Konservativ + progressiv = patriotisch

einwanderungsland-th

(Fortsetzung)

Als Progressiver muss ich konservativ bleiben. Als Konservativer muss ich progressiv werden.

So ist es gesund.

Und es baut die Brücke, die politische und die kulturelle Brücke zwischen Konservativen und Progressiven, die für eine zivile politische Kultur und für die multikulturelle Gesellschaft unverzichtbar ist.

Solche gelebte Ambivalenz setzt die Fähigkeit zur Distanz sich selbst gegenüber voraus. Ich sehe mich immer auch von außen – mit den Augen der anderen. Der ANDEREN. Mit FREMDEN Augen.

Ich bilde mir nicht ein, meine subjektiven Zustände und Interesseninterpretationen “authentisch” ausleben zu dürfen. Ich bleibe offen für die Sicht der anderen, auch die Sicht meiner Konkurrenten und Gegner.

Ich spiele nicht das arme Opfer, das Kompensation einfordert für die ihm zugefügten Leiden. Denn ich schließe mich nicht individuell oder in der Gruppe der Gleichgesinnten ab und belästige die Außenwelt mit Schuldvorwürfen.

Ich sehe mich immer auch – neugierig und lernbereit – mit den Augen der ANDEREN, also derer, die mir FREMD sind.

Ich kann das tun, weil ich mich zu mir selbst bekenne. Ich bin, der ich bin. Also überwältigt mich der Blick von außen, der Blick des Fremden nicht.

Ich bin – zum Beispiel – erstens ein Mann (ohne Schuldgefühl gegenüber der Welt der Frauen), ein Weißer (ohne Schuldgefühl gegenüber unseren früheren kolonialen Opfern), ein Deutscher (ohne Schuldgefühl gegenüber den Opfern deutscher Aggression im vorigen Jahrhundert), und noch einmal ein Deutscher (ohne Schuldgefühl gegenüber den Einwanderern).

Ohne Schuldgefühl. Denn ich hab nichts verbrochen.

Aber mit Verantwortungsgefühl.

Ich bin zum Beispiel ein Deutscher – also für Deutschland und die Deutschen mitverantwortlich.

Ich bin ein deutscher Patriot.

1. Ich weiß, DASS ich ein Deutscher bin. Und sehe keinen Grund, diese Tatsache unangenehm zu finden. Im Gegenteil. Es gefällt mir. Ich bekenne mich also auch dazu.

2. Ich weiß, was das heißt: ein Deutscher zu sein. Ich lebe und entfalte deutsche Kultur, so gut ich kann. Ich werbe für sie.

3. Als Deutscher bin ich auch Münchner, bin ich auch Europäer, bin ich auch Weltbürger und Mensch. Mein Deutschsein steht nicht im Widerspruch oder Gegensatz zu anderen kollektiven Verhältnissen, und steht nicht in Gegensatz etwa zu einem Franzosen, der eben Franzose ist und nicht Deutscher, oder zu einem Deutsch-Franzosen, der das Privileg hat, beides zu sein.

4. Ich verteidige mein Deutschland und mein Deutschsein gegen alle diejenigen, die Deutschland und die Deutschen mies zu machen versuchen. – Ich mache das selbstkritisch. (Wie jeder, der diesen Blog liest, weiß.)

5. Primär bin ich nicht Deutscher, sondern Mensch. Insofern auch Weltbürger, soweit man das mangels entsprechender Institutionen heute schon sein kann.

6. Ich unterscheide mich als Ethnodeutscher (mit deutschen Vorfahren bis ins ?te Glied …) von denen, die per Einbürgerung deutsche Staatsbürger geworden sind: Ich habe – anders als sie: etwa als Nachfahre, als Kind meiner Eltern – unsere deutsche Geschichte der Jahre 1933-45 in einer Weise in den Knochen und den Nerven, die einem eingebürgerten Türken nicht naheliegt.

7. Ich unterscheide mich als Deutsch-Muttersprachler auch – mehr oder weniger – von denen, deren Bewusstsein stark von der Kultur ihrer anderen Muttersprache mitgeprägt wird.

8. Solche Unterschiede machen mich nicht “deutscher”, sondern anders deutsch; so wie auch junge Deutsche anders deutsch sind als ich mit meinen 68 Jahren, oder wie Husumer anders deutsch sind als Münchner, etc. Es gibt wunderbar viele verschiedene Weisen, deutsch zu sein in einer multikulturellen deutschen (!) Gesellschaft.

Resümee: Ich bin konservativ und zugleich progressiv (letzteres dominiert bei mir allerdings) – und so bin ich denn ein (links-geneigter) deutscher Patriot.

Unterscheidet sich das von der Leitkultur-Idee der CSU? – Fast diametral. Für mich sind Shakespeare, Döner und Rapmusik Teil der deutschen Kultur – nicht genauso wie, nur etwas anders als Goethe, Schnitzel und Rheingold. So, wie das Verb stoppen genauso deutsch ist wie das Verb anhalten, auch wenn “stoppen” aus einer Fremdsprache in die deutsche Sprache eingewandert ist und hier nun ein eigenes Bedeutungsleben entfaltet.

