An Falstaff und Putschdämon (1. Brief)

theorie(die beiden greifen mich immer wieder im Kommentarteil an; ich antworte hier mit einem Artikel)

IHR – die Xenophoben, Flüchtlingsparanoiker, etc. – IHR wütet gegen links, während es eben nicht die Linken sind, die die Grenzen relativ offen halten und die Einwanderungsgesellschaft etabliert haben, sondern die Wirtschaft.

Nun sagst du ganz richtig, die Wirtschaft tut das aus Wirtschaftsgründen. Profitinteresse.

So ist das.

Aber DA hätte nun eine seriöse Kritik eurerseits anzusetzen.

Tut es aber nicht.

Die AfD, die Rechtspopulisten, aber auch du und Falstaff, ihr ignoriert konsequent die Ursachen hinter der deutschen und europäischen Grenz- und Einwanderungspolitik.

Damit hängt zusammen, dass ihr keinen Blick habt für die strukturellen Folgen der permanenten technologischen Revolution. Wie sie uns alle auf diesem Globus zu Nachbarn macht. Wie sie uns eng vernetzt. Wie dies neue politische Überlegungen, neue angemessene Institutionen nahelegt.

Unsere Firmen, zum Beispiel, BRAUCHEN den globalen Arbeitsmarkt. Wer sie von ihm abzuschneiden versucht, schadet ihnen – und in diesem Fall der Volkswirtschaft insgesamt.

Wir können uns über die Grenzen der Flüchtlingszuwanderung unterhalten. Ich bin da offen. Auch kompromissbereit.

Was ich nicht akzeptiere, ist
- die Hetze gegen Flüchtlinge (und dass man so tut, als ob sie ein großes Sicherheitsproblem darstellen würden und als ob die Kosten untragbar wären)
- das Ignorieren der globalen Vernetzung und deren Folgen
- das Ausklammern der Rolle der deutschen Wirtschaft bei der deutschen Flüchtlings- und Einwanderungspolitik.

Es wär ja nun schön, wenn du auf genau diese drei Punkte mal umsichtig und informiert eingehen würdest.

- Wie behandelt man MENSCHEN, wenn man ihnen Schaden zufügen MUSS?
- Welche Folgen hat die technologisch vorangetriebene Globalisierung für die Nationalstaaten?
- Welche Rolle spielen die Interessen der deutschen Wirtschaft für die Fragen der Einwanderung, Flüchtlingspolitik, Multikulturalität?

Mein Eindruck ist: Die Xenophoben wollen einfach nur hetzen, hetzen, hetzen. Sie picken sich mal hier, mal da ein Informationsteilchen heraus, das ihnen grade zum Hetzen passt, aber an einer rationalen Gesamtsicht der Problematik haben sie keinerlei Interesse. Nachdenken stört beim Hassen. Reflexion behindert die Leidenschaft. Es sind aber besonders diese Wutgefühle, die GENUSS bringen. Wie eine Droge ist sie, diese Wut.

Fällt euch nicht auch auf, dass von der rechten Seite immer nur
Wutausbrüche kommen, garniert mit punktuellen Informationspartikelchen,
aber keine Gesamtanalyse?

Kennt ihr EINEN migrationskritischen Autor, Buchautor oder Journalist, der mal systematisch die Interessenlage der Wirtschaft in Bezug auf die Entwicklung eines globalen Arbeitsmarktes untersucht hat?

Kennt ihr EINEN flüchtlingskritischen Autor, der mal überlegt, wie wir Artikel 1 GG (Die Würde DES MENSCHEN ist unantastbar) in Verbindung bringen können mit der systematisch erzeugten Hetzstimmung gegen Flüchtlinge? (Es ist ein Unterschied, ob man einen Flüchtling in sein Heimatland zurückzwingt oder ob man ihn pauschal zum Feind und Kriminellen erklärt und wütend bespuckt.)

Da liegt ein Problem für euch: Ihr habt keine seriösen Vordenker, an denen ihr eure – in der Sache bedenkenswerten! – Einwände orientieren könnt. Die Autoren, auf die ihr euch stützen könnt, leiden alle unter einer obsessiven Blickverengung. Sie bemühen sich nicht, das Gesamtbild zu betrachten. Sie lassen 99% der Realität außen vor, um dann in ihrer Obsession schwelgen zu können.

Die Frage ist: Wie gehen wir (die Menschheit im allgemeinen, die Deutschen im besonderen) um mit den realen Gegebenheiten, die wir unter dem Begriff Globalisierung zusammenfassen können? (Also mit der permanenten technologischen Revolution und ihren Folgen für die Wirtschaft und die Finanzen, die Kommunikation, die Kultur, die Ökologie, die politischen Institutionen …)

Putschdämon und Falstaff,
ist diese Frage zu groß für euch?

