Überlegungen unter dem Druck der Volksmeinung (Teil 3): Machiavelli spricht

migrationEs empfiehlt sich, die Beiträge nacheinander zu lesen und aufeinander zu beziehen.

Teil 1 (Islam. Flüchtlinge. Die Regierung unter dem Druck der Volksmeinung.)

Teil 2 (Überlegungen unter dem Druck der Volksmeinung )

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Als Machiavellist könnte ich für alle drei Optionen sprechen:

pro A): Wenn wir noch nicht verloren sind und uns Gewinnchancen ausrechnen, ist das die richtige Wahl.

pro B) Wenn wir die Niederlage für wahrscheinlich halten müssen, empfiehlt sich entschlossener Opportunismus. Radikales Umschwenken.

pro C) Wenn der Ausgang noch nicht klar ist, kann diese halbe Lösung in Erwägung gezogen werden.

WENN … Wie sieht die Zukunft aus?

Ohne Kristallkugel und Prophetengabe bleiben uns nur Vermutung und Plausibilität.

Ich selbst bin Pessimist: Wir werden verlieren.

Im – bescheidenen – Rahmen meiner eigenen Urteilskraft: Die Menschheit ist restlos überfordert und wird langsam verrückt. Die Machthaber (in Politik und Wirtschaft) können darum immer verantwortungsloser agieren – egomanisch, kurzsichtig, verlogen und brutal.

(Hier ist nicht der Ort, dies zu vertiefen.)

Folgt aus meinem Pessimismus Machiavellis Vorschlag B)?

Nein. Machiavelli lebt und denkt in einer Welt, in der Geschichte wie gewohnt weitergeht. Vernichtung bleibt lokal.

In unserem Falle steuern wir auf das Ende der menschlichen Zivilisation zu. (Nicht unbedingt auf die Selbstausrottung des Homo Sapiens, aber auf die weitgehende Zerstörung seiner Kultur und ihrer materiellen Voraussetzungen.)

Der blanke Opportunismus bringt also nichts.

Da bleibe ich dann lieber mir selber treu und wähle Option A).

Aber ich habe auch Verständnis für alle die, die sich für Option C) entscheiden.

Anmerkung:

Ich habe mich knapp gefasst. Wer Erläuterungen zu einzelnen Punkten wünscht, wird sie von mir erhalten.

Interessieren würde mich auch:

Ist meine Zuspitzung und Charakterisierung der drei Optionen angemessen?

Welche Option würdet ihr wählen – und warum?

Zweite Anmerkung:

Mit der grundsätzlichen Entscheidung für Option A sind die programmatischen und strategischen Fragen noch nicht geklärt. Option A lässt sich durchaus verschieden gestalten. Etwa konfrontativ oder – im Gegenteil – sich an Option C anlehnend.

Artikel 1: Islam. Flüchtlinge. Die Regierung unter dem Druck der Volksmeinung.

Artikel 2: Überlegungen unter dem Druck der Volksmeinung

Artikel 3: Überlegungen unter dem Druck der Volksmeinung. Machiavelli spricht.

Kommentare

  1. Mal eine grundsätzliche Überlegung. Inwiefern ist eine Volksmeinung eigentlich eine “Volks”meinung und nicht eine “Ich”meinung?

    Persönlich denke ich, dass es fast vollständig egoistisch motiviert ist, d.h. es geht den Leute um ihr eigenes Wohl ohne Rücksicht auf das Wohl des restlichen Volkes.

    Deswegen ist die “Volks”meinung meistens entsprechend kurzsichtig.

    Das kann auf der anderen Seite durchaus gewollt sein (Teile und herrsche).

  2. Ja, was meine ich eigentlich mit “Volksmeinung“?
    Ganz banal die in (seriösen) Umfragen und in Wahlen sich darstellende Meinung.

    Ich halte zum Beispiel die Dreiviertel-Zustimmung für Seehofers pauschal-antimuslimische Hetzparole für durchaus seriös ermittelt und leider einigermaßen zutreffend.

