Ghadban über die Mhallamiye – und contra Multikulti

multikulturEinen Grund für die unzureichende bzw. inkompetente Reaktion der deutschen Behörden auf die kriminellen Mhallamiye-Clans sieht Ghadban in der Ideologie des Multikulturalismus.

“Das völlig falsch verstandene Toleranz-Verständnis, diese panische Angst vor Stigmatisierung hat leider auch die Justiz erfasst. … Hier in der Berliner Stadtpolitik diskutieren immer noch manche, ob nicht schon der Begriff Clan diskriminierend sei.”

Und:

“Der Multikulturalismus hat mittlerweile auch in den staatlichen Strukturen tiefe Spuren hinterlassen. … Alle wollen irgendwie multikulti sein, weil sie glauben, dass der Begriff ein Synonym für demokratischen Pluralismus sei.

Bei demokratischem Pluralismus geht es um Vielfalt auf einer gemeinsamen Basis namens Grundgesetz. Die nicht verhandelbaren Kernwerte lauten: Meinungs- und Religionsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Der Multikulturalismus dagegen ist eine Ideologie, die alle Kulturen und Haltungen als per se gleichwertig erklärt, auch wenn sie komplett intolerant sind. “

Multikultur =?

Deskriptiv: Deutschland IST eine multikulturelle Gesellschaft, fast überall. (Nicht in einigen fast migrantenfreien Zonen in Ostdeutschland.) Es ist ein schlichtes Faktum, jeder nimmt es wahr, sei es erfreut, neutral oder ablehnend.

Ändern ließe sich das nur durch ethnische Säuberung.

Präskriptiv: Hier haben wir zwei Möglichkeiten.

Die eine: Wir stellen fest, dass es auch gut ist, dass Deutschland eine multikulturelle Gesellschaft geworden ist, also eine Gesellschaft, die die Vielfalt (samt ihrer Probleme) bejaht.

Die andere – und das meint Ghadban kritisch: Alle Kulturen müssten in Deutschland gleichberechtigt leben können, auch dann, wenn sie Lebensformen propagieren, die mit unseren Grundwerten nicht kompatibel sind.

Es würde mich  interessieren, wer in Deutschland DIESE Version vertritt.

Ich werde darauf zurückkommen.


Anmerkung:

Für sachdienliche Hinweise bin ich dankbar.

Mhallamiye-Artikel 1

Mhallamiye-Artikel 2

Mhallamiye-Artikel 3

Kommentare

  1. Gerade weil man keinen Multikulturalismus wollte ist es erst überhaupt zu dieser Situation gekommen:

    Man hat sie als Armutsflüchtlinge betrachtet und als Schmarotzer beschimpft, konnte sie aber gesetzlich nicht abschieben. Stattdessen hat man das Asylgesetz verschärft und nannte das Abschreckungsmaßnahmen: Arbeitsverbote für ein, dann zwei, schließlich fünf Jahre. Ab 1982 wurde für den Asylantrag ein Pass verlangt, um später die Abschiebung zu erleichtern. In der Folge haben sie alle – nicht nur die Mhallamiye – ihre Pässe verschwinden lassen

    [...]

    Ohne Arbeitserlaubnis sind sie von Anfang an in die Illegalität abgeglitten. 

    [...]

    Man wollte sie in den 80er Jahren nicht integrieren. Sie wurden an den Rand der Gesellschaft verdrängt, wo sie ihre mitgebrachten Clan-Strukturen verfestigten. Nach der Öffnung der Gesellschaft infolge der Altfallregelung lehnten sie die Integration ab.

    [...]

    wer einmal [in Deutschland] drin ist, muss sofort integriert werden, zu jedem Preis. Wenn wir stattdessen die Leute, die bei uns sind, misshandeln, mit Restriktionen, wie sie gerade beschlossen wurden [Integrationsgesetz], dann schaffen wir uns die Feinde im eigenen Haus. Restriktionen sind notwendig, wenn vorhandene Integrationsangebote verweigert werden. Aber die gibt es noch nicht ausreichend.

    https://www.cicero.de/innenpolitik/mhallamiye-kurden-ihre-verachtung-fuer-uns-ist-grenzenlos/60845

  2. Falstaff meint:

    …aus dem von KM verlinkten/zitierten Artikel, natürlich von KM NICHT zitiert…

    “Man befürchtete, Ausländer zu stigmatisieren, und hatte die Idee einer moralischen Verpflichtung gegenüber Einwanderern. Darum hat man alles akzeptiert und toleriert, es gab eine Multikulti-Stimmung, die auch auf die Justiz abgefärbt hat.”

    DAs ist das Problem, auch noch heute.

  3. Aus em bei Leo verlinkten Artikel. DAS haben Sie natürlich gern unter den Tisch fallen lassen,gell?

    „“Man befürchtete, Ausländer zu stigmatisieren, und hatte die Idee einer moralischen Verpflichtung gegenüber Einwanderern. Darum hat man alles akzeptiert und toleriert, es gab eine Multikulti-Stimmung, die auch auf die Justiz abgefärbt hat.”

    DAs ist das Problem, auch noch heute
    Falstaff

    Ghadban unterscheidet hier klar. Die Ursache liegt immer in der geförderten Abschottung auf der Seite der Deutschen Politik. Auch heute noch.

  4. Falstaff,

    da überziehst du und da überzieht Ghadban das Argument. Ich halte die multikulturelle Besonnenheit im institutionellen Bereich für eine hervorragende Sache und für einen großen Erfolg, auf den wir stolz sein können.

    Es stellt sich aber die Frage der Grenzen – etwa, wenn man es mit Salafisten zu tun hat, oder mit italienischen Mafiosi, oder mit den Mhallamiye-Clans. (Oder, immer mehr, mit den Erdotürken, mit DITIB etc.) Ich denke, das Problem haben wir unterschätzt.

    Aber dass wir uns multikulturell aufgelockert haben, ist eine gute Sache und sollte nicht verloren gehen.

    Ich habe danach gefragt, in welchen Aufsätzen, Kommentaren, Büchern, Stellungnahmen denn das formuliert worden wäre, was Ghadban die multikulturelle IDEOLOGIE nennt. Ich kenne da nichts. Ein paar extrem seltene schiefe Gerichtsurteile kenne ich, ich kann mir auch pervers multikulturelle Diskussionsbeiträge in hitziger Debatte vorstellen – aber wer zum Teufel unter denen, die für Multikulturalität stehen, plädiert für Frauendiskriminierung, zum Beispiel? Oder für freie Bahn dem fundamentalistischen Islam? Oder grundsätzlich dafür, dass wir unsere Wertordnung gegenüber jenen, die die Einwanderer natürlicherweise mitbringen, zurückstellen oder einschränken sollen?

    Ich bitte, hier konkret zu werden!

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