“Asyltourismus”

asylSöders und Herrmanns Wort.

Dafür kritisiert, setzt Söder eins drauf:

“Die Bevölkerung versteht das Wort ‘Asyltourismus’ leider sehr genau”, sagte der CSU-Politiker der “Welt am Sonntag”. Die Menschen hätten kein Verständnis dafür, dass Menschen mit einem Einreiseverbot wieder nach Deutschland kämen.

Wer ist “die Bevölkerung”? – Wenn schon, dann ist es ein Teil der Bevölkerung. Alle diejenigen, die kein Verständnis haben für dieses Wort aus dem Wörterbuch des Unmenschen, gehören für Söder wohl nicht zur “Bevölkerung”.

Wahrscheinlich meint er mit “Bevölkerung” eigentlich “Volk”. Und zum Volk zählen natürlich nur diejenigen, die auch richtig völkisch ticken. Denen deshalb ein Pöbelwort grade recht kommt.

“Die Bevölkerung” versteht durchaus, was ein Tourist ist.

Ein Tourist ist ein Reisender im Urlaubs- bzw. Ferien- und Freizeitzustand. Er reist aus freiem Willen und zu seinem Vergnügen. Tourismus ist Luxus, in der Regel.

Ein Tourist ist definitiv niemand, der flieht. Definitiv niemand, der seine Heimat gezwungenermaßen oder getriebenermaßen verlässt. Ein Tourist ist kein Flüchtling.

(Es sei denn, wir verwenden das Wort mal metaphorisch: Deutsche flüchten vor dem schlechten Sommerwetter ans Mittelmeer …)

Flüchtlinge, die so unter Druck sind, dass sie trotz Abweisung oder Ausweisung erneut versuchen, nach Deutschland zu kommen, sind das krasse Gegenteil von Touristen. Es sind Menschen in Not.

Warum verwendet ein Söder für sie den Ausdruck “Asyltouristen”?

Um uns zu desensibilisieren. Um unsere Neigung zur Empathie zu schwächen. Sieht man die Flüchtlinge als bösartige bzw. kriminelle Touristen, kann man grob mit ihnen umgehen.

Mit Menschen in Not nicht so leicht.

Also präpariert man gut propagandistisch solche Asylbewerber mit einem dazu geeigneten Pöbelbegriff.

Man lese in der Biografie eines gewissen deutschen Meisterpropagandisten nach, wie bewusst und erfolgreich der an der Desensibilisierung der seiner Meinung nach allzu gutmütigen, gutmenschlichen Deutschen gearbeitet hat.

Allerdings gewinnt jetzt nicht die CSU dabei, sondern die Konkurrenz rechts davon.

Artikel in zwei Punkten geändert. Ein gewisser Vergleich wurde entschärft, ein Satz gestrichen.

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