Aufstand der “Enttäuschten”

theorieMichael Sandel ist ein populärer amerikanischer Philosoph.

Mehr über ihn in einem Artikel der faz.

Sandel ist nicht zufrieden mit der üblichen Reaktion auf Donald Trump und stellt fest, dass die meisten den Mann und seinen Erfolg nicht verstanden haben. Sandel

entdeckt .. das, was den Milliardär Trump mit seinen mittellosen Fans verbindet: gedemütigt worden zu sein und Groll zu empfinden.

Mindestens vier schwere Versäumnisse habe sich das Mainstream-Amerika vorzuwerfen, erklärt der Philosoph. Man habe nicht erkannt,

  1. was die schreiende Ungleichheit der Einkommen bewirkt;
  2. wie der Hochmut der „meritocracy“ bei einfachen Leuten ankommt;
  3. wohin es Menschen treibt, denen die Würde ihrer Arbeit genommen wurde;
  4. und dass sich Patriotismus, in welcher Färbung auch immer, nicht wegerklären lässt.

Hinter diesem Befund steht nicht einfach die „Globalisierung“, sondern auch der schleichende Übergang von der Marktwirtschaft in die Marktgesellschaft, der manche demokratische Selbstverständlichkeit untergraben hat.

Wir müssen unser Blog-Thema vor diesem Hintergrund sehen.

  1. Die Xenophobie wächst mit zunehmender Ungleichheit der Einkommen.
  2. Sie wächst mit zunehmender Aristokratisierung per (angeblicher) Leistung.
  3. Sie wächst mit zunehmender Arbeitslosigkeit oder entwürdigender Arbeit (bei zu niedriger Bezahlung, bei demütigenden Arbeitsbedingungen).
  4. Sie wächst, weil WIR, die Linken, nicht merken, wie wichtig den meisten Menschen die stolze und wärmdende und sinngebende Zugehörigkeit zu Gemeinschaften ist.

Anders als in der Marktwirtschaft wird in der Marktgesellschaft nach Möglichkeit alles kommerzialisiert, wird alles zur Ware. Der Bürger ist primär Konsument – er versteht sich immer weniger als verantwortliches Mitglied seiner Gesellschaft.

Kommentare

  1. leider wahr und es funktioniert zu gut. Trump und Konsorten wissen genau, wie sie diese Bedürfnisse der Menschen für ihre Zwecke ausbeuten können. Die AfD, die FPÖ, Orban in Ungarn oder Kaczinsky in Polen machen es ebenso.

  2. Putschdämon meint:

    Hier sei euch ein luzides Interview ans Herz gelegt, mit einem durchaus klassisch linken Philosophen, über den neoliberalen Takeover der Linken, mit dem Ergebnis einer Elitarisierung, die wiederum zu einem Siegeszug des rechten Populismus führte. (Barocke Einleitung, ich weiß)

    https://t.co/CuijTU2oKf

  3. Falstaff meint:

    https://magazin.spiegel.de/SP/2018/16/156812721/index.html

    Vielen Deutschen wird ihr Land fremd, sie fürchten, das Zuwanderung die Republik verändert. Jeder Fünfte hier hat erinen MiHi, und die Zahl wird weiter steigen. Ein Bericht über eine Nation unter Spannung.

    Leider nicht online, 9 Seiten im SPIEGEL Ausgabe 16/2018

    Unangenehme Wahrheiten, auch unterfüttert mit Statistiken, passend zu…

    “Sie wächst, weil WIR, die Linken, nicht merken, wie wichtig den meisten Menschen die stolze und wärmdende und sinngebende Zugehörigkeit zu Gemeinschaften ist.”

