Filterblasen und Echokammern (3) … und die Demokratie

theorieDie Indizien häufen sich, dass sich das Zeitalter der Demokratie dem Ende zuneigen könnte.

Hypothesen:

  1. Eben diese zunehmende Zersplitterung der Gesellschaft in Sekten, Stämme, fanatische bzw. blinde Parteiungen.
  2. Die wachsende Neigung der Bürger, sich nur noch als Konsumenten zu verstehen, nur noch als anspruchsvolle und bedrohte Egos.
  3. Die Überforderung der Bürger in der Politik. Die Verhältnisse werden zu komplex.
  4. Die Reichen werden so reich, dass sie sich die Politik kaufen können.
  5. Mitte und Unterschicht werden abgehängt, verwahrlosen kulturell und politisch, degradieren sich zum Mob.
  6. Fortschritt wird immer mehr zur Bedrohung. Wachstum macht kaum noch Hoffnung. Damit vergeht der Optimismus, der die demokratischen Eliten und Institutionen getragen hat.
  7. Demokratie allein auf der nationalen Ebene funktioniert nicht mehr, wenn sich die realen Verhältnisse globalisieren. Demokratie bräuchte eine kosmopolitische Denkweise, globale Institutionen …
  8. Demokratische Politik kommt mit den Neuen Medien und ihren wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Folgewirkungen nicht zurecht. Unten desintegrieren sie, von oben machen sie den totalitären Zugriff möglich.

Einige aktuelle Symptome:

  1. China, die Macht der Zukunft, wird zum totalitär funktionierenden Vorbild.
  2. Russland, Ungarn, Polen, Türkei gehen bereits den autoritären Weg.
  3. In Deutschland AfD und – zögernd – die CSU: Wie die CSU-Größen Ungarns Orban hofieren …
  4. Die USA wählen einen grotesken Egomanen und lassen sich von ihm “regieren”. Eine Möchtegerndiktator. Er schwächt die demokratischen Institutionen, so gut er kann.
  5. “Big Money” bestimmt die Regierungspolitik mit, ohne öffentlich als “fünfte Gewalt” erkennbar zu werden.

Die panische und wütende Reaktion auf Migrationen gehört zu den wichtigsten Mitteln, mit denen die Verächter der Demokratie arbeiten können.

Die Einwanderung zu stoppen oder sogar umzudrehen dürfte im Moment für viele Bürger so wichtig sein, dass sie sogar auf Demokratie zu verzichten bereit wären.

Filterblasen und Echokammern (1)

Filterblasen und Echokammern (2)

Über das Phänomen der Stammesbindung, der Stammeswahrheit sollte ich noch einen Artikel schreiben.

Die Auflösung der Gesellschaft und die rabiate Individualisierung führen nicht dazu, dass der Mensch etwa kein soziales Wesen mehr wäre. Die soziale Bindung erfolgt nun zunehmend in Form von “Stämmen”. Das können Sekten sein, Vereine und Klubs, Parteien, thematische Fanatikergruppen, ideologische Fanatikerbanden … Man ist fanatisch gläubig und richtet sich aggressiv gegen die bedrohliche Gegenwelt. “Stamm” und “Echokammer” gehören zusammen.

Kommentare

  1. Heimatliebhaber meint:

    Die Einwanderung zu stoppen oder sogar umzudrehen dürfte im Moment für viele Bürger so wichtig sein, dass sie sogar auf Demokratie zu verzichten bereit wären.

    Schade, dass Du einfach nicht fähig oder bereit bist, die wahren Gründe für diese Entwicklung zu verstehen.

    Man kann Politik nie über einen längeren Zeitraum gegen Mehrheiten machen. Das rächt sich irgendwann.

    Es war Merkel, die die AfD (relativ) groß gemacht hat.
    Zunächst mit der Euro-Politik, später mit den Flüchtlingen.

    Davon abgesehen:

    1. Nicht jeder findet Multikulti erstrebenswert (man muss deshalb kein Ausländerfeind sein)!

    2. Nicht jedem gefällt es, wenn er mancherorts auf der Straße mehr Ausländer als Einheimische sieht (äußerlich erkennbar bzw. durch die Sprache)! Ja, ich weiß schon, Du findest das “spannend” – viele Deiner Mitmenschen aber nunmal nicht.

    Die Leute wählen u.a. deshalb AfD, weil ihnen das Ausmaß(!) der Migration (ob normale Einwanderung oder als Flüchtlinge) zuviel geworden ist.

