Was AfD und AKP gemeinsam haben …

rechts…, das erläutert uns (unabsichtlich) AfD-Sprecher Gauland. Er kommentiert eine Äußerung von Aydan Özoguz, der stellvertretenden SPD-Vorsitzenden und Staatsministerin, folgendermaßen:

Zunächst empörte er sich über eine Äußerung von ihr im „Tagesspiegel“ im Mai. Die hatte gelautet: „eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar“.

Gauland kommentierte die Äußerung so: „Das sagt eine Deutsch-Türkin. Ladet sie mal ins Eichsfeld ein und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt sie hier nie wieder her und wir werden sie dann auch, Gott sei dank, in Anatolien entsorgen können.

Es folgte ein Applaus und vereinzelte Jubelrufe des Publikums.

Über den Zuzug von Asylsuchenden, kriminellen Einwanderern und islamistischen Terroristen sagte Gauland: „Man will uns dieses Deutschland wegnehmen. Und, liebe Freunde, das ist fast so etwas – früher hätte man das eine Invasion genannt – wie eine schleichende Landnahme. Und dieser schleichenden Landnahme müssen wir alle geschlossen widerstehen.“

Später forderte Gauland, abgelehnte Asylbewerber auch in Länder abzuschieben, in denen es zu Menschenrechtsverletzungen kommt, etwa Libyen.

BILD

Aydan Özoguz kann es nach ihren eigenen Angaben nicht mehr riskieren, in der Türkei Urlaub zu machen. Sie wäre dort – als Erdogan-”Feindin” – ihrer Freiheit nicht mehr sicher. Sie müsste zumindest mit Belästigungen rechnen.

ZEIT ONLINE: Reisen Sie noch in die Türkei?

Özoğuz: Nein, mir wird nach wie vor davon abgeraten. Deshalb habe ich auch meine Familie seit längerer Zeit nicht sehen können. Ich kenne viele, die diese Situation genau wie mich sehr belastet.

Schon bei der Verhaftung und Einkerkerung von Deniz Yücel haben die AfDler Beifall geklatscht.

Man sieht, das Bündnis hintenherum funktioniert.

Die Feinde der Demokratie und des Pluralismus verstehen sich.

Umgekehrt geht es darum ja auch: Die Erdotürken müssten doch eigentlich Gaulands Äußerung und die dreist nationalistische und ethnozentrische Grundhaltung der AfDler akzeptiern. Also die Einstellung von genau den Leuten, die am liebsten ALLE Deutschtürken umgehend rausschmeißen würden.

Gewiss, Gauland und seine AfDler verabscheuen Erdogan – aber sie tun das nicht, weil Erdogan als Autokrat regiert. Nicht die tyrannische Politik stört sie, sondern – dass er Türke ist. Und nicht, dass er sich in Deutschland einmischt, stört sie (bei Putin wär das kein Problem für AfDler), sondern dass der Große Führer für einen Teil der Deutschtürken spricht.

Eine Politik nach dem Motto “Türkei zuerst!” entspricht durchaus dem von der AfD gewünschten Motto “Deutschland zuerst!” Auch das zeigt die Verwandtschaft.

“Ungarn zuerst!” + “Polen zuerst!” + “USA zuerst!” …. Auf dieses Motto steuern viele Nationen zu – ohne Rücksicht auf die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Kosten.

Apropos Eichsfeld und die spezifisch deutsche Kultur:

Hat jetzt München weniger deutsche Kultur als das Eichsfeld? Ist das Eichsfeld wirklich charakteristisch für das heutige Deutschland? München hat inzwischen wohl schon über 40% Migranten als Einwohner – und ist immer noch eine sehr sehr deutsche Stadt. Wohingegen Orte wie Anklam – siehe Artikel 1 und Artikel 2 – eher nicht mehr richtig deutsch wirken. Gilt das selbe vielleicht auch für die Orte im thüringischen Eichsfeld? Wäre es denn spezifisch deutsch, wirtschaftlich und kulturell abgehängt zu werden?

