(5) Stammes-Denker verstehen keine Objektivität

theorie

Dem, der in seiner “Stammes”-Wahrheit gefangen ist, ist der Anspruch eines anderen auf Objektivität unverständlich.

Zum einen hat für ihn der andere in der Sache unrecht, und das liegt (für ihn) klar auf der Hand.

Zum anderen ist das, was der andere für wahr hält, auch nur eine “Stammes-”Wahrheit.

Ist sie das?

Wer sich, gebunden an sein Menschsein, überlegt, was die Wahrheit in einer Sache ist, wird dazu neigen, skeptisch zu bleiben. Ich kann mich irren. Ich bleibe offen für Einsprüche, neue Informationen, fürs Lernen, für die Kontextgebundenheit aller Fakten und für die jeweiligen Interpretationsspielräume.

Das ist eine wissenschaftliche Einstellung. Wahrheit für den, der auf objektive Wahrheit aus ist, bleibt in der Regel und im Kern Hypothese.

Das heißt: unsicher.

Eben das kann der moderne “Stammes”-Denker nicht vertragen. Unsicherheit ist etwas, das er durch seine rigide, unbedingte Bindung an seinen “Stamm” überwinden will. Unsicherheit würde ihn quälen.

Der objektive Denker kennt – mehr oder weniger – die menschliche Neigung zum Wunschdenken. Darum ist und bleibt er skeptisch gegen sich selbst.

Auch das ist eine schwer erträgliche Herausforderung für einen “Stammes”-Denker. Er glaubt, ein an sich selbst zweifelndes Denken ziehe ihm den Teppich unter den Füßen weg.

Der objektive Denker wird sich nicht davon abhalten lassen, für seine Einsichten zu kämpfen. Das Risiko nimmt er auf sich: sich für etwas zu engagieren – und sich dann am Ende widerlegt zu sehen.

Ein Albtraum für den “Stammes”-Denker, nur auszuhalten, wenn er rasch vom einen zum anderen “Stamm” überwechseln kann.

1 Epistemisches Stammes-Denken

2 Erst kommt das Fressen …?

3 Die Rechte bietet der Seele mehr

4 Es gibt formal zwei Wahrheiten

5 Stammes-Denker verstehen keine Objektivität

6 Gibt es sowas wie objektive Wahrheit?

7 Contra Stammes-Wahrheit: Was tun?

Hinterlassen Sie einen Kommentar

*