Manchester. – Welcher Ort kommt als nächstes?

terrorismusMan wird tun, was man eben tun kann, um Massaker wie das in Manchester zu verhindern. Man wird einige verhindern können. Einige nicht.

Es wird also weiter gehen. Auch Deutschland wird es über kurz oder lang wieder treffen.

Der Attentäter von Manchester soll ein junger Muslim sein, der in Manchester geboren und aufgewachsen ist. Also ein heimisches Gewächs.

Jetzt kann man nachsinnen, was denn WIR, das heißt diese Gesellschaft und diese Politik falsch gemacht hat, wenn solche Typen (es ist ja nicht bloß einer) dabei herauskommen.

Es ist gut und richtig und hilfreich, sich die Ursachen bewusst zu machen und darüber auszutauschen.

Ich will das aber jetzt, an dieser Stelle, einmal nicht tun.

Sondern fragen, was wir künftig tun können.

Wir können den jungen Dschihadisten und denen, die dazu werden, nichts anbieten. Wir werden uns nicht ihnen und ihren Bedürfnissen anpassen.

Wir werden – leider – auch nicht sozialer werden. Der Dschihadismus von jungen Männern und Frauen unter der muslimischen Minderheit hat AUCH eine soziale Ursache. Sie fühlen sich abgehängt. Perspektivlos. Das wird dann “religiös” aufgeladen. Für manche wird die Martyrer-Lösung attraktiv.

Im Moment sind das arabisch-stämmige Salafisten. Angeheizt durch salafistische Moscheen und Prediger, die wiederum den Saudis und deren Wahhabismus nahestehen, der im Moment gerade von Donald Trump hofiert und politisch und militärisch gestärkt wird.

In naher Zukunft kommen dann wohl noch die frustrierten Erdotürken dazu. Ihr Großer Meister Erdogan hat das schon mal angekündigt:

Wenn ihr euch weiterhin so verhaltet, werdet ihr morgen nirgendwo auf der Welt, kein Europäer, kein Westler in Sicherheit und Frieden einen Schritt auf die Straße wagen. Wenn ihr diesen gefährlichen Weg weiterhin beschreitet, werdet ihr die größten Verlierer sein.

(Erdogan an die Europäer, die es gewagt haben, türkischen Politikern die Werbung für die Diktatur zu untersagen – nicht in der Türkei, sondern in Deutschland, Österreich, den Niederlanden. Die Erdotürken sind dabei, sich als Gegengesellschaft zu formieren.)

Ich frage also nun, was wir tun können, tun wollen.

Ein paar Vorüberlegungen dazu:

(1) Wir werden natürlich weder den Salafisten noch den Erdotürken bzw. der Türkei in irgend einer Weise nachgeben. Wir werden versuchen, ihnen das Leben hierzulande eher schwerer zu machen. Damit wird der Frust wachsen …

(2) Es wäre zwar gut, wenn unsere Politik sozialer würde, wenn dadurch die soziale Verwahrlosung geringer würde. Wir müssen aber damit rechnen, dass die Armen ärmer werden, dass die Verelendung zunehmen wird. Dass noch mehr junge Männer abgehängt werden.

(3) Man kann Leute, die hier geboren und aufgewachsen sind, nicht ausweisen, nur weil sie Muslime sind. Nicht einmal in den Fällen, in denen wir Gefährder vermuten.

(4) Es reicht nicht aus, einfach nur festzustellen: Die meisten jungen muslimischen Männer stellen keine Gefahr dar. Das ist zwar so, aber es ist nun einmal auch so, dass EINIGE zur Gefahr werden. Das auffällige Verhalten einzelner wirft immer auch einen Schatten auf die Gruppe.

(5) Muslime können uns nicht mehr damit kommen, zu behaupten, der Islam bzw. die islamische Religionsausübung hier bei uns hätte nichts mit den mörderischen Taten einiger weniger Muslime zu tun.

(6) Die bewusste Selbstabgrenzung der Muslime in den nichtmuslimischen Ländern wird zunehmend zum Problem.

(7) Die Attentate sind schmerzhafte Ereignisse – aber sie erschüttern an sich nicht unsere Gesellschaftsordnung. An sich – aber auf einem Umweg dann doch: In Reaktion auf sie wird unsere Gesellschaft bereit, ihre Liberalität aufzugeben. Sicherheit kommt immer mehr vor Freiheit.

