“Reisende Täter”

kriminalitaettitelt die Süddeutsche Zeitung.

Der Anteil der international organisierten Kriminellen steigt.

München ist die sicherste Millionenstadt Deutschlands. Doch während die Zahl der hier heimischen Verbrecher über die Jahre immer weiter zurückgegangen ist, zieht der Reichtum der Region mehr und mehr Kriminelle aus dem Ausland an.

Die Münchner Polizei kämpft gegen international organisierte Kriminalität, und dabei vor allem gegen vier Phänomene: Drogenschmuggel, Wohnungseinbrüche, Taschendiebstahl und Trickbetrug.

Inzwischen ist fast jeder zweite Tatverdächtige im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums kein Deutscher mehr. Da können sich die Ermittler nicht hinter den Stadtgrenzen verschanzen, sie müssen international kooperieren. Und genau das tun sie auch.

Im vergangenen Jahr lag der Anteil der nicht-deutschen Kriminellen im Bereich des Präsidiums bei 47,7 Prozent. Diese Quote liegt deutlich über dem Ausländeranteil der hiesigen Bevölkerung von gut 23 Prozent.

Bei den Tätern handelt es sich aber nur selten um Flüchtlinge. Noch seltener begehen Flüchtlinge Straftaten gegen Deutsche, die Opfer sind meist ebenfalls Asylbewerber.

Es sind nicht die Zuwanderer, die der Polizei Sorge bereiten, sondern Diebe, Dealer und Räuber aus dem Ausland, die über offene Grenzen nach Bayern reisen, um hier zuzuschlagen und rasch wieder mit ihrer Beute zu verschwinden.

„Das ist heute ganz anders als vor 30 Jahren“, sagt Bernhard Egger, Leitender Kriminaldirektor beim bayerischen Landeskriminalamt (LKA).

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Abschaffung der stationären Grenzkontrollen innerhalb Europas seien auch Kriminelle immer mobiler geworden. Sie reisen über offene Grenzen durch ganz Europa. Das Verbrechen ist längst ein Export-Geschäft.

Kurz zusammengefasst: Der Anteil der Kriminellen, die bei uns kurz einreisen, zuschlagen und dann wieder (mit Beute) ausreisen, ist hoch und steigt ständig.

Statistisch wird ihr Anteil aber – irreführenderweise – in die Ausländerquote eingerechnet. Dadurch entsteht der falsche Eindruck, verantwortlich seien die hier wohnenden Ausländer.

Leider gibt der Artikel keine genaue Angabe darüber, wie hoch der Anteil der Kriminalitätstouristen innerhalb der knapp 50% hohen Ausländerquote ist. Auf jeden Fall ist er beträchtlich.

Betrachten wir die Wohnungseinbrüche:

Von 2015 bis 2016 stieg die Zahl der Einbrüche in München um neun Prozent auf 1540 Fälle.

Dabei nehme aber nicht die Zahl der Einbrecher zu, sondern nur die der Einbrüche, erklärt Hermann Utz, Leitender Kriminaldirektor beim Münchner Polizeipräsidium.

„Relativ wenige Personen sind verantwortlich für massenhafte Schäden in ganz Europa“, sagt Utz.

Unter den Festgenommenen finden sich mehr und mehr reisende Täter. Zuschlagen, Beute machen, über die Grenze verschwinden.

Während die Fallzahl nach oben schnellt, dümpelt die Aufklärungsquote bei niedrigen 12,7 Prozent.

Utz betont aber auch, „dass die Wahrscheinlichkeit, Opfer eines Einbruchs zu werden, in anderen Großstädten bis zu sechsmal höher liegt“.

Die Täter, die in München Beute machen, kämen vor allem aus osteuropäischen Ländern. Je größer das Wohlstandsgefälle zu Deutschland sei, desto verlockender seien Diebestouren jenseits der eigenen Landesgrenzen.

Ähnlich verhält es sich bei den Taschendieben. Kaum einer von ihnen wohnt in Deutschland.

Die Mehrheit der Taschendiebe „grast ganz Europa ab“, sagt Utz.

Manche Banden hätten sich darauf spezialisiert, Tourneen internationaler Musiker von Land zu Land zu begleiten.

Wer bei einem kleinen Diebstahl erwischt wird, landet dafür nicht gleich im Gefängnis. Bis die Fahnder den Tätern nachgewiesen haben, dass sie professionell und organisiert vorgehen, können sie längst weitergezogen sein.

