Das Prekariat ist kein Proletariat. Leider.

wirtschaftEin Proletariat (im Sinne des Marxismus-Leninismus) gibt es nicht mehr. Das, was man früher noch mit dem Ehrentitel belegen konnte, ist verkleinbürgert.

Dafür haben wir heute ein Prekariat. Es macht inzwischen – je nach den Grenzen, die man dem Begriff setzt – vielleicht schon bis zu einem Drittel der Beschäftigten in Deutschland aus. Offiziell sind es ca. 15%; der Anteil nimmt rasch zu.

Nur noch etwa die Hälfte der arbeitenden Bundesbürger steht in Normalarbeitsverhältnissen. Neue Jobs werden bevorzugt nur noch befristet vergeben.

Zum Prekariat gehören (in der Regel)

  • Illegale und Schwarzarbeiter
  • Nebenverdienstler
  • Putzkräfte
  • Wachdienstleute
  • dienstleistende Pseudo-Selbständige aller Art
  • die Techno-Sklaven der Start-ups
  • befristet Angestellte
  • alleinerziehende Mütter

Charakteristisch ist die

  • Unsicherheit des Arbeitsverhältnisses,
  • der Mangel an sozialer Absicherung, etwa der Wegfall von Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall, die Reduzierung der Rentenansprüche, das Fehlen von Urlaubsgeld …
  • der oft relativ geringe Verdienst,
  • das Ausgeliefertsein an skrupellose Arbeitgeber bezüglich Überstunden, Arbeitsgestaltung u. a..

Die prekär Arbeitenden sind billiger. Sie können leichter, härter, mehr ausgebeutet werden.

Der Anteil an Ausländern bzw. Migranten unter ihnen ist hoch.

Der Organisationsgrad geht gegen null. Die im normalen Arbeitsverhältnis werden von Gewerkschaften und Verbänden engagiert vertreten – das Prekariat kann sich nicht organisieren. Es ist so fragmentiert und indiviualisiert, dass sich Solidarität nicht herstellt.

Ziel der Wirtschaft ist, den Anteil der Prekarisierten zu erhöhen, am Ende den Großteil der Arbeitnehmer in Deutschland zu prekarisieren. Es scheint effizient zu sein.

Deutschland ist ein Einwanderungsland, weil die Wirtschaft es so will. Sie will es, weil sie damit die Arbeitskräfte im Lande fragmentieren, verbilligen, entrechten – also prekarisieren kann.

 

Kommentare

  1. Korbinian meint:

    Deutschland ist ein Einwanderungsland, weil die Wirtschaft es so will. Sie will es, weil sie damit die Arbeitskräfte im Lande fragmentieren, verbilligen, entrechten – also prekarisieren kann.

    Liz Mohn, Friede Springer und der Raute gefällt das.

  2. Wie man auf den Wirtschaftsseiten der Presse und in den Wirtschaftsbeiträgen des Fernsehens leicht erkennen kann.

    Was meinst du, Korbinian, warum die AfD und Pegida und all die anderen Xenophoben nicht auf die Wirtschaftsgewaltigen losgehen?

    Mir scheint auch, dass links wie rechts wie mittig diese Sachlage kaum bewusst ist. Ich bin so ziemlich der einzige, der das thematisiert.

    Die Wirtschaft trifft politische Grundsatzentscheidungen – und kaum einer merkt es.

    Fast alle meinen, das sind die Linken, die die Grenzen offen halten. Als ob wir, die Linken, die Macht dazu hätten. Wie sollten wir denn die Grenzen offen halten, wenn die Wirtschaftsmächte im Lande dagegen wären? (Schon richtig, dass wir für die Einwanderungsgesellschaft etc. sind. Aber reicht unser Dafürsein aus, um damit die Entscheidung durchzusetzen?)

    Wenn die Wirtschaft den xenophoben Standpunkt vertreten würde, dann würden Merkel&Co genau diesen Standpunkt übernehmen und politisch mühelos durchsetzen. Sie hätten dabei auch die Unterstützung einer breiten, soliden Mehrheit der Wähler.

    Also, Leute, erklärt mir, wie es kommt, dass fast alle hierzulande glauben, die relativ offenen Grenzen seien die FOLGE LINKER Politik!

  3. conring meint:

    Wo gab es dem das marxsche-leninsche Proletariat mal in realiter?
    Die Proletarier haben sich doch 1914 meistens ganz rasch in brave Nationalisten verwandelt.
    Und bei Lenin ist das Proletariat doch sowieso nur die hirnlose Masse, die von der bolschewistischen Avantgarde gelenkt wird.

  4. conring,
    bezüglich der Geschichte scheinst du bewusst (!) schlecht informiert zu sein. Es lohnt sich nicht, sich mir dir darüber auszutauschen. Du selbst verwendest das Adjektiv “hirnlos” …

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