Die Kriminalität STEIGT (- gefühlt)

kriminalitaetKriminalitätsstatistik 2017:

Die Kriminalität ist im letzten Jahr deutlich gesunken. Minus 23% beim Einbruch, minus 11,8% bei Diebstahl, minus 2,4% bei Gewaltverbrechen …

Für sehr viele Deutsche sind Nachrichten über die Kriminalität allerdings nur wahr, wenn sie negativ sind. Die Kriminalität MUSS steigen. Es kann nicht anders sein.

So werden sie dieses Jahr teils weghören, teils die wenigen Aspekte herauspicken, in denen – dieses Jahr – eine Steigerung gemeldet wird.

Auch wenn die Statistik noch so dagegenspricht, und egal, was die Polizei und was die Fachleute sagen: Die Kriminalität steigt und steigt.

Es ist die “gefühlte Wahrheit”, die zählt.

Einmal angenommen, erstens: Unsere Kriminalitätsparanoiker würden ihren heimlichen Wunsch erfüllt bekommen: einen autoritären charismatischen Führer, dazu eine stetige Verminderung der Migrantenzahlen.

Angenommen zweitens: Die Kriminalität würde unter diesem Regime deutlich steigen.

Was wäre dann? – Der Führer würde dem Volk verkünden, dass das Land sicherer geworden sei; seine Medien würden diese frohe Botschaft verbreiten; das Volk würde “fühlen”, dass es tatsächlich sicherer geworden ist. Weil ja jetzt ein starker Führer für Ordnung sorgt und die Zahl der Migranten sinkt.

Menschen haben schon immer die Neigung gehabt, unter Stress verrückt zu werden.

Wer, übrigens, fühlt ganz besonders, dass die Kriminalität ständig steigt, und vor allem “wegen der vielen Ausländer”? – Die Menschen in Gegenden und Ländern, in denen es kaum oder sogar keine Ausländer gibt. Die Ostdeutschen, die Tschechen, die Polen, die Ungarn …

Dabei kann man zum Beispiel für Wien zeigen, dass Ausländer eher noch weniger kriminell werden als Nicht-Ausländer.

(Siehe die zwei Anmerkungen unten!)

Anmerkung

Interessant zu studieren ist die Deutschlandkarte der Kriminalität, die Spiegel Online für uns bereithält.

Man betrachte Süddeutschland – und dann zum Vergleich Ostdeutschland. Während in Süddeutschland die Kriminalität unterdurchschnittlich, der Ausländeranteil aber überdurchschnittlich ist, ist das in Ostdeutschland umgekehrt …

Ostdeutschland: Weniger Ausländer, mehr Kriminalität.

Süddeutschland: Mehr Ausländer, weniger Kriminalität.

Was sagen die Xenophoben dazu?

Ich sage dazu: Kriminalität ist hauptsächlich eine SOZIALE Frage. Süddeutschland floriert – auch dank seines hohen Migrantenanteils – wirtschaftlich, Ostdeutschland eben nicht so sehr.

Nebenbei: In fast allen ostdeutschen kreisfreien Städten gibt es mehr Kriminalität pro Einwohner als in München – obwohl hier über 40% Migranten der ersten und zweiten Generation leben und über 25% Ausländer sind.

Dasselbe gilt für fast alle ländlichen Bezirke im Vergleich Bayern – Ostdeutschland. Während in den ländlichen und kleinstädtischen Bereichen Ostdeutschlands fast keine Ausländer leben, sind es in Bayern meistens über 10%.

Zweite Anmerkung:

derstandard (Österreich) hat einen interessanten Artikel zum Thema: Wie kriminell Ausländer wirklich sind.

Die Zahlen für Wien werden interpretiert. Zum Beispiel: Mehr als ein Drittel der tatverdächtigen Ausländer in Wien sind keine Einwohner Österreichs, sondern als Touristen eingereist.

Dazu kommt der deutlich höhere Anteil an jüngeren und an männlichen Personen unter den in Österreich tatsächlich wohnenden Ausländern.

Bezieht man das ein, kommt man etwa zu einem kriminalstatistischen Gleichstand Ausländer – Nicht-Ausländer.

Dabei wird in dem Artikel der soziale Gesichtspunkt nicht eingerechnet: Unterschicht wird deutlich mehr kriminell (statistisch gesehen) als Mittel- und Oberschicht.

Berücksichtigt man das auch noch, kommt man zur Annahme, dass Ausländer in Wien im Durchschnitt – und im angemessenen Vergleich! – weniger kriminell sind als Nicht-Ausländer.

Kommentare

  1. Man sollte weg von diesen Kategorien Ausländer und Nicht-Ausländer. Was soll das aussagen? Interessantere Kategorien sind soziale Schicht, Geschlecht und Alter. Wären diese Ausländerkriminalität keine Hetzer, würden sie sich dafür interessieren, dass die mit Abstand meisten Gewaltverbrechen von jungen Männern begangen werden. Man könnte daraus folgern, dass diese Gruppe ein erhebliches Problem hat, man könnte versuchen, Strategien dagegen zu etablieren. Weg von dem Männlichkeitspathos, zum Beispiel. Interessiert aber nicht.

  2. Ja, es ist ein Problem junger Männer, und es ist ein soziales Problem.

    Aber es ist AUCH ein Ausländerproblem:
    a) “Ausländer” ist erstens eine rechtlich bedeutsame und wirksame Kategorie.
    b) “Ausländer” ist eine von fast allen Bürgern für wesentlich erachtete soziale Kategorie. Auch wenn wir das mit guten Gründen relativieren – wir sind nicht Diktator, solche Begriffspolitik macht das Volk, da kannst du dich nicht einfach entziehen.
    c) Auch “Ausländer” merken, dass sie “Ausländer” sind: die kulturelle Differenz und die sprachlichen Defizite fallen ihnen noch mehr auf als den “Nicht-Ausländern”.

    Wir kommen also nicht um den Begriff herum. Ich versuche es darum auch gar nicht. Es ist mir aber recht, wenn du den Begriff relativierst. Er wird in der Tat zu leicht überbewertet, absolut gesetzt, fetischisiert. DAGEGEN muss man angehen.

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