An Falstaff und Putschdämon (2. Brief)

theorie(Jetzt wende ich mich besonders an Falstaff)

Ich frage mich, worin im Kern der Unterschied zwischen unseren Haltungen besteht – deiner fanatischen Antiflüchtlings- und Antiislamhaltung und meinem Engagement für Flüchtlinge und Religionsfreiheit.

1

Flüchtlinge haben gute Gründe für ihre Flucht.

Kaum jemand flieht ohne objektiven Fluchtgrund. Menschen neigen nicht zur Flucht, bleiben lieber in der vertrauten Umgebung, solange es geht.

Wirtschaftliche Gründe sind GUTE Gründe, anderswo sein Glück zu versuchen.

Wir können den Flüchtlingen, auch den Wirtschaftsflüchtlingen, kaum einen Vorwurf machen, wenn sie dem kapitalistischen Imperativ folgen: Zieh dahin, wo es Arbeit gibt! Sei flexibel, sei bereit, die eigene Heimat zu verlassen, wenn du woanders bessere Verdienstmöglichkeiten erkennst!

Dieser Imperativ gilt global – auch wenn ihm noch nationale Grenzen und nationale Interessen entgegenstehen.

Könnt ihr dies bestreiten?

(Es ist eine andere Frage, wie weit wir hier und heute dem Einwanderungswunsch von Wirtschaftsflüchtlingen entgegenkommen können bzw. wollen.)

2

Flüchtlinge sind Menschen.

Menschen verdienen Respekt. Auch dann, wenn sie uns lästig sind. Sogar dann, wenn sie uns gefährlich sind. Auch, wenn sie Verbrecher sind. Auch, wenn sie unsere politischen Antagonisten sind – wie etwa die Pegidaner und AfDler für mich.

Ich muss mich also in vielen Fällen wehren gegen Menschen, dabei unter Umständen sogar eigene oder Staatsgewalt anwenden. Etwa dafür sorgen, dass Verbrecher hinter Gittern landen. Das alles wird meinen Respekt für den Menschen, dem dies zugemutet werden muss, nicht beeinträchtigen.

Vermutlich liegt hier der Hauptunterschied zwischen uns.

Wie viele andere auch, so pflegt ihr einen hemmungslosen Hass gegen bestimmte andere Menschen und Gruppen von Menschen.

Ich meine damit nicht die spontane, kurz aufflammende Wut aufgrund eines erschreckenden Vorfalls. Das ist Strohfeuer. Am nächsten Tag kommt die Besinnung zurück und leitet die Emotion wieder in stabile, eingermaßen menschenfreundliche Bahnen. Menschen sind eben so … Ich ja auch, gelegentlich …

Ich meine den konstanten, systematischen, penetranten Hass gegen bestimmte Menschen und Gruppen von Menschen.

Die Flüchtlinge sind für euch keine Menschen. In eurem Bewusstsein habt ihr sie ent-menschlicht.

Was ich hier mache, ist: Ich verteidige MENSCHEN.

Was ihr hier macht, ist: Ihr wütet gegen MENSCHEN. Und damit ihr dabei keine Gewissensbisse und keine Zweifel bekommt, ent-menschlicht ihr eure Opfer. Kriminalisiert ihr sie und diejenigen, die für ihre Interessen eintreten.

Ich hab noch keinen Beitrag von euch gelesen, der die menschliche Seite des Problems in den Blick genommen hätte.

Dies ist eine Erweiterung eines der drei Punkte aus meinem 1. Brief an euch.

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