(8) Die Gefahr, selbst Opfer eines dschihadistischen Anschlags zu werden, ist eigentlich so gering, dass man persönlich keine Angst zu entwickeln braucht. Es gibt in unserer Welt weitaus Gefährlicheres: Fensterputzen oder Radfahren oder im offenen Gewässer baden zum Beispiel. Aber Terroranschläge haben etwas, das in besonderem Maße Angst macht. Das ist ihr Design und ihr Zweck. Ihr Ziel ist es, zu terrorisieren. Viele Menschen lassen sich mittels Terroranschlägen terrorisieren und zu Handlungen verführen, mit denen sie sich dann selbst – kollektiv – schädigen.

(9) Die Terroranschläge stärken die rechtspopulistische Bewegung. Sie stärken den autoritären Trend, der auch unabhängig von ihnen wächst.

(10) Man kann die Frage stellen: Warum lassen wir überhaupt Muslime in unsere Länder (als Einwanderer oder Flüchtlinge), wenn ein Teil von ihnen sich nicht zu integrieren bereit ist und einige von diesen in erster oder zweiter Generation sich für das dschihadistische Morden entscheidet?

(11) EINE Antwort darauf ist, dass man die Frage zurückgibt: Soll man Millionen für das bestrafen, was einige wenige aus ihrer Mitte anstellen?

(12) Einige neigen zu hilflosem Geschwätz: Man müsse eben die Ursachen beseitigen, aus denen einige junge Männer zu Dschihadisten werden. – Sie bekommen eine nicht erwartete Antwort darauf: die Forderung nach Schließung der Grenzen und einer rigorosen Deportationspolitik. Auch das ginge an die Wurzel des Problems. Welche andere Politik hätten diejenigen vorzuschlagen, die eine “humane” Problemlösung suchen?

Genug.

Was tun?

Ich würde erst einmal sagen: Damit leben. Vermeiden, das Unglück durch Überreaktion bzw. falsche Reaktion schlimmer zu machen.

Soviel ERST EINMAL.

Was dann?

Gelassenheit ist gut, aber wir brauchen schon ein bisschen mehr als nur Gelassenheit in der Politik. 

Kommentare

  1. Ich finde wir, “der Westen, die offene westliche Gesellschaft”, sollten unseren Part in dieser grässlichen Dauerinszenierung überdenken?
    Terror bedingt der Angst. Angst muss aber erst erzeugt werden. Die Berichterstattung über alle technisch verfügbaren Formen von Medien spielt ihre Rolle, hat ihren Anteil an der Attraktivität von Terror für abgehängte, arme Schweine, die auf Helden machen wollen?

    Gibt es ein Recht auf Panikbilder, auf Bilder von Verletzten und Verstümmelten in Blutlachen, auf Bilder von heulenden, besorgten Eltern?
    Erst durch diese vollkommen enthemmte Form der Berichterstattung findet in den Köpfen der Gestörten die vermeintliche Überhöhung statt, vom armen Schwein, dem anscheinend wertlosen IS-Kanonenfutter, zum Djihadisten, zum Helden, vor dem die 72 Jungfrauen Schlange stehen…

    Ich würde als erste Maßnahme die mediale Berichterstattung auf sachliche, sicherheitsbedingt notwendige absolute Mindest-Textmeldungen reduzieren. Ich würde KEINE Bilder und KEINEN Ton senden. Damit wäre der Informationspflicht genüge getan, aber den Islamisten der mediale Orgasmus verwehrt, der unwillkürlich den nächsten Idioten in die Stratlöcher stellt, wie ein Magazin eine Patrone…

  2. Korbinian meint:

    Man sollte auch mal einen Blick in die hiesigen Koranschulen werfen: Welche Inhalte werden da in welchem Kontext übermittelt?

  3. Ich würde als erste Maßnahme die mediale Berichterstattung auf sachliche, sicherheitsbedingt notwendige absolute Mindest-Textmeldungen reduzieren. Ich würde KEINE Bilder und KEINEN Ton senden. Damit wäre der Informationspflicht genüge getan, aber den Islamisten der mediale Orgasmus verwehrt, der unwillkürlich den nächsten Idioten in die Stratlöcher stellt, wie ein Magazin eine Patrone…

    Wie du, so hielte auch ich das für vernünftig. Die Terroristen leben davon, dass WIR ihren Terror in allen unseren Hirnen in Angst umsetzen. Wir LASSEN UNS Angst machen.

