessant ist, dass die Bundesregierung inziwschen auch teilweise der Forderung der Linkspartei nachkommt, die Waffenexporte in die Türkei zu stoppen.

  3. Jakobiner meint:

    Über Stamms Austritt aus den Grünen 2 SZ-Artikel: Die SZ glkaubt, dass sie sich somit ins politische Aus bugsiert und ihre Partei keine Zukunft hat:

    http://www.sueddeutsche.de/bayern/landespolitik-der-weg-von-claudia-stamm-fuehrt-direkt-ins-politische-aus-1.343091

    http://www.sueddeutsche.de/bayern/landespolitik-was-claudia-stamm-mit-ihrer-neuen-partei-vorhat-1.3432083

    Mit Bedenken zur Sicherheitspolitik meint sie im übrigen nicht nur die innere Sicherheit:

    “Nun will sie ihren eigenen Weg gehen. Die Grünen sind ihr auf Bundes- wie auf Landesebene zu “schwammig” geworden, erzählt sie, als sie ihren Austritt begründet. Auf Parteitagen gebe es Beschlüsse etwa zur Erbschaftssteuer oder dem Asylrecht, und dann werde in den Parlamenten doch anders abgestimmt. Dass die frühere Friedenspartei der Grünen für eine Bundeswehrmission in Syrien eintrete, sei “der Wahnsinn”. Sie findet, dass die Grünen inzwischen eine größere Bandbreite an Positionen hätten als die CSU.”

  4. Erdowahn hat mit dieser Formulierung den Personenkreis den er bedroht auf den gesamten Westen ausgeweitet und als möglichen Tatort die ganze Welt genannt. Der “gesamte Westen” bedankt sich für die vorankündigende Warnung und die “gesamte Welt” wird sich an diese Worte erinnern, wenn dieser Fall eintreten sollte, sich an den Terror-Paten erinnern und um die Türkei wird es dann sehr, sehr einsam werden. Nur ein Wahnsinniger legt sich mit der ganzen Welt an, daß müsste auch dem letzten Erdo-Türken klar sein? HURRIYET schrieb Gestern auch darüber, daß die türkische Aussenpolitik komplett in Scherben läge? Mal sehen, wie lang der entsprechende Redakteur noch frei herum läuft?

  5. Cenki66 meint:

    ich entschuldige mich bei allen, die ich hiermit entgegen meiner ankündigung, dass ich mich erst nach dem referendum melden werde, belästige.

    das war ja glasklar, dass es wieder aus dem kontext gerissen wird. ihr seid so verlogen und durchsichtig wie klarsichtfolie.

    diese nachricht hat so viel wert, wie:

    - türk. minister wollen das lachen von frauen verbieten
    - erdogan lobt hitler
    - türkei will wirtschaftshilfe von deutschland (eher würde der “sultan” verrecken, als das zu tun!)
    - türkei erlaubt sex mit kindern
    - erdogan setzt sich nach deutschland ab (während putschversuch)
    - etc. etc.

    nämlich NULL.

    und dann wunderst du dich leo über die vehemenz der reaktionen.

    lasst euch mal behandeln, aber wirklich! diese haltung gegenüber erdogan hat schon was pathologisches. und nein, um das festzustellen, muss man kein erdogan-fan sein, sondern nur ein paar worte türkisch können oder in der dönerbude des vertrauens einfach mal nachfragen. oder einfach nur das hirn einschalten.

    hier mal ein auszug aus dem gesamtkontext.

    https://turkishpress.de/news/politik/22-03-2017/erdogan-warnt-europa-und-den-westen-respektiert-die-werte

    das wird ja immer dümmer hier.

    jetzt kommt, leo und sagt: ich stelle fest, cenki ist erdogan fan und unterstützt bla bla bla, also sage ich voraus: …..
    du willst dir deine erdogan-terroristen kreiren, wie es schon fantomas gesagt hat. ich kann gar nicht so viel essen wie ich kotzen kann.

  6. Cenki66 meint:

    nein almabu! erdogan bedankt sich beim westen für die JA-hilfe.

    ich bin zwar immer noch davon überzeugt, dass es ein NEIN wird, aber bei der geisteshaltung im “westen” bin ich mir nicht mal so sicher, ob die wahlkampfhilfe aus dem westen dafür ausreicht, dass es doch ein JA werden könnte.

    die berichterstattung erinnert mich an die hetze, wie man es mit saddam, gaddafi und co gemacht hat. klar, jetzt bin ich wahrscheinlich der verschwörer. aber einfach mal in archiven nach schauen.

  7. Das stammt so wörtlich aus der HURRIYET DAILY NEWS. Für Menschen wie mich, die kein türkisch können, momentan so ziemlich die einzige Informationsquelle aus der Türkei.

    Es ist klar, daß es das Ziel eines Demagogen ist, entsprechende Reaktionen hervorzurufen. Er ist da in einer win-win-Situation. Reagiert der Westen nicht, ist er feige und kuscht von dem 3-Meter-Erdogan. Reagiert er, kann der Türkenverführer sich zum 5-Meter-Erdogan aufplustern und sich den Türken als einzigen Schutz von der feindlichen Umwelt, welche die arme Türkei umzingelt hat, aufspielen. Es gibt kulturelle Unterschiede zwischen der türkischen und europäischen Gesellschaft, wie es sie auch innerhalb dieser Gesellschaften noch zusätzlich gibt. Warum hat Erdogan wohl keine Spanier oder Italiener angegriffen sondern eher ruhige Mitteleuropäer, wie Niederländer und Deutsche? Kannst du dir vorstellen, wie ein Spanier oder Italiener auf solche Beschimpfungen reagiert hätte? Die hätten jedenfalls nicht “die Merkel gemacht”, obwohl dies rein taktisch kein schlechtes Verhalten war. Aber in so einem Moment geht es halt nicht nur um Taktik, da ist immer auch eine Portion Populismus im Spiel, besonders zu Zeiten von Wahlen, von Trump und den Anti-EU-Populisten in den diversen EU-Staaten und im BREXIT-UK.

    Schönen Dank auch für den Hinweis auf die Archive, aber ich bin in Leos Alter, hoffentlich noch nicht ganz hohl in der Birne und habe die Zeiten real erlebt, die du offenbar nachlesen musst?

    Erdogan steckt in einer Sackgasse. Er hat sich total verrannt. Dies Affentheater der letzten Wochen und Monate wird er nicht nach seinem Referendum wie mit einem Lichtschalter bedienen und beenden können. Er hat sich als Gesprächs- und vor allem als Verhandlungspartner vollkommen inakzeptabel gemacht und das war es dann auch mit dem EU-Beitritt. Ich persönlich war aus Respekt vor Art, Größe und Kultur der Türkei stets GEGEN einen EU-Beitritt. Die Ereignisse der letzten Zeit haben mich in dieser Ansicht bestätigt. Eine Visa-Freiheit ist auch nicht angebracht, sonst kann der Sultan danach seine Kurden per Bürgerkrieg alle nach Deutschland entsorgen. Die türkischen Probleme sind aber in der Türkei zu klären und nicht in der EU und da sind wir wieder an dem Punkt…

  8. Korbinian meint:

    Also für mich ist der Gesamtkontext eine klare Ansage:
    Nationalistisches Geblubber mit unbedingter Fokussierung auf den äußeren und inneren Feind. Eine Kriegserklärung.
    Dass unser Meenzer Muslimbruder da natürlich wieder nix besonderes dann findet ist nun wirklich keine Überraschung mehr.

