Tafel-Drama in Essen

soziale-frage

Die Tafel ist keine Staatsangelegenheit. Sie wird privat organisiert, überwiegend ehrenamtlich. Wer nachweisen kann, die Hilfe zu brauchen, kommt auf die Zugangliste und kann regelmäßig billig oder umsonst Nahrungsmittel bekommen – zusammengestellt aus dem Unverkäuflichen der Supermärkte und Großmarkthallen.

Die Tafel kann, weil sie privat ist, etwas machen, was der Staat nicht kann: eine eigentlich berechtigte Gruppe (vorübergehend) auszuschließen, weil die Personen “Ausländer” sind.

Es ist Diskriminierung.

Bemerkenswert, wenn jemand das abstreitet.

Die Rechtsradikalen freuen sich: Sie fordern solche Diskriminierung.

Die politische Mitte heuchelt. Tut so, als wäre es keine, oder als wären in Essen die “deutschen Omas” diskriminiert gewesen, weil der Anteil der Ausländer auf 75% gestiegen ist. (Viele Flüchtlinge in Essen gehen in ihrer Not zur Tafel.)

Soweit es bei den Tafeln in Essen auch unfreundliche Worte und Gesten gegeben haben sollte, erlaube ich mir die Vermutung, dass diese eher von den “deutschen Omas” ausgegangen sind.

Die Tafel-Verantwortlichen sahen sich gezwungen, auf den Verdrängungswettbewerb zu reagieren.

Die Nachfrage war höher als das Angebot – sie mussten also steuern. Sie taten es zugunsten der “deutschen Oma”, zu lasten der jungen Flüchtlinge.

Schuld an der Lage ist eine Politik, die immer mehr Bedürftigkeit schafft. Dafür können die von der Tafel nichts. Sie machen es dem Staat leichter, die Unterschicht zu vernachlässigen, die Tafeln sind also sowohl Teil der Lösung als auch Teil des Problems selbst.

Tafel-Beschränkungen können nötig sein. Warum dann nicht in Form einer Altersbeschränkung? Weiterer Zugang vorübergehend nur noch ab 40 Jahren, zum Beispiel.

2. Artikel dazu am 27.2.

Kommentare

  1. “Es ist Diskriminierung.
    Bemerkenswert, wenn jemand das abstreitet.”

    Du hast aber schon die BERGRÜNDUNG gelesen, oder?

    Der verantwortlich Herr hat ja ausführlich erklärt, warum er sich zu dieser temporären Maßnahme greifen will. Er hat auch betont, dass er sich weder von linker noch rechter Seite “vor den Karren” spannen lassen will.

    Man kann es glauben oder nicht. Ich glaube ihm. Der Mann wirkt nicht wie ein “Rechtsradikaler” (normalerweise haben Leute, die im Sozialbereich arbeiten – zumal wenn es ehrenamtlich ist – eher ein linkes Helfersyndrom).

    Was war also die Begründung?
    Es sind zu viele Ausländer geworden. Ausländer, die schubsen, die drängeln, die aggressiv auftreten. Angeblich würden sich manche ältere Damen und Herren (Rentner) nicht mehr hintrauen.

    Klingt für mich durchaus plausibel.

    Was soll man also tun? Die Einheimischen im Regen stehen lassen?

    Finde die Entscheidung heikel, aber in Ordnung. Leider wird er dafür jetzt beschimpft und seine Fahrzeuge und Türen werden von der sogenannten Antifa mit Farbe und den typischen Parolen “verschönert”. Eventuell wird er nun hinwerfen und sein Ehrenamt aufgeben.

  2. Resvel,
    Ist das nicht diskriminierend, wenn der Leiter von der Tafel von “Nehmer-Gen” bei “Russen und Syrern” spricht? Wäre es für dich auch plausibel, wenn ich aus Erfahrung sagen würde, dass das “Nehme-Gen” bei sog “Deutschen Omas” viel ausgeprägter ist? Aber nicht, weil sie Deutsche sind, sondern weil sie in Not sind. Kennt Armut etwa eine Nationalität?

  3. Welcher Tafel-Leiter soll denn vom “Nehmer-Gen” gesprochen haben? Quelle?

    Sofern das wahr ist, fände ich so eine Zuschreibung nicht in Ordnung.

    Beim mir bekannten Fall ging es darum, dass einige Ausländer wohl gedrängelt und geschubst haben und ältere (deutsche) Bedürftige nicht mehr zum Zug kommen oder gleich fernbleiben. In solchen Fällen finde es legitim, wenn die Leitung eingreift.

  4. Korbinian meint:

    Vielleicht müssten die Deutschen Omas sich besser organisieren und im Gang-Outfit und in größeren Gruppen dort bei der Tafel erscheinen.

  5. Der Tafelbetreiber hat sehr wahrscheinlich politisch motiviert gehandelt, da er sich auch bezüglich den “Gutmenschen” geäußert hat. Diese Begrifflichkeiten verwenden quasi nur Leute aus der rechten Ecke. Die Kritik an seiner Vorgehensweise ist berechtigt.