    Schulen mit 90% Ausländeranteil, in denen kaum einer die dt. Sprache spricht…. klagende Lehrer & Verbände…hier leben türk. Familien, deren Töchter vermummt werden,sobald sie ihre Menstruation bekommen (oder schon früher als Kleinkind)… die Haltung, das Frauen Huren sind, nur weil sie einen Bikini tragen…Serap Güler CDU sagt, einem jungen Mädche ein Kopftuch überzustülpen, sei pure Perversion, das Sexualisiere das Kind… wer erlaubt, das Lehrerinnen Kopftuch tragen, nimmt in Kauf, das junge Mädchen zunehmend den Druck der Community spüren,sich verhüllen zu müssen….diese Menschen fragen sich, wie ihre Heimat wohl in 10,10 oder 30 Jahren aussehen wird…eine Politik, die darin besteht, nicht die gut ausgebildeten Fachkräfte anzuwerben, sondern die Migranten als Asylbewerber kommen lässt ( völlig anders als z.B. Kanada)…Fessler hat bei der letzten Wahl der AFD seine Stimme gegeben, er sagt, ich bin ein Protestwählrt, ein Angst- und Wutbürger….

    wie so viele…

    (Das waren kurze Auszüge aus dem Thema in SPIEGEL, den ganzen Text kann ich nicht hier reinschreiben, too much)

    P.S. Ist der SPIEGEL jetzt auch neo-liberal,hetzerisch und,und,und, Leo ?

  4. Falstaff meint:

    Besagter SPIEGEL-Artikel geht auch auf das Wahl-Pänomen “Trump” in den USA ein, und deutet es, ähnlich wie den “Protest” in Deutschland.

    Auf Seite 19 des SPIEGEL gibts ein Interview mit der Soziologin Cornelia Koppetsch, Professorin an der TU Darmstadt „Starres Weltbild“ zur SPIEGEL Titelstory (hier zitiert von Roland Tichy (spart mir das tippen):

    Die kosmopolitische Elite verhalte sich doppelbödig und wirke dadurch verlogen. „Sie propagiert Weltoffenheit und fordert eine durchlässige Gesellschaft, in der jeder dieselben Chancen hat, sie spricht von Gleichheit und Gleichberechtigung. Aber wenn jemand ihr Weltbild nicht teilt, wendet sie sich verständnislos ab und erhebt sich im Namen einer höheren Moral.“ Im Kern, so Koppetsch sei das Weltbild der vermeintlich weltoffenen Elite „eben häufig genauso starr wie das der Kleinbürger, auf die sie herabsieht: … Auch ihr Bedürfnis nach einer Geborgenheit stiftenden Heimat ist oft ähnlich ausgeprägt. Und da ist diese Elite im Vorteil, weil sie sich ihre Heimat selbst erschaffen kann.“
    Insofern fehlt mir die Glaubwürdigkeit derjenigen, die in den für die meisten Bürger unbezahlbaren Wohnungen der feinen Viertel von Hamburg und Berlin wohnen.

    Und mit alldem sendet man denjenigen, die um ihren Platz in der Gesellschaft fürchten, ein Signal: Her bei uns, bei den weltoffenen Weltbürgern, finden Leute wie ihr auch keinen Platz.
    Verloren.
    Pech gehabt.

  5. Falstaff,
    neoliberal orientiert ist der Spiegel leider sehr oft. Aber das ist hier ja nicht das Thema. Hetzerisch ist der Spiegel auch oft, in vielen Bereichen.

    Aber das Zitat, das du bringst, ist weder neoliberal noch hetzerisch, sondern liefert einen sinnvollen Diskussionsbeitrag.

    Man sollte allerdings auch nicht übertreiben. Es handelt sich um ein Randproblem. Wichtig genug, dass man sich drum kümmert. Grund auch, sich Sorgen zu machen. Aber doch nicht gerade eines der größten Probleme, die Deutschland hat.

    Man betrachte die Statistik, die ich im Artikel zuvor berichtet habe. Die 20% MiHi sind ja nur zum kleinen Teil in der Weise problematisch, wie sie im Spiegelzitat dargestellt werden. Die meisten Migranten kommen aus EU-Ländern … aus Europa.

