NSU-Prozess: Der Staat sitzt leider noch nicht auf der Anklagebank

rechtBeate Zschäpe & Co sitzen auf der Anklagebank. Der Staat tut so, als ob er Opfer und nicht selbst Mittäter gewesen wäre.

Ich lese in der Süddeutschen Zeitung:

Die Frau von Theodoros Boulgarides steht da und spricht. Die Frau, deren Mann vom NSU im Juni 2005 im Münchner Westend erschossen worden ist. In seinem Schlüsseldienst-Laden. Sie und ihre beiden Töchter haben sich mit dem Angeklagten Carsten S. getroffen. Sie haben miteinander geredet, außerhalb des Gerichtssaals …  Carsten S. sei jemand, der über ein Unrechtsbewusstsein verfüge und der zur Reue fähig sei.  …

Doch Yvonne Boulgarides ist nicht nur milde. Sie geht mit den Ermittlern, den Staatsanwälten, dem Verfassungsschutz hart ins Gericht.

Warum wurde ihr Mann als Menschenschmuggler und Drogenhändler verdächtigt? Warum werden die Leute geschützt, die beim Verfassungsschutz Akten geschreddert haben?

“Wie viele Opfer wären uns erspart geblieben, wenn die beauftragten Staatsorgane ihre Arbeit ehrenhaft und pflichtbewusst erledigt hätten?”, fragt die Frau.

“Wo sind all die, die durch ihr fahrlässiges oder vorsätzliches Handeln diese Verbrechen ermöglicht haben?”

…  Sie werde oft gefragt, wie sie zu diesem Prozess stehe. Und sie sagt dann etwas sehr Eingängiges: “Er ähnelt für mich einem oberflächlichen Hausputz. Um der Gründlichkeit genüge zu tun, hätte man die Teppiche aufheben müssen, unter welche bereits so vieles gekehrt wurde.”

Ihr Anwalt Yavuz Narin …  appellierte .. an das Gericht, in seinem Urteil zu sagen, was alles nicht aufgeklärt werden konnte in diesem Prozess. “Haben Sie den Mut, nicht so zu tun, als sei alles in Ordnung. Sprechen Sie ein Urteil, das nicht nur in der Revision, sondern auch vor der Geschichte Bestand hat.”

Hinterlassen Sie einen Kommentar

*