Probleme mit dem Islamunterricht an staatlichen Schulen

islamEs gibt katholischen Religionsunterricht, es gibt evangelischen. Warum noch keinen islamischen?

In immerhin neun der 16 Bundesländer gibt es auch Islamunterricht an staatlichen Schulen. Dort allerdings überwiegend nur in Modellversuchen. (In jedem Bundesland ist es anders.)

Ministerpräsident Kretschmann (Baden-Württemberg) benennt die Probleme.

„Die Verbände, mit denen wir im Moment verhandeln, sind türkisch dominiert. Die Lösung ist, dass wir ein verfassungsfestes Provisorium installieren, das dann den Religionsunterricht für Muslime trägt. Das Problem ist jedoch, dass wir die Trennung von Staat und Kirche einhalten müssen.“

Kretschmann hält den islamischen Religionsunterricht nach wie vor für integrations-wichtig. Aber wie verhindert man Indoktrination?

Die islamischen Verbände des Projektbeirats scheinen zu blockieren.

 „Teile des Projektbeirates bestehen nun darauf, dass mit Ablauf des Modellversuchs dieser in die Trägerschaft der Verbände übergeht. Dies ist weder rechtlich möglich, noch politisch von uns gewollt, da hier auch Verbände beteiligt sind, die wir aufgrund ihrer Nähe zu Ankara kritisch betrachten“, heißt es in einem Beschluss der grünen Landtagsfraktion.

In BW leben ca. 600.000 Muslime. Die Modellversuche gibt es derzeit in nur 93 öffentlichen Schulen und erfassen 5.900 Schüler. Kretschmann:

 „Das Problem ist, dass wir keine islamischen Religionsgemeinschaften haben. Wir haben Verbände, die meinen, sie seien Religionsgemeinschaften. Das sind sie aber nicht. Da es in den islamischen Staaten keine Trennung von Staat und Moschee gibt, ist der Islam nicht zivilgesellschaftlich institutionalisiert. Deshalb fehlt uns der verbindliche Ansprechpartner. Wir brauchen Provisorien, damit wir einen Religionsunterricht mit einer provisorischen Trägerschaft anbieten können.“

Es feht nicht zuletzt an geeigneten Religionslehrern. 30% der Studenten, die an deutschen Hochschulen für das Fach islamische Religion studieren, brechen ihr Studium ab – weil es ihnen zu liberal ist.

Mein Resümee:

Da sich die türkisch-islamischen Verbände sperren, könnte am Ende der aktuell bayerische Weg sich durchsetzen:

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte Anfang Juli an, die Modellversuche mit dem islamischen Religionsunterricht an 350 Schulen nicht auszuweiten, stattdessen plädiert er für die Verstärkung des Ethikunterrichts, in den dann auch die Islamkunde integriert werden könnte.

Das ist bedauerlich; Kretschmann hat recht, wenn er meint, das sei zu “religionsfern”. Aber was bleibt uns anderes übrig?

Wenn diese türknationalistischen Verbände meinen, sie könnten sich mit ihrem Indoktrinierungskonzept durchsetzen, dann gibt es eben keinen Islamunterricht an staatlichen Schulen. Bzw. wenn doch, dann ohne sie.

Wir sollten die Aktivitäten der türkisch-islamischen Verbände immer auch als Versuche sehen, die islamisch-osmanische Gegengesellschaft in Deutschland zu etablieren. Erdogan lässt grüßen.

Kommentare

  1. Frank Berghaus meint:

    Spanien zeigt den Weg:

    http://www.kath.net/news/64478

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