Abschieben nach Afghanistan? – Kriminell.

asylDie Abschiebung nach Afghanistan ist für den Moment (weitgehend oder ganz?) ausgesetzt.

Man kann nicht Leute in den Tod abschieben.

Ahmed Rashid in einem Interview mit der SZ (Sa/So 17./18.06.2017, Seite 13 – nicht frei online verfügbar):

Deutschland schiebt nach Afghanistan ab. Was geschieht mit einem, der nach drei oder vier Jahren wieder an der Tür seines Elternhauses klopft?

Das ist die absolute Katastrophe. Diese jungen Männer haben ihre Familien alle Ersparnisse gekostet, um die Flucht zu finanzieren: Die Angehörigen sind dazu oft auch noch hoch verschuldet. Und jeder im Dorf weiß es, dass einer nach Europa gezogen ist, weil seine Eltern Geld bei den Verwandten und den Nachbarn geliehen haben. In einem afghanischen Dorf kann man das nicht unter der Decke halten. Genauso wenig bleibt geheim, dass einer abgeschoben wurde. Das erfahren dann auch die Taliban.

Und was geschieht dann?

Das wird lebensgefährlich. Viele der Männer, die zurückkehren, haben sich der Rekrutierung in die Taliban-Armee entzogen. Andere sind bedroht, weil sie Schiiten sind oder anderen Minderheiten angehören. Die Taliban sind brutal: Können sie den Heimkehrer nicht töten, ermorden sie Frau, Kinder, Eltern. Oder sie zwingen Rückkehrer, sich für die Armee zu verpflichten, um bei einem Insider-Anschlag afghanische Soldaten umzubringen. Andere müssen Selbstmordbomber werden, um ihre bedrohte Familie zu retten.

Betrachten die Taliban alle Rückkehrer automatisch als Feinde?

Wer in Taliban-Gebiete zurückkehrt, steht unter Verdacht, für die britischen oder deutschen Geheimdienste zu spitzeln. Das Informantennetz der Taliban ist riesig; wenn einer zurückkehrt, erfahren sie es. In Großstädten mag die Gefahr geringer sein, auf dem Dorf ist sie enorm.

Die Taliban beherrschen zurzeit wieder die Hälfte des Landes, und ihr Griff reicht bis hin zu den sichersten noch talibanfreien Zonen.

Sie dehnen ihren Machtbereich allmählich weiter aus. Es sieht nicht gut aus. Wir müssen davon ausgehen, dass es noch auf lange Sicht keinen Frieden gibt, und dass eine Rückkehr der Flüchtlinge unverantwortlich wäre.

Wir werden also gut daran tun, in diesem Fall voll und ganz auf Integrationsversuche zu setzen.

Allenfalls eindeutig kriminell und für uns gefährlich gewordene Männer aus Afghanistan könnte man abschieben.

Diejenigen, die sich leidenschaftlich der Abschiebung von Afghanen entgegengestemmt haben – u. a. die InitiativGruppe – haben Recht behalten.

 

Kommentare

  1. Jetzt wo die USA wieder mehr GI’s nach Afghanistan schicken, könnten auch DIE GRÜNEN einen Wahlkampfhit starten, der da heisst: “Mehr Bundeswehr nach Afghanistan!” Damit könnten sie sich für eine Jamaica-Koalition nach der BTW im September empfehlen, z.B. durch die Forderung einer Homo-Ehe für die Taliban. Aber, die gegenwärtige Abschiebungspraxis in total sicher unsichere Herkunftsländer muss gestoppt werden…

  2. OFF TOPIC:

    Ein vereinfachtes, aber griffiges Beispiel zur Situation in Frankreich nach dieser desaströsen Parlamentswahl:

    Von vier Franzosen, die wählen durften gingen zwei erst gar nicht an die Urne, einer wählte Macron und schenkte ihm damit „einen grandiosen Sieg“ und der vierte Wähler schwankte zwischen dem Rest des politischen Angebotes. Gesellschaftliche Stabilität sieht anders aus…

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