Österreich geht vor Putin in die Knie

oesterreichDas ist gerade Thema Nummer 1 hier in Wien, hier in Österreich. Auch wenn es mein Blog-Thema nur streift – ich kann’s nicht lassen, ich muss einfach …

… den Knicks kommentieren.

Der war NATÜRLICH nur tanzkursgemäß. Gaaanz privat. Wie es sich eben nach einem Walzer gehört: Die Dame knickst tief vor dem Herrn.

So versteht das die Hälfte der Österreicher – und versteht die Welt nicht, dass die das nicht versteht.

Es war doch nur privat. Und nur einfach wie es sich gehört.

Und überhaupt, es ist doch eine Ehre für Österreich, wenn es mit Russland einen Walzer tanzen darf. Und wenn Russland nach Österreich kommt, um dem kleinen Land die Ehre eines Hochzeitsbesuchs zu gewähren.

Womit wir bei der Widerlegung der Behauptung sind, dass ein Besuch von Putin bei der Außenministerin von Österreich eine Privatangelegenheit sein könnte.

Sie könnte es wohl nicht einmal sein, wenn man das ganz ohne Medien gemacht hätte. Ohne öffentliche Bilder. Den Knicks vor Putin wird die Welt nicht vergessen.

(Nebenaspekt: Österreichische Medien waren nicht zugelassen. Nur Russia Today durfte drehen. Bei der Hochzeit einer österreichischen Ministerin in Österreich …)

Österreich gehört also nun wie Ungarn ins Lager von Putin. Ist kein Brückenbauer, sondern schlicht im Gefolge des russischen Autokraten, des Demokratie- und EU-Feinds.

Gut, dass man das jetzt weiß. Dass man dafür jetzt das unvergessliche Bild hat.

Was diesen spektakulären Event fürs Blogthema relevant macht, ist der Autismus.

Der AUTISMUS.

Gesellschaftliche Probleme erkennt man nur, wenn man sie sich nicht nur mit den eigenen Augen anschaut, sondern  auch mit denen der anderen Beteiligten.

Das, genau das verweigern die Rechtspopulisten und Linkspopulisten, die Sektierer aller Art, die Fanatiker und Obsessiven, die Tabu-Errichter und Egomanen und Gruppomanen, die Nationalisten und die Fundamentalisten.

Sie schließen sich in ihre Weltsicht ein. Gewähren der Sicht der anderen auf sich und auf die gemeinsamen Angelegenheiten keine Chance.

Ein großer Teil der Österreicher weigert sich zur Kenntnis zu nehmen, dass DER REST DER WELT (einschließlich Russlands) den tiefen Kniefall der österrreichischen Außenministerin vor dem Autokraten Putin nicht einfach nur oder überhaupt nicht als Teil der Tanz-Etikette sieht. (Eine Außenministerin und ein Präsident sind nun mal keine Privatpersonen, wenn sie für die Öffentlichkeit gefilmt werden.)

Ein großer Teil der Österreicher allerdings läuft Sturm gegen diesen Autismus. Grade in Wien merkt man, wie weltbürgerlich Österreich eigentlich ist.

Ich mag die Österreicher. In ihrer Widersprüchlichkeit und Gegensätzlichkeit. Ich fühle mich hier zuhause.

Themenrelevant:

Die FPÖ (auf deren Vorschlag hin die Außenministerin ihr Amt bekommen hat) lebt ganz von der Xenophobie.

Die FPÖ ist ganz offiziell verbündet mit Putins Partei. Vertragsförmig.

Die FPÖ steht offen und unbedingt auf Putins Seite und macht daraus kein Hehl.

Die FPÖ ist Teil der österreichischen Regierung.

Die FPÖ sorgt dafür, dass der österreichische Geheimdienst mit Moskau kooperiert – also vom Zugang zu westlichen Geheimdiensten abgeschnitten werden musste.

Woraus folgt: Österreich gehört heute wie Ungarn und nun wohl aktuell bald auch Italien zu Putins Lager. Putin arbeitet an der Zerstörung der EU … Die einzelnen Nationen kann man gegeneinander ausspielen – die EU insgesamt ist für Russland zu stark dafür.

Putin unterstützt massiv alle rechtspopulistischen, migrationsfeindlichen, kultur-reaktionären Parteien und Regierungen.

Womit wir dann wirklich wieder bei unserem Blog-Thema sind.

Geschrieben in Wien, Favoriten, am Reumannplatz.

Kommentare

  1. Korbinian meint:

    Tja… was machen jetzt eigentlich die Migrationsfeinde die von Putin eher gar nichts halten? Die werden ja dadurch sehr stark marginalisiert.

  2. Falstaff meint:

    Lief gestern Abend in einer Nachrichtensendung ARD oder ZDF.
    Selten so etwas peinliches gesehen.
    Auch die Anwesenheit von Herrn
    Kurz war befremdlich, DER hielt
    sich aber (aus gutem Grund)
    etwas entfernt von der
    “Szenerie” auf…

  3. Korbinian meint:

    Wir haben unseren Schröder, nicht vergessen. Und Österreich ist zum Glück nicht in der NATO.

  4. Schröder hat hierzulande jede Reputation eingebüßt. Er hat sich selbst zum Putin-Höfling degradiert.

    Ich hatte ihn früher mal durchaus geschätzt. Seit seiner Huldigung gegenüber Erdogan (da ging es um die Verleihung eines Preises für Toleranz und Menschenwürde) und seiner Huldigung gegenüber Putin (= “ein lupenreiner Demokrat”) ist der Mann für mich politisch unmöglich.