  9. Cenki,
    hier also das Zitat, so, wie es in dem von dir verlinkten Artikel steht:

    Ich rufe Europa auf, die mit dem Finger wedelt: Die Türkei ist kein Land, die man schubsen kann, mit ihrer Würde spielt, ihren Ministern die Tür vor der Nase zuschlägt, seine Bürger auf dem Asphalt herzieht. Überall auf der Welt werden die Geschehnisse mitverfolgt. Wenn ihr euch weiterhin so verhält (!), werdet ihr morgen nirgendwo auf der Welt, kein Europäer, kein Westler in Sicherheit und Frieden einen Schritt auf die Straße wagen. Wenn ihr diesen gefährlichen Weg weiterhin beschreitet, werdet ihr die größten Verlierer sein. Als die Türkei laden wir die europäischen Staaten ein, die Demokratie, Menschenrechte, ihre Freiheiten zu wahren. Wir dürfen nicht vergessen, dass diese Werte wir, insbesondere aber Europa von Nöten hat. “

    Genau darauf hab ich in meinem Artikel geantwortet.

    Weil wir gegen die Diktatur in der Türkei sind und weil wir uns ärgern, wie ein Teil der Deutschtürken und Hollandtürken und Austriatürken die Diktatur und den Großen Führer bejubelt, werden wir morgen keinen Schritt mehr auf die Straße wagen können – denn? Ja, warum? Doch deshalb, weil uns diese Auslandstürken als Dschihadisten im Namen der türkischen Ehre die Hölle heiß machen werden.

    Und du, Cenki, schließt dich an.

    Wie glaubst du denn, käme es dahin, dass “kein Europäer, kein Westler in Sicherheit und Frieden einen Schritt auf die Straße wagen” kann? Da müssen doch die unterdrückten Türken bei uns ziemlich mörderisch aktiv werden, oder? Sonst bleiben Deutschlands Straßen sicher.

    Erdogan hat uns mit dem Terrorismus der Erdotürken in Deutschland gedroht. Und zwar deshalb, weil wir es wagen, gegen seine Diktatur zu sein und das die Anhänger dieser Diktatur in Deutschland spüren lassen.

    Die deutsche Regierung hat es vorgezogen, darauf NICHT zu reagieren. Ich verstehe, warum. Würde man sich darauf beziehen, müsste man die Beziehungen zur Türkei abbrechen und bereits jetzt den Verfassungsschutz voll auf DITIB und UETB ansetzen. Das ist im Moment nicht opportun.

    Und wer weiß, vielleicht frisst der Erdo-Wolf ja nach dem 16. April Kreide und macht Männchen.

    Nebenbei:

    Als die Türkei laden wir die europäischen Staaten ein, die Demokratie, Menschenrechte, ihre Freiheiten zu wahren

    Das sagt der, der genau diese Werte verachtet. Sie gelten – in seiner Sicht – grundsätzlich nur für Türken bzw. sunnitische Muslime bzw. für Erdotürken.

    Cenki stimmt Erdogan offensichtlich zu. Auch für ihn ist die Alleinherrschaft der AKP und ihres Büyük Lider eine demokratische Sache. Auch für ihn ist die brutale Diskriminierung der Kurden menschenrechtlich einwandfrei. Und Freiheit ist zuallererst einmal Freiheit für die Türken, genauer, für die Erdotürken und für die gläubigen sunnitischen Muslime, vorausgesetzt, dass sie keine Gülen-Muslime sind.

    Europa, Deutschland – sind, so sagt der Große Führer, faschistisch. Er hat das tatsächlich so plakativ, so generell gesagt.

    Cenki sieht keinen Grund, dem zu widersprechen.

    Alles klar?

    Jetzt werden wir mal den 16. April abwarten müssen.

  10. Erdogan beklagt den Druck auf die Türken Bulgariens!

    Er ist wieder voll am herum jammern, wie ein altes Waschweib, wie man es vom ihm halt so kennt in der letzten Zeit. Wie immer kann er es sich überhaupt nicht erklären, daß in Bulgarien von Demokratie geredet werde, während die vom ihm vermutlich mitgegründete, zumindest mit initiierte Türkenpartei DOST (türkisch = Freund) durch türkische Einmischung in den bulgarischen Wahlkampf negativ auffiel. Der türkische Botschafter in Bulgarien machte in einem DOST-Werbespot mit und der türkische Außenminister soll die bulgarischen Türken dazu aufgerufen haben fleissig DOST zu wählen. Wahrscheinlich versteht er sowieso nicht, warum die Wahlen des EU-Staates Bulgarien für ihn tabu sein sollen, wo das Land doch über Jahrhunderte zum Osmanischen Imperium gehörte, an dem Erdowahn doch so fleissig herum bastelt…

    ––––––
    http://www.lefigaro.fr/flash-actu/2017/03/23/97001-20170323FILWWW00165-erdogan-denonce-les-pressions-contre-les-turcs-de-bulgarie.php

  11. Cenki,
    wir haben vernommen, was uns Erdogan androht.
    Jeder Türkenfeind, jeder islamophobe kann sich auf genau dieses Zitat beziehen – und es dann nicht, wie ich, als Größenwahn und brutalste Wählermanipulation in der Türkei interpretieren. Ich weiß, dass die Erdotürken in Deutschland Erdogans Aufruf zum Dschihad nicht folgen würden. Ich weiß, dass es allenfalls ein paar durchgedrehte Jungs, die unbedingt ihr verpfuschtes Leben als gloreiche Martyrer beenden wollen, sein werden, die Erdogans Aufruf zum Dschihad realisieren werden.

    Erdogan liefert dem Mob in Deutschland eine Steilvorlage.

    Das, was er in der zitierten Rede gesagt hat, werden wir nicht vergessen. Auch dann nicht, wenn er nach dem 16. April möglicherweise Kreide frisst und Männchen macht. Die Drohung steht im Raum.

    Cenki,
    warum erklärst du uns nicht, wieso die Drohung Erdogans anders zu verstehen ist, als ich sie verstanden habe? Wie anders? Wie sollte es in Deutschland dazu kommen, dass sich die Leute nicht mehr auf die Straße trauen können – falls Deutschland die Türkei und die Türken ih Zukunft nicht angemessen behandeln wird?

    Erdogan stellt unmissverständlich einen Zusammenhang her.

    Wir verletzen mit unserer Politik die Ehre der Türkei und der Türken — woraus dann folgt: Wir kriegen so viel Terror als Strafe dafür, dass wir nicht mehr sicher vor die Haustür treten können. Wir kriegen diesen Terror dann doch wohl von den Erdotürken in Deutschland. Oder an wen hat Erdogan da gedacht?

  12. Die EU hat anscheinend den türkischen Botschafter einberufen um Erläuterungen zu Erdoans jüngsten Ergüssen bezüglich der Unsicherheit der Europäer und des gesamten Westens auf den Straßen der Welt zu bekommen:

    On March 22 Erdoğan said: “If Europe continues this way, no European in any part of the world can walk safely on the streets. Europe will be damaged by this. We, as Turkey, call on Europe to respect human rights and democracy.”

    The Commission, the EU’s executive arm, is seeking an explanation from Turkey’s envoy to the 28-nation bloc, a spokeswoman said.

    “…On these specific comments, we have actually asked the Turkish foreign delegate to the EU to come to the EEAS [the Commission's foreign policy service] today for a meeting,” the spokeswoman said…” (Zitat: HURRIYET DAILY NEWS)

  13. Korbinian meint:

    Bei Panorama läuft gerade was Interessantes über DITIB.

