Flüchtlingsfragen (11)

migrationIch setze die Serie zur Flüchtlingspolitik fort – anhand des SVR-Jahresgutachten 2017. (SVR = Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration).

Kernbotschaft 6

Flüchtlingskinder möglichst rasch in schulische Regelstrukturen integrieren, berufliche Bildung flexibler gestalten

Dass Bildung besonders wichtig ist, um gerade Kinder und Jugendliche erfolgreich zu integrieren, ist mittlerweile allgemein anerkannt.

Die Bedeutung der Schulen als zentrale ‚Integrationsinstitutionen‘ ist damit weiter gestiegen, zumal ein erheblicher Teil der 2015/16 zugewanderten Flüchtlinge minderjährig ist.

Der SVR warnt generell davor, zur Beschulung von Flüchtlingen eine spezielle Infrastruktur zu schaffen.

Bildungspolitisch sollte vielmehr eine Frage im Vordergrund stehen, die auch jenseits von Fluchtmigration wichtig ist: Wie lässt sich in der Schule ethnische und soziale Segregation vermeiden und ein in den Alltag integrierter Spracherwerb sicherstellen?

Die Herausforderungen betreffen aber nicht nur die frühkindliche und schulische, sondern auch die berufliche Bildung.

Viele Flüchtlinge sind zwar noch im ausbildungsfähigen Alter, für eine Integration in die Schule sind sie aber schon zu alt.

Für diese Gruppe sind die Strukturen der beruflichen Bildung in Deutschland wichtig (die international geschätzt werden).

Hier gilt es, eine gute Balance zu halten: Einerseits müssen die etablierten Strukturen beruflicher Bildung grundsätzlich bewahrt werden.

Andererseits sollten Ausbildungsgänge stärker flexibilisiert werden, um sie den Lebensverhältnissen der Flüchtlinge anzupassen, z. B. durch eine stärkere Modularisierung.

Entsprechende Reformen sollen jungen Flüchtlingen ermöglichen, niedrigschwellig ins System beruflicher Bildung einzusteigen und die erforderlichen Kompetenzen stufenweise aufzubauen.

Im Rahmen des Bologna-Prozesses wurde das Hochschulstudium unterteilt in einen Bachelor- und einen darauf aufbauenden Masterstudiengang.

Entsprechend könnte erwogen werden, auch berufliche Ausbildungsgänge zumindest versuchsweise aufzugliedern in eine Basisausbildung und eine daran anschließende Spezialisierungsphase.

Durch eine Modularisierung könnten erbrachte Leistungen schneller anerkannt und zertifiziert werden.

Dies würde auch die Motivation steigern, überhaupt eine Berufsausbildung bzw. einen entsprechenden Abschluss anzustreben.

Eine solche Modularisierung erzeugt traditionell starke Widerstände und birgt zweifellos auch gewisse Risiken.

Allerdings würde eine Flexibilisierung dieser Art nicht nur Flüchtlingen zugutekommen, sondern z. B. auch jungen Langzeitarbeitslosen.

Darum sollte die Gelegenheit genutzt werden, die Strukturen beruflicher Bildung auf diese Weise sinnvoll zu ergänzen.

Hier habe ich ein wenig eigene Erfahrung.

Mein Eindruck: Wir (also die planenden Behörden und die durchführenden Träger und Lehrkräfte) haben noch nicht richtig gelernt, wie man es macht.

Unsere Angebote stimmen nicht. Sie passen nicht. Sie kommen nicht an. Weil wir zu sehr von uns ausgehen. Zu wenig versuchen, die Fähigkeiten, Möglichkeiten, Motivationen, Neigungen, Grenzen, Schwächen derer zu verstehen, um die es uns geht. Wir sind es gewohnt, top down unsere gutgemeinten Angebote zu setzen, Friss Vogel oder stirb! Wir investieren einiges Geld – aber weder genug noch effizient.

Das wäre im einzelnen zu beschreiben. Schade, dass diejenigen, die hier die praktische Arbeit machen, es nicht tun.

Vermutlich, weil sie es für sinnlos halten. Die da oben am Grünen Tisch machen sowieso, was sie wollen.

Der SVR deutet im zitierten Text Kritik an, aber so, dass man nicht versteht, was er eigentlich meint.

Ich lese also im ausführlichen Darstellungsteil B2 nach. Er umfasst 20 doppelspaltige, also ca. 40 Buchseiten. Es steckt viel drin – darüber werde ich eine eigene Serie schreiben müssen.

Zunächst werden Handlungsfelder benannt:

 (1) Bildungsangebote müssen erweitert und Segregation vermieden werden.

(2) Zugangshürden müssen abgebaut werden.

(3) Zuwanderer müssen besser über Bildungswege aufgeklärt werden.

(4) Weiterhin müssen pädagogische Fachkräfte besser darauf vorbereitet werden, mit sprachlicher und kultureller Vielfalt umzugehen; entsprechende Angebote sind auszubauen.

(5) Bildungseinrichtungen und andere wichtige regionale Akteure müssen besser vernetzt werden.

(6) Schließlich sind die Bildungsintegration von Flüchtlingen und die Wirksamkeit spezieller Programme genauer zu erforschen.

Bei meiner raschen Durchsicht fällt mir nichts auf, was als Kritik nicht einigermaßen allgemein bleibt.

Natürlich, die Lehrer müssen besser ausgebildet werden, zum Beispiel, aber was genau machen sie eigentlich falsch? Und mit welcher Ausbildung wäre das zu verbessern?

Die Bücher und die Currucula fürs rasche Deutschlernen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind unzureichend. Aber inwiefern?

Wie gesagt, das ist ein eigenes Thema, über das ich bald etwas schreiben werde – angelehnt an die durchaus interessanten und nicht unkritischen Worte, die der SVR dazu findet.

 

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