Osterwieck: Keine Ausländer. Probleme mit Gewalt an Grundschule

deutschlandDas Kollegium einer Grundschule in Osterwieck (Sachsen-Anhalt, 11.000 Einwohner) schickt einen Hilferuf an die Eltern. (Der Brief landet dann bei den Medien.)

Die Lehrer berichten in ihrem Elternbrief (laut Spiegel Online)

von “permanent auftretenden, gravierenden Verhaltensproblemen vieler Schüler”, es gebe “mittlerweile täglich” schwerste Probleme: Beklagt werden “extreme körperliche Gewalt, Körperverletzungen und Schlägereien”, “Sabotage” und “unerlaubtes Verlassen des Unterrichts” sowie eine generelle “Gefühlskälte” gegenüber Mitschülern.

und:

Im Interview mit dem MDR hatte sich Elternvertreterin Mandy Bähsel am Donnerstag noch “schockiert” von dem Brief gezeigt und befürchtet, “dass Kinder sich vielleicht auch gar nicht mehr trauen, in die Schule zu gehen, weil sie Angst vor Mitschülern haben, weil sie geschlagen werden”.

Ausländer? Gibt es dort kaum.

Die betroffene Grundschule sei “ausdrücklich keine Brennpunktschule”, auch gebe es nur einen einzigen ausländischen Schüler.

Auf einschlägigen rechtspopulistischen Seiten im Netz waren zuvor Migranten für die Konflikte verantwortlich gemacht worden.

Im Spiegel-Artikel steht nichts von den Hintergründen und möglichen Ursachen. Die soziale und kulturelle Lage in vielen der ostdeutschen Kleinstädte ist allerdings desparat. Die Einwohner fühlen sich abgehängt. Der Frust überträgt sich auf die Kinder. Ist das so in Osterwieck?

Gewalt ist kein Ausländerproblem, sondern ein soziales. Gestern hab ich den Schlüsselsatz dafür zitiert, ich wandle ihn jetzt etwas ab:

“Gewalt ist in erster Linie eine Frage von Lebenslagen.”

Man wird sich die Lebenslagen in dieser Kleinstadt anschauen müssen.

Je schlechter die Lebenslage, desto anomischer das Verhalten. Die Regel gilt herkunftsunabhängig.

Kommentare

  1. Ich habe hier einen Artikel von 1992. Da hat sich in den letzten 25 Jahren nicht viel verändert. Außer vielleicht, dass Horrorfilme heute nicht mehr als eine mögliche Ursache herhalten müssen. Der Text liest sich wie ein aktueller Bericht über Gewalt an Schulen.

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13690660.html

  2. Gewalt an den Schulen hat es früher sehr (!) viel mehr gegeben. Die Kriminalanalytiker haben gerade den Rückgang der Gewalt an Schulen hervorgehoben. Er kommt daher, dass Jungs heute in den Familien sehr (!) viel weniger geschlagen werden.

    Prügel zu Hause machen kriminell. – Darum hat Deutschland (wie viele andere Länder auch) das harte Schlagen von Kindern durch die Eltern VERBOTEN. (Klaps ist erlaubt; der Schlag darf nicht weh tun.) Das Resultat ist überzeugend: Rückgang der Kriminalität.

    Das könnte man auch den Nostalgikern mal nahebringen. Von wegen Gute Alte Zeit.

  3. Leo Brux,

    hast du den von KM verlinkten Artikel überhaupt gelesen?
    Oder bläst du nur deine vorgefertigte Meinung hier raus?

    Die Gewalt ist vielleicht nicht mehr geworden, aber sie hat heute eine völlig andere “Qualität”.

    Bei den deutschen Kindern/Jugendlichen spielen da Einflüsse wie brutale Spiele und Filme sicher eine Rolle. Problematische Elternhäuser ebenfalls (es muss gar nicht immer geschlagen werden, auch fehlende Vorbilder und zu liberale Erziehung sind ein Problem).