  14. Jakobiner meint:

    Es wird auch interessant zu sehen, was wohl nach dem Referendum geschieht. Wenn Erdogan sein Ermächtigsungsgesetz demokratisch durchbringt und seine Diktatur dann errichtet hat, ob die EU dies dann als unschönen, doch noch nicht mehr abwendbaren neuen Status Quo dann widerwillig akzeptiert und sich damit abfindet, sich quasi mit dem Sultan arrangiert oder ob die EU dann versucht die Diktatur rückgängig zu machen, was aber schwer sein dürfte. Ebenso bleibt in diesem Falle abzuwarten, ob Erdogan dann seine Drohgebärden zurückfährt, da er nun erreicht hat, was er will und die Notwendigkeit eines äußereren Feindbilds nicht mehr besteht.Obwohl krisenhafte Entwicklungen in der Türkei dies dann wieder infrage stellen könnten. Fraglich auch, ob die 50% der Türken, die gegen das Referendujm gestimmt haben, sich so einfach der Diktatur fügen werden oder es massiven Protest gibt. Einige skizzieren ja gar Bürgerkriegsszenarien an die Wand, was aber eher unwahrscheinlich sein dürfte. Aber was passiert, wenn Erdogans Referendum scheitert? Wird er dann zurückterten oder aber einen neuen Anlauf nehmen? Verlängert er einfach den Ausnahmezustand und wartet ab. Zum Jahrestag der Republik 2013 würde er ja gerne Sultan werden und die Attatürkportraits im Lande mit seinen eignenen erstzen lassen.

  15. Jakobiner meint:

    Gabriel spricht vor wieder steigenden Flüchtlingszahlen in Griechenland. Griechenland sieht sich jetzt schon “am Limit”. Lässt Erdogan schon einmal mehr Flüchtlinge als Kostprobe und Warnung nach Griechenland? Angeblich soll es wegen des schönen Wetters sein und mit dem Türkeideal nichts zu tun haben, aber wer weiß?!

  16. @Jakobiner, es nicht das Ende der Türkei, wenn er die Wahl gewinnt oder verliert. In der Türkei wird leider selten etwas aufgearbeitet so wie der Putsch der Generäle 1982 . Man geht einfach zur Tagesordnung über als wäre nichts passiert und keiner muss sich politisch der Verantwortung unterziehen. Von den ganzen menschlichen Tragödien die sich abspielen spricht keiner, da es keine freie Presse mehr gibt.

  17. USA fordern EU dazu auf den Ton gegenüber der Türkei zu mäßigen!

    Das US-State-Department hat offenbar keine Probleme mit Erdogans Rhetorik, seinen Nazi-Vergleichen, seinen Drohungen und seinem Demokratieverständnis und fördert nach wie vor die Annäherung der Türkei an Europa und die nordatlantische Gemeinschaft? Ein Diktator mehr, was soll’s? Immerhin gestehen Sie uns zumindest offiziell zu, daß ein EU-Beitritt Sache der EU sei. Aber klar ist auch, sie fordern BEIDE SEITEN im Streit Erdogan gegen den Rest der Welt dazu auf, den Ton zu mäßigen. Lesen Sie selbst…

    Auszug aus einer Pressekonferenz des US-State-Departments von Gestern, 23. März 2017:

    QUESTION: Turkey and EU – tension continues between the Turkey and EU. Does the Trump administration supports Turkey’s EU membership currently?
    MR TONER: Look, I mean, Turkey is an ally, obviously, a strong partner, certainly, with respect to ISIL, and a friend. We support Turkey’s aspirations to engage with Europe. I’m not going to speak to what is an issue between Turkey and Europe, and the EU, rather, specifically. That’s for them to work out, but as much as Turkey wants to pursue that integration with the Euro-Atlantic community on an economic level, we’d encourage that.
    QUESTION: And is —
    QUESTION: Mark, I have a follow-up.
    QUESTION: There is a report that Secretary Tillerson is —
    MR TONER: You’re very good at follow-ups.
    QUESTION: — going to Turkey on end of – end of March.
    MR TONER: Yeah, nothing to announce. When we do, we will.
    QUESTION: I have follow about – a follow-up on this. (Inaudible) and everything now. President of Turkey is threatening the European every day. Today, he accuse – he attacked Germany, Norway, Austria, Greece, Cyprus, every European country.
    MR TONER: Yeah, I’m aware of —
    QUESTION: No, no, no, one second.
    MR TONER: Yeah, that’s okay. Go ahead.
    QUESTION: Do you agree with his behavior?
    MR TONER: I think what we’ve said about some of the back and forth that we’ve seen over the past couple of weeks – that we want to see everyone get along and to tone down the rhetoric.

    ______
    https://www.state.gov/r/pa/prs/dpb/2017/03/269062.htm

  18. Erdogan droht EU wegen Verbot der Auslage seines Propaganda-Blättchens DAILY SABA in offiziellen EU-Gebäuden mit Konsequenzen!

    Auf Antrag von Jeroen Lenaers, eines niederländischen Abgeordneten des EU-Parlamentes, hat der EU-Parlaments Präsident die Auslage der türkischen, regierungsfreundlichen Zeitung in EU-Gebäuden verboten.

    Die Begründung läge in der politischen Linie des Blattes, das Hass verbreite in der EU.

    Erdogan schäumt: Wenn man eine nationale Zeitung eines Nicht-EU-Mitgliedes da verbiete, würde man Gegenmaßnahmen in der Türkei erleben! Was erlauben EU?

    Wahrscheinlich wird jetzt die gesamte EU-Presse in der Türkei verboten. Oder er lässt keine EU-Touristen mehr ins Land? Dann haben wir den Salat!

  19. Schweiz warnt Türkei vor Spionage unter Schweizer Auslandstürken wegen des Referendums in der Türkei!

    Der Schweizer Außenminister Didier Burkhalter warnte seinen türkischen Amtskollegen Mevlüt Çavuşoğlu, daß die Schweiz riguros jede illegale Spionage der Türkei in der türkischen Gesellschaft der Schweiz aufklären würde. Es gäbe Indizien, daß türkische Geheimdienste in der Schweiz unerlaubterweise aktiv seien.

    Meinungsfreiheit sei ein universaler Wert in der Schweiz und er gelte auch für die in der Schweiz lebenden Türken. In der Schweiz gelte Schweizer Recht und auch die Türkei müsse sich daran halten…

    Schon wieder ein Land mehr, mit dem Erdowahn Probleme hat, in Europa zwar, doch kein EU-Mitglied, wie Norwegen halt…

  20. Jakobiner meint:

    Naja, wenn man mal in den deutschen Verfassungsschuitzbericht schaut, dann sind da viele ausländische Geheimdienste aktiv und gelistet: Die Russen, die Chinesen, die Iraner, die Nordkoreaner und die Syrer. Wäre eben gut, wenn man auch den MIT, DITIB,etc. gleich aufnimmt. Das geht aber wohl nicht so einfach wegen NATO-Mitgliedschaft und so. In bayern wurde sogar mal ein 68er jähriger Deutscher wegen Spionage für China angeklagt, weil er den Weltuigurenkongress zu München ausspioniert hatte.

  21. Jakobiner meint:

    “We support Turkey’s aspirations to engage with Europe. I’m not going to speak to what is an issue between Turkey and Europe, and the EU, rather, specifically. That’s for them to work out, but as much as Turkey wants to pursue that integration with the Euro-Atlantic community on an economic level, we’d encourage that.”

