Europa als Nation und die Leistungsbilanz-Überschüsse

europaDie EU ist keine Nation. Wird auch nicht so schnell eine. Niederlagen werden uns überzeugen, dass wir eine Nation sind.

Europa wird herausgefordert von Russland, China, USA und muss lernen, als Einheit zu antworten. Unser deutsches Interesse wird zunehmend eins mit unserem europäischen Interesse.

Den kommenden Handelskrieg überstehen wir nur gemeinsam.

Wir müssten dabei erkennen, dass unser gewaltiger deutscher Handelsüberschuss für EU-intern unvorteilhaft ist.

In der Bundesrepublik zum Beispiel fragt sich niemand, wie groß der Leistungsbilanzüberschuss Baden-Württembergs ist und wie groß das Defizit, sagen wir, der ostdeutschen Bundesländer.

Was schwachen Regionen an eigener Wirtschaftskraft fehlt, wird teilweise aufgefüllt durch bundesstaatliche Transferzahlungen – über die Sozialversicherungen und Zuweisungen des Bundes.

In der Eurozone gibt es nichts dergleichen. Ein Mitgliedstaat, der in eine Krise gerät, muss sich selbst herausarbeiten.

Auch wenn das bedeutet, dass die Währungsunion insgesamt ins Ungleichgewicht gerät.

Was wir für Ostdeutschland gemacht haben, müssten wir – intern – z. B. auch für das Ruhrgebiet machen. Und extern für Griechenland u. a.

Nur in dem Maße, in dem es unseren europäischen Partnern gut geht, wird es auch uns nachhaltig gutgehen.

Der Nachteil unserer hohen Leistungsbilanzüberschüsse

bedeutet auch einen massiven Abfluss an Kapital. Man leiht dem Rest der Welt Geld, mittels dessen dann Importe aus Europa bezahlt werden können.

Kapital, das besser in Europa investiert werden sollte, um hier den Wohlstand zu erhöhen und

um frustrierten und zunehmend radikalisierten Gesellschaften wie Italien eine Perspektive innerhalb der Eurozone zu eröffnen.

Lernen wir, europäisch zu denken. Leisten wir unseren Beitrag dafür, dass es unseren europäischen Nachbarn besser geht.

Europäer sind für mich keine Ausländer mehr. Sondern Nachbarn. Mitbürger.

Machen wir Europa zu unserer Nation!

Quelle der Zitate: Henrik Müller bei Spiegel-Online

Kommentare

  1. Korbinian meint:

    Eine Wahl haben wir wohl nicht. Genau deswegen setzt Putin da mit seinem Hebel an. Indirekt spielen ihm auch unsere Austoritätsfanatiker in die Hände.

  2. Für ein funktionierendes Europa bräuchte es politisch aber eine einzige Volkwirtschaft. Die eine Währung dafür haben wir schon, jetzt wäre eine einheitliche Steuererhebung und es wären einheitliche Sozialversicherungssysteme vonnöten. Ohne diese beiden Voraussetzungen wird man Europa vergessen können. Warum sollten wir für Iren mitbezahlen, die von Apple keine Steuern haben wollen?

  3. genova,
    der Weg zu einem vereinten Europa ist weit. Vermutlich zu weit. Ich bin nicht optimistisch. Eines der Probleme deutest du an.

    Ich BIN aber nun mal Europäer. Es ist einfach so. Es ist meine politische Identität. Mein politischer Instinkt. Der ist nicht national, er ist kosmopolitisch, und die nächst höhere Vereinigungsebene ist Europa.

    Dazu kommt: Ich meine, dass es in unser aller Interesse ist, unsere politischen Probleme erstens in europäischer Dimension zu denken (schon mit Blick in Richtung globale Kooperation einer Menschheit, die sich als Menschheit versteht), zweitens auch versucht, Schritt für Schritt dafür die Institutionen und die politische Praxis zu schaffen.

    Dieses Interesse wird von den meisten nicht gesehen, nicht verstanden, bestritten. Man kann darüber streiten. Es ist ein sinnvolles Debattenthema.

    Ich aber gehe es an vom Standpunkt des leidenschaftlichen Europäers aus.

    Ich bin Münchner, aber ich denke, als Münchner sollte ich bereit sein, großzügig Münchner Geld (Steuergeld) zu opfern für Deutschland; zum Beispiel für Ostdeutschland oder fürs Ruhrgebiet. Es ist gut für München, wenn auch Ostdeutschland und das Ruhrgebiet ökonomisch erfolgreich werden. Was wir da heute opfern, kommt morgen mehrfach wieder zurück. Verhalten wir uns egoistisch und verweigern wir uns der Solidarität, verlieren wir auf längere Sicht.

    Dito nun im Verhältnis Deutschland – Europa. Letztlich dann auch im Verhältnis Europa – Welt.

    Wir haben ein Interesse daran, dass BurkinaFaso oder Bolivien oder BanglaDesh so leistungsstark werden wie Belgien. (Vorausgesetzt, wir lösen dabei auch die ökologischen Nebenfolgen einer solchen Entwicklung.)

    Wie gesagt, ich bin nicht optimistisch. Und ich bin für jeden kleinen Schritt und jeden kleinen Erkenntnisfortschritt dankbar. Mein Standpunkt ist nicht fundamentalistisch, sondern pragmatisch. Schauen wir, was geht. Freuen wir uns auch über die kleinsten Erfolge. Ertragen wir standhaft unsere Enttäuschungen und Niederlagen. Schauen wir der möglichen globalen Katastrophe entschlossen in die Augen.

    Versagen ist menschlich. Dummheit ist menschlich. Verantwortungslosigkeit ist menschlich. Scheitern ist menschlich. Sterben ist menschlich.
    Hat man das einmal verstanden, kann man ruhig und gelassen und besonnen auch als kleine, hoffnungslose Minderheit konstruktiv Politik machen – mit dem Motto: An mir soll’s nicht liegen!) Ich tu, was ich tun kann. Und gern. Und aus Liebe.

  4. Korbinian,
    das mit der Austeritätspolitik trifft. Ob die neue Regierung daran substanziell etwas ändert? Etwa im Verein mit Macron? – Vielleicht. Ich fürchte aber: Nein.

    Es wäre unpopulär in Deutschland. Die Dummköpfe verstehen nicht, dass wir GEBEN müssen.

    Vor allem aber: Hat Big Money, hat die Finanzoligarchie ein Interesse daran, die Austerity-Politik aufzugeben? Merkel tanzt nach der Pfeife der Finanzindustrie. (Aus anderen Gründen als die Wähler.)

    Wenn dann auch noch die Mehrheit der Wähler meint, hier das nationale deutsche Interesse zu verteidigen – ist die Entscheidung klar.

    Was in den Kreisen der Finanzkasino-Spieler hierzu diskutiert wird, kann man vage den Wirtschaftsseiten der Mainstream-Medien entnehmen. Sie sind weiterhin für Austerity. Damit die Staaten genug Geld haben, um die Finanzwirtschaft beim nächsten Crash wieder rauszuhauen, mit Steuergeldern und weiterer staatlicher Kreditausweitung.

    So machen sie uns langsam, aber sicher kaputt. Während sich das Geldvolumen auf ihrer Seite bläht und bläht. Den nächsten Crash überstehen sie dann wieder als Gewinner – auf unsere Kosten.

  5. Korbinian meint:

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