  6. Korbinian meint:

    @KM
    Wahrscheinlich wird er die Tafel morgen in Volksküche umbenennen.

  7. Gutmensch ist eine Bezeichnung, die häufig als ironisch, sarkastisch, gehässig oder verachtend gemeinte Verunglimpfung von Einzelpersonen, Gruppen oder Milieus („Gutmenschentum“) genutzt wird. Diesen wird aus Sicht der Wortverwender ein übertriebener, nach äußerer Anerkennung heischender Wunsch des „Gut-sein“-Wollens in Verbindung mit einem moralisierenden und missionierenden Verhalten und einer dogmatischen, absoluten, andere Ansichten nicht zulassenden Vorstellung des Guten unterstellt. In der politischen Rhetorik wird Gutmensch als Kampfbegriff verwendet.
    Quelle: Wikipedia

    Insofern alles im grünen Bereich. Gutmensch ist schon lange kein reiner “rechter” Begriff mehr.

  8. Wo sind denn all die Nichtrechten, die sich über “Gutmenschen” aufregen?

  9. Das würde ich auch gern wissen. Vielleicht können wir da was dazulernen. Also, in welchen “linken” Gruppen wird der Begriff “Gutmensch” verwendet, um die damit “charakterisierten” Personen anzugreifen?

    Ich darf mich übrigens als einen von rechter Seite her anerkannten Gutmenschen bezeichnen. Die Schlechtmenschen bzw. Bösmenschen sind sich fast einig, dass der Begriff auf mich passt.

    Mich selber würde ich aber eher als Mischling sehen, als gut-böser oder bös-guter oder moralisch schillernder Bastard. Eigentlich hab ich’s nicht so mit gut und böse und der damit verbundenen normativen Ethik mit ihrer Neigung zum Metaphysischen. Ich ziehe die Unterscheidung konstruktiv-destruktiv vor und möchte dabei gern materialistisch und dialektisch operieren. (Ich weiß, das hat auch seinen philosophischen Pferdefuß, aber mich zieht es hin zum “Keep it simple”-Prinzip. Auch in der Philosophie.)

  10. Resvel, hier dei Quelle meines Beitrags. Das untere Zitat stammt aus einem Interview von Herrn Sator, dem Leiter der Essener Tafel. Dem ist nichts zuzufügen. Das sagt ja einiges über ihn.
    “Die deutsche Oma oder die alleinerziehende deutsche Mutter haben sich bei uns zuletzt nicht mehr wohlgefühlt”, sagte Sator dem SPIEGEL. Unter Syrern und Russlanddeutschen gebe es “ein Nehmer-Gen”, einige würden drängeln und schubsen, es fehle an einer “Anstellkultur”. Die Essener Tafel will daher vorläufig nur Neukunden mit deutschem Personalausweis aufnehmen – bis ein ausgewogenes Verhältnis erreicht sei.

  11. Interessant, dass dazu jetzt sogar die Bundeskanzlerin Stellung nimmt:

    „Da sollte man nicht solche Kategorisierungen vornehmen. Das ist nicht gut“, sagte Merkel am Montag in einem RTL-Interview. Aber die Entscheidung der Ehrenamtlichen in Essen zeige auch „den Druck, den es gibt“, und wie viele Bedürftige auf Lebensmittelspenden angewiesen seien.

    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/angela-merkel-tafeln-sollten-beduerftige-auslaender-nicht-ausschliessen-15469396.html

    “Solche Kategorisierungen” – völkische sind gemeint. Die können wir uns nicht leisten. Ich kann mir schon auch vorstellen, dass es an einer Tafel wie der, die hier im Brennpunkt steht, mal ungute Situationen gibt. Ich halte auch Flüchtlinge nicht unbedingt für Engel. “Deutsche Omas” und Tafel-Mitarbeiter aber auch nicht.

    Die Tafel-Verantwortlichen hätten eine andere, eine nicht-völkische Regelung finden können. Ich will mich da als Laie nicht einmischen, aber eine Altersgrenze wäre eine Möglichkeit gewesen; vielleicht auch ein Benimm-Blatt in arabischer Sprache und die Möglichkeit einer Gelben und einer Roten Karte für die, die sich vordrängeln oder sich sonstwie störend daneben benehmen.

    Es würde mich interessieren, was Tafel-erfahrene Personen für Vorschläge haben.

    Die Hauptsache sollte aber nicht aus den Augen verloren werden: Wieso sind diese Tafeln überhaupt nötig? – Offensichtlich versagt unser Sozialstaat. Offensichtlich hilft er den Bedürftigen zu wenig.

    Wir sollten also vor allem diejenigen angreifen, die dafür sorgen, dass der Sozialstaat versagt – und die dafür sorgen, dass immer mehr Menschen sozialstaatliche Unterstützung brauchen.