    Also, wie sie miteinander zurechtkommen ist eine Sache zwischen der EU und der Türkei, nicht der USA–die mischen sich da nicht rein. Aber wirtschaftliche Integration wird unterstützt, aber eben nicht die politische, sprich: EU-Mitgliedschaft.Da spricht Trump der Merkatilist!

  22. Schon klar, aber der Pressesprecher, der recht unter Druck der Journalisten schien, sagte halt auch das:

    MR TONER: I think what we’ve said about some of the back and forth that we’ve seen over the past couple of weeks – that we want to see EVERYONE get along and to tone down the rhetoric.

  23. Türkischer Verteidigungsminister akzeptiert den Stopp deutscher Rüstungsexporte in die NATO-Alliierte Türkei nicht!

    “…It is unacceptable that two allied countries are creating such difficulties for one another,” Turkish Defense Minister Fikri Işık said March 23 in Ankara during a reception on Pakistan’s national holiday. ..“

    Diesen NATO-Allierten der Türkei als Teile der EU oder des Westens mit Terror oder Religionskriegen zu drohen geht aber nach türkischer Ansicht sehr wohl?

  24. SPON schreibt, daß die Schweiz inzwischen Ermittlungsverfahren gegen türkische Personen wegen Spionage unter den Schweizer Türken eingeleitet habe:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/schweiz-leitet-strafverfahren-wegen-verdacht-der-spionage-gegen-tuerken-ein-a-1140385.html

  25. conring meint:

    @ Leo Brux
    Cenki66 hat schon recht, dass man die erdogansche Kriegsandrohung schon im Kontext lesen muss.
    Erdogan droht doch nur mit Krieg, wenn wir EuropäerInnen weterhin fudemntale Menschenrechte, wie rdefreiheit für türkische FaschistInnen mißachten. Uns Adolf ist auch nur in die Tschetschechoslowakei einmarschiert, um die Menschenrechte der Sudetendeutschen zu verteidigen.
    Und daneben ist der Gebrauch des Begriffes “Dschihad” in diesem Kontext wirklich islamohob. Jeder, der die harte Schule der Islamophilie absolviert hat, weiss doch, dass Dschihad überhaupt nichts mit Krieg zu tun hat.
    Siehe hierzu Mazyek, Hübsch, Idriz, etc.

  26. Jakobiner meint:

    “MR TONER: I think what we’ve said about some of the back and forth that we’ve seen over the past couple of weeks – that we want to see EVERYONE get along and to tone down the rhetoric.”

    Interessant, dass die USA da nicht klar Position für die EU ergrreifen, sondern sich als neutraler Vermittler beider Seiten raushalten wollen und an beide Seiten appelliert, won doch die Aggression klar seitens Erdogans kommt. Erinnert mich an Trumps Äußerung, dass er Merkel und Putin als Gleiche sieht, was ja Protest im deutschen Lager auslöste, dass Merkel auf eine Stufe mit Putin gestellt wurde.Bei Erdogan und der EU scheint dasselbe Verhaltensmuster der USA zu gelten.

  27. Trump sieht einfach US-Interessen, bzw. was er dafür hält, alles andere ist scheinbar zweitrangig. Die ist eine offene Verhandlungsposition, die grundsätzlich erst einmal ALLES in Frage stellt. Die Befürchtung ist aber, daß Trump auch aus dem Bauch heraus reagiert und was Heute klar, fixiert und vereinbart erscheint, schon Morgen nicht mehr gelten muss?

    Man muss auch sehen, daß der Sprecher des State Department TONER, als er dies sagte, unter ganz erheblichem Druck der Journalisten stand und keinen sehr vouveränen Eindruck machte.

    Dann wird sein Chef Tillerson in der kommenden Woche bei Erdogan in Ankara vorbei kommen und auch keine unnötigen Problempunkte im Gepäck mitbringen. Die US-Haltung ist seit rund 60 Jahren stets, die Türkei als NATO-Verbündeten zu behalten und die Europäer mit “Gastarbeitern”, EU-Mitgliedschaft oder Vorbeitritts-Entwicklungshilfe die Zeche bezahlen zu lassen…

  28. almabu, jakobiner,

    danke für diese Beiträge und ihre Kommentierung.

    Fügen wir hinzu: Im Moment zumindest arbeiten YPG/PKK und Amerikaner UND Russen recht gut in Nordsyrien zusammen, sehr zum Entsetzen der Türken.

    Wahrscheinlich wollen die Amis nicht, dass sich die Türken nun noch mehr entsetzen wegen der “faschistischen” EU – die EU geht den US-Republikanern ohnehin am Arsch vorbei.

    Die Türken sollen bitte stillhalten in Nordsyrien und NATO, Russen, Assad und YPG/Kurden mal machen lassen – d. h. sie gemeinsam den IS vernichten lassen. (Mit den Türken ginge das ja nicht. Mit den syrischen Dschihadisten, mit denen die Türkei selber eng verbündet ist, ginge es auch nicht, und man würde das in der NATO auch nicht wollen, denn da käme man nur vom Teufel zum Beelzebub.)

    Man muss also NATO-Partner Türkei “nördlich” liegen lassen, aber auch beschwichtigen, damit die nicht verrückt spielen. Oder halt nur gegenüber den Europäern verrückt spielen.

    Ich hätte als Journalist den Sprecher gefragt: Würden die USA es sich gefallen lassen, von der Türkei ständig als faschistisch bezeichnet zu werden? Würden die USA türkische Minister einreisen und öffentlich werben lassen für die Transformation der Türkei in eine Diktatur? Und wenn man das ablehnen würde, wäre man ja nun faschistisch …

    Mal ganz abgesehen von der Drohung mit dem türkischen Dschihadismus in Europa.

    Ich nehme mal an, gegenüber den USA traut sich Erdogan nicht so recht. Weil die anders reagieren würden als die EU.

    “tone down the rhetoric” … Wer ist hier schrill? Merkel ja wohl kaum.

    Hochinteressant auch almabus Hinweis:

    On March 22 Erdoğan said: “If Europe continues this way, no European in any part of the world can walk safely on the streets. Europe will be damaged by this. We, as Turkey, call on Europe to respect human rights and democracy.”

    The Commission, the EU’s executive arm, is seeking an explanation from Turkey’s envoy to the 28-nation bloc, a spokeswoman said.

    “…On these specific comments, we have actually asked the Turkish foreign delegate to the EU to come to the EEAS [the Commission's foreign policy service] today for a meeting,” the spokeswoman said…” (Zitat: HURRIYET DAILY NEWS)

    Schon richtig, das im Moment auf kleiner Flamme zu halten. Bis zum 16. April.

    Aber DANN erwarte ich mir eine klare Ansage der EU genau zu diesem Thema.

  29. Jakobiner meint:

    Erdogan nimmt die klare Ansage heute präventiv vorweg: Er will jetzt ein Referendum über eine EU-Mitgliedschaft, die wohl negativ beschieden werden wird. Nun will er den Bruch mit der EU auch offiziell.( mit Ausnahme der Zollunion des Assoziierungsabkommens). CDU/CSU werden diesen Schritt insgeheim begrüssen, denn dann kann der Neuanfang mit der Türkei und die priviligierte Partnerschaft Realität werden. Fraglich nur, ob man da Privilegien wegen geopolitiscgher Bedeutung vergeben sollte und wie die aussehen werden. Bisher ist dies ja eher ein Schlagwort, das noch der inhaltlichen Ausgestaltung harrt.

