Soros und der rechtspopulistische Antisemitismus (2)

rechts(Fortsetzung des Artikels von gestern)

Johann Gudenus ist FPÖ-Clubmann im Wiener Parlament, also Fraktionsvorsitzender.

Es gebe “stichhaltige Gerüchte”, wonach Soros daran beteiligt sei, “Migrantenströme nach Europa zu unterstützen”, sagte Gudenus zur “Presse”.

Soros ist seit Jahren das Ziel antisemitischer Verschwörungstheorien.

So habe Soros etwa einige NGOs finanziert, die “für die Massenmigration nach Europa mitverantwortlich” sind.

Gefragt nach Beweisen für seine Behauptung sagte Gudenus: “Ich habe von stichhaltigen, sich verdichtenden Gerüchten gesprochen.”

Er glaube nicht, dass “die Massenimmigration nach Europa zufällig in dem Ausmaß passiert” sei.

Soros spiele “fragwürdige Rolle” Soros sei da einer der möglichen Akteure.

“Es gibt auch diverse Papiere in der EU, die zeigen, dass das stattfinden soll”, so Gudenus.

Der US-Milliardär spiele aus seiner Sicht jedenfalls “eine fragwürdige Rolle”.

Er habe “mit viel Kapitalmacht versucht, alle möglichen Umwälzungstendenzen in Osteuropa zu finanzieren”.

derStandard.at

Für die ÖVP hat sich u. a. auch Bundeskanzler Kurz von diesen Äußerungen distanziert.

Gudenus lehnt ab, seine Äußerungen als “antisemitisch” zu interpretieren.

FPÖ-Chef Strache legt nach – und SPÖ-Chef Kern hält dagegen:

Als Strache – “es sind keine Gerüchte, es sind Fakten” – erklärte, dass der US-Milliardär jüdischer Herkunft, der zuletzt vor allem in Ungarn zum Feindbild erkoren wurde, an der Unterstützung der Flüchtlingsbewegungen nach Europa beteiligt war, geriet der SPÖ-Chef in Rage.

Was Strache da mache, drehe vielen den Magen um.

Soros werde von Neonazis und Identitären zum Feindbild gemacht, “und Sie dreschen jetzt auch auf ihn drauf”, meinte Kern.

“Sie überschreiten die Grenzen des Anstands und der Moral.”

Der SPÖ-Chef warf den Freiheitlichen im Zusammenhang mit Soros Antisemitismus vor.

Strache möge einmal auf seine Social-Media-Seiten schauen, welchen “Abschaum” er dort damit anziehe.

Teil 3 – Kommentar – morgen

Ergänzung:

Der ÖVP-Europaabgeordnete Heinz Becker warf Ministerpräsident Viktor Orbán persönlich antisemitische Rhetorik vor. Becker zitierte aus einer Rede von Orbán vom März, wo dieser gesagt habe:

“Wir kämpfen gegen einen Feind, der anders ist als wir. Nicht offen, aber versteckt, nicht geradlinig, aber schlau, nicht ehrenhaft, aber unehrenhaft, nicht national, sondern international, der nicht an Arbeit glaubt, sondern mit Geld spekuliert, der kein eigenes Heimatland hat, aber so tut, als ob er die ganze Welt besitzt.”

… diese Sprache ist uns leider nicht fremd – es handelt sich um alte antisemitische Rhetorik.

derStandard

(geschrieben am 26.4.)

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