    Ich komme viel in Kontakt mit Menschen und habe das in Gesprächen sehr oft gehört. Die Mehrheit ist absolut nicht ausländerfeindlich, sondern hat das Gefühl, dass ihre Heimat mehr und mehr überfremdet wird. In meiner Stadt (Großstadt in NRW) ist das auch so. Man erlebt in vielen Stadtteilen kaum noch Deutsche auf den Straßen. Wenn man beginnt, sich als Einheimischer fremd zu fühlen, weil man kaum noch seine Muttersprache hört, ist das für viele Menschen sehr unschön. Das sollte man nicht einfach mit dem Hinweis auf vermeintliche Xenophobie beiseite wischen (auch wenn ich schon ahne, dass Du das gleich tun wirst).

    Eines kann ich ziemlich sicher sagen: Die AfD hätte mit besserem Personal und ohne den massiven Gegenwind der meisten Medien noch deutlich stärker abgeschnitten. Und sie wird trotz diverser “Skandale” um Leute wie Höcke vermutlich weiter zulegen, wenn die großen Parteien nicht endlich (wieder) auf die Bürger hören.

    Ich denke nicht, dass die Demokratie ingesamt gefährdet ist. Aber sie wird gerade einem massiven Stresstest ausgesetzt.

  2. @ Redford, drofder, buntistmist etc.:

    Schade, dass Du einfach nicht fähig oder bereit bist, die wahren Gründe für diese Entwicklung zu verstehen.

    Was sind denn nun die “wahren Gründe”?

    Weil “zu viele” Ausländer da sind. Wegen Multikulti.

    Nur, in den meisten Städten Deutschlands – Ausnahmen gibt’s auch – hängen der wirtschaftliche Erfolg und der hohe Anteil der Einwanderer (1. und 2. Generation) zusammen. Genauso, wie fast überall dort, wo der Anteil sehr niedrig ist und oft gegen null geht, auch wirtschaftliche Flaute herrscht – man ist abgehängt.

    Du wirst es zur Kenntnis nehmen müssen: In München, Augsburg, Nürnberg, Regensburg, Würzburg, Passau etc. gewinnen wir durch die Einwanderung. Genauso in Stuttgart, Heidelberg, Freiburg, Karlsruhe etc.. Genauso in Frankfurt, Wiesbaden, Kassel, etc..

    Was die “Überfremdung” angeht: Mir scheint, dass die Veränderung unserer Lebenswelt durch technologische Revolutionen sehr viel radikaler stattfindet als durch die Migranten. Die repräsentieren oft noch etwas von der von uns manchmal vermissten guten alten Welt.

    Wie immer: Kein Hinweis von dir darauf, dass es DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT ist, die die Einwanderungspolitik zu verantworten hat. Sie WILL Einwanderung und BRAUCHT Einwanderung, und zwar in großem Umfang. Schau dir die Wirtschaftsteile der Medien an! Nicht zuletzt die im zweiten Halbjahr 2015, als die vielen Flüchtlinge über die Balkanroute gekommen sind.

    Praktisch braucht Deutschland per Saldo etwa eine halbe Million Einwanderer plus pro Jahr, um seinen Stand zu halten.

    FPÖ-ClubObmann Gudenus ist der Meinung, dass es das jüdische Kapital ist, das dahintersteckt … Soros! Eine jüdische Verschwörung ist hier imgange!

    Die Kriminalität in Ostdeutschland ist übrigens höher als die Kriminalität in Bayern oder Baden-Württemberg, wie wir grade mal wieder erfahren.

    Was also sind die “wahren Gründe”? – Du verweist auf die Gefühle der Menschen. Die kann ich verstehen. Aber diese Gefühle müsstest du erklären! Wie kommt es dazu, dass die Menschen diese Gefühle haben? Gefühle verstehen sich ja nicht von selbst – Gefühle haben ihre Gründe, und die liegen oft nicht an der platten Oberfläche.

    Könnte es sein, dass diese Verunsicherungsgefühle sich zwar bei vielen an den “Fremden” festmachen, aber eigentlich tiefer liegen, und dass auch ohne die vielen “Fremden” hierzulande die Welt fremd und unsicher wäre? Deutschland jedenfalls wäre ohne seinen hohen Anteil an Einwanderern ärmer – und unsicherer.

    Wenn ich an meine Kindheit denke – und an meine heimatliche Umgebung in Oberschleißheim, einem Vorort von München: Fast NICHTS mehr ist geblieben, wie es war. Ich spaziere dort durch eine Welt, in der fast alles anders ist, als es in meiner Kindheit war, und freue mich, wenn ich mal einem alten Baum begegne, der die letzten 60 Jahre überlebt hat. Heimat? Was hat meine heimatliche Umwelt zerstört? Gewiss nicht die Einwanderer.

