Deutsche. Türken. Eine Entwicklungsgeschichte. Teil 1

tuerkeiIn den 60er Jahren haben die Deutschen die türkischen Gastarbeiter kaum wahrgenommen. Sie waren auch kaum präsent auf den Straßen.

In den 70er Jahren hat sich das geändert. Türkische Restaurants, türkische Geschäfte sind entstanden. Türkische Kinder haben angefangen, die Schulen zu besuchen. Erste Bemühungen um Integration kamen von Bürgerinitiativen, nicht vom Staat. Die öffentliche Meinung war eindeutig: Diese Türken gehören nicht zu uns, sie werden in die Türkei zurückkehren, sie müssen in die Türkei zurückkehren. Deutschland ist KEIN Einwanderungsland.

In den 80er Jahren entstehen in der öffentlichen Meinung die ersten Ansätze, nun doch etwas Integration für nötig zu halten. Könnte nicht doch ein Teil der Türken eingewandert sein? Die Forderung wird laut, Deutschland als Einwanderungsland zu betrachten und dementsprechend Integrationspolitik zu betreiben.

(Ich merke in diesem Jahrzehnt allmählich: Wenn man mich in den 70er Jahren noch für verrückt gehalten hat, weil ich behauptet hatte, Deutschland sei de facto ein Einwanderungsland, so ist jetzt diese Minderheit schon so gewachsen, dass man sich dabei nicht mehr allein fühlt. Der Trend, die Entwicklung wird spürbar. Ich bin optimistisch geworden: Langsam langsam Schritt für Schritt wächst die Erkenntnis, wächst die Akzeptanz, gewinnt die Integration, intensiviert sich das multikulturelle Gefüge …)

In den 90er Jahren entsteht nun die politische Chance, auf oberster Ebene Einwanderungs- und Integrationspolitik zu machen. Nur die CDU/CSU kämpft noch mächtig dagegen an. Aber es ist ein Kampf gegen den Trend.

In den 00er Jahren zeigt sich: Wir haben gewonnen. Deutschland IST nun auch de jure ein Einwanderungsland. Auch die Konservativen haben es begriffen und zu einem Teil ihrer politischen Agenda gemacht. Wir haben gewonnen. Es wird noch einige Jahrzehnte dauern, bis die Ablehnung der Einwanderungsgesellschaft ganz marginal geworden ist, aber es ist nur noch eine Frage der Zeit. Denke ich. Damals. Bezüglich der Türken: Sie haben sich alles in allem gut integriert. Da, wo die Integration noch nicht gelungen ist, nehme ich an: Es ist nur eine Frage der Zeit. Es dauert bei ihnen eben etwas länger. Macht nichts. 

Dann haben uns drei Entwicklungen erschreckt und unsere Gesamtperspektive dramatisch verändert:

Der Terror der dschihadistischen Islamisten. 

Der nicht abreißende große Flüchtlingszustrom. 

Erdogan. 

Die Sache mit den Flüchtlingen und die mit den Dschihadisten lasse ich hier mal beiseite. Schauen wir uns Erdogan und die Folgen an.

Fortsetzung im nächsten Artikel

Anmerkung: 

Man kann politische (und sonstige Ereignisse) natürlich punktuell nehmen – ohne Vergangenheit, ohne Zukunft.

Aber liegt es nicht auf der Hand, dass JEDES Ereignis eine Vergangenheit hat, aus der sie entstanden ist; mit der sie kausal verknüpft ist? Wie kann man ein Ereignis hier und jetzt verstehen, wenn man es nicht aus seiner Vergangenheit, aus seinen Entstehungsvoraussetzungen versteht?

Liegt es nicht auf der Hand, dass jedes Ereignis, das solchermaßen den momentanen Endpunkt einer Entwicklung, eines Prozesses ist, auch eine Zukunft hat? Dass sich also in einem Ereignis eine Dynamik ausdrückt.

So sehe ich das, was soeben passiert ist.

Da drückt sich eine Dynamik aus. Eine Dynamik der Scheidung. Dazu mehr im nächsten Artikel.

Ich sitze gerade in einem Internetshop in Dortmund, Münsterstraße(gleich hinter dem Hauptbahnhof). Eine “Türkenstraße”. Aber anders als in Marxloh. Diese Straße hier ist top. Offensichtlich ein Erfolgsmodell. Ich gratuliere.

Jetzt marschiere ich weiter. Mal sehen, was da noch kommt.

(Davor hab ich einen Spaziergang im Zentrum gemacht und die 2-stündige Bustour durch Dortmund, die – wie in Essen – den multikulturellen Teil der Stadt ignoriert hat.)

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