  30. Jakobiner meint:

    Özdemirs Idee, ein deutsch-türkisches ARTE zu gründen findet nun auf anderen Wegen seine Realisierung: “Jungtürken”gründen einen TV-Sender gegen Erdogan und das Ermächtigungsreferendum:

    http://www.sueddeutsche.de/kultur/tuerkische-chronik-xxxi-die-neuen-jungtuerken-aus-koeln-1.3432899

  31. Heiko Gerhauser meint:

    Ich denke, dass praktisch keine Türken, die Erdogan mögen, seine Aussagen als Androhung von Terroranschlägen lesen würden. Wer bei ihm gute Absichten sieht, wird das sehr wahrscheinlich in dem gleichen Sinn lesen, wie die zahlreichen Aussagen hierzulande, dass es keine Sicherheit geben kann, wenn man die Menschenrechte verletzt, z.B.:
    http://www.deutschlandfunk.de/nur-eine-garantie-der-menschenrechte-bringt-mehr-sicherheit.694.de.html?dram:article_id=58328

    Das Potential ist aber leider da, dass Radikale mit dem gleichen Gegner, so etwas lesen und es als Handlungsaufforderung betrachten. Wobei ich in dem konkreten Fall vor allem an nicht türkische Muslime denken würde.

    ——————-

    Leute, die Dich mögen und bei Dir gute Absichten sehen, werden Deine Aussagen, im Großen und Ganzen so lesen wie Du sie meinst. Ich weiß, dass Du nicht daneben stehen wirst, wenn der Mob oder der Staat echte Prügel verteilt. Das machst Du bei Mördern nicht, warum solltest Du bei Erdogananhängern plötzlich elementare Menschenrechte wie das Verbot der Folter aussetzen wollen?
    Wie würde aber ein Erdogananhänger so eine Passage lesen:
    “Wenn es dann eines Tages so weit ist, dass die Prügel über sie kommen, wird sich jeder von uns denken: Es trifft die richtigen. Diese Scheißtypen sind keine Opfer, sie sind Täter, die ernten, was sie gesät haben, jetzt endlich erwischt es sie selber, sie haben die Prügel redlich verdient.

    Wieso soll jemand von denen, die in Deutschland normalerweise Minderheiten schützen, diese Fieslinge in Deutschland schützen”

    Selbst die radikalsten Grünen werden so Aussagen kaum als Tolerierung staatlicher Folter interpretieren. Dafür sitzt die Ablehnung davon zu tief in der eigenen Ideologie. Man kann das nicht perfekt vergleichen natürlich, jeder Vergleich hinkt. Aber: bei Erdogan freundlich gesinnten Türken glaube ich nicht, dass selbst die Radikalsten der Radikalen, Erdogans Aussage als Aufforderung zu Terroranschlägen lesen würden. Da sitzt meiner Auffassung nach viel zu tief, dass so Anschläge grundsätzlich abgelehnt werden.

    Wer die Aussage von Dir oben als Akzeptanz staatlicher Folter oder von Mobjustiz lesen könnte, sind andere Gegner von Erdogan, sprich in Deutschland Rechtsradikale, in der Türkei die PKK, in Syrien die de facto Regierung von Rojava.

    Und weil ich das weiß, kann ich Deine Aussage oben (und sehr viele weitere in die gleiche Richtung gehende) sehr kritisch sehen, obwohl ich auch weiß, dass Du nicht zur Lynchjustiz aufforderst.

    Du hast Dich über die Gesinnungstestsache ziemlich aufgeregt, mich mit Erdogan und Trump verglichen. Natürlich kann man die Aufforderung an die Kanzlerin auch irgendwie als freundlichen Ratschlag lesen. Da finde ich das aber verdammt schwierig. Eine Kanzlerin, die so eine Rede halten würde, in der gesagt wird, dass Leute, die im Referendum mit Ja stimmen würden, dass Land verlassen sollen, aber mit keinem Wort gesagt wird, dass natürlich selbstverständlich keinerlei staatliche Maßnahmen mit dieser Aufforderung verbunden sind, und natürlich selbstverständlich jede Diskrimination durch Vermieter oder Arbeitgeber weiter geahndet würde,

    da ist doch klar, dass die Betroffenen dann Repressalien oder gar eine Ausweisung fürchten würden.

  32. Türkischer Politiker kündigt neue Fluchtwelle von 3 Millionen Afghanen an, die sich derzeit im Iran auf den Weg machten!

    Turkish Deputy Prime Minister Veysi Kaynak sagte in einem Interview mit dem privaten TV-Sender CNN Türk, die Türkei habe Informationen darüber erhalten, daß dieser Menschen-Tsunami sich in Bewegung setze.

    Er drückte seine Besorgnis darüber aus, daß der Staat Iran sich indifferent bis unterstützend zur illegalen Ausreise dieser Menschen in die Türkei verhalte.

    Der stellvertretende Premierminister fügte hinzu diese Menschen wollten nicht in der Türkei bleiben, sondern nach Westen, nach Europa weiter reisen.

    Die Türkei sei eine wichtige Barriere und trage wichtige Kosten.

    Bisher sind in 2017 etwa 3.000 Illegale Migranten über die Grenzprovinzen Ağrı und Iğır eingereist. Im Jahr 2016 waren es über 30.000 vorwiegend Afghanen.
    ______
    http://www.hurriyetdailynews.com/three-million-new-migrants-may-come-to-turkey-from-iran-deputy-pm.aspx?pageID=238&nID=111253&NewsCatID=341

    PS:
    Diese Meldung hat es in mehrfacher Hinsicht in sich. Das könnte eine Drohung an die Europäer sein. Die Nachricht müsste im Iran überprüfbar sein. Wäre sie zutreffend zeigte sie die Unmöglichkeit von Merkels Vereinbarung mit der Türkei für die Zukunft. Sie zeigte dann ferner, daß der anhaltende Afghanistan-Krieg der USA weiterhin für Fluchtwellen nach Europa sorgt. Na ja, ihr erinnert euch sicher an den Genossen Peter Struck, der Deutschland am Hindukusch verteidigen wolle. Das hamm’ wer jetz’ davon…

  33. Heiko Gerhauser meint:
  34. Jakobiner meint:

    Auch interessant: Erdogan will neben seinem Ermächtigungsreferendum auch ein referendum über die Einführung der Todesstrafe und nun ein Referendum über die EU-Mitgliedsverahndlungen.Ein erfolgreiches Referendum für die Toidesstrafe würde das andere Referendum aber unnötig machen, da die EU schon erklärt hat, dass bei Einführung der Todesstrafe auch eine EU-Mitgliedschaft und Verhandlungen darüber obsolet wären. Ein Referendmu für die Todesstrafe wäre also gleichzeitig auch ein Referendum über die EU-Mitgliedschaft.Wird spamnnend sein, welches Referendum er dann als nächstes abhält. Aber egal, er scheint nun den offenen Bruch mit der EU in beiden Fällen zu suchen.

  35. Jakobiner meint:

    Zu Almabu: Die afghansiche Flüchtlingswelle hängt auch damit zusammen, dass Pakistan seit Jahresbeginn die afghanischen Flüchtlinge großteils nach Afghanistan zurückgeschickt hat, wo sie keine Existenzgrundlage mehr haben und dann gleich weiterflüchten. Dennoch kommt mir die Zahl von 3 Millionen etwas hochgegriffen vor.

