Chemnitz und die “Messermänner”

asyl“Messermänner” -  gibt es. Leider. Ein paar.

Es gibt hunderttausende junger männlicher Flüchtlinge in Deutschland, die in Asylunterkünften leben müssen, nichts zu tun haben, auf den Straßen und Plätzen herumlungern – und einige von ihnen werden zum Problem.

Manche müssen den muslimischen Macho spielen, voller Verachtung für unsere nicht-patriarchalische Kultur.

Manche werden übergriffig, vor allem gegen Frauen.

Manche werden kriminell: sie rauben, stehlen, dealen.

Einige wenige von ihnen werden gewalttätig, bis hin zu Mord und Totschlag.

Emma” lässt ein paar Chemnitzerinnen ihr Leid darüber klagen. Lässt sie ihre Wut öffentlich machen.

„Für Frauen ist das Leben gefährlicher geworden. Aber das sind ja nur wir Frauen. Wir sollen uns nicht so anstellen. Ich habe Angst um meine Töchter und um meine Schulkinder. Vor allem die Mädchen. Diese jungen Männer haben nichts zu tun. Sie haben ein sehr abwertendes Frauenbild, sind sexuell aufgeladen, und es gibt für sie kein Korrektiv.“

Und welche Konsequenzen hat das zum Beispiel in Chemnitz? „Schwerwiegende!“ sagt Frau W. „Im vergangenen Jahr wurden mehrere meiner Schulkinder sexuell belästigt, eine Schülerin beinahe vergewaltigt – von genau diesen jungen Männern. Sicher, so etwas machen Deutsche auch, aber macht das die Sache besser? Entschuldigt das irgendetwas?

In diesem Ausmaß gab es bis zu den Flüchtlingen 2015 jedenfalls keine sexuellen Übergriffe in Chemnitz. Es gab auch weniger Drogenhandel und Diebstahl, und es wurde niemand angetanzt. Schüler von mir wurden schon mehrmals abgezogen. Mit gezogenem Messer wurde ihnen das Handy, der Geldbeutel oder Markenkleidung entwendet.“

Rechnen wir mal das Hysterische, das Übertriebene ab. Dass Chemnitz so unsicher geworden sei, kann nicht stimmen. Es mag subjektiv für einige so schlimm sein, aber wieviel Xenophobie und Paranoia spielen bei solchen subjektiven Wertungen mit?

Wir sollten uns von Gefühlsausbrüchen nicht die Besonnenheit rauben lassen. Was wir da vorgesetzt bekommen, sind Mob-Gefühle.

Trotzdem weisen diese wütenden Chemnitzer Bürgerinnen auf ein objektives Problem hin.

Nehmen wir einmal an, es gebe in Chemnitz 1.000 junge Männer, die in ihren Unterkünften sitzen, warten – und nichts zu tun haben. Monatelang. Sie dürfen nicht arbeiten. Angebote, etwas anderes zu machen, scheint es auch wenig zu geben …

Die Hälfte von diesen 1000 Männern hält das aus. Leidet – und akzeptiert.

Die andere Hälfte wird nach und nach auffällig. Übergriffig. Sie hält diese Situation nicht aus.

Von dieser unruhig und übergriffig werdenden Hälfte wird dann der eine oder andere kriminell, der eine oder andere auch gewalttätig.

Das muss sich eine Stadt nicht gefallen lassen. Einerseits. Dieses Bild fremder, machomäßig auftretender, herumlungernder junger Männer in manchen Ecken der Stadt wirkt auch auf mich beunruhigend. Unheilschwanger.

Was tun?

Es gibt auf diese Frage eine naheliegende Antwort:

Wir müssen die Unterbringung der Asylbewerber in der Wartezeit so organisieren, dass diese jungen Männer sinnvoll beschäftigt sind.

Das kann nützliche Arbeit sein, bei der sie etwas lernen und bei der sie etwas Geld verdienen können.

Das können auch sportliche Aktivitäten sein, oder kulturelle oder soziale. 

Bei jedem einzelnen der Flüchtlinge kann man herausfinden, was für ihn passt. Und dann dafür sorgen, dass er in dieser Hinsicht aktiv werden kann.

Ein Modell, an das ich dabei denke, ist “bunt kickt gut” in München. Es gibt tausende von praktischen Beispielen in Deutschland, die als Vorbild für Chemnitz dienen könnten – wenn die Landesregierung und die Stadtpolitik die Sache ernst nähmen.

