Zwischenruf: Die wichtigsten Themen für die Bundestagswahl sind …

deutschland… sind nicht die, die von den Parteien, den Wählern, den Medien genannt werden.

Thema Nummer 1 müsste sein: der bevorstehende nächste Finanzcrash. Er könnte die Grundfesten der globalen Ökonomie erschüttern. Damit auch die Grundlagen unseres (relativen) Wohlstands.

Einzelne Wirtschaftsfachleute weisen gelegentlich drauf hin, dass wir auf diesen Crash zusteuern. Das Weltfinanzcasino ist heute in Vergleich zur Zeit des ersten Crashs doppelt oder dreimal stark so gefüttert mit virtuellem Geld, das frei flottiert, keine Basis hat in der Realökonomie. Wir wissen nicht, was den kommenden Crash auslösen wird, welches Ereignis, oder welche vielleicht im Moment noch wenig beachtete Schwachstelle. Aber kommen wird der Crash, und das in absehbarer Zeit – und die Folgen könnten fürchterlich werden. U. a. wird man Schuldige suchen, und wer eignet sich im Katastrophenfall besonders als Sündenbock? – Minderheiten. Die Einwanderergruppen.

Thema Nummer 2 müsste sein: Die Spaltung der westlichen Gesellschaften in reiche Eliten einerseits, andererseits einer stagnierenden Mittelschicht und einer zunehmend verwahrlosenden Unterschicht nimmt weiter zu. Wir beobachten eine Refeudalisierung unserer Gesellschaften. (Bei einigen das Soziale betreffende Sachthemen gibt es einen Seitenblick auf dieses Thema.) Diese Spaltung geschieht innerhalb der westlichen Nationen, aber auch global zwischen den reichen und den armen Nationen – aus denen dann mehr und mehr Flüchtlinge kommen.

Diese beiden Themen gehören also immerhin indirekt direkt zum Blogthema.

Das Blogthema Migration spielt zwar in der aktuellen Wahl (hinsichtlich der Flüchtlingsbegrenzung) nur eine Rolle am Rande. Es ist allerdings durchaus Nummer 1, wenn man nur mal generell nach den wichtigsten politischen Themen fragt. – Womit es überschätzt wird.

Dass es im aktuellen Wahlkampf sekundär bleibt, liegt an der Agenda aller Parteien: Alle sind sich einig, dass sich 2015 nicht wiederholen darf und dass wir Wege finden müssen, die Zahl der Flüchtlinge in gut kontrollierten Grenzen zu halten.

Die AfD als einzige Partei, die damit gern Revolution machen und das GG aushebeln würde, wird sich im kommenden Bundestag selbst zerlegen.

Warum sind Themen 1 und 2 nicht präsent im Wahlkampf?

1. weil diejenigen, die diese Entwicklungen tragen (und vorerst von ihnen profitieren), daran kein Interesse haben – und die Medien hinreichend beherrschen, damit sie nicht angemessen thematisiert werden;

2. weil diese Themen relativ sperrig sind und ein bisschen Abstraktionsfähigkeit erfordern;

3. weil man sich ungern mit den wirklich Mächtigen in einen Streit einlässt;

4. weil wir global gesehen im Moment noch selber von der üblen Entwicklung in Sachen Thema 2 zu profitieren scheinen;

5. weil keine Partei einen Versuch unternimmt, Lösungsvorschläge dazu zu machen, die an die Wurzel gehen.

Ich hätte noch ein drittes Superthema vorzuschlagen:

Die permanente technologische Revolution zerstört unsere Lebenswelt. Sie ist es eigentlich (samt ihren Folgen für die Wirtschaft, für das Berufsleben, für den Alltag), die fast alles Vertraute, alle Tradition, alles Verlässliche unterminiert, erschüttert oder beseitigt; die uns heimatlos macht, fremd in unserer Welt. Und die ständig gigantische Gesellschaftsversuche mit uns anstellt. Besonders gut beobachtbar bei der Nutzung der digitalen Medien. Wir werden überfordert. Immer mehr. Was wird diese Revolution der Kommunikation aus unserem Nachwuchs machen?

Die Verunsicherung ist mit Händen zu greifen.

Manche leiten sie ab auf Kriminalität. (Obwohl sie eher sinkt und wir heute sicherer leben als in der “guten alten Zeit”.) Manche lenken sie ab auf die Migration. (Obwohl Migranten auffallend wenig kriminell werden, trotz prekärer Umstände.)

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