Die Leitkultur-Debatte möchte gern abschließen, abschotten, bewahren – sie ist einfach nur konservativ; ihr fehlt das progressive Element, die Öffnung hin zum Anderen, zum Fremden.

Kommentare

  1. Frank Berghaus meint:

    Der Konservative hält an der Tradition fest wie ein Betrunkener an der Laterne. Der Progressive lässt sich von ihr den Weg weisen, vergisst aber nicht, was er der Laterne verdankt.

  2. Ich kenne persönlich kluge Konservative.

    Ich bin auch der Sohn zweier konservativer Eltern und sehe deren starke Seiten – ihre politische Besonnenheit und eine gewisse Lernfähigkeit, die dem Realismus der Konservativen entspringt.

    Betrunken – das ist kein Zustand, der mit Konservativismus vereinbar ist. Konservative sind nüchtern – oder sie sind nicht konservativ.

    Ein paar kann man auch in politischer Aktion beobachten: Merkel zum Beispiel. Auch Obama war ein Konservativer.

  3. Frank Berghaus meint:

    In dem Spruch, der nicht von mir stammt, werden Zerrbilder von Konservativen angesprochen – etwa wie unsere Rechtsgewirkten, die sich ja selbst als Konservative bezeichnen, aber schlicht nur Nostalgiker sind und sich eine Vergangenheit zurückwünschen, die es so nie gegeben hat.

  4. Ja, man muss Reaktionäre und Nostalgiker von Konservativen unterscheiden.
    Ebenso, wie man Kommunisten von Sozialisten unterscheiden muss.
    Oder Marktfetischisten von Liberalen.
    Oder fundamentalistische Katholiken von christlichen.

    Es ist immer ein Hauptunterschied: ob einer seine Überzeugung fanatisch und sich abschließend und repressiv gegen andere lebt – oder ob er sie skeptisch und offen für die anderen und tolerant lebt.

    Sind wir skeptisch, offen und tolerant, können wir – trotz aller Unterschiede, trotz aller Gegensätze – Brücken zueinander bauen und kooperieren.

    Darin liegt die Möglichkeit einer demokratischen und multikulturellen Gesellschaft.

    Die demokratische und multikulturelle Gesellschaft weiß, dass die Fanatiker aller Art ihr Todfeind, ihr potenzieller Zerstörer sind – und sollte sich ihnen gegenüber wehrhaft zeigen können.

    Neonazis, Reichsbürger, Identitäre, Linksextremisten, Scientology, Salafisten oder Erdotürken gehören nicht zur demokratischen und multikulturellen Gesellschaft. Sie bilden GEGENgesellschaften, die ihr punktuell gefährlich werden können.

    Die Hauptgefahr besteht allerdings nicht in diesen sektiererischen Randerscheinungen selbst, sondern darin, dass der mainstream, die Mitte sich radikalisiert und fanatisch und repressiv wird. Im Fall Weimarer Republik kam diese Bewegung von rechts außen. Auch heute sehen wir, dass die Gefahr von rechts kommt.

    Die gestresste Mitte ist nicht anfällig für radikalen Islam oder radikale Religion überhaupt, nicht anfällig für Linksradikalismus oder für türkischen Chauvinismus, sondern für rechtspopulistische Inhalte und Formen.

  5. Brandbombe meint:

    Ach Brux, niemand hindert Dich daran, Deine kruden Ansichten hier zu publizieren…

    Doch was auch immer Du machst: NENN DICH NICHT EINEN “PATRIOTEN”.
    Du bist das genaue Gegenteil eines Patrioten und eine Beleidigung für jeden echten deutschen Patrioten.

  6. Rechtsradikale hätten gern ein Monopol auf “Patriotismus”. Sie verwechseln allerdings Nationalismus mit Patriotismus.

    Leute wie diese “Brandbombe” verabscheuen und verachten und hassen dieses reale Deutschland und diese real multikulturelle deutsche Nation. Sie wollen es abbrennen.

    München ist bunt! (West-)Deutschland ist bunt. Und ich bin ein Patriot dieses bunten Deutschland.

  7. Brandbombe meint:

    Ja, ja, und morgen ist Weihnachten :P

  8. Beinahe. Weihnachten kommt am 24.12.. Ganz bestimmt. Wir stehe also kurz davor. Können uns schon mal überlegen, welche Geschenke wir unseren Lieben machen möchten.

    Aber, Brandbombe, deine Bemerkung enthält kein Argument. Meinst du nicht, dass du als stolzer Vertreter der deutschen Kultur die Aufgabe hättest, mit guten Argumenten aufzuwarten? Rationales Diskussionsverhalten zu zeigen? – Das wäre doch deutsch, oder?

    Aber, wie ich geschrieben habe – du verachtest, verabscheust und hasst, was deutsch ist. Das Deutsche kotzt dich an.

  9. Brandbombe meint:

    Nö, lediglich die zunehmende Überfremdung kotzt mich an. Und solche wie Du, die diesen Umstand auch noch bejubeln.

    Du bist kein Patriot. Genauso wenig, wie dieser Berghaus ein Humanist ist.

    Ihr seid Heuchler.