    Im Parlament – als Spiegelbild der Wahlen – gibt es diese Mehrheit noch bei weitem nicht. Da haben wir eher eine Dreiviertel-Mehrheit für Merkels Zurückweisung von Seehofers Pöbelei.

    Die demoskopisch und durch Wahlen ermittelte “Volksmeinung” sind also nicht dasselbe.

    Drum möchten die Pöbelpolitiker auch gerne, dass wir heiße Fragen möglichst in aufgeheizten primitiv zugeschnittenen Referenden klären.

    Volksmeinung in Umfragen bedeutet: momentane unreflektierte persönliche Stimmung, verantwortungslos, rücksichtslos, unbesonnen, ohne Rücksicht auf Folgen, ohne Rücksicht auf Nebenwirkungen.

    Volksmeinung via Wahlen und Parlamente bedeutet: eine gewisse Filterung und Rationalisierung, Stabilisierung, Einbeziehung von Langfrist- und Nebenwirkungen, Verantwortlichkeit.

    Schönes Beispiel Brexit. Haben die Wähler da gewusst, worüber sie abstimmen? – Jetzt sitzen sie im Dreck. Die Regierung weiß nicht, ob Brexit Hard-Brexit oder Soft-Brexit bedeutet, kann sich nicht einigen, kann darum keine plausible Verhandlungslinie finden – und beschäftigt sich fast nur noch mit diesem Thema. Für was anderes hat sie kaum noch Energie. Das Thema spaltet das Land noch mehr als früher. Die Kosten werden voraussichtlich immens werden. Und der eine erwünschte Effekt, dass sehr viel weniger Einwanderung stattfindet, gehört zu den ökonomisch schädlichsten.

    Sollen sie es ausbaden und am eigenen Leibe erleben, die Brexit-Briten! Anders kann ein dummes Volk nicht lernen, dass man solche Fragen übers Parlament und Parlamentsmehrheiten entscheidet und nicht in der Primitivform namens Referendum.

    Da kann man schon auch einiges entscheiden, etwa, ob und wie man Raucher einschränkt. Aber doch nicht die komplexen Fragen.

    Auf die Frage zurückkommend: Mit Volksmeinung in meinen drei Artikeln meine ich eigentlich beides, die demoskopische und die parlamentarische Variante. Auch im Parlament spiegelt sich am Ende das, was sich demoskopisch verfestigt.

  3. Bei der letzten Umfrage hat mit persönlich der Kontext gefehlt, warum die Leute Seehofer zustimmen und warum nicht.

    Es kann viele verschiedene Gründe haben, z.B.
    parteipolitische (CSU-Anhänger stehen zu Seehofer),
    ausländerfeindliche (kurios wäre hier, dass diese Leute zustimmen, dass die Muslime zu Deutschland gehören),
    finanzielle (Steuergelder für andere Dinge ausgeben),
    religiöse (Muslime sind keine Christen),
    säkulare (Deutschland soll nicht religiös sein),
    psychologisch (Angst vor Islamisten),
    etc.

    Die stimmen Seehofer zu, aber letztendlich würde jede Gruppe andere Ziele verfolgen und anders Handeln.

  4. In ein paar von diesen Punkten ergeben sich “Koalitionsmöglichkeiten”. In ein paar anderen zwar nicht direkt, aber so etwas wie “Duldung” wäre möglich.

    Ich könnte mir also vorstellen, dass man alle diese Strömungen unter einem Dach versammeln kann. Sogar, wenn man an der Regierung ist und praktische Maßnahmen beschließen muss.

    Eine echte Hürde wäre nur die: Ein gestandener CSUler lässt sich nicht auf diese windige und pöbelhafte AfD ein.

    Die AfD hat natürlich als ihr primäres und geradezu obsessives Thema die Abwehr des Fremden. Aber darüber hinaus ist sie auch Putin-orientiert, also antiwestlich; autoritär; gegen die EU; eigentlich hauptsächlich atheistisch. Das alles geht schlecht mit einem seriösen CSUler. Die haben in der Regel etwas bemerkenswert Liberales an sich – und das beißt sich grundsätzlich mit der AfD.

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