Aber was machen Stadt und Land? Kaum etwas. Man lässt die jungen Männer herumlungern und sorgt dafür, dass sie nichts Sinnvolles tun können.

Das Resultat kennen wir.

Gut für die Rechtsradikalen ist dieses Resultat allemal. Aber nicht für die demokratischen Parteien, die dabei Ansehen und Wähler verlieren.

Warum macht man das Naheliegende nicht?

Aus Dummheit?

Weil man die Flüchtlinge ja möglichst abschrecken will? Also leiden lassen will?

Kommentare

  1. Ich war 2016/17 häufiger in Chemnitz unterwegs, auch nachts in der Innenstadt. Keine Spur von Bedrohung durch junge Zuwanderer, von denen einige vor meinem Hotel und am Stadthallenpark gegenüber herumhingen. Angst machten mir die vielen Berichte von politisch Engagierten über die nächtlichen Überfälle von Neonazi- Gruppen aus dem Umland z.B. auf „linke“ Kneipen und Kulturzentren. Ich hatte Glück, dass ich diese Typen nur von weitem gesehen habe und ihnen aus dem Weg gehen konnte. Das ist in vielen ostdeutschen Städten eine echte Bedrohung, die ich leider schon einige Male erleben musste.

  2. Ich vermute das Gleiche wie Robert.
    Aber immerhin sind aktuelle 50.000 auf dem Konzert in Chemnitz gegen Rechts. Das ist vermutlich ziemlich wichtig, denn über Kultur schafft man mehr als mit direkter Politik. Und es zeigt wieder mal, dass die Rechten kulturell nichts auf die Reihe kriegen, überhaupt nichts und noch nie. Vermutlich sind sie deshalb rechts.

  3. Klar, dass wir – links, politisch engagiert – eher von Rechtsradikalen physisch bedroht sind.

    Aber wie sieht das für junge Frauen aus? – Ich frage mich, ob die Frauen, die sich hier in der Emma-Reportage – allerdings ziemlich hysterisch – äußern, nicht auch ein wenig recht haben. Denken wir an das Kölner Silvester-Drama. Es steht nicht allein. Ich traue jungen verwahrlosten Männern nicht. Es ist mir schon klar, dass diese Verwahrlosung ihre Ursachen hat. Das ist ja auch Thema in meinem Artikel. Aber destruktiv ist nun mal destruktiv – und wenn auch nur ein kleiner Prozentsatz der Chemnitzer Frauen tatsächlich üble Erfahrungen macht – das spricht sich herum und sorgt für Verunsicherung.

    Ich erinnere mich an etwas, das mir vor ca. 30 Jahren eine meiner Schwestern erzählt hat. Sie hat in Köln als Altenpflegerin gearbeitet und ist jeden Abend etwa um halb 7 nach Hause gegangen. Dabei musste sie eine Straße entlang gehen, die voller türkischer Geschäfte und Gaststätten war – und die um diese Zeit auch stark von Türken frequentiert wurde (wenn ich mich recht erinnere: die Kalker Hauptstraße). Fast jedes Mal, so hat mir meine Schwester erzählt, fast jedes Mal wurde sie angemacht. Angequatscht. Ob sie nicht … Gelegentlich wurde sie sogar angegrapscht. Klar, eine junge schöne deutsche Frau, allein, am Abend … in einer Straße, in der lauter türkische Männer zugange sind … Da kann eine Frau doch nur eine Hure sein!

    Nun war und ist meine Schwester so wenig rassistisch geneigt wie ich. Sie hatte absolut nichts gegen Türken. Aber es ist ihr mächtig auf die Nerven gegangen. Diese Scheißtürken, hat sie gesagt, sie hat sich schon überlegt, ob sie sich nicht einen Freund anlacht, der sie dann abends immer mit dem Auto nach Hause fährt, um diesem Spießrutenlauf durch die türkische Machomeile zu entgehen.

    Nun, das mit den Türken hat sich mit der Zeit gegeben. Sie haben sich allmählich angepasst, ich vermute, mit Türken gibt es schon lange dieses Problem nicht mehr. Aber jetzt eben mit Leuten aus dem arabischen Raum. Marokko und Algerien, Irak und Syrien. Viele dieser jungen Männer haben noch nicht kapiert, was sie da anrichten, wenn sie sich so daneben benehmen. Vermutlich verstärkt ihre Religion noch die Neigung bei manchen, deutsche Frauen für Huren zu halten.

