Freital – die Stadt des Rechtsterrorismus

terrorismusDie “Bürgerwehr Freital” stand vor Gericht, 8 Mitglieder wurden am 7. März zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt.

Sprengstoffanschläge auf Asylunterkünfte. Übergriffe auf Flüchtlingsunterstützer. Gründung einer terroristischen Vereinigung. Versuchter Mord. (Über die Taten im Einzelnen informiert Wikipedia.)

Bemerkenswert sind nicht nur die Taten der Gruppe, sondern auch die Reaktionen ihres Umfelds – und zu dem gehören die “ganz normalen” Bürger der sächsischen Kleinstadt bei Dresden.

Während das Gericht feststellt:

Die Gruppe habe “ein Klima der Angst und Repression” schaffen wollen. Ziel sei es gewesen, Ausländer zu vertreiben. Den Taten habe eine fremdenfeindliche, rechtsextreme und zum Teil nationalsozialistische Ideologie zugrunde gelegen.

(Spiegel Online)

meinten die Freitaler Freunde dieser rechtsterroristischen Aktivitäten: Es habe sich doch nur um “Lausbubenstreiche” gehandelt.

Der Übergang vom “besorgten Bürger” (Pegida, AfD) zum Rechtsterrorismus ist fließend; die “besorgten Bürger” sind der Rückhalt und das Rekrutierungsreservoir der Rechtsterroristen.

Klaus Becker, MDR: Die “besorgten Bürger”

pöbeln und hetzen gegen alles, was nicht in ihr verqueres Weltbild von Deutschland passt: gegen Flüchtlinge, Ehrenamtliche, Politiker und Andersdenkende – in Foren im Internet, in sozialen Netzwerken und auf der Straße.

Und die Saat geht auf: Einigen von ihnen sind die Demonstrationen am Montag in Dresden oder vor geplanten Flüchtlingsunterkünften zu wenig. Sie organisieren sich in Chats im Netz, bestärken sich dort gegenseitig und bereiten Anschläge gegen Flüchtlinge und Andersdenkende vor – und sie führen sie schließlich aus.

Die acht Angeklagten, die jetzt vor Gericht kommen, entsprechen nicht dem Bild, das man sich von Terroristen bisher machte: sie lebten mitten in Dresden oder Freital und arbeiteten tagsüber als Busfahrer, Veranstalter, Techniker oder Krankenpfleger. Nach Dienstschluss aber wurden aus den “unbescholtenen Bürgern” “Feierabendterroristen” – die sich an einer Tankstelle in Freital trafen, Bier tranken und – in Sichtweite des örtlichen Polizeipostens – ihre Taten vorbereiteten. …

Auf der Anklagebank sitzen nicht nur die acht Beschuldigten, sondern auch Teile der Gesellschaft in Sachsen – ob in Dresden, Freital, Heidenau oder anderswo. Ohne die Bürger, die mithetzten, wegsahen oder bagatellisierten, wäre es nicht soweit gekommen.

Ein Absatz aus der Süddeutschen Zeitung:

In Freital waren die Taten der Gruppe immer wieder verharmlost worden. Der Bürgermeister sprach von Aktionen Einzelner, die man nicht so ernst nehmen solle. Von “Lausbuben” war sogar die Rede.

In der Auseinandersetzung schwang immer mit: Mit uns hat das nichts zu tun. Ein bekanntes Muster in Sachsen.

Auch das rechtsextremistische NSU-Trio, das mit seiner Mordserie die gesamte Republik erschütterte, wurde lange als ein Phänomen betrachtet, das mit dem Freistaat eigentlich nichts zu tun hat. Dabei offenbarte der braune Untergrund die Schwachstellen beim systematischen Blick der sächsischen Behörden auf die Gefahr am rechten Rand.

… Vor drei Jahren protestierten in Freital 1500 Menschen erstmals gegen die Aufnahme von Flüchtlingen in der Stadt. Die Proteste waren von Fremdenfeindlichkeit und Gewaltbereitschaft geprägt. Hier lernten sich die Angeklagten kennen. Die Stadt kam wochenlang nicht zur Ruhe. Diskussionsveranstaltung wurde wegen Sicherheitsbedenken abgesagt. Freital wurde bundesweit als Ort der Feindseligkeit bekannt.

