Fremdeln

einwanderungsland-th… nennt man es bei kleinen Kindern.

Es gibt solches Fremdeln natürlich auch bei Erwachsenen – in allen Kulturen, in allen Altersstufen, in allen Schichten, auf allen Bildungsniveaus.

Es scheint etwas anthropologisch Vorgegebenes zu sein.

Das Fremde wird misstrauisch beäugt.

Es gibt natürlich auch den Typ, der – wie ich – eher nicht misstrauisch, sondern primär neugierig fasziniert ist.

Insofern hab ich Glück, denn meine fremdenfreundliche Neigung passt gut zur Einwanderungsgesellschaft, die wir nun mal sind und bleiben werden.

Aber ich werde jetzt nicht den Fehler derer machen, die meinen, andere müssten unbedingt wie sie selber sein, und die einzig richtige Reaktion sei immer die, zu der man selber neigt.

Darum formuliere ich jetzt provokativ:

Fremdeln ist normal.

Fremdeln ist kein Rassismus und nicht einmal Fremdenfeindlichkeit.

Was nicht heißt, dass sich das Fremdeln nicht in Richtung Fremdenfeindlichkeit und Rassismus entwickeln kann. Oder dass es bei vielen Erwachsenen von vorne herein in diesem Extrem auftritt.

Gestern habe ich einen Artikel über die Zulässigkeit der Frage geschrieben: “Woher kommen Sie?”

Es trifft sich gut, dass heute ein Kommentar von Hasnain Kazim zum selben Thema bei Spiegel Online erschienen ist.

Wir beide liegen nicht weit auseinander. Stimmen aber auch nicht ganz überein.

Ich verteidige das Recht der Menschen, auf Fremdes misstrauisch zu reagieren.

Nicht, dass es mir gefällt. Menschen sind auch eifersüchtig, neidisch, geizig, gierig, verschwenderisch, abergläubisch undsoweiter – alles nicht besonders sympathisch, finde ich …

… aber: Schaff das Laster ab, und du schaffst die Menschheit ab!

Schaff die Sünde ab, und du schaffst den Menschen ab.

Ich möchte gern all diejenigen, die unter der Sünde des “deutschen” Fremdelns leiden, darum bitten, “die Kirche im Dorf zu lassen”: das Normale und Menschliche daran zu erkennen. Und dass es bitte wirklich kein spezifisch oder speziell “deutsches” Laster ist.

Wenn man irgendwo einwandert und dort “fremd” aussieht, wird man gelegentlich misstrauisch beäugt. Und gelegentlich auch dumm angeredet. (Oder zum verlästerten Objekt hinterhältigen Geschwätzes.)

Damit muss man leben. Das gehört zu den Kosten der Einwanderung. Die muss man tragen, auch in der zweiten Generation.

Es wird ja nach und nach besser hierzulande. Schaut euch mal die Klassenfotos der Schulen zum Schuljahresende an (ich meine jetzt leider nur die in Westdeutschland)! Diese jungen Leute fremdeln wohl kaum noch, und zwar deshalb, weil sie von Kind auf multikulturell und in “bunter” Umgebung aufwachsen:

Das Fremde war mal fremd. Es wird Alltag, wird vertraut.

Für einen wie mich, der das Fremde schätzt, ist das auch ein Verlust.

Ich mag es, wenn um mich herum definitiv Anderes sich zeigt und mein Gemüt herausfordert. Ich lege Wert darauf, dass das Fremde fremd ist. Dass ich es nicht vorschnell in Eigenes verwandle und damit kastriere. Schließlich will ich erstens was lernen und zweitens Unterhaltung haben.

Es ist langweilig, im eigenen Saft zu schmoren.

Kommentare

  1. Dackel meint:

    “Insofern hab ich Glück, denn meine fremdenfreundliche Neigung passt gut zur Einwanderungsgesellschaft, die wir nun mal sind undbleiben werden.

    Sobald die AfD stark genug ist, kannst Du Deinen feuchten Traum beerdigen :P

    Dann werden die Grenzen schön dicht gemacht.

  2. Post von unserem AfD-Perversen.

    Wann wird die AfD denn die Mehrheit im Parlament stellen?

    Das sehe ich noch nicht kommen.

    Wie immer bei unserem AfD-Deppen: KEIN Argument. NULL Argument. Bloß mal wieder etwas, das uns allerdings darauf aufmerksam macht, was für Leute AfD wählen. Es sind Revoluzzer von rechts, wie im Fall der Nazis drei Generationen früher.

  3. Frank Berghaus meint:

    Zu dem Unsinn des Pinschers passt der “solidarische Patriotismus”, den sich Höcke ausgedacht hat, der aber nichts als blanker nationaler Sozialismus ist.

    https://www.huffingtonpost.de/entry/rente-kampf-afd-spaltung-hocke-meuthen-gauland_de_5b73fcd1e4b02b415d73eb90?utm_hp_ref=de-homepage

    Ich bin zuversichtlich, dass sich der Deppen-Spuk irgendwann auch wieder in Wohlgefallen auflöst.

  4. Zitat Quent aus dem Artikel:


    Die soziale Ausrichtung birgt das größte Spaltungspotential der AfD. Weidel und Meuthen haben mit Sicherheit wenig Interesse an einem derart sozialen Kurs, wie sich ihn Höcke vorstellt.

    Irgendwann kommt es zum Showdown zwischen neoliberalen und nationalsozialistischen AfDlern. Im Osten gewinnen die Nazis, im Westen die Neoliberalen. Dann gibt es ZWEI rechtsradikale Parteien. Die nicht miteinander können …

    Das das so kommen wird, ist nun wohl wahrscheinlich. Also setze ich es mal als Prognose. Auf den Zeitpunkt des Bruchs möchte ich mich nicht festlegen. Das kann schnell gehen – sich aber auch lange hinauszögern.

  5. Frank Berghaus meint:

    Der Showdown ist ja für 2019 angesetzt. Ausreichend früh, sich vor der BTW zu atomisieren.

  6. Frank Berghaus meint:

    An solchen Stellen bewahrheitet sich immer wieder der alte Spruch:

    Cataract is the third cause of blindness.

    Religion an Politics remain number one and two.

  7. Frank,
    in vielen Fällen sind – glücklicherweise – Politik und Religion KEINE Ursache von Blindheit.

    Aber es ist schon auch richtig: In vielen Fällen sind sie es. Die Frage ist dann: Welche Politik, welche Religion? Bzw. Politik und Religion in welcher Form?

  8. Frank Berghaus meint:

    Ich meine immer die Deppen-Formen. Alles Seriöse akzeptiere ich ja – wie bekannt.

    Neben politischen Outsidern (egal ob links oder rechts) gibt es eben bei manchen Religiösen zB evangelikale Auswüchse (“Eine Hexe darf nicht am Leben bleiben”, 2018 NB), die ich als Zuträger von Blindheit einstufe. Mörderische Blindheit wie wir sie auch bei unseren Rechtsextremen leider beobachten können.

  9. Frank Berghaus meint:

    Doch zurück zum Thema: Meine kleine Tochter fremdelt oft viel zu wenig, da sie bisher alle Mitwelt nur als Freunde kennengelernt hat. Das macht mir gelegentlich Sorgen, da es auch hier Pädophile gibt oder solche, die eine Tochter eines Europäers als Entführungsziel sehen. Aber das ist nur väterlich und nicht allgemein politisch gedacht.

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