    Zum Trost: Wir sind heute viel reicher, leben viel sicherer und freier, die Frauen sind gleichberechtigt, das Essen ist vielfältig geworden (multikulturell!), die Musikauswahl ist phantastisch, die ärztliche Versorgung ist dreimal so gut, … jede Menge Gewinn im Vergleich zur “guten alten Zeit”.

    Die AfD verehrt Orban & Co – also einen autoritären Politiker, einen Antidemokraten. Braucht Deutschland so eine Politik gegen das Grundgesetz?

    Multikulturalität ist ein Faktum in Deutschland (fast überall in Deutschland). Ein Faktum. Würdest du das bestreiten? Nein. Aber du willst es ändern, nicht wahr? Es soll kein Faktum mehr sein. Wie möchtest du das machen?

    Ich bin ja nun nicht optimistisch. Ich bin mir sicher, dass es die Gegner der Demokratie mit der Zeit schaffen werden, die Welt der Aufklärung, der Demokratie, der Liberalität zu zerstören. Erdogan, Putin, Orban, Kaczynski, Le Pen, Trump etc. gehört die Zukunft.

    Du und die AfD, ihr seid da nur ein Faktor unter vielen.

    Ihr arbeitet daran, dass unsere Welt zur Hölle geht.

  3. Heimatliebhaber meint:

    Findest Du es nicht selber schräg, dass Du eine klare, unmissverständliche Aussage wie

    Ich fühle mich fremd in meiner eigenen Heimat, da um mich herum kaum noch Deutsch gesprochen wird

    unbedingt umdeuten willst?

    Dieser Satz spricht doch für sich. Manchmal gibt es keine Metaebene o.Ä., sondern es ist tatsächlich so simpel!

    Wenn man in Deutschland mancherorts (es ist natürlich nicht überall zutreffend) als Deutscher in die Minderheit gerät oder der Anteil an “Fremden” im Stadtbild so hoch wird, dass der deutsche Charakter völlig verloren geht, sollte die obige (beispielhafte) Aussage doch nachvollziehbar sein.

    Es geht hierbei tatsächlich ums Alltägliche – um das Gefühl als Bürger in seiner/ihrer Stadt. Themen wie Wohnungsnot, Kriminalität oder ethnische Konflikte spreche ich an dieser Stelle gar nicht an. Darüber wurden schon häufig genug diskutiert.

    Ich habe versucht, einen der wahrscheinlichen Hauptgründe für den Erfolg der AfD aufzuzeigen. Und was passieren wird, wenn die Politik das Empfinden einer großen Anzahl an Bürgern weiterhin ignoriert.

    So, mehr wollte ich nicht sagen.

    Ich empfehle mich.

  4. Ich fühle mich fremd in meiner eigenen Heimat, da um mich herum kaum noch Deutsch gesprochen wird

    Was deute ich da um?

    Zu MEINER Heimat gehört die Multikulturalität. Soll ich jetzt MEINE Heimat aufgeben?

    Du kannst übrigens nach Ostdeutschland ziehen. In Anklam, zum Beispiel, wird garantiert nur Deutsch gesprochen. Aber auch in Dresden sähe es gut aus für dich. Da sitzen noch deutsche Frauen an den Kassen der Supermärkte. Wahrscheinlich putzen dort auch noch ethnodeutsche Frauen.

    Die Welt verändert sich. In Westdeutschland, von Flensburg bis Garmisch, ist das eher die Ausnahme.

    Im übrigen glaube ich nicht, dass im Ruhrgebiet nicht üblicherweise Deutsch gesprochen wird. Ich war dort letztes Jahr eine Woche lang. Alles spricht Deutsch dort. Der Friseurladen in Dortmund, in dem ich mir die Haare hab schneiden lassen, hatte zwar eine “orientalische” Mann- und Frauschaft, man hat da aber auch Deutsch mit mir gesprochen …

    Also, selbst Essen und Dortmund und Duisburg sind noch fast ganz Deutsch, was die Sprache angeht. Ich wundere mich also über deine Aussage, dass um dich herum kaum noch Deutsch gesprochen wird. Gibt es solche Stellen in Deutschland? Vermutlich ja, in etwa einem oder zwei Dutzend Straßen insgesamt. Das sehe ich auch als problematisch an – aber es ist wirklich ein marginales Problem.