Anmerkung:

Uwe Tellkamp gehört zu diesen “besorgten Bürgern”, deren Hetze die Saat ist, die dann als Rechtsterrorismus aufgeht: Sie liefern die Motivation, den geistigen Hintergrund.

Zu Tellkamps Outing meine drei Artikel:

Tellkamp: Ein großer Autor hetzt

Tellkamps Versagen

Tellkamp und die Toleranz

Einen weiteren Artikel über Tellkamp werde ich später einmal schreiben:

Welche Rolle spielt Heimat in Ihrem schriftstellerischen Werk?
Tellkamp: Schreiben ist der Versuch, Heimat wiederzugewinnen.

Meine Heimat München gibt es nicht ohne die ca. 40% “Einwohner mit Migrationshintergrund”.  Auch die Flüchtlinge gehören zu meiner Heimat.

Soll ich mir von “besorgten” Dresdnern meine Heimat München kaputt machen lassen?

Kommentare

  1. piffel meint:

    40% “Einwohner mit Migrationshintergrund…

    Er tut es schon wieder !
    Das, was er anderen immer vorwirft.
    Pauschalisieren.
    Natürlich nur, wenns passt.

    Von den 40% haben nur 8%! eine isl. Migrationshintergrund !

  2. Die gefährlichen Leute sind die Ideologen im Hintergrund. Das sind die Leute, die andere Menschen beeinflussen und erst dafür sorgen, dass sie zu Extremisten werden.

    Die Ideologen selbst hüten sich natürlich davor etwas Strafbares zu unternehmen. Dafür ist schließlich das dumme Fußvolk da. Und deswegen werden zukünftig auch weitere Extremisten nachkommen, selbst bei hohen Haftstrafen.

    Man muss den Ideologen die Möglichkeit entziehen, Menschen in ihrem Sinne zu verdrehen und für eigene Zwecke auszunutzen.

  3. piffel,
    und wie viele haben in Dresden einen islamischen Migrationshintergrund? Ungefähr 0,1%. Schätze ich. Und trotzdem wird Dresden durch Islamisierung bedroht – laut Auskunft von Pegida – Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes. Eigentlich müsste Pegida ja in München stark sein, wo wir doch einen ungefähr 80mal höheren Anteil an Einwohnern “islamischer” Herkunft haben. Da wir sie haben, sehen wir: Es gibt so ein Problem nicht. Da die Dresdner keine Ahnung haben, wie es sich mit Muslimen zusammen lebt, neigen sie zur Hysterie in dieser Sache.

    Was übrigens ist Pauschalisieren, wenn man sagt: In München haben wir über 40% Einwohner mit Migrationshintergrund, in Dresden ungefähr 8%. – ? – Das ist das Gegenteil von Pauschalisieren, das ist eine jeweils spezielle Zahl.

    Und wenn wir schon dabei sind: Wie sieht es denn nun mit der Kriminalität im Städtevergleich aus: Süddeutsche Städte mit 30 oder 40% Anteil an Migranten, ostdeutsche Städte mit unter 10%: Die ostdeutschen Städte müssten doch sehr viel sicherer sein, sehr viel niedrigere Kriminalitätsbelastung haben. Ist aber nicht so. Wie die Polizeistatistik immer wieder zeigt.

    Wie erklärst du uns das, piffel?

    Du bist dran!

  4. Korbinian,

    wer fällt auf die Ideologen rein?
    Warum fallen manche Leute auf die Ideologen rein, andere nicht?
    Warum fallen besonders in Ostdeutschland so viele auf Ideologen rein?

    Müssen wir nicht aus Respekt vor jeder Person auch “das dumme Fußvolk” für voll verantwortlich ansehen?
    (Wenn ich denke, diese Leute seien nicht verantwortlich, halte ich sie für unreif, unerwachsen, dumm. Ich respektiere sie aber – und das heißt: Ich halte sie für voll verantwortlich, wenn sie sich manipulieren lassen. Nicht nur der Manipulierer ist schuld an der Manipulation, sondern auch der, der sich manipulieren lässt.)