    Wie groß, wie verbreitet ist dieses Problem?

    Ich traue den subjektiven Äußerungen der Frauen von Chemnitz nicht. Aber ich traue auch nicht denen, die diese Sache einfach mal herunterspielen wollen und so tun, als ob da nichts wäre.

    Alles in allem bin ich mir in meiner Einschätzung nicht sicher.

    Was einem nicht passt, schiebt man gern weg. Ignoriert man gern. Spielt man gern herunter. DEN Fehler möchte ich gern vermeiden.

  4. Ja, sicher, es gibt Probleme. Aber auffällig ist das viele Hörensagen, dem man entgegentreten sollte.

  5. Das Problem, das in Chemnitz offen zutage tritt, ist die Verbrüderung von AfD und Nazis und besorgten Bürgern. 8000 Leute nehmen an einer Demo teil, bei der die Nazis unüberhörbar und unübersehbar sind. Es stört niemanden. Selbst danach ist es den Leuten egal. Gleichzeitig beschweren sie genau diese Bürger darüber, dass man sie mit Nazis in Verbindung bringt. Es scheint dort normal zu sein.

    Interessant wären psychologische Analysen zu diesen Leuten. Es sind, vermute ich, Schreie nach Liebe. Sie wollen Anerkennung von den Wessis, vom Establishment, autoritäre Persönlichkeiten, die beim kleinsten Problem nach unten treten. Und Autoritäre haben keine Probleme mit Nazis, höchstens ästhetische. Das erklärt auch die wahnsinnige Selbstgerechtigkeit. Ich werde nicht geliebt, woran die Schuld sind, die mich lieben sollen. Sie sollen mich aufwerten, weil ich selbst nichts darstelle. Und wenn das zusammenkommt, dann trete ich eben nach unten.

  6. Ja, das findet man oft bei instabilen Persönlichkeiten. Sie machen genau das unmöglich, was sie brauchen und suchen. Sie verhalten sich systematisch und kategorisch kontraproduktiv.

    Im individuellen Fall bietet man dann eine Moderation oder eine Therapie an.

    Was tun im Fall Sachsen?

    Mein Vorschlag: Da sie sich in Deutschland nicht integrieren wollen, sollen sie sich selbstständig machen. Und dann (wie Ungarn oder die Türkei) sich Putin an den Hals werfen, die Grenzen dicht machen, am besten auch noch aus der EU austreten, damit das radikal genug zu machen ist (siehe Englands Brexit-Motivation).

    Ich lese gerade, dass der Ausländeranteil in Sachsen bei entsetzlichen 4,4% steht – grauenhafte 0,2% mehr als letztes Jahr. Das ist natürlich nicht auszuhalten. Da kann man nur versuchen, Revolution zu machen gegen die Verbrecherin Angela Merkel und ihre deutschlandverräterische Regierung. Sonst kriegen wir hier in Sachsen ja Verhältnisse wie bei euch in Bayern, wo der Ausländeranteil schon unerträgliche 12% beträgt. Und dann München – 27%! Ist das noch eine deutsche Stadt? Dazu kommen ja noch die verdeckten Ausländer, die sich einen deutschen Pass erschlichen haben, mein Gott! Deutschland schafft sich ab!

    Der in unverantwortlicher Weise hochgetriebene Ausländeranteil in Sachsen, der das Land schon heute zur kriminellen Hölle macht (siehe Chemnitz!) und wo man sich als Frau heute kaum noch auf die Straße traut, muss unbedingt gesenkt werden. Am besten gegen null. Damit wir in Sachsen uns wieder sicher und zuhause fühlen können!

    Wenn das nur geht durch Austritt aus Deutschland und aus der EU, dann müssen wir Sachsen eben diesen Weg gehen!

    Ob ich damit den Sachsen aus dem Herzen spreche?

    Ich nehme an, sie verfolgen eine andere Strategie. Deutschland soll Sachsen werden! München soll Dresden werden. Ausländer raus, überall in Deutschland. Sachsen versucht Deutschland mit seiner Krankheit anzustecken.

    Ich hab mich mit einem Taxifahrer in München unterhalten. Der hat mir erzählt: Früher haben seine aus Sachsen stammenden Kunden noch locker über ihre Herkunft gesprochen. Inzwischen ist es ihnen peinlich, wenn man merkt, dass sie aus Sachsen kommen. Sie versuchen es zu verbergen.

    Ausländerstatistik Sachsen

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