    ABER: Du kannst weder die Medien dazu bringen, die mediale Berichterstattung auf sachliche, sicherheitsbedingt notwendige absolute Mindest-Textmeldungen zu reduzieren, noch die Konsumenten der Medien dazu bringen, das von den Medien zu erwarten. Die Regierung hat sowieso nicht das Recht, sich hier groß einzumischen. Sie könnte allenfalls den Rat zu dieser beschränkten Darstellung geben.

    Wir müssen also damit leben, dass jedes Attentat medial aufgebläht wird.

    Eine interessante Frage wäre da noch: Warum bestehen die Bürger darauf, so ein Massaker möglichst heftig zu Gemüte gebracht zu bekommen? Ich denke dabei spontan an die Gaffer bei jedem Unfall. Wir sind GEIL. Wir sehnen uns geradezu nach solchen existenziellen Dramen. Am Fernseher ziehen wir uns Krimis, Thriller, Horror rein. In den Buchhandlungen quellen die Abteilungen mit Krimis, Thrillern und Horrorzeug über. Die Leute brauchen ihre Dosis. Es ist wie eine Droge.

    Die Dschihadisten gehen auf dieses Bedürfnis ein …

    Gegen dieses unheimliche menschliche Bedürfnis nach Katastrophen-Begaffung kommen wir mit unserem Vorschlag niemals durch.

  4. Die von den gläubigen Muslimen gestaltete abseitige Moschee- und Korankurs- und Glaubenswelt trägt wohl dazu bei, dass sich dann einzelne zu Dschihadisten entwickeln. Das gehört also wohl zum Ursachenzusammenhang. Ich denke dann allerdings auch immer an UNSERE westliche Welt, die zum Ursachenzusammenhang für UNSERE zum Teil verbrecherische Politik gehört. Inwieweit bin ich, sind wir mitverantwortlich zum Beispiel für die Verbrechen der Amerikaner und Engländer im Irakkrieg? Oder für die Verwüstungen, die unser Big Money in der Dritten Welt wirtschaftlich und sozial anrichten?

    Das mit der Verantwortung ist keine Einbahnstraße.

  5. Es ist tatsächlich das “Global Village” mit allen Vor- und Nachteilen! Was die Medien betrifft, so sollen nach Manchester Bilder und Videos aus den privaten Medien sehr schnell gelöscht worden sein. Die Betreiber haben – auf Anweisung von wem auch immer – diesmal angeblich wirklich schnell reagiert!
    Unsere Angstgeilheit ist übrigens kein Attribut dekadenter Westler. Diese Tage wurde die Auspeitschung eines Homosexuellen in Indonesien(?) gezeigt und der Fotograf stand hinter dem Opfer, den er deshalb nur von hinten zeigte. Vor ihm aber stand im Halbkreis eine riesige, geifernde, lachende Masse, Handys und Video-Cameras im Anschlag, die etwas erleben und das Erlebte LIVE im Netz teilen wollten. Absolut pervers!
    Beim Erhängen an Kranauslegern im Iran, beim Köpfen mit dem Schwert in der Musterdemokratie Saudi Arabien, den Lieblingsgeschäftspartnern des moralischen Gewissens der ganzen Welt, von Donald Trump, vor dreihundert Jahren, bei der Französischen Revolution, der Mutter unserer Menschenrechte standen die aufgeklärten, modernen Menschen als johlende Massen um die Guillotine und wollten Köpfe in Körbe rollen sehen. Es steckt offenbar in uns allen drin, Angst, Gruseln und Lust gehen offenbar unkalkulierbare Allianzen ein?

  6. Das was man die Sicherheitsdienste und -industrie nennen kann, werden in der Folge von Anschlägen weder an Etats noch an Aufträgen verlieren. Auch die Hürde zur Verkleinerung von bürgerlichen Freiheitsrechten ist in solchen Fällen niedriger anzusetzen. Aber auch politische Gruppen und Parteien, denen die ganze Richtung nicht passt, profitieren durchaus direkt vom Terror! Beides bedingt einander geradezu, frei nach dem Motto:

    “Damit die Schafe den Hütehund akzeptieren, sollte dann und wann der Wolf um die Herde streifen!”