    Die von Ideologen manipulierten Leute pflegen ihre Manipulateure mit Zähnen und Klauen zu verteidigen. Sie schätzen und verehren und lieben ihre Manipulateure. Eben deshalb funktioniert die Manipulation.

  5. Den Ideologen gelingt es für einen Teil der Menschen, ein Bedürfnis zu schaffen und dieses Bedürfnis gleich wieder zu befriedigen. Das macht abhängig.

    Das funktioniert wie mit normaler Werbung: “Nur Morgen 70% Rabatt!!!” Obwohl man überhaupt nichts braucht gehen viele dann trotzdem Einkaufen, weil man ja 70% spart. Wenn man nichts kaufen würde, dann würde man 100% sparen, aber das wird einem nicht erzählt. Da muss man selbst drauf kommen.

    Mit “dummen Fußvolk” meinte ich es aus Sicht der Hinterleute. Für die sind diese Menschen nur nützliche Werkzeuge. Natürlich sind die Täter trotzdem voll verantwortlich. Nur leider verhindert das nicht, dass neue Täter nachkommen werden. Um das zu verhindern, müsste man bei den Hinterleuten ansetzen.

  6. Da die Hinterleute vom Fußvolk geschätzt, verehrt und sogar geliebt werden, kommt man nicht an sie ran. Sie werden wirkungsvoll verteidigt. Von ihrem Volk.

    Ich glaube nicht, dass die “Hinterleute” und Ideologen das Produkt schaffen, sondern dass es in den Gehirnen des Fußvolks bereit liegt und nur abgerufen oder vielleicht noch ein bisschen aufgebläht und zugeschnitten zu werden braucht.

    Auch die Entwicklung zum Dritten Reich sehe ich so. Ein großer Teil der Deutschen waren Faschisten (nicht in der Weise, dass sie sich als solche schon bezeichnet hätten) – und darum konnte Hitler so gut bei ihnen ankommen. Hitler hat seine Energie und seine Rhetorik und seine Gestik etc. aus dem Volk herausgefühlt, herausgezogen. Er war wirklich einer von ihnen. Das, was da aus dem Volk heraus in die Gehirne der Führer kommt, wird weiterentwickelt, stärker programmatisch zugespitzt, der Strategie und Taktik angepasst, und es bekommt vielleicht dann erst seinen Namen. DAS alles macht dann die Führung. Aber das eigentlich Böse, das brutale Ressentiment, die aggressive Energie, die verrückten Inhalte, die Verschwörungsphantasien undsoweiter – die kommen alle aus dem Volk.

    Ein wirkungsvoller faschistischer Führer schaut seinem Volk aufs Maul und schaut seinem Volk ins Hirn. Da findet er sein Material und seine Form, seine Energie und sein Ziel.

    Leider wird das immer wieder unterschätzt. Man möchte nun mal dem Volk nicht zu nahe treten … So, wie ich das hier sage, begehe ich Majestätsbeleidigung, und Majestäten reagieren höchst unwillig auf solche freche Missachtung ihrer Majestät. Ich kann es mir nur leisten, weil ich unbedeutend bin. Als Politiker würde ich nie nie nie das Volk, mein Volk sooo beleidigen. Nicht nur ich bekäme dafür vernichtende Prügel, sondern auch meine Partei.

  7. Naja, das klingt so als wenn ein gewisser Teil der Bevölkerung schon als Faschisten oder Verschwörungstheoretiker geboren wird. Ich denke nicht, dass das der Fall ist.

    Im Gegensatz zu neurologischen Erkrankungen, die durchaus angeboren sein können, dürften politische Einstellungen rein von dem sozialen Umfeld einer Person geprägt sein.

    Hitler hat davon profitiert, dass die Deutschen militaristisch erzogen wurden und dass es schon mindestens 50 Jahre einen politisch einflussreichen Antisemitismus in Deutschland gab, womit man wieder auf das soziale Umfeld zu sprechen kommt.