  10. Die überfremdeten Münchner scheinen recht glücklich zu sein inmitten dieser Überfremdung. Vielleicht ist die Überfremdung gar nicht so überfremdend, wenn man keinen völkischen Blickwinkel einnimmt.

    Da liegt dann wohl das Problem.

    Und darin, dass du verlangst, dass wir alle nun gefälligst wieder völkisch denken und fühlen und handeln müssen. Also irgendwie das Nazidenken erneuern müssen. Du möchtest zurück zum völkischen Denken, zur völkischen Politik. Dafür bräuchtest du schon eine Revolution, samt Diktatur der Völkischen.

    Dass du das reale, nämlich – in deinen Augen: – überfremdete Deutschland verabscheust, verachtest und hasst, wirst du mir zugeben müssen. Das aber ist dann eben gegen das wirkliche Deutschland und gegen die wirklichen Deutschen gerichtet. So denkt und fühlt und schreibt kein Patriot.

  11. Brandbombe meint:

    Deine Logik ist absurd, die “Schlussfolgerungen” lächerlich. Ich hoffe, Du erwartest darauf keine ernsthafte Antwort.

    Und ich glaube kaum, dass Du beurteilen kannst, ob der Mehrheit der Münchener die Entwicklung schmeckt. Vielmehr glaube ich, dass bei einer anonymen(!) Umfrage schnell herauskäme, dass viele Deutsche in Deiner Stadt auch die Schnauze voll haben von Multikulti. Nur öffentlich äußern tun es viele nicht, da man dann quasi zum “Abschuss” freigegeben wird und irgendwelche Antifa-Spinner das eigene Häuschen entglasen.

  12. Frank Berghaus meint:

    @Brandbombe:

    Was um alles in der Welt verstehen Sie denn unter einem Humanisten? :D

  13. Brandbombes Welt.
    Die Brandbombe hat in seinem eigenen Kopf gezündet.

    Deine Logik ist absurd, die “Schlussfolgerungen” lächerlich. Ich hoffe, Du erwartest darauf keine ernsthafte Antwort.

    Das ist also die Antwort auf meine Argumentation. So geht es bei der SA: Sie prügelt den Gegner einfach zusammen; da braucht es keine Argumentation. Die Cyber-SA macht das verbal. Wumm!

    Doch, Brandbombe, ich ERWARTE eine ernsthafte Antwort.

    In München herrscht wie überall bei uns das Wahlgeheimnis. Also, in der Wahlurne kannst du alles riskieren. Fast 90% der Münchner werden im Herbst die Parteien des multikulturellen München wählen: CSU, SPD, Grüne, FDP, Die Linke, Freie Wähler, ÖDP. 10 oder 12% könnte die AfD auch in München schaffen. weniger jedenfalls als auf dem Land oder in den Kleinstädten. Die Regel ist: Je höher der Anteil an Migranten, desto schlechter das AfD-Ergebnis. (Ausnahmen bestätigen die Regel.)

    Das Problem, das in München die Feinde der multikulturellen, bunten Stadt haben, ist: Wir wissen hier, was uns stark macht – und lassen es uns nicht von Idioten kaputt machen. Das lassen wir dann die xenophoben Hetzer bei Gelegenheit merken. Mit Blicken, Kopfschütteln, Schulterzucken, oder einer knappen Bemerkung.

    Es ist, wie wenn sich einer homophob äußert. Er kommt damit normalerweise in München nicht gut an.

    - Das schüchtert natürlich ein. Solche Einschüchterung kommt nicht von den paar wenigen Antifa-Spinnern her.

    München ist nun mal multikulturell und will es auch sein.

    Wenn 10 oder 15% dazu nein sagen – ja mei. Damit werden wir leben können. Es sind eh meist alte Leute, die es nicht so gewohnt sind.

  14. Frank Berghaus meint:

    Anscheinend ist Brandbombe ja des Lesens unfähig wie man unschwer an seinen “Antworten” erkennen kann. Also nützt es wohl auch wenig, wenn ich ihm aufklärende Lektüre zum Humanismus gäbe. :D

  15. Brandbombe ist die selbe etwas wirre und unsittliche Person, die ich schon öfters rausgeschmissen habe, und jetzt wieder. Aber es ist doch auch immer mal wieder nett, einem solchen Perversen zu antworten. Denn: Auch Perverse sind Menschen.

    Vermutlich ein verbitterter älterer Ruhrpottler. Ein armes Schwein.

    Kann sich jetzt aufgeilen an den AfD-Prozenten.

    Ich erinnere mich an mein Pegida-Erlebnis in Dresden vor zwei Jahren: lauter alte Männer.

  16. Frank Berghaus meint:

    Und ich dachte, die dritte Option beträfe “Diverse” und nicht “Perverse”. :D

  17. Er hat schon wieder pervers zugeschlagen. Bzw. es versucht. Ich zieh da ganz einfach die Bremse und schmeiß das Schwein raus.

  18. Frank Berghaus meint:

    Viel Vergnügen in Wien, der derzeit lebenswertesten Stadt. Kleiner Tipp: nicht nur der Stephansdom ist interessant :D

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