    Warum haben Städte wie München dieses Problem nicht, obwohl sie doch besonders viele Migranten zählen? Weil hier die Migranten besser über die Stadt verteilt sind. Probleme gibt es speziell dort, wo Ghettosituationen entstanden sind, in Berlin, im Ruhrgebiet vor allem. DARIN liegt das Problem. Und DIESES Problem muss man angehen.

    Aus dem Übertreiben und Pauschalisieren folgt keine machbare politische Lösung.

    Apropos neoliberal: Typisch dafür ist es, die Ursachen sozialer Krisen zu ignorieren. Für die Neoliberalen gibt es keine Gesellschaft. Nur Individuen.

    Sandel nennt die Ursachen.
    Was hast du zu ihnen zu sagen, Falstaff?
    Bitte geh auch die vier Punkte einzeln ein! Die vier, die Sandel nennt – und die vier Transfers meinerseits.

  6. Falstaff meint:

    “Warum haben Städte wie München dieses Problem nicht, obwohl sie doch besonders viele Migranten zählen? ”

    Genau darauf geht der SPIEGEL (auch teilweise positiv) ein, und in Augsburg z.B. soll es ähnlich gut laufen.

    Du solltest Dir den SPIEGEL 16 kaufen( geht auch online), es lohnt.

  7. Putschdämon,
    Pfaller spricht mir aus der Seele.

    Ein Zitat, das in engem Zusammenhang mit meinem Artikel steht – es geht um den Begriff des “besorgten Bürgers”:

    Mir scheint eher, dass diese Phrase ein anderes Versäumnis bezeichnet: die Vernachlässigung der unteren Hälfte der Gesellschaft. Diese hat in den letzten 30 Jahren massive Einkommensverluste erleiden müssen. Dazu kommt noch der Verlust an Sozialprestige. Durch Political Correctness und ähnliche Kulturprogramme hat man die weniger Gebildeten zusätzlich deklassiert und auch das Leid und seine Anerkennung nach oben, zu den Eliten, umverteilt. Die Unteren dagegen sind nicht verletzlich oder empfindlich. Die haben wirkliche Sorgen; sie sind wütend und fürchten weiteren sozialen Abstieg. Darum wählen sie nun oft rechts: weil das am ehesten ihre Wut ausdrückt und weil sie hoffen, dadurch die ganz Unteren auf Abstand halten zu können.

  8. Werd ich, Falstaff.
    Nun aber interessiert mich deine Antwort auf meine Frage nach den Ursachen, wie sie Sandel formuliert und wie ich sie auf unser Thema hin interpretiere.

  9. Falstaff meint:

    Ich hatte mir gestern Abend noch die Mühe gemacht, einen (wichtigen) Teil aus dem SPIEGEL Interview von Frau Prof. Koppetsch hier einzutippen, der die Problematik ” Wutbürger : Eliten deutlich macht.
    Warum wurde der nicht freigeschaltet ? Mit der Ungleichheit der Einkommen hat das wenig zu tun.

    Zu 1.
    Der Begriff XENOPHOBIE ist sehr schwammig, sog. Fremdenangst bezieht sich meiner Ansicht nach auf ganz bestimmte Teile der Fremden,
    aus einem bestimmten Kulturkreis/kult. Hintergrund nämlich dem islamischen.

    Zu 2.
    Die “Aristokratisierung” , also das alte die da oben, wir hier unten, hat mit XENOPHOBIE, also Fremdenangst wenig zu tun.

    Zu 3.
    Siehe 2. , aber natürlich wirken sich diese Faktoren verstärkend auf das sog. Unwohlsein aus. Wichtiger ist allerdings das, was Frau Prof. Koppetsch in dem Interview sagt, nämlich in Bezug auf das Verhalten der kosmopolitischen Eliten: “Aber wenn jemand ihrem Weltbild nicht entspricht, wendet sie sich verständnislos ab, und erhebt sich im Namen einer höheren Moral. Das läßt sich in jeder Talkshow beobachten. Wenn dort von Protestwählern der AfD die Rede ist,klingt es oft, als handele es sich dabei um schwer erziehbare Kinder oder Psychopathen.”