    Bei ausländischen Kindern kommt aus meiner Sicht hinzu, dass die dortigen Elternhäuser eben oft noch mehr Gewalt ausüben und z.B. Flüchtlinge durch Kriegserfahrungen und Alltagsgewalt bereits verroht hier ankommen. Viele dieser Leute und deren Kinder kommen aus Ländern, wo ein Menschenleben nicht viel wert ist. Was erwartet man bei da?

    Nochmal zur Schule: Das es im Osten eine Schule gibt, wo es auch ohne Ausländer große Probleme gibt, sagt nichts über die zahlreichen anderen Schulen aus, wo es bei >50% Ausländeranteil leider viele Probleme UND Gewalt gibt.

    Für dich offenbar nichtsdestotrotz ein toller Aufhänger: Schaut her, es sind gar nicht die Ausländer! Ja, wirklich toll, dass sich auch so ein Fall finden lässt. Das Verhältnis ist hier vermutlich 1:100.

  4. ResEvl,

    einmal angenommen, man hätte im Jahr 1965 mal aufgelistet, was alles in diesem Jahr an Gewalt an den damals noch fast rein ethnodeutschen Schulen an Gewalt, an Schülergewalt (die Lehrer lass ich außer acht, die konnten damals ja auch noch zuschlagen) passiert ist, kriegst du eine Liste zusammen, gegen die das, was der Spiegel notiert hat, recht bescheiden bleibt.

    Es ist eine Frage der Aufmerksamkeit. Erstens.

    Zweitens: Gewalt in der Schule gibt es genau da, wo es soziale Probleme gibt, und gibt es etwa so schlimm, wie die sozialen Probleme sind. Das ist unabhängig davon, ob die Eltern nun Ethnodeutsche oder Migranten sind. Wenn in einer Stadt die Unterschicht mehrheitlich Migrationshintergrund hat, dann haben natürlich auch die Gewalttätigkeiten sozusagen Migrationshintergrund. In einer ostdeutschen Kleinstadt bleiben sie ethnodeutsch.

    Gewalttätigkeit dürfte es in Ostdeutschland dürfte insgesamt mehr geben als in Westdeutschland, wenn man mal alles einrechnet. Ich zum Beispiel könnte in einer ostdeutschen Kleinstadt nicht leben, ohne um meine Gesundheit fürchten zu müssen.

  5. Irgendwie habe ich den Eindruck, du hast meinen Kommentar gar nicht aufmerksam gelesen. Besonders nicht den vierten Absatz. Da kann ich dann leider auch nichts machen.

  6. Bestreitest du, dass es an der Problemschule in Ostdeutschland Gewalt gegeben hat? Dass das Problem dort eben auch Gewalt ist?

    Wenn du das bestreitest, kann ich leider auch nichts machen.

    Ich wiederhole einen Absatz von mir:

    Gewalttätigkeit dürfte es in Ostdeutschland dürfte insgesamt mehr geben als in Westdeutschland, wenn man mal alles einrechnet. Ich zum Beispiel könnte in einer ostdeutschen Kleinstadt nicht leben, ohne um meine Gesundheit fürchten zu müssen.

    Hast du nichts dazu zu sagen?

    Ich kann mir denken, was du dazu denkst.

    Wer in Deutschland ist eigentlich besonders gewaltaffin?

    Gewiss gibt es in Familien, die aus autoritär und patriarchalisch verfassten Gesellschaften eingewandert sind, viel mehr interne Gewalt als in ethnodeutschen. Ein Teil dieser innerfamiliären Gewalt geht dann auch nach außen.

    Da haben wir durchaus ein Problem.

    Aber ein viel größeres Problem haben wir mit der rechtsorientierten Gewalttätigkeit von Xenophoben und mit der ebenfalls rechtsorientierten Gewalttätigkeit von frustrierten Deutschen der Mittel- und Unterschicht.

    Mit ihrem Hinweis auf die Gewalt von Ausländern lenken sie von ihrer eigenen Neigung zur Gewalttätigkeit ab.

    Gewalttätigkeit, die dann auch Leute wie ich abbekommen könnten … ich, der Volksverräter …

    Die hemmungslose verbale Aggressivität ist nicht weit davon entfernt, sich physisch zu entladen.