Der Ausländeranteil beträgt im Landkreis Eichsfeld 2.6%, liegt also immerhin über dem von Anklam, ca. 1%. (München: 28%. Der Ausländeranteil der bayerischen Kleinstädte – um einen angemessenen Vergleich vorzuschlagen – liegt je nach Kleinstadt zwischen 10 und 20%. Dito Baden-Württemberg.)

Immerhin scheint die Wirtschaft im Eichsfeld nicht ganz so zu stagnieren wie in Anklam.

Anmerkung:

Ich bin die kommende Woche in Wien. Ob ich da einen passenden Internetzugang finde und ob ich Lust zum Bloggen haben, wird sich noch zeigen.

Kommentare

  1. afdgewinnt meint:

    Sie wollen ein Deutscher sein und wissen nicht, was ein Deutscher ist? Die Ösoguz weiß es nicht, weil sie eine Türkin ist. Die kann nichts dafür. Aber von Ihnen, Herr Brux, kann man es erwarten.

    Ein Deutscher ist einer, der sich mit dem deutschen Volk und seiner Kultur und Geschichte identifiziert. Wenn Sie in Italien sind, merken Sie doch, dass Sie nicht in Deutschland und nicht unter Deutschen sind. Oder merken Sie das nicht?

    Man kann das schwer in Worte fassen. Es ist ein starkes Gefühl. In Italien bin ich ein Fremder. Nicht bloß wegen der Sprache. Italien ist eine andere Welt.

    Die Türkei ist noch viel fremder. Kein Wunder, dass eine Türkin Deutschland und die Deutschen nicht versteht.

  2. Özoguz ist eine Deutsche. Möchtest du das bestreiten? Sie hat einen deutschen Pass. Damit ist sie eine Deutsche.
    Sie spricht außerdem mindestens so gut Deutsch wie du.
    sie kennt möglicherweise die deutsche Geschichte und deutsche Kultur besser als du.
    Sie lebt so lange und so erfolgreich in Deutschland, dass man annehmen kann: Sie versteht Deutschland und die Deutschen – mindestens so gut wie du. Man wird auch nicht so einfach erfolgreiche Politikerin, wenn man die Deutschen nicht hinreichend versteht, meinst du nicht? Haben wir da nicht ein Indiz dafür, dass sie Deutschland sogar noch besser versteht als du?

    Das möchte ich jedenfalls von mir selber behaupten. Ich meine, ich verstehe das wirkliche Deutschland, das heutige Deutschland, das offensichtlich multikulturelle Deutschland (22% Menschen mit Migrationshintergrund …) besser als du. Du gehörst zu denen, die das wirkliche aktuelle Deutschland nicht verstehen wollen.

    Ist Italien mir fremd? – Ein bisschen, ja. Auf oft angenehme Weise. Ich fahre gern dorthin, WEIL es anders ist. Ich suche und genieße das Andere, das Fremde (nun ja, in Maßen).

    So ist Deutschland anders als zum Beispiel Italien, da hast du schon recht. Aber was folgt daraus?

    Die kulturellen Elemente eines Orts, einer Gegend, einer Provinz oder eines Landes mischen sich immer auf ihre spezielle Weise und ergeben damit ein besonderes Profil, eine eigentümliche Atmosphäre, eine von anderen unterscheidbare Lebenswelt. Das ist schön so. Offensichtlich gibt es aber in Italien keine päpstliche oder sonstwie befehlende Instanz, die dogmatisch festlegt, was die italienità ist. Was zur aktuellen Mischung gehört, und in welchem Verhältnis.

    Die Migranten in Deutschland gehören zur deutschen Mischung.

    Weil es immer eine Mischung ist und weil sich die Mischung ständig verändert, ist es schwer zu bestimmen, was sie ausmacht. Drum hast du auch ganz recht, wenn du schreibst: Man kann das schwer in Worte fassen.

    Man kann es aber auch nicht rechtlich fassen, man kann es nicht in Gesetze fassen, man kann sich nicht als Möchtegerndiktator aufplustern und so tun, als ob man selber die Grenzen bzw. die erlaubte Mischung diktieren könnte.

    Da wird es gefährlich.

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