    Zu 4.
    Völlig richtig, und hier geht es zusätzlich um die befürchtete Verdrängung aus/um die sozialstaatlichen Lebensräume und Geldtöpfe.
    Beispiel: Wenn es in einer Stadt für die autochtone, sozial/finanziell untere Schicht einen Pool von 200 geeigneten Wohnungen gibt, und es kommen da in kürzester Zeit eine hohe Zahl von Flüchtlingen/Migranten dazu, die auch für diese 200 Wohnungen in Frage kommen, dann müßten zumindest weitere 200 Wohnungen zusätzlich da sein. Sind es aber nicht, und (wenn überhaupt) dauert es mehrere Jahre, solchen zusätzlichen Wohnraum zu erstellen. Es findet also ein Wettbewerb/eine Verdrängung
    auf dem Wohnungsmarkt statt.

    Und wenn dann noch eine führende GRÜNEN Politikerin erklärt, (alle) diese Migranten/Flüchtlinge seien ein GESCHENK, dann macht das nicht nur die Leute in der Unterschicht wütend, sondern auch Teile der Mittelschicht. Und manchmal sogar Bildungsbürger.

    (Sandel )
    Sein schönstes Erlebnis bleibt, wie Studenten mitten im Reden dazu gebracht wurden, ihre eigenen Prämissen in Zweifel zu ziehen und neu nachzudenken. „Es kostet Mut, innezuhalten und das Argument der anderen Seite gelten zu lassen. Nicht gewinnen zu wollen, sondern die Wahrheit zu suchen. Das ist ein bewegender Augenblick.“

  10. @Falstaff,

    Freischaltung: Deine Beiträge müssten automatisch kommen, ohne dass ich sie freischalten muss. Jedenfalls dann, wenn du genau unter der Adresse postest, die freigeschaltet ist.

    Ich sehe, dass du bei deiner letzten post in der eMail-Adresse einen Punkt vor die 2 gesetzt hast. Damit ist das für das automatische System eine neue Adresse, die erst freigeschaltet werden muss.

    Es kommt auch vor, dass mal eine post vom Spamfilter erfasst wird; ich muss sie dann dort finden und zurückbringen.

    Also: sorry. (Es ist auch schon anderen passiert, und es wird wohl immer einmal wieder passieren.) Und danke für die sachlichen Einwände.

    1
    Xenophobie: Ich finde den Begriff präzise. Natürlich sucht sich die Xenophobie immer einen oder mehrere spezielle Angstauslöser. Gäbe es hier die Muslime nicht und die Schwarzafrikaner, würde sich die Xenophobie brutal auf die Osteuropäer und die Balkan-Europäer stürzen.

    Die Xenophoben können nicht erkennen, dass die Gefahr in ihrer Phantasie entsteht. Dass sie keine realistische Gefahrenabschätzung betreiben. Dass sie von Ressentiments getrieben werden. Den Xenophoben fehlt die Skepsis sich selbst gegenüber.

    (Was sehr menschlich ist. Ein Großteil aller Probleme, die wir in unserem Leben haben, auch der privaten Probleme, kommt daher, dass wir gegenüber uns selbst nicht nüchtern skeptisch werden können. Die meisten Menschen nehmen ihre Gefühle und ihre Überzeugungen ABSOLUT. Sie neigen nicht dazu, sie grundsätzlich zu relativieren. Sie hätten dabei Angst, sich selbst zu verlieren. Unsicherheit auszuhalten gehört leider nicht zur evolutionären Grundausstattung des Menschen. Eher umgekehrt das gewaltsame Herstellen von Sicherheit.)