  36. Kürzlich in einer Zeitung in der Schweiz zu lesen:

    “Ich denke, europäische Regierungen sollten diese Veranstaltungen bewilligen, sich jedoch im gleichen Atemzug klar zu den politischen Inhalten der Veranstaltungen positionieren. Von daher begrüsse ich das Verhalten des Schweizer Bundesrats, der die Propaganda-Veranstaltung des türkischen Aussenministers in der Schweiz nicht verboten hat und gestern auch mit klaren Worten seine Sorge über die aktuelle politische Lage in der Türkei zum Ausdruck gebracht hat. Auf jeden Fall spielt das bisherige Verhalten Europas insgesamt Erdogan in die Hände. Denn mit seinem anschliessenden Faschismus-Vorwurf gegen Deutschland und Holland versucht er auch bisher unentschlossene Auslandtürken zu gewinnen, welche sich in Europa diskriminiert fühlen.”

    http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/In-der-Schweiz-sind-die-Befuerworter-Erdogans-in-der-Minderheit/story/27922664?utm_source=facebook&utm_campaign=Ed_Social_Post&utm_medium=Ed_Post_TA

  37. Es bleibt problematisch, Politiker aus einem anderen Land einreisen zu lassen, um im Land die eigenen Landsleute gegen die Demokratie zu mobilisieren.
    Ich denke, dass kann man unter taktischen Gesichtspunkten auch mal zulassen – insofern verstehe ich die Entscheidungen von Bern und Berlin durchaus. Aber problematisch ist es dennoch.

    Man muss außerdem die Qualität der Angriffe von höchster türkischer Stelle gegen den Westen berücksichtigen. Das sind verbale Kriegserklärungen. Da kann man als Regierung nicht einfach sagen, ja nun, wir stecken das mal weg, der Typ kann uns nicht beleidigen.

    Schließlich noch der innenpolitische Gesichtspunkt: Wie steht eine Regierung da, wenn sie sich in Serie auf die brutalste Weise angreifen lässt (und dabei ja auch immer wieder das ganze Volk als faschistisch angegriffen wird) – und sie schaut einfach mal nur weg. Hört weg. Beschwichtigt. Das führt dann allmählich dazu, dass die Bürger sich von dieser Regierung im Stich gelassen fühlen. Sie haben dann ein Motiv mehr, rechtspopulistisch zu wählen.

    Ich mache JETZT unserer Regierung keinen Vorwurf. Ich verstehe das diplomatische Kalkül. Aber ich erwarte mir nach dem 16. April eine klare Ansage.

    Und bin gespannt, ob eine kommt.

  38. Heiko Gerhauser,

    darf ich dich fragen, wie ERDOGAN seine Äußerung gemeint hat?
    Komm, erklär uns das doch mal!

    Was die Erdotürken angeht, so hab ich auch dargestellt, dass sich von denen nicht viele zum Dschihadismus überreden lassen werden. Hab ich das geschrieben, oder hab ich das nicht geschrieben? Also!

    Weil sie an sowas natürlich nicht einmal denken, werden sie uns gegenüber Erdogans Äußerung herunterspielen. So, wie du es machst, indem du Erdogans ungeheure Drohung gewissermaßen halbierst.

    Aber es wird auch heißblütige Jungs geben, Heiko Gerhauser. Ein paar hundert, vielleicht sogar ein paar tausend. Die werden die Einladung zum Dschihadismus ernst nehmen. Und die genügen, um Erdogans Drohung zu einer realen Gefahr für uns zu machen.

    Noch ein Nachtrag: Leo droht nicht, sondern sagt voraus. Merkel (in der vorgeschlagenen Rede) fordert etwas, was fast alle Deutschen fordern. Erdogan hingegen droht wirklich. Und ein vielleicht nur kleiner Teil der Erdotürken wird sich beauftragt fühlen. Erdogan droht mit Gewalt. Merkel – in meiner Rede für sie – droht nicht mit Gewalt. Sie fordert etwas, das sie als Kanzlerin in unserem Namen tatsächlich fordern kann. Kann Erdogan im Namen des türkischen Volkes auch und mit dem selben Recht den Dschihad gegen diese “faschistischen” Europäer fordern?

    Einmal angenommen, diese Jungs schlagen zu. Einmal, zweimal, dreimal. Was, Heiko Gerhauser, glaubst du, dass dann passiert?

    Sag uns, was du dazu vermutest!

    Ich nehme an, du möchtest gerne, dass Deutschland seine Politik gegenüber den Erdotürken und gegenüber Ankara den Forderungen Erdogans anpasst.

    Oder nicht? Missverstehe ich deine Intervention?

    Diese Angelegenheiten werden sich weiter zuspitzen. Erdogan wird weiter provozieren, wird weiter eskalieren. Seine Anhänger in Deutschland werden ihm treu bleiben und diese Provokationen, Eskalationen mittragen. Wohin wird das führen?

    Darüber sollte man rational und umsichtig diskutieren dürfen.

    Wie sieht die öffentliche Meinung in dieser Sache aus?
    Doch eher so, dass Berlin, dass Merkel Deutschland besser gegen die Angriffe Erdogans verteidigen sollte. Einige, wie ich, halten sich dabei in ihrer Kritik an der derzeitigen deutschen Diplomatie zurück. Die meisten sehen die Sache härter, ärgern sich über die Zurückhaltung.

    Merkel würde mit der Rede, die ich ihr vorschlagen würde, Deutschland, die Demokratie, den Rechtsstaat verteidigen. Erdogan und die Erdotürken hingegen – von dir Begleitschutz bekommend – greifen Demokratie, Rechtsstaat an, sind dabei, die letzten Reste von Demokratie und Bürgerrechten in der Türkei abzuschaffen. Auf diese Seite stellst du dich also. Es beruhigt mich, dass du damit in Deutschland allein bist.

    Wenn ein Erdogan Deutschland bzw. dem Westen verbal den Krieg erklärt, erwarten die deutschen Bürger nicht ganz zu unrecht, dass sich die Deutschtürken auf die deutsche Seite stellen oder wenigstens neutral bleiben. Wenn eine Regierung eine solche Entscheidung für Deutschland, Demokratie, Rechtsstaat, Meinungsfreiheit nicht öffentlich fordern will, verliert sie das Vertrauen der Bürger.

    Warum verteidigst du eigentlich nicht die Opfer von Erdogans Politik in der Türkei?
    Warum verteidigst du die Täter?

  39. Jakobiner meint:

    Im Prinzip hofft doch jeder, dass Erdogan den klaren Schnitt macht, da man es sich selbst nicht traut diesen zu machen. Aber immerhin: Auf Erdogan ist Verlaß!

  40. Jakobiner,
    ich denke nicht, dass es sich um ein “Trauen” handelt. Es ist schon schlau von der EU, den Schritt zur Trennung möglichst von Erdogan und den Türken selbst machen zu lassen. Jeder weiß, dass die Verhandlungen tot sind. Es ist jetzt eine Pokersituation. Erdogan scheint die schwächeren Nerven zu haben – er hat erstens die Todesstrafe angekündigt, obwohl die EU gesagt hat, dass das ein Knackpunkt sein wird und dass man dann die Verhandlungen auch offiziell beenden will. Er hat zweitens auch öffentlich kundgetan, dass er für ein Nein zur EU werben wird im Falle eines nächsten Referendums zu diesem Thema.

    Also, wir können es abwarten und geschehen lassen. Das halte ich für klug.