  7. Nein, warum sollte ich das bestreiten?

    Es wird an nahezu allen Schulen irgendeine Form von Gewalt geben. An manchen mehr, an anderen weniger. Diese Schule im Osten wird ernste Probleme haben, keine Frage.

    In meinem Kommentar habe ich jedoch zum Ausdruck gebracht, dass rein “ethnodeutsche” (wie du es so schön nennst) Schulprobleme die Ausnahme darstellen und die meisten Schulen (etwa in Berlin oder im Ruhrgebiet) unter einem zu hohen Anteil an Ausländerkindern und den entsprechenden Folgen leiden.

    Das es in Ostdeutschland grundsätzlich gewalttätiger als im Rest der Republik zugeht, halte ich für ein Gerücht. Ich komme zwar nicht aus dem Osten, aber ich war schon einige Male zu Besuch dort. Kann ich nicht bestätigen.

  8. Wie ich sehe, hast du deinen Kommentar editiert/ergänzt. Das ist der Luxus des Administrators.

    Noch eine Anmerkung zur “rechtsorientierten Gewalttätigkeit von Xenophoben und mit der ebenfalls rechtsorientierten Gewalttätigkeit von frustrierten Deutschen der Mittel- und Unterschicht. “:

    Es wäre wahrscheinlich unklug, sich auf eine Pegida-Demo zu stellen und von Multi-Kulti zu schwärmen. Ansonsten sehe ich da wenig Probleme. Es gibt z.B. in Sachsen natürlich Probleme mit Neonazis, die aber auch nicht größer sind, als etwa die Probleme mit ausländischen Familienclans. Man kann das alles gegenrechnen – bringt unterm Strich aber nichts. Jedes Problem sollte für sich betrachtet und gelöst werden.

    Ich werde mich später eventuell nochmal zum einen oder anderen äußern. Jetzt ruft erstmal die Pflicht.

  9. ResEvl,
    ich glaube nicht, dass ich in Bautzen länger leben könnte, ohne physisch in Gefahr zu geraten.

    Dasselbe gälte wohl auch für einen Ingenieur, der aus Indien stammt, wenn er in Bautzen arbeiten würde.

  10. Korbinian meint:

    @Leo

    ich glaube nicht, dass ich in Bautzen länger leben könnte, ohne physisch in Gefahr zu geraten.

    Woran machst Du das fest?

  11. Über Bautzen gab es mal eine vielteilige Artikelserie in der ZEIT. Ein Berliner Journalist hat sich da mal für einige Zeit einquartiert und recherchiert. Ich vermute, hätte er dort tatsächlich auch gearbeitet, eine Wohnung, einen Daueraufenthalt, wäre seine Chance, ungeschoren davonzukommen, zwar gegeben, aber nicht sehr hoch gewesen. Wenn die in so einer Kleinstadt mal feststellen, dass du ein quasi prominenter Volksverräter bist, bekommst du zu spüren: Du bist unser Feind. Der eine oder andere wird das als Aufforderung sehen, dir mal das Rad kaputtzumachen oder deine Fensterscheiben einzuschweißen oder dich mal nachts, während du deinen geliebten Nachtspaziergang durch die einsamen Straßen machts, mal abzupassen …

    Korbinian, du hast schon recht mit deiner Frage. Vielleicht passiert einem wie mir gar nichts. Aber ich bin dann ja dort nicht als Tourist, also mal begrenzte Zeit, sondern auf Dauer. Was passiert im Laufe der Jahre?

    Der Bautzener tut schon gut daran, vorsichtig zu formulieren, wenn’s um die heißen nationalen Themen geht. Die Rechtsradikalen sind dort stark, sie dominieren das Klima. Sie SIND gewalttätig. Und die Polizei hast du als Linker dann gewiss nicht auf deiner Seite. Die tun im Fall des Falles dann “Dienst nach Vorschrift”. Und denken sich, einer wie habe es doch verdient.

    Was sind das für Verhältnisse in Deutschland? Terror und Einschüchterung von rechts. In hunderten von Städten in Ostdeutschland. Schöngeredet von der dortigen CDU.

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