    2
    Die da oben, wir da unten: Je größer die Kluft, desto verstörter, desto mehr verunsichert sind die da unten – und reagieren entsprechend nervös, aggressiv. Die Motivation wächst, Prügelknaben und Sündenböcke zu suchen, sich auf Verschwörungstheorien einzulassen, nach unten zu treten.

    Die “Aristokratisierung” verwandelt die da unten in einen Mob. In einen Pöbel. Die Gleichheit hingegen schafft Bürger. Schafft Selbstbewusstsein bei einer großen Mehrheit der Einwohner, und damit auch Rationalität im Umgang mit der Welt und den Menschen. (Darum bin ich Sozialist.)

    3
    Kosmopolitisch: Es bleibt uns nichts anderes übrig, als kosmopolitisch zu denken. Hast du einen Alternative? Die modernen technologischen und ökonomischen Verflechtungen erzwingen kosmopolitische Perspektiven, die Überwindung der nationalistischen Mentalität.

    Wenn sich nun Leute krampfhaft provinziell bzw. nationalistisch einigeln wollen, dann ist das in Bezug auf die Problemdimensionen, mit denen wir es real zu tun haben, pervers. Destruktiv. Selbstschädigend.

    Es ist auch verständlich. Menschlich. Aber das Kranke ist nun mal zugleich menschlich UND pervers, destruktiv.

    Gehört es nicht zu unseren Aufgaben, die Wahrheit zu sagen? Klartext zu sprechen? Ehrlich zu diagnostizieren?

    Ich sehe meine Aufgabe nicht darin, dem Volk in den Arsch zu kriechen.

    Ich sehe meine Aufgabe nicht darin, dem Volk zu schmeicheln und es in seiner Neigung zu bestärken, sich abzuschotten gegen die Herausforderungen der Realität.

    Was wäre gewonnen, wenn sich diejenigen, die die Notwendigkeit einer kosmopolitischen Orientierung erkennen, sagen würden: Halten wir’s Maul! Das Volk versteht uns nicht. Das Volk hat immer recht. Also passen wir uns opportunistisch an des Volkes Meinung und Beschränkung an! – Was wäre damit gewonnen? (Individuell kann man damit natürlich politische Karriere machen, sogar Diktator werden. Siehe Orban. Oder Kaczynski.)

    4
    Patriotismus: Die Menschen sind von Natur aus Gemeinschaftswesen. Sie sind niemals (anders als Hobbes und seine Nachfahren, Rousseau einerseits, die Liberalen andererseits, und das bis heute glauben) primär Individuen, die sich erst sekundär für oder gegen Gemeinschaft entscheiden. Man braucht eine Zugehörigkeitsgruppe (oder mehrere) – und in Bezug auf diese verhält man sich “patriotisch” – das heißt von vorne herein parteilich.

    Damit muss man in der Politik immer rechnen. Anders als die Neoliberalen: There is no such thing as society (Maggy Thatcher). Aber auch auf der linken Seite des politischen Spektrums wird dieser natürliche Patriotismus unterschätzt.

    Bei dem Problembeispiel mit den Wohnungen kommen wir auf Punkt 2 zurück. Unsere Gesellschaft ist in einem Maße unfair, ungerecht, unsozial, dass dieses Problem entsteht. Wird es damit gelöst, dass man die “Fremden” deportiert? Oder nicht hereinlässt?

    Dazu sehe man sich an, was los ist, wo es keine oder kaum Einwanderung gibt. Da werden die Leute ökonomisch abgehängt. Ja, die Wohnungen sind dann wunderbar billig – weil viele abwandern, dahin ziehen, wo es Arbeit gibt – und wo die Wohnungen infolge steten Zuzugs teuer werden.

    Das ist ein Zusammenhang, den kann man erklären – aber bei einem xenophob vergifteten Hirn ist da nichts zu machen.