    Apropos Kniefall:
    Kneissl verzeichnet Einbußen in ihrer Reputation in Österreich selbst; ca. 33% der (befragten) Österreicher fanden ihre Einladung an Putin nützlich und gut für Österreich (nicht gefragt wurde, ob sie auch den Kniefall so positiv einschätzen), 31% fanden den Putin-Besuch schädlich, ein Drittel in der Mitte zuckt mit den Schultern und weiß entweder nicht so recht oder meint, es sei doch egal.

    Sehr populär ist und immer noch populärer wird Kanzler Kurz. Selten war ein österreichischer Bundeskanzler so beliebt wie Kurz. (Die Österreicher vergleichen hier mit Bruno Kreisky, den bisherigen Spitzenreiter auf der Popularitätsskala.)

    Wie lange wird das anhalten? Ich kann nicht sehen, wie im Falle von Kurz die Popularität gerechtfertigt sein könnte. Er schadet Österreich. Er schwächt Österreich. Wollen die Österreicher wirklich Vasallen von Putin sein? An der Zerstörung der EU mitarbeiten?

  5. Putschdämon meint:

    Leo, aufgrund deiner wohl authentischen Abneigung gegen Erdogan nehme ich dich da raus, ich mag Konsequenz und verachte Heuchelei, lagerübergreifend. Aber grundsätzlich: unserer in jeder Hinsicht tölpelhaften Regierung samt Presseorganen kaufe ich ihren Putin-Hass nicht als aufrechte Tyrannophobie ab, dafür sind sie dem Irren vom Bosporus (no BILD fan übrigens) zu verdächtig milde gestimmt, der m.E. der wahnsinnigere von beiden und für uns in concreto auch gefährlicher ist. Deswegen bin ich “dem Russen” genauso zurückhaltend kritisch gegenüber wie du etwa “dem Moslem”.

  6. Putschdämon,

    weder Merkel noch ich sind – hoffentlich – “tyrannophob”.

    Phobien sind seelische Krankheiten.

    Ich würde, wäre ich Bundeskanzler, kühl und selbstbewusst Tyrannen anlächeln, mit ihnen konferieren, Vereinbarungen eingehen, am Ende bei der Pressekonferenz nett sein …

    Wer ist für uns gefährlicher, Putin oder Erdogan?

    Ich würde sagen: Putin. Weil er erstens mehr wirkliche Macht hinter sich hat – Rohstoffe, Militär, schiere Größe; weil er zweitens sehr besonnen, intelligent, gut kalkulierend vorgeht, anders als der wüste Pöbler und Berserker Erdogan.

    Ich halte sehr viel von meinem Todfeind Putin. Ich respektiere Qualität.

    Ein Feind von hoher Qualität ist in der Regel gefährlicher als ein Feind, der auch noch ein Depp ist.

    Putin: Er tut, was er kann, um Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, europäische Kooperation, liberale Kultur, Multikulturalität zu zerstören.

    Wofür steht die Wirtschaft in Russland? – Man könnte sie als Vampirismus bezeichnen – Oligarchen, mafiös mit dem Staat verbunden, saugen das Land aus. Die Bürger kennen es nicht anders, lassen es über sich ergehen und trösten sich mit Weltmachtstolz und der antiwestlichen Propaganda, nach der wir hier im Westen im Elend leben, terrorisiert von Kriminalität und kriminellen Ausländern, aber zu degeneriert, um uns gegen sie zu wehren.

    Putin unterstützt unsere rechtsradikalen und rechtspopulistischen Parteien. Er verbündet sich mit den Rechtspopulisten, die in den Regierungen sitzen. Sein strategisches Ziel ist: Europa soll so kaputt werden, wie Russland es schon ist.

    Also, meine Würdigung von Putin als einen klug strategisch und taktisch planenden und handelnden Staatsmann bedeutet nicht, dass ich für ihn Sympathie empfinde. Er ist mein Feind.

    Ist das, was ich jetzt über Putin und Russland geschrieben habe, nun “phobisch”, Putschdämon?

    Erdogan kann uns nicht viel tun. Putin kann uns wirklich gefährlich werden – gerade jetzt, nachdem Trump den Westen als Bündnis zerstört und Europa sich spaltet.

    Ich würde meine Einschätzung Russlands und der Gefahr, die von Russland ausgeht, als kühle, nachdenkliche Analyse bezeichnen.

    Und die Art, wie Merkel und Maas und Steinmeier damit umgehen, als einigermaßen professionell.

    Wenn man in einem Spiel eher mittelmäßige Karten hat, schaut man halt auch eher mittelmäßig aus. Auch ein guter Spieler kann mal schlechte Karten haben.

    Was sollte Berlin in Bezug auf Moskau deiner Meinung nach anders machen?

    Die Sanktionen aufheben? – Würde ich nicht empfehlen.
    Den Russen die Ukraine in den Rachen werfen? – Würde ich für eine Katastrophe halten.

    Meine Empfehlung – längerfristig:
    (1) Machen wir uns unabhängig von Energie-Importen aus dem Nahen Osten, den USA und Russland. Werden wir radikal grün in dieser Hinsicht.
    (2) Halten wir als Europäer zusammen – gegen die USA, gegen Russland, gegen China.
    (3) Entwickeln wir ein europäisches Militär, das die drei Feinde Europas berücksichtigen müssen.
    (4) Bewahren wir die Institutionen der europäischen Aufklärung.
    (5) Suchen wir Wege, die afrikanische Katastrophe zu stoppen: Schluss mit der von der EU immernoch betriebenen neoliberalen Zerstörung der afrikanischen Wirtschaften, die immer größeren Flüchtlingsdruck erzeugt.

    Schluss für heute. Morgen bin ich in Wiener Neustadt, computerlos. Am Donnerstag bin ich wohl wieder im Internetshop in Wien, 10 Favoriten, zugange.

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