“Woher kommen Sie?”

einwanderungsland-th… frage ich.

Ich weiß schon, die Frage kann daneben gehen.

Zum Beispiel: Ich frage ein 14jähriges chinesisch aussehendes Mädchen, und das sagt mir – ganz korrekt: aus München. (In München geboren, aufgewachsen, besucht das Gymnasium … spricht perfekt Deutsch …)

Oder: Ich frage eine Person, die schon einige schlechte Erfahrungen mit dieser Frage gemacht hat. Es gibt Leute, die stellen diese harmlose Frage in gar nicht harmloser Absicht. Jetzt reagiert die etwas traumatisierte Person, die ich harmlos neugierig frage, pikiert und ordnet mich unter die Fremdenfeinde oder sogar Rassisten ein.

Darf ich also diese Frage nicht mehr stellen?

Überlegen wir mal.

Es ist gewiss an sich eine ebenso naheliegende wie harmlose Frage. Ich begegne jemand, dessen Herkunft ich nicht einordnen kann, und frage danach.

Ich bin neugierig. Es ist eine freundliche, nette, die Kommunikation fördernde Neugierde. So, wie ich eben vielleicht auch frage, ob jemand verheiratet ist, Kinder hat, oder was für einen Beruf er oder sie ausübt. Oder ob er oder sie ein Hobby hat.

Darf ich in dieser einen Hinsicht, der Herkunft, nicht mehr neugierig sein?

Ich drehe mal den Spieß um.

Wer mir meine freundlich-neugierige Frage spontan als fremdenfeindlich auslegt, agiert vorurteilshaft. Er unterstellt pauschal etwas, das er nicht unterstellen darf.

Ich kann also zurückschießen.

“Es gibt auch von Vorurteilen gegen Deutsche getriebene Migranten.”

Wie weit muss ich mich auf neurotische Empfindlichkeiten einlassen? Warum soll ich mir von “Prinzessinnen auf der Erbse” meine natürliche und freundliche Neugierde vermiesen lassen?

“Aber, Leo, du musst doch sensibel sein!”

Ich muss – und die Person, die ich freundlich gefragt habe, darf mir höchst unsensibel fremdenfeindliche Absichten unterstellen?

Es gibt Fragen, die darf man stellen. Punkt.

Diejenigen unter den Einwanderern, die gelegentlich mit dieser Frage xenophob belästigt werden, werden sich schon die Mühe machen müssen, herauszufinden, wie in meinem Fall die Frage gemeint ist.

Ich werde die Frage also ungeniert weiter stellen; immer dann, wenn mich mein neuer, geheimnisvoller Gesprächspartner persönlich interessiert.

In einer multikulturellen Gesellschaft ist es nichts Negatives, eine “fremde” oder zunächst nicht lokalisierbare Herkunft zu haben. Im Gegenteil. Es ist ein Plus.

Meine Frage drückt persönliche und kulturelle Achtung aus.

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