Kommentare

  1. Putschdämon meint:

    Zunächst mal greife ich dich nirgends an. Dann geht aus meinen Kommentaren deutlich hervor, dass ich das genauso sehe wie du: Treibende Kraft hinter der globalistischen Migrationsbefürwortung ist selbstversätndlich Big Money. Das ist auch eine ideologische Position, Grenzen stören den weltweiten Fluss von Vermögen, Daten, Arbeitskraft und also eben Menschen. Heimaten stören, Nationalstaaten stören, Tradtion stört.

    Linke sehen das ähnlich, sie sehen immer den “neuen Menschen” am Horizont und wollen auch die grenzenlose “One World”, bzw. meinen, dass das etwas wünschenswertes geschweige denn machbares sei. Es sind Utopisten.
    Bei Einigen, dich nehme ich da raus, schwingen m.E. auch Rachegefühle und durchaus ein nach innen gekehrter Rassenhass mit. Die westliche, europäisch-weiße Arbeiterklasse hat ihr historische Mission nicht angenommen, sie hat die linken Ideen “verraten”, also ist es nur gerecht, wenn sie jetzt in ihren eigenen Ländern verdrängt werden von “people of color”, die als das neue zu emanzipierende revolutionäre Subjekt gehandelt werden.

    Am Ende aber, das war beei allen linken Projekten und Ideen so, wird der grenzenlose Kapitalismus siegen, der sich der Linken nur als Dampfwalze bedient. Meine Kritik ist also gar nicht so sehr auf die Lunken gerichtet, für mich sind das Narren. Ich bin da auch Fatalist und Pessimist, es wird alles ganz fürchterlich in die Grütze gehen wenn es so weitergeht, wahrscheinlich auch für das Großkapital. Nur, die landen ja immer weich.

  2. Treibende Kraft hinter der globalistischen Migrationsbefürwortung ist selbstversätndlich Big Money. Das ist auch eine ideologische Position, Grenzen stören den weltweiten Fluss von Vermögen, Daten, Arbeitskraft und also eben Menschen. Heimaten stören, Nationalstaaten stören, Tradtion stört.

    Das ist allerdings nur eine Dimension der Globalisierung.
    Die andere, die der technologischebn Grundlagen der Globalisierung, man könnte auch sagen, den technologischen Drive zur Globalisierung, lässt du außen vor.

    Auch die Wirtschaft steht in diesem Sog. Sie kann nicht anders, sie muss im Rahmen der Konkurrenz global handeln.

    Big Money BEHERRSCHT diesen Prozess nicht, sie macht ihn mit, und indem sie mitmacht, treibt sie ihn auch voran.

    Was linke Utopien angeht, so gestehst du mir dankenswerterweise zu, dass ich sie nicht teile. Ich bin rabenschwarzer Pessimist. Ich halte den Menschen für ein verrücktes Wesen. Homo arrogans. Homo idiotus. Generell. Mich eingeschlossen!

    (Ich bitte, dies zu berücksichtigen. Ich halte mich selbst für ein ziemlich verrücktes Wesen. Ich beobachte das an mir – manchmal genervt, manchmal resigniert, oft mit Humor – da hilft mir meine bayerische und katholische Prägung. Deppn sama oisamt. Idioten sind wir allesamt.)

    Der Mensch ist hoffnungslos überfordert von der Welt, die er geschaffen hat. Und es ist 10 nach 12. Es ist nichts mehr zu machen.

    Ich sehe keine Welle der Erkenntnis durch die Menschheit rauschen. Im Gegenteil, die Leute werden immer noch verrückter. Siehe USA, GB, Italien, Russland, Türkei, Ungarn, Polen … Wir Deutsche hinken noch etwas hinterher, haben eine relativ – relativ! – rationale Bundeskanzerin und noch ein einigermaßen rationales Parlament – immerhin fünf von den sechs Parteien darin sind einigermaßen nüchtern, obgleich natürlich auch irgendwie verrückt, wenn man sich die Dringlichkeit und die Reichtweite der Probleme anschaut, mit denen sie sich NICHT zu beschäftigen trauen, weil sie da auch kaum was tun können.

    Die Flucht in die totale Idiotie ist der Lösungsversuch der Idioten auch in Deutschland: AfD.

    Ist nun diese Diagnose selbst wiederum idiotisch?

    Das frage ich mich ganz ernsthaft.

    Ich traue mir selber nicht so ganz.

    Generell: Diese Linke, die du beschreibst, ist erstens strategisch bescheuert, zweitens immerhin einigermaßen sensibel und intelligent bezüglich der Ursachen unserer Misere, drittens versucht sie wenigstens mal, die Gesamtzusammenhänge zu erkennen, obgleich es ihr nur in Ansätzen gelingt; oblgleich sie kaum eine Ahnung von Strategie entwickelt. Drum erstens: strategisch bescheuert! Ich bestehe darauf, dass man in der Politik, um vernünftig handeln zu können, wirkungsvolle Strategien braucht. Welche hätte die Linke denn anzubieten?! Globale Strategien!

