“Pegizei”

rechtSachsen. Sächsische Polizei. Sächsische CDU.

Ich verfremde den allbekannten Fall etwas. Stellen wir uns vor:

Ein etwas dunkelhäutiger junger Mann hat grün und überquert die Straße auf dem Zebrastreifen. Die Ampel steht auf Grün. Eindeutig.

Ein xenophober Pöbler stürmt ihm entgegen und schimpft: Sie dürfen hier nicht rübergehen! Ich zeige Sie an! Gehen Sie mit mir zur Polizei!

Der junge Mann ist irritiert, lehnt natürlich ab. Bitte lassen Sie mich weitergehen!

Ein paar Polizisten stehen in der Nähe. Sie kommen herbei – der Pöbler zeigt den jungen Mann an wegen illegaler Überquerung der Straße.

Was machen nun die Polizisten? – Sie weisen nicht den Pöbler ab. Sie wenden sich dem jungen Mann zu. Er soll sich ausweisen. Er zögert, macht das dann aber. Die Beamten sind immer noch nicht zufrieden. Sie fordern den jungen Mann auf, sich nocheinmal auszuweisen. Das ganze dauert dann 45 Minuten.

Die Anzeige gegen den jungen Mann geht ihren Gang … wird natürlich niedergeschlagen, aber immerhin, der Pöbler hat sein Ziel erreicht, er hat den etwas dunkelhäutigen Fremden erfolgreich belästigt – mit polizeilicher Hilfe.

Die Polizei antwortet auf Kritik: Da lag eine Anzeige vor, also mussten wir doch den jungen Mann um seine Papiere bitten.

Der politisch Verantwortliche stellt fest: Die Polizisten hätten genau richtig gehandelt.

Es ist jedem, auch jedem Polizisten bekannt, dass eine öffentliche Demo gefilmt werden darf. Das Kamerateam darf seine Kameras auf den vorbeiziehenden Zug richten; für den Fall, dass sich im Zug besonders Interessantes findet, darf sie auch hineinzoomen.

Wirklich, jeder Polizist weiß das. Und schon gar, wenn er im Einsatz bei einer Demo ist.

Wie kommt die Polizei Sachsens und wie kommt der Ministerpräsident Sachsens dazu, so zu tun, als ob das unklar wäre?

Die Polizei muss im vorliegenden Fall den Pöbler zurechtweisen. Der Pöbler muss sich ausweisen. Die Anzeige gegen das Fernsehteam ist von vorne herein als unsinnig einzuschätzen. (So, wie in meinem Beispiel oben die ordungsgemäße Überquerung bei grün nie und nimmer Anlass einer Anzeige sein kann.)

Womit wir es also zu tun haben, ist eine Polizeischikane gegen die Medien.

Die sächsische Polizei führt uns allen vor, dass sie auf der Seite Pegidas steht und die Medien als “Lügenpresse” sieht.

Wäre es nicht so, würden sich Polizei und Polizeiführung und Innenminster und Ministerpräsident anders äußern.

Wirklich witzig wird der Fall nun, nachdem sich heráusgestellt hat: Der Pegida-Pöbler ist selber Sachbearbeiter bei der Landespolizei.

“Pegizei”. Es ist ja nun nicht der ersten Fall, bei dem uns die fatale Nähe der sächsischen Polizei zu Pegida auffällt.

Geschrieben in Wien, Favoriten, in einem Shop am Reumann-Platz.

Kommentare

  1. Freche und arrogante Journalisten, die eh nur negativ über Pegida berichten, wurden mal ein bisschen zurecht gewiesen. Na, und?

    Auch als Demoteilnehmer muss man sich keine minutenlangen Portrait-Aufnahmen gefallen lassen, zumindest nicht, wenn man einfach normal an einer Demo teilnimmt. Da wird sehr wohl unterschieden. Es ging nicht um allgemeines filmen.

    Das einige Beamte Pegida möglicherweise gut finden, ist nachvollziehbar und auch OK. Jeder Beamte ist auch zugleich Bürger.

    Und das der Typ mit dem Deutschland-Hut beim LKA arbeitet – ja, warum auch nicht? Der darf ebenso für seine politischen Überzeugungen demonstrieren wie jeder andere auch, sofern er sich dabei nicht strafbar macht, was nicht der Fall ist.

    Kannst also ruhig weiterheulen, Brux. Ändern wird sich nichts :P

  2. Brandbombe, wieder. Unser Stalker.

    Wünscht sich russische und ungarische und türkische Verhältnisse bei den Medien. DAS VOLK bzw. der charismatische Führer des Volkes bestimmt, was berichtet wird.

    “Lügenpeggis” Darstellung des Vorfalls widerspricht den Fakten. Aber was zählen schon Fakten? Trump macht uns vor, wie man sich durch notorisches Lügen zumindest für eine bestimmte Zeit erfolgreich durchsetzt.

    Ändern wird sich nichts? – Grade ein Revolutionär wir du, Peggi-Brandbombe-… möchte doch, dass sich was ändert, oder? Warum also plötzlich so pessimistisch?

    Der Pegida-Pöbler von der Landespolizei wird vermutlich nicht ungeschoren davonkommen. Die sächsische Polizei wird noch zwei, drei, vier entlarvende Aktivitäten zustandebringen – irgendwann wird der Bund eingreifen müssen, um hier die Notbremse zu ziehen, wenn Sachsen es nicht selber auf die Reihe bringt. Im übrigen kann sich Sachsen ja entscheiden, aus der Bundesrepublik auszutreten und sich Polen und Ungarn anzuschließen, falls den Sachsen das GG nicht mehr passt und sie unbedingt Orbans illiberale Demokratie einführen wollen.

  3. Korbinian meint:

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