    Fakt ist: Ohne starke und permanente Einwanderung leidet die (kapitalistische) Wirtschaft und verlieren die Einheimischen. Es ist also ganz richtig, wenn wir feststellen: Die Einwanderung ist ein Segen.

    Dass die Xenophoben dann in Wut ausbrechen und ihren bösen Blick auf den kleinen Teil der Einwanderer richten, die auch längerfristig ökonomisch nichts bringen oder die kriminell werden, damit muss man leben.

    Die einzige Möglichkeit, mit den Xenophoben zurandezukommen, wäre: mehr Sozialstaat. Mehr Stärkung der Mitte. Mehr Förderung der Unterschichten. – Das würde die Verhältnisse entspannen, die Neigung zum Ressentiment verringern.

    Ein Xenophober wird NIEMALS AUFGRUND VON ARGUMENTEN von seiner Xenophobie ablassen. Ressentiment gewinnt immer. Darum ist es auch so populär. Aus Verlierern werden mittels Ressentiment – eingebildete – Gewinner. Die Verlierer haben es nötig – sie haben auch ihren Stolz. Also: Gegen Ressentiment hilft nur, die Gesellschaft so zu organisieren, dass es keine (oder nur wenige und nur leichte) Verlierer gibt.

    Das verweist uns auf den sozialistischen Weg. (Der, wie man am Kommunismus sehen kann, auch seine Tücken haben kann.)

    Noch eine Frage:

    Warum ist das Ressentiment gegen Muslime genau dort am heftigsten, wo es so gut wie keine Muslime gibt? In Ungarn, in Polen, in Tschechien, in Ostdeutschland?

    Zweite Frage:

    Warum hat die deutsche Wirtschaft die starke und permanente Einwanderung zu ihrem Programm gemacht, das sie mit Hilfe ihrer Parteien (Union, FDP, SPD) auch durchsetzt?

  11. @Falstaff

    Wenn Sie sich das Tippen sparen wollen können Sie auch ein Foto des Textes mit dem Smartphone machen und das Bild mittels https://ocr.space/ in Text umwandeln.

  12. Nachtrag:

    Nach Meinung der Wirtschaft (!) wird sich
    - entweder der Beitrag zur Rentenversicherung auf 24% steigern (jetzt: 19%)
    - oder die Leute arbeiten bis bis deutlich über 70
    - oder wir schaffen eine Einwanderung von jungen Leuten in Höhe von ca. 500.000 pro Jahr.

    Was wählen wir?

    Vernünftig wäre es wohl, von allen drei Optionen etwas zu nehmen.

    Ich nehme an, der Wirtschaft wäre die dritte Option am liebsten: eine halbe Million Plus-Saldo pro Jahr bei jungen (!), sowohl lern- wie arbeitsfähigen Einwanderern. Damit kann man – nebenbei – auch die Löhne und Gehälter niedrig halten.

  13. Korbinian meint:

    Ja, das Problem wird sein dass bei diesen Anforderungen die Hälfte der Deutschen AfD wählen wird. Weil: Die lern- und arbeitsfähigen Einwanderer werden niemals die Zahl von 500.000 pro Jahr erreichen.

  14. Korbinian meint:

    Vielleicht werden es 50.000 sein, die restlichen 450.000 werden Ungelernte sein die sich hier nicht zurechtfinden werden.

  15. Da die meisten Eingewanderten aus der EU selbst kommen wird der Anteil der Ungelernten gering sein.

  16. Korbinian,
    wie KM, so meine auch ich, dass du das sehr falsch einschätzt.
    Schon jetzt sind viel mehr von den Einwanderern entweder bereits recht gut qualifiziert oder aber qualifizierungsfähig. Ich schätze mal 80% oder mehr sind das.
    Es geht da nicht um Flüchtlinge, sondern um reguläre EU-Einwanderung.

    Würden wir eine halbe Million mit Qualifikation brauchen, könnten wir das leicht schaffen.