    Ich glaube, dass du uns anschwindelst mit deiner Aussage:

    Ich fühle mich fremd in meiner eigenen Heimat, da um mich herum kaum noch Deutsch gesprochen wird

    (Zumal du doch behauptet hast – unter einem anderen Namen, allerdings – dass du gut verdienst. Außerdem möchtest du doch auf die Kanaren auswandern. Da wird man dann auch nicht so besonders viel Deutsch hören können, nehme ich an.)

  5. Heimatliebhaber meint:

    Na gut, ich gebe noch eine Zugabe:

    Es geht nicht darum, ob mit mir als Kunde Deutsch gesprochen wird (das klappt normalerweise, wenn auch gebrochen).

    In manchen Städten prägen Ausländer das ganze Stadtbild. Mit dieser Wahrnehmung bin ich nicht alleine. Ich kenne berufsbedingt viele Menschen und mit manchen spricht man auch mal ein paar private Worte, wenn es sich ergibt. Quasi über Gott und die Welt. Da wurde mir von Rentnern geklagt, dass sie in ihrem Stadtviertel fremd vorkommen. Du musst das nicht glauben. Es ist aber die Wahrheit!

    Fahr mal nach Hagen. Oder nach Wuppertal. Ich wohne in dieser Region. Es ist der blanke Horror.

    Der Vorhang fällt. Tschüss.

  6. Rentner wählen ja nun besonders wenig die AfD (in NRW haben die Wähler 70+ gerade einmal zu 3% die AfD gewählt). Insgesamt hat die AfD in NRW auch nicht besonders gut abgeschnitten, verglichen mit den Ergebnissen in anderen Wahlen. In Wuppertal lag sie nur auf Landesniveau bei 7,38%, in Hagen noch deutlich darunter bei nur 6,14%.

  7. Heimatliebhaber Redford,

    Es gibt in Deutschland keine STADT, in der die Ausländer das ganze Stadtbild prägen. Auch in Hagen und Wuppertal tun sie das nicht. Was es gibt: Es gibt in einigen wenigen Gegenden Deutschlands einige wenige Stadtviertel, in denen Ausländer das Stadtbild mitprägen. Allerdings sind auch in dies Menschen aus sehr vielen verschiedenen Ländern und Kulturen, eine Einheitlichkeit entsteht darum nur sehr selten, vielleicht überhaupt nirgends.

    Ich habe mir mal so einen Stadtteil angesehen – Duisburg Marxloh. Da würde ich dir recht geben. Das heißt aber nun nicht, dass Ausländer Duisburg als Stadt prägen. In den anderen Stadtvierteln sieht es anders aus.

    Also, was erzählst du uns da?!

    Wie hoch ist der Ausländeranteil in Hagen und in Wuppertal? – Vermutlich sind es 20% oder knapp darunter. Wahrscheinlich also deutlich weniger als in München, in Stuttgart, in Augsburg, in Nürnberg etc. Warum gibt es da keine Stadtteile, die “von Ausländern geprägt” werden?

    In München gibt es die Goethestraße (im vorderen, bahnhofsnahen Teil) und dito parallel die Schillerstraße und die Landwehrstraße als Verbindung. Eine recht angenehme Mikrowelt überwiegend mit Ausländern. Soll das nun ein Problem sein für München?

    Wir haben schon mal über die Situation im Ruhrgebiet diskutiert, nicht wahr? Wie war das doch mit dem Ende der Kohle-Stahl-Industrie? Mit den Folgen? Die Mittelschicht zieht weg, die Unterschicht bleibt – mangels besserer Optionen anderswo.

    Sind an der Ruhrkrise die Ausländer schuld? Das wirst auch du nicht behaupten. Also, warum beschimpfst du die Ausländer für die Krisenerscheinungen im Ruhrgebiet? Wäre es nicht sinnvoller, für einen deutschen Ruhr-Soli einzutreten, um die Krise besser zu meistern? Ostdeutschland hat inzwischen eine fast perfekte Infrastruktur. Die könnte man nun im Ruhrgebiet auch herstellen.

    Im übrigen: Was du zu wollen scheinst, ist eine ethnische Säuberung von Hagen und von Wuppertal. Oder hast du einen anderen Plan?

    Aber ich weiß schon, das zu fordern kommt dir noch zu früh. Nur, es ist die logische Konsequenz aus deinem Gejammere. Womit dieses Gejammere seinen strategischen Sinn erhält.

    Warum gehst du nie darauf ein, dass in den allermeisten Teilen von Deutschland die Ruhrgebietsprobleme nicht existieren?

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