Gegengesellschaft

tuerkeiIch hör mir an, wie allenthalben der Versuch gemacht wird, sich die 63% bzw. 412.000 Stimmen zu erklären, die sich (bei knapp 50% Wahlbeteiligung) für das Ja zur türkischen Diktatur und zum Deutschlandhass entschieden haben. Ich lese und lese.

Was ich lese, ist fast alles hilflos, verharmlosend.

Mit einer Ausnahme: Stephan-.Götz Richter bei Spiegel Online.

Hinter dem JA verbirgt sich eine radikale Truppe, die längst kategorisch mit Deutschland gebrochen hat und versucht, einen möglichst großen Teil der Deutschtürken für eine abgeschottete Gegengesellschaft zu organisieren.

Wir kennen solche Gegengesellschaften: die Reichsbürger sind eine; die NPD ist eine; die AfD wird sich zu einer entwickeln; die Linksautonomen sind eine. Das Lebensprinzip einer solchen Gegengesellschaft ist: Feindschaft gegenüber dem Rest der gesellschaftlichen Umwelt. Politische Abschottung. Eigene Informations- und Deutungswelt, die sich nicht von außen beeinflussen, irritieren lässt.

Das sind keine Parallelgesellschaften. Solche sind gegenüber der Mehrheitsgesellschaft offen, suchen die Kooperation, erlauben den Übergang, fördern ihn sogar.

Man nehme den Auftritt des Erdotürken Bilgi bei Illner. (Ich hab darüber nur gelesen. Werde ihn mir zu Hause anschauen.) Offensichtlich wendet sich Bilgi nicht an die deutschen Zuschauer. Er weiß, dass er sie mit seinem Verhalten provoziert, abschreckt, ärgerlich macht. Bilgi wendet sich nur an seine sich trotzig und arrogant abschottende Community. Er will ihr zeigen, wie man sich gegen diese Gesellschaft frech behaupten kann. Er agiert als Krieger gegen uns.

Nicht alle 412.000, die mit Ja gestimmt haben, gehören schon zu dieser Gegengesellschaft. Jede Kriegertruppe hat ihre Mitläufer und ihre Sympathisanten. Leute, die nur am Rande dazugehören oder nur halb dazugehören.

Gegen die Krieger können wir nicht viel machen, solange sie im Rahmen des Rechtsstaats operieren. Können wir verhindern, dass sie Sympathisanten und Mitläufer gewinnen?

Gewiss nicht dadurch, dass wir uns naiv, hilf- und wehrlos zeigen. Mit unserer bisher allzu friedlichen und freundlichen Reaktion auf die Gegengesellschaft der Erdotürken signalisieren wir ihnen: Die Kriegertruppe ist so stark, dass sie sich durchsetzen kann.

Sie wird sich nicht durchsetzen.

Deutschland hat schon angefangen, sich gegen sie zu mobilisieren.

Es ist kein Schaden, dass das langsam, zögernd und vorsichtig geschieht.

Aber der Prozess ist in Gang gekommen. Ein Prozess, der über einige Jahre laufen wird.

Ich vermute, dass in einigen Jahren der erdotürkischen Illusion der Boden unter den Füßen weggezogen werden wird: mit Erdogans Sturz und katastrophalen Entwicklungen in der Türkei.

Aber auch mit Maßnahmen in Deutschland. Denn die DITIB-Moscheen gehören zu den Organisationskernen der erdotürkischen Gegengesellschaft – und da lässt sich auf Staatsebene etwas machen.

Achten wir darauf, dass nur etwa ein Drittel der Deutschtürken zu den Erdotürken gehört. Die meisten Türkisch-Stämmigen in Deutschland schätzen Deutschland und gehören selbst zu den Opfern der aggressiv operierenden Erdotürken. Den Türken, die sich tatsächlich für Deutschland entschieden haben, sollte unsere Sympathie und unsere Anerkennung gelten. Ebenso den Opfern des Staatsterrorismus in der Türkei.

Kommentare

  1. Schau dir mal auch die Kommentare auf Youtube (https://www.youtube.com/watch?v=x3ghMI6Ovys) an, wenn du die Illner-Sendung anschaust. Doppelt so viele Dislikes wie Likes — die Sendung hat also vielen nicht gefallen — und viele, die meinen, die Sendung sei nicht fair gewesen, weil nur einer (dieser Bilgi) den Geschichtspunkt der AKP vertretet. In Deutschland gebe es keine Meinungsfreiheit, wenn die Deutschen die Meinung der türkischen Wähler nicht akzeptieren können!

  2. Korbinian meint:

    Wir wissen auf welcher Seite die DITIB-Muslimbrüder stehen: auf der Seite der Gegengesellschaft.
    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-06/anti-terror-demo-ditip-koeln

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