    Aber richtig ist natürlich, dass die Akzeptanz auch ein Faktor ist.

    Ich frage mich, wie du – die gesamte Einwanderung betrachtend – auf nur 10% qualifizierte oder qualifizierungsfähige Einwanderer kommst. Sogar bei den Flüchtlingen aus Afghanistan, Irak und Syrien liegt der Anteil schon deutlich höher.

  17. Falstaff meint:

    So, zur 1. Frage vom 18.4. .

    Natürlich bekommen die Bürger auch in diesen Ländern ( genau so wie in den Ost-Bundesländern) über sämtliche Medien (auch global) mit, welche Probleme es mit Zuwanderern/Zugewanderten ( auch über Generationen noch, oder sogar zunehmend) aus bestimmten Herkunftsregionen/Kulturkreisen (nämlich
    vor allem den islamischen) gibt.

    Warum sollte z.B. ein Bürger in Meck-Pom sich nicht dazu äußern/dafür demonstrieren, das er mit der Zuwanderungspolitik der Bundesregierung nicht einverstanden ist ?

    Und sas gilt auch für die Bürger in Ungarn, in Polen, in Tschechien,
    die “vorbeugend” dafür demonstrieren, das sie Migration/Migranten mit diesem Hintergrund ( und diesen Problemen) nicht in ihren Lndern haben wollen ?

    Zur 2. :

    Die dt. Wirtschaft hat dies NIE zu ihrem Programm gemacht, sie hat natürlich Interesse an billigen Arbeitskräften, und neuen Konsumenten, aber sie braucht natürlich vordringlich gut vor- und ausgebildete Arbeitskräfte. Das die anfallenden erheblichen Sozialkosten, und auch
    Integrationsprobleme entstehen, ist der Wirtschaft völlig schnurz,
    sie muß diese Kosten ja nicht bezahlen, und das mittlere und obere Management wohnt ja auch nicht in Regionen/Stadtvierteln, wo diese
    Probleme eben auf verstärkt auf den Otto-Normal-Bürger auftreffen.

    Was interessiert es eine a. MIELE, wenn in Saudie-Arabien die Frauen unterdrückt, und in ihrem “freien Leben” in der Öffentlichkeit eingeschränkt werden. Die sind halt häufiger in Ihrer Wohnung,
    und konsumieren und ergötzen sich eben dann gern an neuen, teuren Küchengeräten.

    Das aber genau Du,Leo, das von Dir ansonsten so vehement beschimpfte BIG MONEY/die Wirtschaft/Industrie als Argument für eine gewollte, massenhafte Zuwanderung benutzt, ist schon merkwürdig.

    Übrigens..
    … bis 2030 wird jeder 5. normale (Industrie-) Arbeitsplatz in Deutschland wegfallen. Und bis 2050 (mindestens) 50%. Dieses (und auch jedes andere) Industrieland braucht in Zukunft WENIGER, aber dafür gut ausgebildete,
    (hoch-) qualifizierte Arbeitskräfte. Die noch verbleibenden Arbeitsplätze für nicht qualifizierte Menschen können wir problemlos aus dem vorhandenen Potential decken.

    Dieses Deutschland ( mit zur Zeit ca. 82 Millionen Einwohnern) kann man effektiv und hervorragend auch mit 70 Millionen , und möglichst gut gebildeten/ausgebildeten Bürgern erfolgreich fahren.

    Das Steuer-/Rentensystem ? Funktioniert schon in naher Zukunft in der jetzigen Form nicht mehr, und man muß das Steuersystem zur Generierung von genügend Mitteln ( auch für das Sozialsystem) verändern, und mit einer noch zu definierenden “Wertschöpfungs/Maschinen-steuer”
    finanzieren.