    Natürlich sind die Hinterleute selbst Teil des Volkes bzw. auch Teile des Volkes. Ich habe vielleicht etwas ungenau beschrieben was ich meine.
    Es geht mir dabei um solche Personen, die z.B. im Internet schreiben: “Man unbedingt etwas gegen die Überfremdung unternehmen!” Diese Leute selbst unternehmen gar nichts.

    Aber unausgesprochen warten sie darauf, dass ein Gleichgesinnter etwas macht. Man schaukelt sich quasi gegenseitig hoch.

    Das meinte ich mit Ideologen. Bei denen läuft es rein ideologisch ab, nicht praktisch. Ich meinte nicht einzelne Strippenzieher mit Masterplan im Hintergrund.

    Und ich bin der Ansicht hier muss man noch viel mehr machen. Wenn diese Leute den ganzen Tag nur Links zu irgendwelchen Ausländerterrorberichten und Verschwörungstheorien verteilen, dann löst das früher oder später bei einem Leser etwas aus.

    Wie wir wissen, ist es dann immer mühevoll und zeitaufwendig sich die Sache genau anzuschauen und festzustellen, was wirklich dahinter steht.

    Ich finde, dass sollte man auf viel größerer Ebene machen. Es müsste Faktenchecks mit vielen Leuten geben, die täglich nichts anderes machen, als diese Halbwahrheiten und Lügen ganz genau auseinanderzunehmen. Und diese Analysen müssten dann im großen Umfang zugänglich gemacht und verteilt werden.

    Das Volk müsste einfach diese Dinge nehmen und zu den Ideologen sagen können: “Hier wird erklärt, was an deinen Behauptungen alles verkehrt ist. Warum erzählst du so einen Unsinn?”

  8. Dazu aber, KM, sind die allermeisten Leute zu faul, zu bequem, zu naiv, zu abgelenkt, zu unterhaltungssüchtig, zu autoritätshörig, zu abhängig von der Meinung ihrer Freunde, ihrer Umgebung.

    Was meinst du, warum sagen die Leute nicht zu den Ideologen:
    “Hier wird erklärt, was an deinen Behauptungen alles verkehrt ist. Warum erzählst du so einen Unsinn?”

    Sie sagen es auch dann nicht, wenn man ihnen die Infos mundgerecht serviert. Sie lehnen solche Infos einfach ab. Sie lehnen sie ab, weil sie nicht ihren Bedürfnissen entsprechen, und ihr Bedürfnis kombiniert sich aus Bequemlichkeit, Naivität und Stammesdenken. Es würde ja anstrengen, unnötigen Stress machen, wenn man plötzlich kritisch nachdenken müsste, ob das, was einem als richtig vorkommt, auch wirklich richtig ist; ob das, was die Leute, zu denen man gehören will, für richtig halten, auch wirklich richtig ist. Warum soll man seinem Gegner entgegenkommen, indem man seine Behauptungen und Schlüsse erwägt?

    Die Erfahrung, die wir zurzeit machen, ist: Aufklärung ist nicht mehr in. Barbarei ist in.

    Der Aufgeklärte ist schwach: skeptisch, unsicher, offen.
    Der Barbar ist stark: überzeugt, fanatisch, eingemauert.

    Die Energie liegt zurzeit bei den Barbaren. Das könnte noch schlimmer werden.

  9. Die Leute, die bereits ideologisch vereinnahmt sind wird man damit natürlich nicht erreichen können. Ich habe auch nicht vor solche Leute umzupolen.

    Wer sich mit einem Thema aber noch nicht tiefergehend auseinandergesetzt hat, der dürfte noch empfänglich für beide Argumentationsseiten sein.

    Und ich finde, da sollte man diejenigen, die noch nicht von gefährlichen Ansichten überzeugt sind mit Informationen unterstützen, warum sie sich besser nicht überzeugen lassen sollten.

    Wichtig ist mir persönlich, dass Fanatiker keine neuen Anhänger gewinnen.

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