“Migrationshintergrund”

migration… hat jemand, der in erster oder zweiter Generation als Einwanderer gezählt werden kann. Also zum Beispiel auch das in Deutschland geborene Kind, wenn ein Elternteil eingewandert ist.

Das trifft im Moment auf ca. 22,5% der Einwohner Deutschlands zu. (Die Hälfte davon sind Ausländer.)

Diese Statistik macht Sinn. Sie zeigt uns quantitativ, dass wir ein Einwanderungsland sind.

Ergänzen können wir es mit einem Hinweis, der von Navid Kermani stammt:

Viele Millionen Menschen sind seit dem Zweiten Weltkrieg in die Bundesrepublik eingewandert, die Vertriebenen und Aussiedler berücksichtigt mehr als die Hälfte der heutigen Bevölkerung.

ZUSÄTZLICH sollte es eine Statistik geben, die systematisch Daten zu rassistischer Diskriminierung erhebt.

Die Kategorie des Migrationshintergrundes spiegelt … nicht wider, inwiefern Menschen von rassistischer Diskriminierung betrofen sind.

So erfährt eine weiße deutsche Frau mit einem Elternteil aus Schweden bspw. keine rassistische Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt, weil sie nicht als fremd wahrgenommen wird.

Gleichzeitig leben in Deutschland zunehmend mehr Menschen bspw. aus der Schwarzen und muslimischmarkierten Community, die statistisch keinen Migrationshintergrund haben, aber nach wie vor als nicht-weiß und fremd wahrgenommen werden und somit rassistische Diskriminierung erleben.

Diese Erfahrung rassistischer Diskriminierung wird z.Z. statistisch an keiner Stelle erfasst.

Deshalb brauchen wir ein Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsmonitoring, das den Migrationshintergrund zumindest um diferenzierte Fragen bzgl. rassistischer Diskriminierung ergänzt.

Für die Datenerhebung sollten sechs Grundsätze gelten:

1 die Selbstidentifkation der Befragten (anstatt einer Fremdzuschreibung durch Dritte);

2 die Freiwilligkeit der Teilnahme;

3 die Einwilligung nach erfolgter Aufklärung über Sinn und Zweck der Datenerhebung;

4 die Anonymität bei der Datenerhebung;

5 die Beteiligung von Vertreter* innen zu befragender Gruppen und Gemeinschaften während des Prozesses der Datenerhebung, -analyse und -verbreitung;

6 die Möglichkeit, multiple und intersektionale Identitäten zu wählen.

Angeregt wurde dieser Artikel durch einen Spiegel-Online-Beitrag von Ferda Ataman.

Kommentare

  1. Frank Berghaus meint:

    Es gibt keine Satire, die besser sein könnte als die Realität. Auch wenn man es vermuten könnte, dieser Artikel stammt nicht vom Postillon:

    https://www.huffingtonpost.de/entry/fpo-politiker-warnt-vor-hunden-mit-migrationshintergrund-und-erntet-spott_de_5b114ad2e4b010565aab5110?utm_hp_ref=de-homepage

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