Orban & Söder? – 1: Die Rede

bayernGestern habe ich über den CSU-Spezi Orban und sein antiliberales Ungarn geschrieben. Wie knüpft Söder, der neue CSU-Häuptling, daran an?

Am Aschermittwoch bekannte er sich zu “Heimatliebe” und “Leitkultur”:

“Das wichtigste emotionale Gefühl unserer Bürgerinnen und Bürger” dürfe nicht lächerlich gemacht werden, weil es “der seelische Anker ist, den ein jeder braucht”. Es gibt Gefühle, z.B. Durst, und es gibt “emotionale” Gefühle, z.B. Heimatliebe. Sie artikuliert sich in deutlichen Botschaften an die EU: “Europa ist stark, weil es Deutschland gibt. Aber Deutschland ist nur so erfolgreich, weil es uns Bayern gibt.” Riesenjubel.

Was für Außenstehende tatsächlich nach Satire klingt, ist in Passau keineswegs so gemeint.

Auch mit der Leitkultur will Söder Ernst machen, weil der Islam und erst recht die Scharia “kulturgeschichtlich” nicht zu Bayern gehörten. Daher will er die bayerische Verfassung um ein Bekenntnis zum christlichen Abendland ergänzen. An allen staatlichen Einrichtungen sollen christliche Kreuze angebracht werden. Denn es habe ihn geschmerzt, als er kürzlich lesen musste, dass dieses Symbol in einem Gerichtssaal abgehängt wurde.

Söder will die sogenannte Islamisierung also mit einer Christianisierung beantworten. Es ist ein erstaunlicher Purzelbaum: wer die Scharia ablehnt, soll ihr Grundprinzip übernehmen, dass die Religion über die Rechtsprechung wacht. Was soll das Kreuz hinter dem Rücken der Richter sonst bedeuten? Laizismus gehört nach Ansicht der CSU definitiv nicht zur Leitkultur.

Viel Zeit widmete der werdende Landesvater der Sicherung der Landesgrenzen und dem Dank an die Polizei. Seinen “Kampf um die Lufthoheit über den Stammtischen” will er aber nicht als Rechtsruck verstanden wissen; er wolle lediglich zurück zur “alten Glaubwürdigkeit der CSU wie in den Zeiten von Franz Josef Strauß”. Riesengelächter? Nein, ergriffener Beifall.

(Zitat: telepolis, Detlef zum Winkel)

Mein Kommentar dazu

Kommentare

  1. Korbinian meint:

    Es ist vielleicht etwas schwierig da einen Bogen zu schlagen aber wenn man sich z.B. Spanien in der frühen Neuzeit anschaut dann wurde das Land je erfolgreicher sie in der Abwehr und Vertreibung der Mauren wurden gesellschaftlich immer illiberaler und christlich-fundamentalistischer. Ihre Kriegerkaste die sich erst in den Burgen der Reconquista aufhielt “exportierten” sie schließlich in die neue Welt.
    Man darf aber nicht vergessen dass diese Entwicklung auch erst ausgelöst wurde nachdem die Almohaden einen intoleranten Islam in Al-Andalus etabliert haben.

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