  7. Erdowahn ärgert Roth:

    http://www.faz.net/-gpf-8y6af

  8. Bodo meint:

    Sie haben ja Recht Almabu, aber das mit dem Hütehund und den Schafen, ne.
    1. Schafe akzeptieren den Hütehund nicht, sie haben Angst vor ihm.
    2.Der Hütehund ist nicht dazu da den bösen Wolf zu vertreiben, sondern um die Herde zusammenzuhalten.

  9. Erinnern wir uns noch an die Bilder von Trump in Saudi Arabien? An seiner Seite seine Frau Melania, mit wehender, unverschleierter Mähne vor dem Kopfabhacker-König. Jetzt ein Bild von den Trumps beim Papst im Vatikan. Was sehen wir da? Melania verschleiert, zumindest ihr Haar, in schwarz und hochgeschlossen.
    ––––––
    http://www.lefigaro.fr/actualite-france/2017/05/24/01016-20170524ARTFIG00177-rencontre-chaleureuse-entre-le-pape-francois-et-donald-trump.php

  10. Die NATO soll heute vereinbart haben der Anti-IS-Koalition beizutreten, was in der Konsequenz Kampf in Syrien, im Irak oder anderswo gegen Russland und den Iran bedeuten kann, denn wer Terroristen sind, wer zum IS gehört, das bestimmen immer noch wir!

  11. Nachdem Spuren des Manchester-Terror-Anschlages nach Libyen weisen, könnte die NATO dies zum Anlass nehmen, dort mal vor Ort nachzusehen, wo doch angeblich auch diese Russen da schon aktiv sind?
    Falls dabei, als Nebeneffekt sozusagen, auch das Thema Bootsflüchtlinge mit über 1.000 Toten in den ersten 5 Monaten diesen Jahres gelöst wird, wäre niemand unglücklich, aber für tote Zentralafrikaner interessiert man sich eher nicht, oder?

  12. Zuerst die bange Frage: Leo, was ist los mit dir, alles okay?

    DER STANDARD zum Erdogan-Krawall-Besuch in den USA:
    US-Kongress will staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen Erdogans Schlägerbanden in Washington, DC. Zehn der 24 inzwischen identifizierten Prügeltürken sollen seiner Leibwache angehört haben.

    Der Auswärtige Ausschuss des Repräsentantenhauses hielt vergangene Woche eine Anhörung zu diesem Vorfall ab. Republikaner und Demokraten brachten danach eine gemeinsame(!) Resolution ein, in der sie zum einen forderten, die Täter vor Gericht zu stellen. Zum anderen drückten sie grundsätzliche Kritik am autoritär regierenden türkischen Präsidenten aus:

    “Der Angriff vergangene Woche (17. Mai, Anm.) gegen Demonstranten folgt einem ähnlichen Verhalten der Erdoğan-Regierung und vermittelt die gefährliche Botschaft, dass diese Ideologie der Unterdrückung einen Platz unter den Nato-Staaten hat.” – derstandard.at/2000058483796/Nachspiel-fuer-Erdogans-Pruegeltuerken

    ______
    http://derstandard.at/2000058483796/Nachspiel-fuer-Erdogans-Pruegeltuerken?ref=nl&userid=193567&nlid=9

  13. Korbinian meint:
  14. Gegen eine von Erdogan offerierte NATO-Konferenz in der Türkei sollen sich mehrere EU-Staaten, darunter Deutschland, Frankreich, Niederlande und Dänemark ausgesprochen haben. Als Alternative bot sich das neue NATO-HQ in Belgien an. Eine Entscheidung ist wohl noch nicht getroffen?

  15. Leo, reise nicht in die Türkei, weil.. du weisst schon!

  16. Leooh, fährst du nach Lodz? (als nächstes?)

  17. Ich reise im Moment viel herum. In Deutschland. Ich verrate erst am 12. Juni, wo ich war. Dann geht es weiter mit Artikeln. Mal sehen, vielleicht schreib ich jetzt doch mal schnell einen über die danebengegangene Abschiebung in Bayern. Ist wirklich ein interessanter Fall.

  18. Mach es nicht wie einst der Genscher, der so viel herumgereist sei daß es heisst, er sei sich dabei einmal selbst begegnet! Das muss gruselig sein?

  19. Korbinian meint:

    https://youtu.be/hB5ZEfP6Tbg

    @cenki
    @fantomas

    endlich mal wieder ein wahrer Bruder für Euch! Martin Lejeune deckt auf!

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