Kita-Pflicht?

schuleWELT:

Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel fordert verpflichtende Kita-Besuche für alle Kinder. „Aus bezirklicher Sicht brauchen wir dringend die Kita-Pflicht“, sagte der SPD-Politiker. „Ich will, dass alle Kinder die gleichen Chancen haben“, unterstrich er. Dies sei momentan nicht der Fall.

„Auch in Neukölln gibt es bei der Einschulung Kinder, die beispielsweise keine Schere ordentlich halten können oder – und das ist noch gravierender – nicht in der Lage sind, sich altersgerecht auf Deutsch zu verständigen“, berichtete Hikel. „Diese Kinder liegen bereits zum Schulstart meterweit hinter der Startlinie.“

Ziel müsse sein, sie durch frühkindliche Bildung „an die gleiche Startlinie“ zu bekommen. „Das ist die Basis dafür, dass die Kinder die Schulanforderungen gut schaffen und einen Schulabschluss erreichen, dann eine Ausbildung machen oder studieren und so ihren Platz in der Gesellschaft finden können.“

Der Einwand: Ist der Eingriff in das Elternrecht zu groß?

Hier stehen also zwei Interessen einander gegenüber.

Hikel entscheidet sich für das Interesse der Gesellschaft und der Kinder:

„Aber die Praxis hat bisher gezeigt, dass letztendlich nur unsere Bildungseinrichtungen für gleiche Startchancen in das reale Leben sorgen können“, sagte Hikel weiter und verwies als Beispiel auf den Rollberg-Kiez in seinem Bezirk. Hier könne man sich unter Umständen den ganzen Tag nur auf Arabisch verständigen – ohne ein Wort Deutsch zu benötigen. In der Nachbarschaft werde Arabisch gesprochen, im Laden um die Ecke ebenso.

„Das funktioniert für den Einzelnen in dieser Konstellation gut und ist prinzipiell auch als ein sprachlicher, kultureller Schatz zu sehen“, so Hikel. „Aber die Menschen müssen hier genauso gut auch Deutsch sprechen können, um interagieren zu können. Die gemeinsame Amtssprache ist die Basis für sämtliche weiteren Teilhabeangebote und letztlich für ein friedliches Zusammenleben.“

Deswegen müssten Kinder, deren Eltern eine andere Muttersprache haben, möglichst früh mit Kindern deutscher Muttersprache in Berührung kommen. „Und dies sollte gezielt in unseren Bildungseinrichtungen erfolgen, denn auf der Straße funktioniert es nicht. Das möchte ich nicht als Malus verstanden wissen: Diese Kinder haben faktisch die Chance, bilingual aufzuwachsen“, sagte Hikel.

Allerdings scheitert die Forderung Hikels daran, dass es nicht genug Erzieherinnen und Erzieher gibt – bzw. am Mangel an Geld, um sie zu bezahlen.

Zusätzliches Geld für Erziehung und Bildung in dieser Sache ist allerdings eine Investition, die sich auf längere Sicht rentieren könnte …

Kommentare

  1. Frank Berghaus meint:

    Die “Elternrechte” werden ja immer in ganz besonderem Masse überbetont. Als ob darin ein Wert als solcher läge. Es ist an der Zeit, die Kinderrechte in Zukunft stärker zu betonen. Der Antrag auf Aufnahme in das GG ist ja unterwegs.

    Unter diesem Gesichtspunkt gibt es zu einer möglichst frühzeitigen Förderung der Kinder kaum eine Alternative.

    Wir halten das hier wie folgt: In den ersten drei Jahren bei der Mutter, wenn das wegen Berufstätigkeit nicht geht, Engagement einer Kinderfrau (in unserem Fall meine Schwägerin). Zwischen drei und fünf in einen bereits pädagigisch gut ausgerichteten Kindergarten (möglichst ohne Indoktrinierungen), ab fünf in die Schule. Meine Lütte hat ja vor wenigen Tagen ihren fünften Geb. gefeiert und ab dem 15. September (rentrée scolaire) geht es dann ab in die Schule (privat, komplett auf Frz.).

    In Frankreich soll der Schulbeginn zukünftig sogar noch ein Jahr früher beginnen.

    Von einer Kita-Pflicht vor dem dritten Lebensjahr halte ich nicht viel – das sollte Notsituationen vorbehalten bleiben.

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