Die Collier-Lösung des Flüchtlingsproblems: Jobs vor Ort schaffen

asyl20 Millionen Auslandsflüchtlinge gibt es derzeit. Nur ein kleiner Teil davon lebt (bisher) in Europa. Will sich Europa davor bewahren, dass noch mehr von ihnen kommen, muss es dafür sorgen, dass sie dort, wohin sie sich znächst geflüchtet haben, Arbeit bekommen.

Es sind nur etwa 10 Länder, die die allermeisten Flüchtlinge aufgenommen haben.

  • Türkei
  • Jordanien
  • Libanon
  • Kenia
  • Iran
  • Pakistan
  • Äthiopien

stehen an der Spitze.

STANDARD: Wie wollen Sie Jobs schaffen?

Collier: Ich bin von der jordanischen Regierung um Hilfe gebeten worden. Das Land hat eine Million Flüchtlinge. Wir haben uns umgesehen und viele wirtschaftliche Möglichkeiten entdeckt. Die Flüchtlinge dürfen aber nicht arbeiten. Wir haben vorgeschlagen: Lasst sie arbeiten, und wir bringen die reichen Länder und die Weltbank dazu, dass sie ihre Firmen herholen. Sie haben zugestimmt.

STANDARD: Wie weit ist das Projekt?

Collier: Jordanien hat zugesichert, dass 200.000 Arbeitsgenehmigungen erteilt werden. 38.000 davon gibt es schon. Die Weltbank hat schon Geld geschickt, Firmen starten, dorthin zu gehen. Stellen Sie sich vor, das wäre seit 20 Jahren internationaler Standard! Wenn ein Land zerfällt, gibt es einen Automatismus: Es fließt Geld in die Zufluchtsorte, sofort. Firmen schicken nicht mehr Decken, sondern schaffen Jobs. Der Deal ist: 70 Prozent der Jobs gehen an Flüchtlinge, die restlichen an Einheimische.

STANDARD: Das Ganze soll ja über Förderungen laufen. Wir würden beispielsweise dem BMW-Konzern 20 Millionen Euro dafür geben, dass er in Jordanien investiert?

Collier: Zum Beispiel, ja. Und um Leute auszubilden. Das Ding ist: Wenn es vor Ort noch gar nichts gibt und BMW hingeht, eine Infrastruktur schafft und Leute ausbildet, dann kommt die nächste Firma und profitiert davon. Diesen öffentlichen Vorteil, den eine Firma schafft, muss man mit öffentlichem Geld ausgleichen. Ist das eine Schande, dass wir BMW oder VW mit Hilfsgeldern dabei helfen, dass sie Leute in sehr armen Ländern ausbilden und Arbeitsplätze kreieren? Daran ist nichts falsch.

STANDARD: Was ist die Rolle Europas in Ihrem Modell? Es bezahlt?

Collier: Hauptsächlich, ja. Unsere Stärke im Vergleich mit Jordanien ist, dass wir Geld und Firmen haben. Deren Vorteil ist, dass sie Arabisch sprechen und in der Nähe Syriens sind. Das ist die natürliche Arbeitsteilung. Europa soll aber nicht fein raus sein, wir sollten ebenfalls eine gewisse Zahl an Flüchtlingen aufnehmen. Einfach um klarzumachen, es geht nicht darum, uns von Leuten abzuschirmen, die wir nicht wollen. Europa hat lange nichts getan, wir haben das Problem ignoriert. Wir müssen unser Herz verwenden, aber auch unseren Kopf! Das ist das wichtigste Problem der Welt. Gutmütigen Schwachsinn können wir uns nicht leisten. Wir haben in der Flüchtlingskrise sechs Monate nur mit dem Herz und ohne Kopf agiert. Gott sei Dank haben das jetzt viele verstanden.

derstandard

Mit Jordanien könnte das funktionieren. Mit dem Libanon vielleicht auch. Oder Kenia. Bei der Türkei, bei Pakistan, bei Iran und bei Äthiopien hab ich Zweifel.

Apropos Herz und Kopf in der zweiten Jahreshälfte 2015: Von wegen Herz. Das waren natürlich, auf Regierungsebene, Kopf-Entscheidungen.

Kommentare

  1. Stark vereinfacht würde ich sagen, daß dies ein gangbarer Weg scheint, den es zu versuchen gälte, zumal uns bisher kaum besseres einzufallen schien?
    Die Zeit, die es benötigte industrielle Infrastrukturen zu schaffen, scheint ein kritischer Punkt bei diesem Konzept zu sein?
    Dann sind oft Krieg und Vertreibungen die Auslöser von Fluchtbewegungen hinter denen u.a. Firmen und Regierungen von Industriestaaten stehen. Diese Ursachen wären damit nicht beseitigt. Sie würden vielmehr oft den Aufbau in dieser geplanten Form verhindern?
    Das ganze, durchaus positive Projekt wäre aber auch Teil der globalen Verlagerung von industriellen und Service-Kapazitäten mittels Steuergeldern, freiem Kapitalverkehr und globaler Verrechnung von Gewinn und Verlusten. Der Steuerzahler der Industrieländer wird diesen Prozess ebenso bezahlen, wie er einst die Verlagerung vorn Arbeitsplätzen nach Asien bezahlte. Die Frage ist, welches Wachstum der Nachfrage eine solche Verlagerung auslösen würde und ob dieses genügte einen weiteren Stellenabbau in den Industrieländern zu verhindern? Zumindest dürften wir dann mit einem Schröder 2.0 und einer Agenda 2030 rechnen, weil wir dann natürlich wieder zu teuer wären für die selbstgeschaffene Konkurrenz, die zwar ganz ohne Mindestlöhne und Gewerkschaften auskäme, nicht aber ohne Weltbank und Kapitalismus. Seit Beginn des Kapitalismus werden die Anbieter von Arbeitskraft gegeneinander ausgespielt und unterboten. In diesem Modell geschähe dies auch. Es würde aber womöglich in einem beherrschbaren, steuerbaren Prozess ablaufen, ganz anders, als wenn Morgen “plötzlich” 100 Millionen Flüchtlinge an der österreichisch-bayrischen Grenze stünden und Frau Merkel fragt “Wolle mer se rei lasse?”
    Er wäre also das kleinere Übel und solange keiner einen besseren Vorschlag macht, sollte er deshalb ernsthaft in Betracht gezogen werden.

