Erdogandebatte. @ Lourdes Ros (3)

initiativgruppeFortsetzung.

2. Selbstverständlich führt Rassismus (50% antimuslimischer Rassismus in München, LMU-Soziologie-Studie 2016, die hohe Zahl der Angriffe und Morde kennst du selbst) zur Abschottung, zur Reethnifizierung. Ist doch klar und seit Jahrzehnten erforscht.

Es geht im Fall Özil/Gündogan und generell im Fall Erdogan nicht um Rassismus.

Das habe ich hoffentlich im letzten Artikel deutlich genug machen können.

Es geht auch bei der Abneigung gegen den Islam nicht einfach immer nur um Rassismus.

Islamophobie/Rassismus/Fremdenfeindlichkeit vieler Deutscher (im Alltag und institutionell) ist ein erhebliches Problem – auch auf diesem Blog kämpfe ich leidenschaftlich dagegen an.

Aber es gibt auch die andere, die dunkle Seite in dieser Frage. Der Moscheen-Report von Constantin Schreiber zeigt dies. (Zwei Artikel habe ich speziell darüber geschrieben: 1 und 2)

Es ist nicht fair, die Skepsis gegen den Islam einfach nur mal unter den Vorwurf des Rassismus zu subsumieren. Wir HABEN ein Problem mit der Arbeit vieler Moscheen – auch der DITIB-Moscheen – gegen die Integration. Wir HABEN ein Problem mit der Weigerung vieler gläubiger Muslime, Politik und Religion zu trennen. Wir HABEN ein Problem damit, wie Frauen in traditionalen, vom Islam gestärkten Verhältnissen hier in Deutschland leben sollen.

Ist es Diskriminierung, wenn wir dies thematisieren?

I) Die Regeln und die Grenzen setzen die Einheimischen, nicht die Einwanderer. Wenn einem diese Regeln und die Grenzen nicht passen, sollte man wieder gehen. (Wenn man kann. Für Flüchtlinge ist das nicht ohne weiteres möglich.)

Darauf kommt die Antwort:

3. Lies mal Adli: Der größte Stress für Migrant_innen ist es, dass ihre Zugehörigkeit immer wieder in Frage gestellt wird. Nun also auch auf dem Blog der IG. Das ärgert mich sehr. Dafür stehen wir weder in unserem Leitbild, noch in unserer alltäglichen Arbeit.

4. Schon mal darüber nachgedacht, was die Abwendung von Einstellungen und Werten des Elternhauses für jmd bedeutet, der hier ständig in Frage gestellt wird? Der/die ständig gefragt wird, warum er/sie nicht geht? Der sein Leben lang Integrationsnachweise liefern muss? Da ist doch jede pubertäre Abgrenzung unmöglich, da hoch gefährlich.

Machen wir das einmal konkret.

Ich bin Integrationskurs-Lehrkraft, mache dabei auch Orientierungskurs. Thema: Homosexualität in Deutschland. Es überrascht uns nicht, dass die Hälfte (oder mehr) aller Männer in unseren Kursen mehr oder weniger heftig homophob sind. Wie gehe ich nun damit um? – Erstens mit Respekt. Zweitens lasse ich sie spüren, dass ich homosexuelle Freunde habe. Lasse ich sie spüren, dass wir hier in Deutschland kein Problem damit haben, einen Mann zum Bürgermeister oder Bundestagsabgeordneten oder Minister und Vizekanzler zu machen, der offen homosexuell ist. Es wird auch durch mein emotionales Engagement deutlich: Hier bei uns ist Homosexualität etwas Normales – und wer als Einwanderer meint, es sei eben nicht normal und überhaupt abscheulich und pervers, ja nun, der meint das halt, aber es hat seinen Preis, wenn er es rauslässt. Wir reagieren auf Homophobie in der Regel recht unfreundich.

Ist diese unsere offen ablehnende Reaktion diskriminierend? – In gewissem Sinne: ja. Wir diskriminieren diejenigen, die meinen, Homosexualität sei pervers. Wir diskriminieren die Diskriminierer.

Werfen wir jemand, der homophob ist, raus? – Nein. Es ist seine private Entscheidung. Aber wer als Einwanderer massiv homophob ist und dies hier auch offen ausagieren will, dem möchte ich persönlich mitteilen: Deutschland ist da vielleicht nicht das richtige Land für ihn.

Ich denke doch, dass ich da mit Lourdes Ros und allen in der IG einer Meinung bin.

Die Liste der kritischen Punkte, in denen wir hier klare Grenzen setzen, ist nicht lang. Ich rechne die Gleichberechtigung der Frau dazu und den Respekt vor ihrem “Nein!” bei allen Annäherungsversuchen, dazu die Trennung von Religion und Politik, das Ja zur Demokratie, das Nein zum Faschismus und zur Kriegspolitik.

Wir werfen niemand raus und sperren niemand ein, wenn er oder sie sich in diesen Punkten verbal oder seine Einstellung betreffend an unserer Multikultur und Liberalität vergeht. Aber wir zeigen Flagge. Auch in der IG. Die IG steht gegen Menschenfeindlichkeit. Auch gegen die von Muslimen oder von Einwanderern.

Salafisten oder offen rassistische Roma-Hasser oder mädchengrabschende junge Männer (etc.) sind bei uns nicht willkommen.

Und wenn mir ein Deutschtürke vorschwärmt, wie wunderbar die Türkei ist und wie rassistisch verkommen und gefährlich kinderverderbend Deutschland, dann erlaube ich mir die naheliegende Frage: Warum ziehst du daraus nicht die Konsequenz?

Ein weiterer Artikel wird folgen. Über Opfer, die zu Tätern werden.

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