Nicht in Deutschland wohnhaft sind auch die Trickbetrüger. Ebenso die Drogenmafiosi.

Die Antwort der Polizei: Sie vernetzt ihre Strafverfolgung europäisch bzw. international.

Dabei ist die Zusammenarbeit mit der Türkei zum Erliegen gekommen:

Während die Zusammenarbeit mit Ländern wie Polen oder Österreich hervorragend funktioniere, sei sie mit der Türkei derzeit mehr als schwierig. „Gleich null“, sagt LKA-Fahnder Beyser.

„Kein türkischer Polizist traut sich noch, Informationen an westliche Länder herauszugeben.“

Dabei sei die Türkei in vielen Bereichen der organisierten Kriminalität ein wichtiges Transitland.

Hier stößt die Strafverfolgung tatsächlich an Grenzen. Doch auch umgekehrt gibt es rote Linien der Kooperation.

Anhang

Dieser Artikel der SZ begleitet den ausführlichen Bericht über einen kriminellen Familienclan, der von Zagreb aus Deutschland und Europa mit Einbrüchen überzieht. (SZ 23.05.2017, R2. Nicht online verfügbar)

Bis zu 500 aktive Mitglieder könnte er haben. Die “Arbeit” machen dabei vor allem Mädchen und junge Frauen. Sie werden von Kind auf dazu trainiert. Warum Mädchen? Weil sie weniger auffallen und mit geringeren Strafen davonkommen.

Allein in München könnten es bis zu 100 Einbrüche sein, in Deutschland im Sommer 2016 bis zu 20% aller Einbrüche.

Es ist der Polizei inzwischen gelungen, einen “Arm” der “Krake” zu treffen. 20 Mädchen und junge Frauen konnte man festnehmen, in Kroatien auch einige der Organisatoren.

Die “Krake” habe aber noch viele Arme …

Kriminalitäts-Hotspot in München ist der Hauptbahnhof. Die SZ gibt einen Überblick.

Außerdem erklärt uns die SZ  (bzw. der Kriminologe Dirk Baier) die aktuelle Kriminalitätsstatistik – die Missverständnisse, die Laien beim Lesen und Verstehen unterlaufen.

Kommentare

  1. Wir haben es an anderer Stelle in anderem Zusammenhang schon gesagt. Es läuft immer mehr auf das “Globale Dorf” hinaus, wo alle, überall, alles tun oder lassen und es immer einen Einfluss diesen Wirkens für ALLE hat, auch wenn man dies im Einzelfall nicht jedesmal merkt. Wir importieren Schwarzarbeiter und Unter-Mindestlöhner, Prostituierte und Dauerpartnerinnen aus Asien, Osteuropa und Südamerika und Kriminelle die uns beklauen und einbrechen, damit u.a. das Versicherungsgeschäft blüht, während wir deren Länder mit unseren Exportgütern beglücken. Jeder der uns hier in D beehrt, bringt seine Sitten und Gebräuche mit, wie könnte es auch anders sein?

  2. Das alles, ja.
    Aber wir können auch eine Positivliste erstellen. Wir kriegen auch eine Menge richtig guter Leute. (Die dann dem Heimatland schmerzlich fehlen.)

    Ich habe den Eindruck, dass es mehr gute Leute sind, und dass wir alles in allem eher gewinnen.

    Ich habe aber auch den Eindruck, dass wir mehr drauf achten müssen, WER da kommt und wie man die recht unterschiedlichen Menschen und Kulturen behandelt.

    Mein kritischer Blick fällt auf diejenigen, die sich bewusst, mit Absicht zur Gegenkultur formieren.

    EINE Folge ist dann das, was kürzlich in Manchester passiert ist.

  3. Das was man die Sicherheitsdienste und -industrie nennen kann, werden in der Folge von Anschlägen weder an Etats noch an Aufträgen verlieren. Auch die Hürde zur Verkleinerung von bürgerlichen Freiheitsrechten ist in solchen Fällen niedriger anzusetzen. Aber auch politische Gruppen und Parteien, denen die ganze Richtung nicht passt, profitieren durchaus direkt vom Terror! Beides bedingt einander geradezu, frei nach dem Motto:

    “Damit die Schafe den Hütehund akzeptieren, sollte dann und wann der Wolf um die Herde streifen!”

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