Dortmund: “Bekennerschreiben” ist vielleicht Fake

terrorismusBemerkenswert ist die fachliche Analyse des (angeblichen) Bekennerschreibens.

In diesem Spiegel-Online-Artikel wird der Text kompetent abgeklopft.

Auch in diesem WELT-Artikel.

Zahlreiche Ungereimtheiten fallen uns auf. Und seit wann liefert der IS schriftliche Bekennerschreiben?

Es sieht nach Fälschung aus. Danach, dass die Täter eine falsche Spur zu legen versuchen.

Aber seien wir vorsichtig – noch wissen wir nicht genug; es könnte sich schon auch um einen islamistischen Terroranschlag handeln.

Die Polizei forscht jedenfalls auch in diese Richtung.

Warten wir es mal ab.

Wer könnte es sonst gewesen sein?

Soweit ich sehe, gibt es da noch keine einigermaßen plausible Theorie.

Vielleicht Rechtsradikale.

Vielleicht auch nicht.

Zufrieden bin ich mit der Zurückhaltung, die bis jetzt von allen Seiten geübt worden ist. Mit der besonnenen Reaktion. Der Fähigkeit, erst einmal rundherum skeptisch zu bleiben.

Erst einmal in Ruhe herauszufinden, was Fakt sein könnte. Dabei nichts zu überstürzen.

Die unvermeidlichen Emotionen werden geäußert, aber auch “eingehegt”.

Vertrauen in die Kompetenz der Behörden – jetzt, heute, nach dem man nun schon einige Erfahrung gesammelt hat.

Wir werden noch oft mit solchen Terrorakten konfrontiert werden.

Sie sind schmerzhafte Nadelstiche, aber die größere Gefahr ginge von unserer Überreaktion aus.

Die terroristischen Angriffe wollen uns zu solchen für uns selbst schädlichen Überreaktionen verleiten.

Für Leute mit gelegentlich schwächelnden Nerven:

Die Gefahr, dass Sie von der Leiter fallen und sich dabei den Hals brechen, ist größer als die Gefahr, bei einem Terroranschlag oder Amoklauf ermordet zu werden.

Keep cool!

Wer nur die Gefahr von islamistischer Seite sieht, sollte sich diesen Artikel der SZ zu Gemüte führen:

Im vergangenen Jahr haben Rechtsextremisten in München 37 Gewalttaten verübt. Das ist rund ein Drittel der laut Innenministerium 2016 bayernweit begangenen rechten Gewaltdelikte. Weitere körperliche Übergriffe, zumeist auf Migranten, wurden in Vierkirchen (Landkreis Dachau), Bichl (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) und Unterföhring (Landkreis München) verübt.

Das geht aus der offiziellen Antwort der Staatsregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor, die diese am Dienstag veröffentlicht haben. “Die rechtsextremen und rechten Kräfte radikalisieren sich weiter”, sagte Fraktionschefin Katharina Schulze bei der Vorstellung des Lageberichts.

“Die Gewaltbereitschaft in der rechten Szene wächst.” Meistens waren Migranten oder Menschen, die von den Tätern für “Ausländer” gehalten wurden, die Opfer. Mindestens achtmal wurden Rechtsradikale bei Pegida-Versammlungen in München handgreiflich.

Laut Innenministerium gab es bayernweit im vergangenen Jahr 112 Übergriffe gegen Flüchtlinge oder deren Unterkünfte. Zwölf Angriffe wurden in München registriert, weitere in Germering, Maisach, Unterföhring, Kirchheim, Garching, Oberschleißheim, Vierkirchen, Schönbrunn und Dietramszell.

Übel. Aber es könnte sehr viel übler sein – und übler werden. Der Trend geht allgemein hin zur Enthemmung.

Dennoch: Vermutlich lebt zum Beispiel ein syrischer Asylbewerber in München und Umgebung sicherer als in der Türkei. Und die Bedrohung seiner körperlichen Unversehrtheit geht vermutlich immer noch stärker von anderen, situationsbedingt aggressiven Asylbewerbern bzw. Lagerinsassen aus als von Rechtsradikalen.

Um meine eigene Sicherheit vor rechtsradikalen Attacken mache ich mir im Moment hier in München noch keine Sorgen.

Wenn ich mir das, was ich hier geschreiben habe, nachdenklich durchlese, errate ich, was gewisse Leser da alles in den falschen Hals bekommen werden.

Die einen werden mir vorwerfen, ich würde die rechtsradikalen Übergriffe verharmlosen.

Die andern werden mir vorwerfen, ich würde die Gefahr des islamistischen Terrorismus verharmlosen.

Es gibt Leute, die brauchen die Erregung, die genießen ihre Erregtheit. Da fühlen sie sich. Begegnen sie dann jemandem, der kühl abwägt, wo sie wüten – und wüten wollen – dann beziehen sie den Spielverderber in ihre Wutattacken ein.

Haben wir den Mut, haben wir den Nerv, unsere Zivilisation gegen diese Neuen Barbaren zu verteidigen?

Hilft uns gegenüber den Wutmenschen ein Appeasement? Oder fahren wir besser damit, unsererseits in die Offensive zu gehen? – So, wie ich es immer wieder versuche?

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