    Es gibt dazu mehrere studien der einschlägigen Institute,
    hier nur einer Artikel aus der WELT dazu:

    Das große Jobsterben – und wie es sich aufhalten lässt

    https://www.welt.de/wirtschaft/article170973190/Das-grosse-Jobsterben-und-wie-es-sich-aufhalten-laesst.html

  18. Was kriegen sie da mit?
    Nichts als üble Propaganda.
    Genau dort, wo es auch die vielen Migranten gibt, geht es der Wirtschaft relativ gut und ist die Sicherheit relativ hoch.
    Wer’s nicht glaubt, der soll mal München oder Stuttgart oder sonst eine süddeutsche Stadt besuchen.
    (Ich bin grade in Heidelberg … Wunderbar multikulturell.)

    Wie kommt es, dass genau dort, wo die wenigsten Einwanderer sind, die größte Abneigung gegen sie besteht?
    Es ist die mangelnde Erfahrung. Und die Neigung zur Xenophobie. Und die Propagandahetze.

    Wollen sich die Mecklenburger oder die Ungarn “vorbeugend” verarmen? Das tun sie genau dort, wo es so gut wie keine Ausländer gibt, tatsächlich. Und schau dir diese Gegenden an! Schau dir an, wie missmutig die Leute dort sind. Wie sie sich abgehängt fühlen.

    Außerdem: Sicherer leben sie dort ja auch nicht, trotz fehlender Einwanderer. Im Gegenteil.

    Natürlich muss die Wirtschaft einen Anteil an den Integrationskosten bezahlen. Sie finanziert den Staat mit, oder?
    Summa summarum kommt aber eben ein Plus heraus, sowohl auf den Konten der Wirtschaft als auch im Staatsbudget und für die Steuerzahler. Integration funktioniert ziemlich gut – bei uns. Nicht unbedingt in jedem Winkel Deutschlands, und natürlich gibt es auch Einwanderer, die negativ zu Buche schlagen. Es geht um die Bilanz, und die sieht gut aus. Offensichtlich. Man braucht nur zu vergleichen.

    Was dein Vorschlag zum Schrumpfen Deutschlands nach sich ziehen würde – nun, das wäre ein dramatisches Experiment. Überall, wo die Bevölkerung schrumpft, sieht es übel aus. Wo in Deutschland die Bevölkerung zunimmt, sieht es hingegen gut aus.

    Aber bitte, ich empfehle der AfD, dieses Schrumpfungsprogramm offiziell in ihr Programm und in ihre Bundestagsagenda aufzunehmen!

    Warum macht sie das nicht?

    Ja, Falstaff, WARUM MACHT SIE DAS NICHT?

    Als Grüner bin ich eigentlich nicht gegen das Schrumpfen. Ich bin notorisch wachstumskritisch. Nur, ich weiß, dass man damit hier und heute keine Politik machen kann, weil es ein Ja zum Weniger, ein Ja zu materieller Verarmung bedeuten würde.

    Warum bin ich für Multikulturalität, Globalisierung, Internationalisierung, Kosmopolitisierung?
    Ich habe es oft genug hier dargestellt.

    Ich ziehe nur einfach die Konsequenzen aus der REALEN – nämlich technologisch und ökonomisch hergestellten EINEN Welt. Wir können nun mal die modernen Technologien nicht wieder zurückdrehen. Wir müssen mit ihren Folgen leben – und die sind durchdringend global. Jeder Mensch auf dieser Erde ist heute mein Nachbar. Es ist einfach so – und es ist auch für diejenigen so, die sich weigern, es wahrzunehmen, es zu erkennen, es zu akzeptieren. Die Vernetzung ist global.

    Wir haben also globale Wirtschaft, globale Kommunikation, globale politische Kooperationen und Spannungen und Krisen, globale Unterhaltugnskultur, globalen Tourismus … und eben auch einen sich globalisierenden Arbeitsmarkt.

    DARUM scheinen sich Leute wie du nicht zu kümmern. Sie gleichen dem mythologischen Vogel Strauß. Es existiert nicht, wenn ich es nicht sehe.

    Ich sehe es aber.

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