    Interessanter (weil noch offen) wird sein, was im Rahmen dieses Endes der Aufnahmeverhandlungen geschehen wird. Wird die EU die privilegierte Partnerschaft aufrechterhalten? Oder auch diese herabstufen und am Ende eine “Normalisierung” der Wirtschaftsverhältnisse herbeiführen? (Also Handelsbeziehungen etwa so, wie wir sie mit Pakistan, Ägypten, Algerien haben. Oder mit Weißrussland.)

    Auch da wieder verstehe ich die Diplomaten. Dass sie nicht vorschnell den Ausstieg bzw. den Rückbau ankündigen. Es ist besser, da möglichst wenig Worte zu machen – gerade dann, wenn man was in dieser Richtung TUT.

    Ich teile mit dir aber auch den bösen Verdacht, dass sich unsere Wirtschaftspolitik nach dem Motto, Geld stinkt nicht, zu einer Politik wie gegenüber Saudi-Barbarien verführen lässt. Da hätte auch Erdogan nichts dagegen.

    Es fällt ja schon auf, dass er selber eigentlich nichts TUT gegen das “faschistische” Europa. Es bleibt in diesem Bereich alles symbolisch, außer der Verhaftung von Yücel. Die allerdings, so nehme ich an, war tatsächlich ein Fehler Erdogans. Eben weil es wirklich eine TAT war. Damit sorgt er dafür, dass die öffentliche Meinung in Deutschland dermaßen heiß gegen ihn hochkocht, dass es dann auch der Politik schwer fällt, den rein wirtschaftlich orientierten Kurs zu fahren. Auch die Drohung mit dem türkischen Dschihad dürfte so ein Fehler sein – denn das ist ja nun nicht mehr nur symbolisch. Das wird ernst.

  41. Heiko Gerhauser meint:

    Hallo Leo,

    mit der Linie der Regierung bin ich bezüglich der Türkei zufrieden. Ich wüsste zumindest auf Anhieb nicht, was sie da viel besser machen könnte.

    Das ganze Interview mit Gabriel ist hinter einer paywall von Spiegel versteckt, die Auszüge hören sich aber sehr besonnen und vernünftig an.

  42. Heiko Gerhauser,
    warum antwortest du nicht auf meine Fragen?

    Zum Beispiel auf diese:

    darf ich dich fragen, wie ERDOGAN seine Äußerung gemeint hat?
    Komm, erklär uns das doch mal!

  43. Heiko Gerhauser meint:

    Hallo Leo,

    ich war ziemlich ausgelastet und auch gesundheitlich angeschlagen, so dass eine längere Antwort bis jetzt schwierig war.

    Ich glaube nicht, dass Erdogan mit terroristischen Anschlägen drohen wollte. Was er wirklich damit sagen wollte, weiß ich nicht.

    Beim Mord des russischen Botschafters gab es sofort eine Verurteilung. Ich nehme auch an, dass er in einem Interview eine Interpretation seiner Worte als Aufforderung zu terroristischen Anschlägen deutlich zurückweisen würde.

    Die Bundesregierung hat nur einen sehr begrenzten realen Handlungsspielraum, mit komplexen Abwägungen. Wirkt eine Strafmaßnahme wie gewünscht? Du siehst auch, dass ein Verbot von Veranstaltungen gegebenenfalls das Gegenteil des von Dir Gewünschten (ein Nein beim Referendum) erreichen würde.

    Einfache Lösungen habe ich da nicht, gerade nicht dafür, wie die Bundesregierung im Alleingang die Türkei in ein Paradies verwandeln könnte.

    Die Kanzlerin weiß, dass sie Ihre Worte sehr sorgfältig auswählen muss. Eine Aufforderung klar zur Demokratie Stellung zu beziehen, wird sie sicher abgeben können. Die konkrete Verknüpfung (Ja im Referendum => Land verlassen) ist aber sehr, sehr problematisch. Daher würde ich das nie von Ihr erwarten.

    Du stellst Die Frage, was wir (nach) dem Referendum tun sollten. Sehr konkret wirst Du im Moment nicht, auch nicht in Deinem jüngsten Posting zu Gabriel’s “Beschwichtigung”.

    Bei der Türkeifrage stehe ich hinter unserer Regierung. Mit der jetzigen Flüchtlingspolitik bin ich auch moderat zufrieden, wenn ich die realen Entscheidungsspielräume berücksichtige. Der Fehler von 2015 wird Angela Merkel nicht so leicht noch einmal unterlaufen.

  44. Ich glaube nicht, dass Erdogan mit terroristischen Anschlägen drohen wollte. Was er wirklich damit sagen wollte, weiß ich nicht.

    Das heißt: Erdogan droht mit türkischem Terror auf deutschen Straßen, WENN wir unsere Politik, unser Verhalten gegenüber der türkischen Regierung und den Türken in Deutschland nicht ändern. Und Heiko Gerhauser leugnet das einfach. Und erklärt uns nicht, was denn die eindeutige Warnung und ihr eindeutiger Bezug auf die missliebige (“faschistische”) deutsche Politik anderes bedeuten soll.

    Da fragt man sich als Leser: Was für eine Agenda steckt hinter Heiko Gerhausers Manöver?

    Es muss ihm ja doch klar sein, dass so ziemlich JEDER die Drohung als Drohung wahrgenommen und interpretiert hat. Was für Interessen, was für Motive stecken hinter Heiko Gerhausers erstaunlicher Leugnung des Offensichtlichen?

    Er will ja doch irgendwie auch an der Kommunikation teilnehmen. Dazu muss er halbwegs verständlich, halbwegs plausibel rüberkommen. In diesem Fall aber dürfte so ziemlich jeder den Kopf schütteln. Allenfalls den Berufsdiplomaten würden wir es gestatten, hier mal taktisch wegzuhören, weil im Moment eine angemessene Antwort nicht opportun sein mag.

    Noch eine Zugabe:

    Stellen wir uns vor: Heiko Gerhauser befindet sich in einem heftigen Konflikt mit einem Mafioso. Dieser ist sauer und sagt mit bösem Blick zu ihm: “Wenn du so weiter machst, wirst du sterben!”
    Die Sache kommt vor Gericht. Heiko Gerhauser hat die tödliche Warnung wohl verstanden und sucht gerichtlichen Schutz. Der Anwalt des Mafioso lächelt kaltschnäuzig und plädiert:
    “Mein Mandant hat Herrn Gerhauser keineswegs bedroht. Er hat nur gesagt, sein Gesprächspartner werde sterben – und das ist ja nun wohl das Schicksal aller Menschen. Also eine rein sachliche und im übrigen zutreffende Tatsachenbehauptung. Was mein Mandant sonst gemeint haben könnte, ist reine Spekulation, es ist nicht sicher festzustellen und muss deshalb unbeachtet bleiben.”

    Was würde Heiko Gerhauser zu dieser Verteidigung sagen?
    Was wird der (deutsche) Richter dazu sagen?

    — Erdogans Drohung war so unmissverständlich wie die des Mafioso in meinem Beispiel. Und Heiko Gerhausers Einlassung zum Fall Terrordrohung Erdogan dürfte mit der des Anwalts in meinem Beispiel verwandt sein.

    Im Falle des Anwalts in meinem Beispiel ahnen wir die Motive. Im Fall von Heiko Gerhauser rätseln wir noch.

  45. Heiko Gerhauser meint:

    Also mir ist noch nicht einmal klar, ob Du Dir ernsthaft Sorgen über terroristische Anschläge durch Türken in Deutchland machst, und ob Du nicht selber die Sache vor allem als Zitat “kalkulierte Provokation” siehst.

    Du redest auch nicht mehr wirklich mit mir, sondern über mich zu anderen mit dieser letzten Antwort.