  2. Korbinian meint:

    Der türkische Geheimdienst MIT sammelt derzeit angeblich verstärkt Informationen über deutsche Politiker. Das berichtet die Zeitung “Die Welt”. Demnach stünden mehrere Innen-, Außen- und Verteidigungspolitiker des Bundestags im Visier. In den vergangenen Wochen hätten deshalb schon Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes (BKA) mit einigen Abgeordneten sogenannte Sicherheitsgespräche geführt. Dabei soll es um die mögliche Beobachtung durch den türkischen Geheimdienst und eine Gefährdungssituation durch türkische Nationalisten gegangen sein.

    Tja wer solche Freunde hat braucht keine Feinde. Erdogan zieht sein Ding hier durch. Und jeder der etwas dagegen sagt ist ein Terörist.

  3. Neben dem Umgang von deutschen Männern mit ihren Frauen begleitete die BILD-Zeitung auch die ersten Türken in Deutschland. Man kann sich die Schlagzeilen nicht mehr vorstellen, hat es wohl verdrängt?

    http://www.bildblog.de/90672/vergewaltigt-im-ehebett-ehepflicht-oder-verbrechen/

  4. Nun hat Erdogan offiziell bei der Bundesregierung seinen Wunsch geäussert im Rahmen seines G20-Besuches IN HAMBURG zu “seinen” Türken reden zu dürfen! Was nun Frau Merkel, Herr Gabriel? “Ihr Wunsch ist unser Befehl” oder finden sie noch einen Ausweg aus der selbst geschaffenen Misere? Egal wie es am Ende auch ausgehen wird, der G20 wird dadurch zusätzlich belastet sein!

  5. Es ist nur eine ganz üble FAKE–NEWS, daß Erdogan darauf bestanden habe, seine eigene, mit internationalem Haftbefehl der USA gesuchte, Leibwache durch jene Hundertschaften der Berliner Bereitschaftspolizei auszutauschen, die Anfangs der Woche durch Hardcore-Freizeitgestaltung aufgefallen seien.
    KEIN WORT IST DAVON WAHR…

  6. Es überrascht mich nicht, dass jetzt – jetzt! – die Bundesregierung markant, demonstrativ NEIN! gesagt hat.

    Es sieht im Moment so aus, als ob sich Erdogan persönlich mit einer Antwort auf diese “Provokation” zurückhält.

    Vielleicht nutzt er ja das türkische Konsulat in Hamburg oder die Botschaft in Berlin, um irgendwie einen Auftritt hinzukriegen, den Deutschland nicht verhindern kann.

    Wie dem auch sei: INNENPOLITISCH macht er damit Punkte, außenpolitisch verliert er immer noch weiter, immer noch mehr. Hauptverlierer sind die Erdotürken in Deutschland. Erdogan opfert sie für seine Innenpolitik.

    Es spricht gegen die Türken und die Türkei, dass sich die Mehrheit der Türken dort berauscht an einer aggressiven Politik, die einfach nur schädlich ist. Schädlich für alle. Im Moment merken sie es noch nicht. Aber sie sind verantwortlich. Erdogan könnte sich ohne die islamistischen und nationalistischen Türken nicht leisten, was er sich leistet.

    Wir müssen die Türkei abschreiben.

  7. Mehr als 10% aller Türken waren 2016 in psychiatrischer Behandlung!

    Das schreibt HURRIYET DAILY NEWS mit Bezug auf Zahlen des türkischen Gesundheitsministeriums. Die Zahl der Erkrankten stieg in einem Jahr von 7,9 Millionen um 740.600 auf 8,6 Millionen. Diese Zahlen wurden vom Ministerium auf eine parlamentarische Anfrage einer unabhängigen Abgeordneten Aylin Nazliaka aus Ankara veröffentlicht.
    Die Abgeordnete sagte, daß der einzige Weg diese Menschen wieder gesund zu machen sei es, die Demokratie mit all ihren Regeln und Institutionen wieder gesund zu machen.

    PS: Jetzt will Erdogan in Deutschland reden. Will er die Türken in Deutschland auch psychisch krank machen?
    ––––––

    http://www.hurriyetdailynews.com/over-85-million-turks-received-psychological-treatment-in-2016-.aspx?pageID=238&nID=114944&NewsCatID=341

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