    Sie ist also viertens, und das ist die Hauptsache, sowieso machtlos, nämlich zum einen nicht sehr zahlreich, wählermäßig kaum von Gewicht, insofern politisch irrelevant; zum andern hat einen großen Teil der Macht heute Big Money, die Fünfte Gewalt sozusagen (neben Legislative, Exekutive, Judikative und den Medien).

    Die Linke trägt insofern nicht viel bei. Weder im Guten noch im Schlechten. Von wegen linker Dampfwalze. Da walzt sich gar nichts. Reden wir von linken Nadelstichen in die Lederhaut des Elefanten.

    Auch das Großkapital wird nicht weich landen am Ende. Die sind kurzsichtig. Die merken selber nicht, was sie anrichten. Sie sind blind für die Folgen ihres Tuns. Und voller Hybris – sie glauben, sie seien gut, wenn sie auf kurze Sicht finanziellen Erfolg haben.

    Sie sind Ideologen. Sie haben ihre Marktreligion. Der Markt richtet am Ende alles zum Guten. Es gibt (für sie) kein Leben jenseits des Marktes. Der Markt ist die quasi-göttliche Ordnung der Welt.

    Daran geht nun die Welt zugrunde.

    Putschdämon,
    wir sind nicht in jeder Hinsicht einer Meinung, aber wir scheinen uns in einigen wesentlichen Einschätzungen zu treffen.

  3. Korbinian meint:

    Wenn Du das alles so komplett schwarz siehst verstehe ich nicht wen Du versuchst mit Deiner Philippika aufzurütteln. Diese(r) ist/sind ja schon als Botschaft gemeint, oder nicht?

  4. Korbinian meint:

    Diese Artikel meine ich…

  5. Man sagt au, wenn es einem weh tut.
    Wozu sagt man das?
    Man sagt es einfach.

    Man sagt die Wahrheit, wenn man meint, das sei – der eigenen Meinung nach, die falsch sein kann – die Wahrheit. Vielleicht findet jemand ja Gründe oder Argumente, mich zu widerlegen. Es könnte ja sein, dass ich mich täusche.

    Also nun, kannst du mich widerlegen? Kannst du uns zeigen, dass immer noch Hoffnung ist?

  6. Putschdämon meint:

    Die Geschichte der westlichen Neuzeit ist eine der stetigen Globalisierung, von Gutenbergs Druckerpresse und Columbus´ Amerika-Fahrt bis hin zu McDonald´s, Fußball und Internet. Das ist ein Prozess, der eine eigene Dynamik hat, aussteigen ist nur um den Preis des eigenen Versagens möglich, insofern ist die Wirtschaft diesem “Naturgesetz” unterworfen, da hast du recht.

    Das Neue am beginnenden 21. Jahrhundert ist nun aber -wir alle spüren ja, in einer tiefgreifenden Wendezeit zu leben, Jahre scheinen wie Jahrzehnte- dass der Westen jetzt mit seinen eigenen Waffen geschlagen zu werden scheint, weil er die Globalisierung zwar aktiv eingeleitet, aber nicht das Monopol auf das Arbeiten mit ihr hat und demographisch, auch moralisch im Niedergang sich zu befinden scheint. China überschwemmt unser Leben mit seinen Produkten, erobert unsere Märkte. Und Afrika und West- und Mittelasien expandiert, in personae, in unsere Länder. Die Welle rollt zurück. Ich bin deswegen ja ohnehin Anhänger zyklischer Erklärungsmodelle von Geschichte, bestimmte Grundentwicklungen im “Prozess der Zivilisation” (Elias) sind wie die Jahreszeiten, man kann sie nicht aufhalten, weil sie, wie gesagt, eine eigene Dynamik besitzen.

    Man kann aber dafür sorgen, dass im Winter die Heizung funktionieren wird. Bezogen auf uns, würde ich das so interpretieren, wie ich vorher schon erwähnt habe, dass wir z.B. unsere Nationalstaaten nicht auch noch mtuwillig schleifen, weil eine relative Homogenität in Krisenzeiten, die vor uns liegen, das Risiko gewalttätiger, chaotischer Zustände, die aus ethnischen Bruchlinienkonflikten herrühren, erheblich senken.

    Das ist ja ein Schatz, eine Arche für einen Neubeginn, wenn der Wahnsinn des globalen Kapitalismus und seine Folgen, die Armut, Kriege, Massenwanderungen unsere Weltordnung an den kollaps geführt haben wird. Eine Chance haben werden die Gegenden, die sich ihr kulturelles Kapital = ihr ziviles Vertrauen, erhalten haben werden, davon bin ich überzeugt. Multiethnische Staatswesen, in den sich die einzelnen Ethnien jetzt schon misstrauisch beäugen, konflikte unter der Oberfläche glimmen, die keine wirkliche gemeinsame Identität besitzen, wird die Krise hart treffen, sehr hart!!!

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