Anklam

deutschlandIch hab da mal vorbei geschaut.

Eine kleine Stadt ganz im Nordosten Deutschlands, nicht weit vom Meer, nicht weit von der polnischen Grenze. Mehr als ein Drittel wählt dort rechtsradikal.

Leben da wirklich keine “Ausländer”? Offiziell gibt es einen Migrantenanteil (mit und ohne deutsche Staatsbürgerschaft) von 1%.

Ich hab keine gesehen oder bemerkt. “Ausländerverdächtig” schien mir nur ein italienisch markierter Pizza-Service.

Der junge Anklamer, mit dem ich mich zwei Stunden lang unterhalten habe (und der zu den “demokratischen” Anklamern zu gehören scheint) meinte: Doch, es gebe schon auch Ausländer hier – eine Handvoll Vietnamesen, die aus der DDR-Zeit hier übrig geblieben sind.

Ein Schwarzer hier in Anklam, nein, das ginge einfach nicht.

Ich hab mich umgeschaut. Auch Klingelschilder studiert. Keine Spur von Migranten. Nicht einmal Polen. Die mag man hier wohl auch nicht.

Anklam hatte bei der Wende ca. 20.000 Einwohner. Jetzt sind es, trotz einiger Eingemeinungen, nur noch 12.000. Also praktisch eine Halbierung. Anklam stagniert. Liegt im Sterben?

Man lässt sich hängen. Es gibt wenig Hoffnung.

Was gibt es?

1. Einen eigentlich recht ansehnlichen Marktplatz mit hübscher Kulisse auf allen vier Seiten. Dazu ein paar hundert Meter netter Hauptstraße. Viel wurde renoviert.

2. Den Steinturm – ein Überbleibsel aus den guten Jahren der Hansestadt-Zeit. Mit einem besuchenswerten Stadtmuseum.

3. Eine Zuckerfabrik (in der Hand irgend eines Konzerns aus einem skandinavischen Land) mit ein paar Arbeitsplätzen.

4. Die Peene. Ein kleiner unregulierter Fluss mit “Dschungellandschaft”, wunderbar zum Wandern, Radeln, Paddeln. (Es gibt einigen Tourismus hier – ist noch ein Geheimtipp.)

5. Usedom und das Meer sind gleich um die Ecke.

6. Otto Lilienthal, der Flugpionier, ist ein Kind der Stadt – es gibt ein Lilienthalmuseum.

7. Sehr gute Bahnverbindung nach Berlin und nach Greifswald, Stralsund und weiter nach Westen.

8. Eine Kirchenruine mit Ausstellung. Ein Theater.

9. Eine stolze Geschichte als kleine Hansestadt. Gut dokumentiert im Stadtmuseum und in einem Buch, das ich mir gekauft habe und das ich bald lesen werde.

10. Die Infrastruktur scheint dank des Soli auch einigermaßen gut sein: Strom etc., Straßen, Schulen und was man so braucht.

Das ist alles – und die Frage stellt sich: Kann die Stadt davon leben?

Kann sie davon leben, wenn sie in sich (mehrheitlich) keine “Ausländer” als Mitbürger akzeptiert und keine sichtbar Fremden willkommen heißen kann?

(Mehr dazu in der Fortsetzung morgen.)

Wer sich in Anklam umsehen möchte:

Schaut euch den kurzen Imagefilm an! Dann den längeren mit viel zur Umgebung. Und diesen schwungvollen Film ganz von der Stadt selbst.

Genau das hier war auch mein Fußweg vom Bahnhof zum Marktplatz.

 

Kommentare

  1. Bei so einem Bevölkerungsrückgang müssten die Mieten eigentlich günstig sein.

  2. Korbinian meint:

    Es gibt sogar Häuser da zahlt man gar keine Miete sondern nur die Nebenkosten. Wichtig ist dann nur das jemand in den Häusern lebt und diese auch unterhält.

  3. In Anklam werden Ausländer nicht benachteiligt – weil es fast keine dort gibt.

    So viel aber ist schon richtig: Auch in München ist es für “Ausländer” (einschließlich derer, die deutsche Staatsbürger sind, aber vom Namen oder vom Aussehen her erkennbar NICHT biodeutsch oder kulturdeutsch sind) schwerer und teurer, eine Wohnung zu bekommen. Das war schon immer so – hat sich aber bei uns wohl inzwischen ein bisschen abgeschwächt, so scheint mir. Gewöhnung und Differenzierung machen sich bemerkbar.

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