  12. In den letzten 20 Jahren ist die Zahl der Tafeln von ca. 200 auf ungefähr 950 gestiegen und ca.1,5 Mio. gehen regelmäßig zur Tafel. Viele von ihnen haben schon eine Arbeit, aber davon können sie nicht leben. Ja, das geschieht im reichen Deutschland. Die Tafeln können die menschen nur unterstützen, aber nicht versorgen. Das ist die Aufgabe des Staates. Die Politik macht sich es leicht und wälzt die Probleme auf die Tafeln ab.

  13. Fantomas007 meint:
  14. In dem Interview sagt der Herr Sartor klar, dass es nur eine vorrübergehende Maßnahme ist, um den Ausländeranteil (wieder) zu senken und quasi den “Verdrängungswettbewerb” zu stoppen.

    Ganz allgemein gesprochen: Ich bin irritiert. Ich glaube, Deutschland ist das einzige Land auf dieser Welt, wo es als problematisch betrachtet wird, wenn ein gemeinnütziger Verein sich entscheidet, einheimische Bürger in Notsituationen zu bevorzugen. In den meisten anderen Ländern ist das vermutlich überhaupt kein Thema. Da wird eben zuerst den “eigenen Leuten” geholfen – und dann weitergesehen…

  15. Korbinian meint:

    Wenn Erdogan in Castrop-Rauxel den patriotischen Volksdöner (nur für Türken) verkauft dann, fällt diese Klientel bei den Tafeln schon weg.

  16. Resevl,
    ist die Antwort auf Schubsen und Drängeln der Ausschluss einer Gruppe von der Hilfe? Was ist der Grund, jemandem zu helfen: Bedürftigkeit oder der Pass? Von welchen Ländern sprichst du? Wo ist es kein Problem, nur den armen einheimischen zu berücksichtigen und die anderen verhungern zu lassen?
    Der Mann hätte das Problem mit einer ganz einfachen Regel entschärfen können, z.B. mit verschiedenen Öffnungszeiten für bestimmte Gruppen , aber nein, hier ist wieder der Flüchtling daran Schuld, dass die “alleinstehende deutsche Mutter” zu kurz kommt. Als wären sie alle nie in not gewesen , bevor die anderen Bedürftige dazugekommen sind.

  17. Wie soll denn bitte der Ausländeranteil gesenkt werden, wenn alle bisherigen Ausländer, die das Angebot schon genutzt haben, weiter zur Tafel kommen dürfen? Das geht doch rein logisch nicht, weil der Anteil dann bei 75% bleibt. Außer man will die zukünftig halt irgendwie rausekeln.

  18. ResEvl

    vermutlich würde man in den Niederlanden oder in den skandinavischen Ländern ähnlich wie in Deutschland debattieren.

    Die “eigenen Leute”? – Da schau dir doch mal das GG an. Die Grundrechte gelten für alle, nicht nur für die Bürger mit deutschem Pass. Das gilt auch für die Feststellung der Bedürftigkeit und den Zugang zu den materiellen Ressourcen.

    Wer sind die “eigenen Leute”? – Für mich sind das im Speziellen meine primären Lebensbegleiter (Verwandte, Freunde, Kollegen) und im Generellen ALLE Menschen auf dieser Welt. Ich denke nicht nationalistisch und halte Nationalismus für eine (nicht ungefährliche) Krankheit. Nationalismus schadet. Schadet mir, der Nation, Europa, der Menschheit. Wir können aus der Geschichte lernen.

    Nun, auch darüber können wir sachlich diskutieren, pro & contra. Bist du dazu bereit?

    Beim anderen Thema, Kriminalität, scheinst du ausgestiegen zu sein. Schade. Denn immerhin hast du einen respektablen Anfang gemacht. Warum machst du nicht weiter? Ich habe dort deinen – guten, berechtigten! – Einwand aufgegriffen und beantwortet. Jetzt wärst du wieder an der Reihe.

    (Falls du jetzt schreibst oder denkst, das sei doch alles bloß Gequatsche, wäre das für mich ein Grund, meinen Barbarenvorwurf zu erneuern. Zivilisierte, aufgeklärte Menschen können ein Thema gründlich pro&contra durchdringen und dann gemeinsam feststellen, an welcher Stelle es in der Debatte nicht mehr weiter geht.)

  19. Ich äußere mich im neuen Thema “Warum nicht “die eigenen Leute” bevorzugen?” dazu.

  20. Warum muss das alles so kompliziert sein? Wer andere an der Tafel nicht respektiert, drängelt oder sonst wie aggressiv wird, fliegt raus. Und wenn er nicht freiwillig geht, ruft man die Polizei. Die Tafel-Vereine haben Hausrecht in ihren Räumen. Das hat nichts mit der Nationalität der “Störer” zu tun. Und niemand verbietet es den Tafeln, ältere Menschen und Mütter mit Kindern (egal woher sie kommen) als erste zu bedienen.

  21. Das trifft den Nagel auf den Kopf.
    Was spricht dagegen, dass man es so macht?
    Ich wüsste nichts.
    Warum kommen die Verantwortlichen und Tafel-Erfahrenen nicht auf so eine Lösung?

    Warum warum warum …

    Könnte sein, dass KM recht hat.

    Gibt es eine plausiblere Antwort auf die Warum-Frage als die von KM?

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