    Wahr ist auch, ich bin sehr froh, dass wir die heutige Bundesregierung haben, und nicht Dich. Auf Deinem Blog hier kannst Du so reden, wie Du es tust. In echter Verantwortung würdest Du damit sehr schnell sehr viel Schaden anrichten.

  46. Korbinian meint:

    @Heikö

    Dank der MIT-Affäre die auch MdBs betrifft (u.a. Michelle Müntefering) wird die Bundesregierung hier die Schrauben kräftig anziehen und am Ende werden die Erdoboys im Gefängnis sitzen oder ausgewiesen werden. Komm mal in der Realität an!

  47. Die Bundesregierung kann nicht ernsthaft daran geglaubt haben, daß die Türkei in und mit der türkischen Community keine Spionage betreibt?
    Das tun hier nämlich alle, ob “Freund oder Feind”!
    Über die US-Spionage in D brauchen wir nicht zu reden, aber Briten, Franzosen und last not least Russen und Chinesen tummeln sich hier auch. Der Iran z.B. schon seit Schah und SAVAK-Zeiten…
    Wer weiss, vielleicht spioniert sogar die Schweiz in D, oh’ Schreck?

  48. Korbinian meint:

    @almabu

    Natürlich wussten die das.
    Aber vor dem aktuellen Hintergrund bekommt es eine neue Wertigkeit.

  49. Heiko Gerhauser,
    wenn der charismatische Große Führer der Türken uns – falls wir so unverschämt sein sollten und die selbst von dir gelobte Politik der Regierung gegenüber der Türkei fortsetzen würden – mit dem Dschihadismus “seiner” Türken in Deutschland droht, ist das wörtlich zu nehmen.

    Das zu tun gehört zur Verantwortung der Regierung!

    Es ist ja nun nicht so, dass es in Deutschland nicht tausende junger (männlicher) Türken mit und ohne deutsche Staatsbürgerschaft gibt, die Erdogan die Treue bis in den Tod geschworen haben. Und es ist uns durchaus aufgefallen, dass Diyanet bereits mit dem Martyrertod geworben hat – als die schönste, ehrenvollste Weise des Sterbens. Wir wissen auch, dass einige hundert deutschtürkische Boys und Girls zum IS nach Syrien gegangen sind. Da braut sich etwas zusammen – und Erdogan verspricht sich offensichtlich etwas davon.

    Offensichtlich betrachtet er die Deutschtürken als seine Krieger in Deutschland. Landsleute, die durchaus Deutsch lernen sollen und hier gut arbeiten sollen – die sich aber in erster Linie als Türken und nicht als Deutsche fühlen sollen und deren erste Loyalität der Türkei gelten müsse und nicht Deutschland.

    Darum hat er sie auch kürzlich zum Geburtendschihad aufgerufen: Nicht drei Kinder pro Familie, sondern fünf müssten das Ziel sein – das, so sagte er, wäre die Antwort auf die Unverschämtheiten der “faschistischen” Deutschen.

    Ich weiß auch, dass das mit den 5 Kindern pro erdotürkischer Familien nichts wird. Kaum ein Kind wird hier in Folge von Erdogans Aufforderung mehr gezeugt werden. Wir vernehmen aber Erdogans Vorstellung, was die Deutschtürken in Deutschland sein sollen: Kämpfer für die Türkei, und wenn es sein muss, auch gegen Deutschland.

    DAS, lieber Heiko Gerhauser, ist sowas wie eine Kriegserklärung. Wenn unsere Regierung das nicht ernst nimmt und ernsthaft beantwortet, begeht sie Landesverrat.

    Ich gehe aber davon aus, dass sie es ernst nimmt und sich überlegt, wie sie drauf antworten kann, ohne allzu viel außenpolitisches Porzellan zu zerdeppern.

    Ich könnte mir auch vorstellen, dass nach dem 16. April Erdogan mal vorübergehend auf Entspannung macht und zum Beispiel seinem (!) Verfassungsgericht die Anweisung gibt, im Fall Yücel großzügig zu sein und ihn freizulassen. Als good-will-Geste. Jeder wird wissen, dass das Verfassungsgericht das nur machen kann, wenn Erdogan es will, aber nach außen könnte er dann sagen, schaut her, wir haben eben doch noch unabhängige Richter.

    (Während er selber vielfach betont hat, dass die Justiz nicht unabhängig sein darf. Jeder Richter in der Türkei kann vom Präsidenten bzw. den von ihm beherrschten Staatsorganen abgesetzt und sogar verhaftet werden – als Terrorist bzw. Unterstützer des Terrorismus. Was dann Heiko Gerhauser möglicherweise wieder in direkter Übernahme der AKP-Propaganda als normal bezeichnen wird: Jeder Staat könne einen Richter, der Terrorist sei oder Terrorismus unterstütze, absetzen und vor Gericht stellen. Wird unser Erdofreund vielleicht schreiben. Allerdings wäre auch ich zum Beispiel ein Terrorist – in der Türkei und für Erdogan ganz sicher. Heiko Gerhauser wäre dann durchaus für meine Verhaftung und Verurteilung.)

  50. Heiko Gerhauser meint:

    Ich bin nicht für Deine Verhaftung. Das weiß ich sicher. Was Dir in der Türkei passieren würde, oder in Russland, oder in Ungarn oder in Singapur, das weiß ich alles deutlich weniger sicher. So eine ungefähre Vorstellung habe ich da schon und es gibt da Indices zu, z.B. hier:

    https://en.wikipedia.org/wiki/Democracy_Index

    https://en.wikipedia.org/wiki/Freedom_of_the_Press_(report)

    In den Indices ist die Türkei in den letzten Jahren etwas zurückgefallen (beim Democracy Index von Rang 88 im Jahr 2006 auf Rang 97 im Jahr 2016).

    Die Vergleiche mit Hitlerdeutschland sind militärisch wenig sinnig. Die Türkei ist militärisch viel zu schwach, als dass das Land Eroberungskriege führen könnte. Die Türkei heute ist nicht Deutschland 1938, und die Türken in Deutschland heute, nicht die Sudetendeutschen in Tschechien 1938.

    Die Türken in Deutschland heute sind da eher mit den Deutschen in Amerika 1938 zu vergleichen, wenn man schon Vergleiche mit der Zeit ziehen will. Und die sind schwierig, denn Erdogan ist nicht Hitler, und plant weder einen Holocaust, noch Eroberungskriege, und selbst wenn er das persönlich wollte, weil er so böse wäre, wie Du zu glauben scheinst, könnte er das in und mit der Türkei nicht durchziehen.

    Ich kenne Erdoganfreundliche Türken, die sich durchaus Sorgen machen über die Lage in der Türkei. Das sind keine Fanatiker, das weiß ich sicher, und wenn Du dann über Freunde von mir sagst, sie wären Täter, Scheißkerle, die das Land verlassen sollen, und wenn sie es nicht tun, dann wird es verdammt ungemütlich für sie werden in unserem Land, würde ich mehr sehr wünschen, dass Du nochmal gut drüber nachdenkst, ob diese Rhetorik wirklich das Gewünschte erreicht.

    Nachdenken tust Du, Du hast auf Fantomas Argument durchaus reagiert. Mir fällt auch auf, wie Du den Bericht von Constantin Schreiber kommentierst.

    Was Du aber leider auch tust, ist anderen Leuten Worte in den Mund und Motivationen in den Kopf zu legen, die sie gar nicht (gesagt) haben. Du hast teils einen sehr konfrontativen Stil.

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